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Die Stimme · 1937-02-09 · Heft 618 (9.2.1937) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 618 (9.2.1937)
Date
1937-02-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 Dil STIMM! Nr. 618. Wien, Dienstag, 0. Februar 198T. sehen Prophetie“ findet in einem kleineren Rahmen statt. Darum empfiehlt es sich, harten rechtzeitig zu sichern. Karten erhältlich: Im Zionistischen Landesverband, /., Marc-Aurel-Straße Nr. 5, U-22-2-11; in allen Bezirkssektionen; W1ZO, l., Schottenring 25, A-ll-6-26; Bücherstube Lanyi, /., Kärntnerstraße 44, B-26-3-33; Bücherstube Löwit, L. Wollzeile 6, R-25-4-53; Jüdische Kultur st eile, l., Franz-Josefs-Kai Nr. 3, R-28-2-36; Bücherstube Rath, //„ Tabor Straße 20a, R-45-305; Papiergeschäft Drimmer, 1., Schottenring 33, A-12-7-78; Kartenzentrale Gronner, I., Graben Nr. 28, U-22-4-45. letzt erst recht! Herr von Butlay-Goldberger hat im Budapester Assimilantenblatt „Egyenlöseg“ und im „Pester Lloyd“ vehemente Angriffe gegen den Zionismus gerichtet. Alle Register der Diffamierung wurden in diesem Artikel aufgezogen, der nicht nur unter den ungarischen Zionisten, sondern auch in der Judenschaft außerhalb Ungarns größte Empörung hervorgerufen hat. Herr von Buday-Goldberger scheint das selbst peinlich empfunden zu haben, denn er fühlt eich bemüßigt, im „Egyenlöseg“ und im „Pester Lloyd“ nochmals das Wort zu der Sache zu ergreifen. Es gibt Menschen, die, wenn sie etwas Unrechtes getan haben, das gerade heraus eingestehen, aber es gibt auch Mensohen, die in einem solchen Fall nervös — und eich in ihrer Nervosität verraten und erst recht wild werden. Zu der zweiten Sorte gehört Herr von Buday-Goldberger. Er rühmt sieh, Hunderte von zußtimmenden Zuschriften zu seinem Artikel bekommen zu haben, merkwürdigerweise hat er aber zu diesen zustimmenden Zuschriften nur zu sagen, daß er — kein Wort von dem zurücknehme, was er geschrieben habe. Es ist nicht verständlich, daß jemand, dem man zustimmt, unterstreicht, er bleibe bei seiner Meinung. Das pflegt man doch eher dann zu sagen, wenn die Zuschriften nicht zustimmend gewesen sind. Aber Herr von Buday-Goldberger verrät sich, vielmehr den wahren Inhalt der ihm zugekommenen Briefe, noch an zwei anderen Stellen seiner Erklärung. Zunächst einmal stellt er fest, daß er sich zu seiner Erklärung angesichts der Tatsache veranlaßt gesehen hat, daß der Zionismus immer weitere Kreise des ungarischen Judentums ergreife. Ob wohl diese sich ständig vergrößernden zionistischen.Kreise de« ungarischen Judentums Herrn von Goldberger zustimmende Briefe geschrieben haben? Dann aber erklärt Herr von Goldberger feierlich, er ziehe niemandes Patriotismus in Zweifel. In seinem Artikel hat er das aber sehr nachdrücklich getan? Er zieht es jetzt zurück. Warum wohl? Weil man ihm zu hunderten Briefe geschrieben hat, in denen sein Artikel gutgeheißen wurde oder vielleicht vielmehr umgekehrt darum, weil in diesen Briefen berechtigte Proteste gegen die von ihm ausgesprochene Verdächtigung weiter Kreise des ungarischen Judentums enthalten waren? Erzellenz von Buday-Goldberger hat ein Gewehr abgesc-hossen, es ist aber nach hinten losgegangen. Das ist klar und eindeutig aus seiner verlegenen Erklärung zu ersehen. Wir nehmen namentlich die Begründung seiner Aktion, wonach der Zionismus in Ungarn „gefährliche“ Kreise zieht, mit Vergnügen zur Kenntnis. In seinem Artikel hatte sich Herr von Goldberger gerühmt, „er“ werde es nicht zulassen, daß die ungarische Jugend zionistisch verseucht werde, er, der dieser Jugend sein Leben geweiht hat. Die jüdische Jugend Ungarns wird durch die Tat antworten. Was Herr Leo von Goldberger und was alle Goldbergers miteinander zulassen oder nicht zulassen wollen, ist heute völlig gleichgültig. Dynamische Kräfte wirken nach ihren ureigenen Kräften. Die jüdische Jugend Ungarns ist diesen dynamischen Kräften unterworfen, in ihr verkörpern sie sich. Sie hat auf Herrn von Goldbergers endlose Artikel nur einen Satz zu sagen: Gsak azört isl Jetzt erst recht! I b. h. Nationaler Boykott Als neulich meine Frau in ihrem Stamm* laden einkaufen ging, fiel ihr ein, daß sie ein Paket nach Wien zu versenden habe. „Könnten Sie mir“, fragt sie den Chef, „paar Bogen Packpapier geben,“ — «Oh“, sagt der freundlich, „bitte, nur zu nehmen, wieviel beliebt?“ — „Nein, nicht mit Ihrem Firmenaufdruck: besser hier das einfache Packpapier!“ — „Bedaure sehr, davon kann ich nichts entbehren.“ — „Ja, warum das nur?“ — Darauf schmunzelnd der Ghef: „Ist reserviert — für meine arabische Kundschaft!.. Jüdischer Steuerstreik Talpioth, Jerusalems idyllische Villegiatur, wird immer wieder aus ihrem Frieden aufgestört. Steht dort eine Gruppe von Häuschen, am Saum des Hügels, der zum Araberdbrf Zur Bahfr abfällt und an einen Platz angrenzt, wo — von einem vorsorglichen Waad gepflanzt — einmal der duftende Wald der Kolonie schatten wird. Einstweilen ist es mehr Sammelpunkt und Erholungsort für die Wüstenhunde, die sich — von nah und fern durch die mildherzigen Fraßspenden der jüdischen Hausfrauen angelockt, eingebürgert haben. Letzterzeit unheimlich vermehrt und durch den Vollmond oder die politische Lage irritiert, erheben sie Nacht für Nacht ein Jammergeheul. Die Männer der Wissenschaft in den Häuschen ringsum kommen um ihren Schlaf, sind verzweifelt und beraten mit dem Schomer. Der als reisiger „Gurdzi“, das heißt ein Stammesbruder aus Kurdistan, kennt nur einen Ausweg: das Hundszeug dezimieren, und klopft dabei stolz auf seine umgeschnallte Flinte. Der Waad aber, frug erst loyal die Polizei, welche aber jegliches Schießen verbot. Weshalb? Begründung fehlt nach englischer Art, doch man versteht: Die Vettern in Zur Bah'r dürfen nicht erschreckt werden; sonst könnten sie sich der „Fantasia“ von 1929 erinnern, als sie im Gefolge der Beduinen Talpioth geplündert haben. Den jüdischen Nerven mutet da ejne hohe Regierung schon mehr zu, da sie auch heuer den ganzen . Festmonat Ramadan die muslimischen K-artaunen lustig knallen ließ... Die wilden Hunde aber heulen inzwischen weiter, heulen immer lauter, da traten die erbitterten Gelehrten in den Steuerstreick, natürlich nicht gegen die Regierung,, wohl aber gegen die Schchunah. Die braucht das Geld. Nun steht der Waad vor einem schweren Problem: Was tun — die Hunde vergiften oder die Araber versöhnen? Meschiachs Zeiten Hitler hat Beinen Deutschen und weit darüber hinaus die Parole erteilt, daß Rassenreinheit, daß Absonderung von Volk und Volk der Ziele höchstes sei. Diese Parole haßvollen Eigendünkel« hat leider gezündet und droht, eine Welt zu entflammen. Dabei befand der Führer, die Juden als schreckhaftes Beispiel eines verkommenen Miscbvolkes, als „Köterrasse“ anzuprangen, und scheuchte sie über die Grenzen — nach Palästina zurück. Hier bieten nun die neuen Landsleute Stoff genug zu interessantem Studium. Daß man Bich in unseren jüdischen Quartieren nicht so ängstlich absohließt als etwa in einer europäischen Großstadt, erleichtert den Einblick. Am letzten Ärew Sabbath bei meiner Runde durch Talpioth kam ich auch an jenem Häuschen vorbei, worin eine Medizinalratswitwe aus Berlin mit emsiger Hingabe ihre bescheidene Pension führt. Unwillkürlich gucke ich durchs Fenster in die erhellte Stube. Dort sitzen sie alle beim Abendmahl um den Tisch herum und lauschen andächtig dem würdigen Greis, der — irgendwo aus tiefem Rußland her — über Karmelwein den Kiddusch macht. Und jener dort, der, das rituelle Käppchen aufgesetzt, am andächtigsten lauscht, ist — wenn Ibrs wissen wollt — ein baltischer Baron, der die Jüdin neben sich geheiratet hat und ihr hieher ins Heilige Land gefolgt ist. Gestern nachts erst waren sie mit ihrem Töohterchen in Bethlehem gewesen, in Jesu Geburtskirche der Weihnachtsfeier zu lauschen. Ist das nun Sodom und Gomorrha — verdorbenes und verderbliches Völkergemenge — oder nahen sich Meschiachs Zeiten, da Wolf und Lamm friedlich selbander weiden? Wie dem immer sei: „C'est la viel“ Tosca - Nini Als Meister Arfcuro Toscanini, von Huberman gelotst, endlich ans Land stieg, lohte schon der ganze Jischuw in freudiger Erregung. Am selbigen Tag mußte mir um meine Knochen bangen, als ich im Bus vernahm, wie ein Milchausträger in sprudelndem Jiddisch auf den Chauffeur einspraoh: Galt es doch, auch diesem Volksgenossen — einem ahnungslosen Jemeniten — klarzumachen, daß uns Juden das Glück geworden, „den greßten Row von die Spielers“ zu begrüßen. Und die Begeisterung stieg noch, als das neue „Philharmonische Orchester Palästinas“ unter Toscaninis Leitung, von Stadt zu Stadt eilend, in erlesenen Konzerten triumphierte. Der Meister wurde bejubelt, in Ansprachen und Zeitungsartikeln geehrt, mit einem Pardeß beschenkt: die schönste Gabe jedoch kam ihm aus dem ärmlichen Vorort Jerusalems „Makor Chajim“, zu Deutsch Lebensquell. Dort harrte an dem Abend, als Toscanini sein erstes Konzert in der Hauptstadt gab und alles, was nicht Zutritt gefunden, das Radio umdrängte, ein schlichtes Ehepaar der Geburt ihres Kindes — natürlich ein Bub! — entgegen. Und er sollte, wie einst die Juden, als Alexander der Große in Jeruschalajim einzog, ihre neugeborenen Söhne nach dem hohen Gast genannt hatten, Arturo heißen. Die Frau aber gebar- — das Konzert war noch im vollen Gang — zwei Töchter... Der wackere Vater ließ sich nicht verblüffen und hieß die quäckenden Konzertantinnen „Tosca“ und „Nini“. Falls die Royal Commission noch gezweifelt hatte, hier ist gleich ein doppelter Beleg für Erfindungsgeist und Schaffenskraft der Juden! «iipiiiiiiiimiiiimmnniniirmniiiiimiiiiinniiimminiiiinimiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiililiniliiinüllllllillinilUlllllllinili Iscad Von Alfred Werner Am Dienstag findet eine Vorlesung des Diohtere bei der Jugendgruppe des „Bnai Britb“ statt. Unzertrennbar verknüpft bat Gott seinen heiligen Namen mit dem winzigen Volk, das nach ihm sich benennt; wie ein Fürst an den kleinen Schlüssel von kostbarem Schatze sorglich die Goldkette hängt, die ihm das Kleinod bewahrt: also besorgte der Herr, in der Völker Meer zu verlieren leicht sein Kleinod, sein Volk, seiner Liebe Geschöpf — „Aber ICH halte es fest an MEINEM heiligen Namen: Ruf ICHS, so findet es sich; ruft es, so findet es MICH!i( Helft einem Blinden nach Erez Israel! Din blinder Jude, noch jung, im Besitz eines Zertifikats, der auf Grund seiner Fertigkeiten in Erez Israel eine Existenz haben könnte, kann die lang ersehnte Reise nicht unternehmen, weil er bisher außerhande war, die Reisekosten aufzubringen. Sein Zertifikat läuft bald ab und dann wird, wenn ihm nicht geholfen wird, seine einzige Lebenshoffnung zerstört. Er wendet sich auf diesem Wege an die jüdische Öffentlichkeit um Hilfe. Die Redaktion der „Stimme“ nimmt Spenden für ihn entgegen und erlegt sie zu seinen Gunsten im Palästina-Amt. Bur Trage {üdiseUer Kunst Nachstehende Zeilen wurden unter dem Eindruck eines Vortrages des bekannten jüdischen Wiener Kunsthistorikers Professor Dr. Max Eisler verfaßt. Zu Unrecht wird von Gegnern der Juden, ja auch in» gewissen jüdischen Kreisen, die Tatsache jüdischen künstlerischen Schaffens in Frage gestellt. In geschichtlicher vorrömischer Zeit blühte die jüdische Töpferei, in römischer Zeit die Glasbläserei, später die Teppichweberei, die Goldschmiedekunst, die sich seit Friedrich n. aus Alexandrien über ganz Europa ausbreitete, und die jüdische Buchillumination, deren Blüte ins 14. und 15. Jahrhundert fällt; — sie war eine Großtat jüdischen Kunsthandwerkes. In der Baukunst-, zu der uns von gegnerischer Seite jede Begabung abgesprochen wird, waren es vielleicht die Juden, die zuerst den Kultbau der Basilika für ihre Gotteshäuser verwendeten (diese Frage ist allerdings noch nicht endgültig geklärt). In der Freskomalerei leisteten die Juden in der Synagoge Dura-Europas in Syrien im frühen 4. Jahrhundert Erstaunliches und es ist möglich, daß das noch vor der frühchristlichen Freskomalerei geschah. Im 16. Jahrhundert entwickelten die Juden einen ganz eigenen Zentralbau für ihre Synagogen. War die jüdische Kunst bis ins 18. Jahrhundert vornehmlich eine Sakralkunst, eine Gemeinschaftskunst gewesen, so wurde sie mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts eine Persönlichkeitskunst. Nur fünfzig Jahre brauchten die Juden, um sich die neue Technik vollends zu eigen zu machen, ja sie sogar zu überwinden. Pissarro in Frankreich, den C e z a n n e als den Vater des Impressionismus dankend anerkannte, Josef Israels in Holland und Max Liebermann in Deutschland: führende Maler Europas waren Juden. Von 1850 an blieben die Juden in der Kunst führend. Die Wiener Architekten L o o s, Strnad, Frank, der Bildhauer Ehrlich haben Weltruf und Weltbedeutung. Neue Probleme beschäftigen die Juden in Erez Israel. Erich Mendelsohn, den viele für den größten deutschen Baukünstler hielten, arbeitet jetzt dort. Die jüdische Architektur in Palästina bat bereits die Aufmerksamkeit der Welt erregt. Gegen Winterstürme und Hitze verstanden schon die Araber zu bauen — die übrigens historisch gesehen in Erez Israel wohl von islamisierten Juden abstammen! —, doch sie sahen in der Gasse mehr eine Kehrichtablage. Nicht so die Juden. Sie lieben ihre Heimat und wollen sie erleben. Die Bauten zeigen schon jetzt Eigenart; — an einen jüdischen Stil brauchen wir noch nicht zu denken, solange noch nicht alle Probleme des modernen Bauens am Land erprobt werden konnten. Anders ist es in der neuen Malerei Palästinas. Dort macht sich ein Mangel fühlbar: Die Maler mögen noch so palästinensisch empfinden, sie malen nooh französisch. Sache der nächsten Generation wird es wohl sein, einen freien jüdischen Geraeinschaftsstil zu schöpfen und zu entwickeln. Georg Berger. uiiitiiiiiuiiuiiiiiminmriiiiijiiiiiiiititiiiiiiiiiniiuiniiiiitiiiiiimiiiimiiuiiiiiiiiiiimtiiiiiitiiiitimtiiu Vortraf Dr. Tulo Nussenblatt: „Herzl und wir" Mittwoch, den 10. d., spricht um %9 Uhr abends im Cafe Residenz, III., Löwengasse 39, l>r. Tulo Nuss en- ‘ blatt über das Timm: „Dr. Theodor H er zl und wir.u Dee Oodcag Josef Kodeins faU ICadetH vor seiner Abreise nach Palästina über das l Rede oh dU (ÜdUcke fügend Heute, Dienstag/ im Großen Musikvereinssaal Platze für Jugendliche ausverkauft. Restliche Logensitze an der Abendkassa AMtofy u* bc&z Iscael Von Dr. E. M. Zweig (Jerusalem). Die Winterhilfe der Isr. Kultusgemeinde Wien 10 Ausspeisestellen zirka 170.000 Mittagessen, über 250.000 kg Kohle und Koks, zirka 2700 Lebensmittelpakete, ferner verschiedene Bekleldungsgegenst8nde, eine TmoShelmstütte für Kinder und To«- und Wirmestiiben wurden errichtet. Spendet reichlich I Postiparkaisenkonto B 29.659

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