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Die Stimme · 1937-02-09 · Heft 618 (9.2.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 618 (9.2.1937)
Date
1937-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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(Wien, Dienstag, 0. Februar 1087. — Nt. 618. Dü STIMMI 8ette 3 Dr. K, J. Graut Studentisches Leben an der Hebräischen Universität Jerusalem In einer Zeit, da jüdische Studenten an den verschiedensten Universitäten, vorzüglich Osteuropas, um ihres Judentums zu leiden haben, ja in ihrer geistigen Arbeit empfindlich gestört werden und zuletzt nicht selten gar Gefahren an Leib und Leben ausgesetzt sind, verdient die junge, stark aufstrebende Hebräische Universität in Jerusalem die besondere Beachtung und Teilnahme aller geistig interessierten und sich an der Gestaltung unserer Lage mitverantwortlich fühlenden Kreise des Judentums der Welt. Die Hebräische Universität Jerusalem ist hervorgegangen aus den verschiedenartigen wissenschaftlichen Forschungsbedürfnisißen, die sich beim Aufbau des neuen jüdischen Palästinas fast von Tag zu Tag geltend machten und verstärkten. Und sie hat, was sich im einzelnen leicht aufzeigen ließe, bis heute schon erhebliche und wertvolle Forschungsarbeit zum besten des Aufbaues des Landes geleistet, vor allem im Hinblick auf die Erforschung des Klimas und deT geologischen Bodenbeschaffenheit, die beide für den Pflanzenwuchs so entscheidend sind, und auf dem Gebiete der Parasitologie und Hygiene. So stand in den Jahren nach der Eröffnung der Universität (1925) die Forschungsarbeit im Vordergründe.. Alber ym denn schon 1925 zum Beispiel im Institut für Judaistik mit dem Lehrbetrieb begonnen wurde, so entwickelte eich nach und nach aus dem natürlichen Bedürfnis unserer Jugend zu lernen, in fast allen Abteilungen der Universität der wissenschaftliche Unterricht. Heute verfügt die Hebräische Universität über zwei fast voll ausgebaute Fakultäten, die Fakultät der G eiste swissenschaften und die Fakultät der Mathematik und Naturwissenschaften. Mit dem Ausbau einer medizinischen Fakultät, die Forschungsinstitut und FortbildungsInstitut für palästinensische Ärzte in Verbindung mit dem neuen Krankenbaue der Hadassah vereinigen soll, ist dank der Hilfe der amerikanischen Freunde begonnen worden. Es muß ein Wort gesagt werden über die Quellen, aus denen der Aufbau dieses Werkes gespeist wurde. Nicht die Mandatsregierung lieh ihr ihre Hilfe und nicht die Kommunen in Erez Israel, und von unseren nationalen Fonds war cs nur der Keren Kajemeth, der vor allem in der Beschaffung des Grund und Bodens für die Universität entscheidend half. Es ist in der englischamerikanischen Welt gar nichts Ungewöhnliches, daß eine Universität oder Hochschule aus privaten Stiftungen auf die Beine gestellt wird. Und auch in Deutschland gibt es solche Ereignisse, wie denn die Universität Frankfurt am Main von etwa fünfzig, meist jüdischen. Bankiers dem preußischen Staat zum Geschenk gemacht worden istl — So glücklich konnte man freilich in Jerusalem nicht sein. Zwar hatte die Hebräische Universität in Jerusalem einige große Gönner, die mit ihrer Tat den Grundstein legten, und ihre Namen — Felix Warburg, Parsival David Sassoon und einige andere — werden unauslöschlich mit dem Werk auf dem Skopus bei Jerusalem verknüpft bleiben. Aber darüber hinaus war es und ist es zuletzt doch ein mühsames Zusammenbringen der erforderlichen Mittel in den Kreisen der Freunde der Universität in den verschiedenen Teilen der Welt, und oft verbunden mit dem bedrückenden Eindruck, daß die Kreise derer, die für geistige Dinge, wie eine jüdische Hochschule, das erforderliche Verständnis haben, doch eben nicht zahlreich genug sind. So ringt diese Universität, trotz des Erfreulichen ihrer Leistungen, trotz ihrer Lebensnotwendigkeit im jüdischen Daseinskampf unserer Tage, um ihre Existenz, und es gibt immer wieder Momente, wie eben wieder heute, in denen trotz aller Bemühungen ihrer Freunde ihr Weiterausbau in Frage gestellt erscheint. Vom studentischen Leben soll hier die Rede sein. Im Lehrjahr 1929/30 betrug die Zahl der Studenten nur 177. Im Lehrjahr 1934/35 war eie schon auf 412 angewachsen, und heute hat sie bereits die 719 erreicht, um gewiß von hier aus weiterzuwachsen. Aber was ist die Zahl, wo es doch ' fit ..*:*!. **Vk ilÄV^ÄV.W' Am Haupteingang zur Universität Mikroskopische Übungen im Botanischen Institut in erster Linie auf die Qualität der Arbeit ankommt! Es dürfte keine Universität der Welt geben, wo jüdische Studenten so frei von jedem seelischen Druck und in so enger persönlicher Beziehung zu ihren Professoren und Lehrern sich ihrer Ausbildung hingeben können wie in Jerusalem, und das gilt sowohl für die Angehörigen der geisteswissenschaftlichen wie der naturwissenschaftlichen Fakultät. Natürlich ist dabei die materielle Lage der Jerusalemer Studenten im ganzen gesehen keineswegs rosig. Knapp die Hälfte aller Studenten sind so gestellt, daß sie sich nur ihren Studien widmen können. Etwa zwanzig auf Hundert müssen hinzuverdienen, durch Privatunterricht, Übersetzungen u. a., und etwa dreißig auf Hundert sind Werkstudenten, das heißt, sie gehen meist halbtägig einem sie zur Not gerade ernährenden Beruf nach. Natürlich hat die Universität Jerusalem auch ihren sozialen Studentendienst. Es gibt Studiengebührerlaß und Studiengebührermäßigung, je nach Lage der Dinge, und es gibt für die Bedürftigen, die sich durch Fleiß auszeichnen, Studien- und Arbeitsprämien, sowie für die Älteren, die sich bestimmten Arbeitsaufgaben zuwenden wollen, angemessene Forschungshilfen. Der Betrag von fünf palästinensischen Pfund (zirka 125 österreichische Schilling) ist der Durchschnittssatz, den der Jerusalemer Student im Monat verbraucht. Fragt man nach dem Bande, das diese über 700 aus den verschiedenen Ländern der Welt kommenden jungen Menschen zusammenhält, so ist es vor allem die Idee des zionistischen Aufbaues in Erez Israel und die Freude an der wiedergeborenen, wieder lebendig gewordenen, gemeinsamen hebräischen Sprache. Dagegen tritt fast völlig zurück, ob nun die Wiege des einen an der Weichsel, des anderen an Rhein oder Spree, des dritten an der Donau gestanden hat. Nur 135 von den über 700 sind geborene Palästinenser, und diese Zahl ist ersichtlich schon hoch. Aber es sei erwähnt, daß im Einzelfall' auch schon christliche Theologie-Studierende aus den Vereinigten Staaten sich als Lernende an der Hebräischen Universität Jerusalem eingetragen haben, weil sie offenbar an keinem Ort der Welt Hebräisch und orientalische Sprachwissenschaft so aus den Ursprungsquellen studieren können wie in Jerusalem. Für die Aufnahme eines Studenten ist nur sein Reifezeugnis maßgebend und sein Wille, hebräisch zu erlernen. Nichte, anderes mehr. Das gesellige Leben der Studenten, von denen auf Hundert zirka 68 männliche und 32 weibliche kommen, gestaltet sich im allgemeinen sehr zwanglos und harmonisch. Errol Flywt und Olivin Havllland ,Balaklava‘ 9 (Dia Todasbrlgade) Rotenfurai-RIno, I. Stofn-Rlno, VH. Votlvpark-Kino. IX. a__aBaaa____BB Warner Bros, Aber lange Zeit fehlte ihnen in den Pausen und Zwischenstunden ein geeigneter und angenehm wirkenden Raum für Ausruhen und Unterhaltung und für bequeme Einnahme von Mahlzeiten. Diesen Mangel behob der an sozialen Einrichtungen sehr interessierte. greise Herr Solov aus Tel-Aviv. Er stellte sein Vermögen schon jetzt zum Bau eines Klubhauses zur Verfügung, unter der Bedingung einer angemessenen Zinsleistung an ihn bis an sein Lebensende. Und dieses Klubhaus, schlicht, aber schön und würdig, nunmehr die Stätte des gesellig gen Lebens unserer Studenten, birgt in sich auch das Auditorium maximum der Universität, in dem heute die großen akademischen Feiern abgehalten werden. Naturgemäß haben die Jerusalemer Studenten, die, in der Allgemeinen Studentenorganisation zusammengefaßt, durch deren Vorstand gegenüber der Universitätsbehörde vertreten werden, auch ihre Verbindungen. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß es keine „feudalen Korps“ und keine „schlagenden Verbindungen“ gibt. Die Gruppen, in denen sich unsere Studenten zu geselligem Leben zusammenfinden, tragen ihren Stempel durch die Bemühung um Klärung religiös-weltanschaulicher, politischer und geistig-wissenschaftlicher Ekagen, sowie Fragen des Aufbaues des Landes. Sie sind, ungeachtet aller Zwanglosigkeit der geselligen Formen, die auch heiterste Fröhlichkeit kennt, geistige Arbeitsgruppen, gemäß den edelsten Traditionen jüdischen Lebens. Und es gibt tatsächlich keine einzige, in der Streben nach Lebensgenuß schlechthin — ob Völlerei oder Schlemmerei — irgendwie auch nur eine Rolle spielte. Das muß angesichts der noch heute existierenden Formen europäischen Studentenlebens hier klar gesagt werden. Auch sonst vollzieht sich das Leben der jüdischen Studentenschaft in Jerusalem in gesünderen Formen, als eie gemeinhin an europäischen Universitäten üblich sind. Die Begründung der Akademischen Krankenkasse, mit der Bestimmung, daß jeder Student bei seinem Eintritt sich einer genauen körperlichen Untersuchung durch den Arzt der Krankenkasse zu unterziehen habe, brachte eindeutigen Aufschluß darüber: Es gibt nicht einen einzigen geschleoihtskranken Studenten an der Hebräischen Universität Jerusalem. Welche Universität der Welt kann das noch von sich mitteilen? Meister und Gesellen welchen Faches Immer, leisten schwere Arbeit. Diese führt za größerer Ermüdung einzelner Körperpartien, aber auch zur Schwächung der weniger beanspruchten Glieder. Den richtigen Ausgleich schaffen Sport und Natur, ebenso der Gebrauoh von Dlim-WaiiH« mit Menthol. TKgliehe Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Gleich wertvoll zur Mund- und Haarpflege. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA“. Welsen Sie minderwertige Nachahmungen zurück, ln ledern besseren Gesehült erhältlich. / SBBBSSHBB5HBHSHSBHSSBHBBSHSHBHHHHHHH Hasse nicht schwere Arbeit und den vom Höchsten eingesetzten Ackerbau. (Ben Sira 7, 15) # 2>h HecMschaffenen aller Volker haben Anteil an der zukünftigen Weit, * (Talmud, Tosephta Sanhedrin 13, 2) * Hochmut zeugt von Geistes Armut. (Talmud, Sanhedrin 24 a) ZIONISTISCHER LANDESVERBAND FÜR ÖSTERREICH _ um präzise halb 9 Uhr abds. Vortrag Dr. Josef Kastein vor seiner Rückreise nach Palästina über „Jeremias, der Geist der lUdischen Prophetie“ Im Offenbachsaal, IV., Treltlstraße 3 (Porrhaus) Karten erhältlich: Zionistischer Landesverband, Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5 - Telephon U 22-2*11

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