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Die Stimme · 1937-02-02 · Heft 616 (2.2.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 616 (2.2.1937)
Date
1937-02-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 610. — Wien, Dienstag’, 2. Februar 1937. me stimm» Söll# 3 Kodein uoc dec Jugend Auf Bitten der jüdischen Jugend spricht der jüdische Historiker Dr. Josef Ii riefeln am Dienstag, den 9. d., um y28 Uhr abends, im Großen Mmihvere inssaal zur jüdischen Jugend. Welcher jüdische Jugendliche aus berufenstem Munde hören will, wie sich aufrichtige und rechtschaffene Jugend zum Judentum elnstellen soll, der komme hin/ Karten nur für Jugendliche Im Parterre zu 1 Schilling, Galerie zu 50 Groschen. Jugendfükrer und Jugenderzieher, auf den Logensitzen, von S 2.— bis S 3.50. Kartenvorverkauf: Jüdischer Turn- und Sportverband Österreichs im Makkabi- Weltverband, I., Wiesingerstraße 11 (Tel. Nr. R 25-0-10). Logen im Landesverband, 1., Marc-Aurel-Straße 5. Jeder Jugendliche hat die Möglichkeit, am 9. d., 148 Uhr abends, Im Großen Musikvereinssaal, Dr. Josef Kastein zu hören, denn die Karten kosten für Jugendliche nur 50 Groschen und 1 Schilling! Körperliche und geistige Frische sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondere im Alter Bewahren und mehren Sie diese Schätze durch ständige, sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel rür alle Zwecke der Körperpflege — Einreibungen, Packungen (Umschläge), Mundwasser usw. — ist Franzbranntwein mit Menthol ln jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrUcklieh „Diana“ und nahmen Sie nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurflckzuwelsen _ Österreichische Richter zum Antisemitismus Vor dem Bezirksgericht Matzen wurde vor kurzem ein Prozeß verhandelt, der dem Richter Gelegenheit gab, seine Meinung über die Methoden auszusprechon, mit der verschiedene Menschen heute den Antisemitismus für sieh geschäftlich auszunützen versuchen. Der jüdische Fahrradbändler Roman Fleischmann aus Gänserndorf hatte dem „Arier“ Leopold Tomitzi gesagt, er habe „Butter am Kopf“. In einer Ehrenbeleidigungsklage stellte der Anwalt Fleischmanns, Dr. Leo Neumanns, den Antrag auf Erbringung des Wahrheitsbeweises. Bezirksriehter Dr. Rudolf Köllner ließ den Wahrheitsbeweis zu und stellte fest, es sei in diesem Fall zu beweisen, ob Tomitzi strafbare, unkorrekte oder unsaubere Handlungen begangen habe. Der Richter akzeptierte dann als Wahrheitsbeweis die Tatsache, daß Tomitzi einem Zeugen den Vorwurf daraus gemacht .habe, daß er bei einem Juden einkaufe. Die Hineinz'iiehuiig des Rassenproblems sei, so meinte der Richter, in jedem Fall zumindest geschmacklos, in diesem Fall aber müsse das Vorgehen Tomitzis als der Gipfel der Unsauberkeit bezeichnet werden. Der Angeklagte Fleisohmann wurde daraufhin natürlich freigesprochen. * In Graz hatte sich der Kaufmann Ernst* Schenk, der wegen Vorsohubleistung in einem Fememordprozeß zu 10 Monaten BBB—— Elka, der Künstler des Ostens Von M. V. Ben gavriel In der Buchhandlung Steimatzky* in Jerusalem, wo die meisten Kunstausstellungen dieser Stadt stattfindon, wurde dieser Tage eine Ausstellung der Werke des Architekten und Graphikers Leopold Krakauer eröffnet. Krakauer, kurz Elka genannt, hat in den allerletzten Jahren als Architekt sich besonders durch den Bau des Teltsch-Hotels auf dem Karmel, das wohl eines der ßchönsten der neuen Bauten Palästinas ist, bokanntgemacht. Für Leute aber, die sieh keine Häuser bauen lassen können, ist Elka als Graphiker von ganz außerordentlichen Qualitäten besonders wichtig. I)a.s Unaufdringliche, aber dennoch außerordentlich Zwingende, das Inoinandeiflioßen von Mensch und Natur, dieses wie selbstverständliche Ineinandorverwachson dor beiden in diesen Blättern, die bei Stelmatzky ausgestellt sind, scheint mir das Wesentliche an lvrakauers Kunst zu sein, das Um als ersten befähigt, die schweren Kerkers verurteilt worden ist, wegen Fälschung von Geschäftsfakturen zu verantworten, die er als Vertreter einer Wiener jüdischen Firma begangen hatte. Der Schaden, den Schenk durch die Fälschungen der Wiener Firma und ihren Kunden zugefügfc hat, beläuft sich auf etwa 11.000 Schilling. Schenk erklärte vor Ge-j rieht, er habe Kunden, die nur bei Ariern j einkaufen wollten und diesen gegenüber i wollte er die Wiener Lieferfirma tarnen. I Darum habe er ihnen fingierte Rechnungen; vorgelegt. Der Richter hielt dem Angeklagten logischerweise vor, daß eine solche ’ Tarnung normalerweise in der Weise hätte vor sich gehen sollen, daß Schenk seinen; eigenen arischen Namen unter die Fakturen I für die arischen Firmen setze, nicht aber den jüdischen Namen Neumann darunter fälsche. Der Prozeß wurde zur Erbringung weiteren Beweismaterials vertagt. In Gesellschaft glänzendarf der Sprecher, aber nicht sein Anzugl Den Tragglanz entfernt ohne Spuren Putzerei Smetana. Spezialverfahren. Taboretr. 26, Prafcerstr. 30. Tel. R 41-8-30 nennt die nächste dler 45 Filialen. 45 Jahre Erfolg l E Österreichischer Film — rein arisch Bei der Tobis 'Sascha wurde vorige Woche der langangiCkünidigte Besitzweclisel durchgeführt. Die Gruppe Pilzer hat ihre Aktien abgegeben, die,- wie die „Reicbspost“ mit großer Befriedigung feststellt, nunmehr in rein bodenständige Hände gekommen sind. Das Blatt hofft, daß nun der Austausch von Filmen zwischen Österreich und Deutschland für Österreich vorteilhafter vor sich gehen werde. Zu diesem Besitzwechsel ist tatsächlich zu sagen, daß Wesentliches damit nicht geschehen ist. Der österreichische Film ist auch bisher schon arisch gewesen, und es haben nur Juden für die arische Produktion ihr G<eld hergegeben. Daß das jüdische Geld aus der arischen Produktion herausgezogen worden ist — geschieht den Filmjuden ganz recht. Ob aber das nationalsozialistische Deutschland für die kleine Gefälligkeit der Hinausdrängung des jüdischen Kapitals aus der Österreichischen Filmindustrie wirklich: geschäftliche Gegendienste leisten wird, wird sich erst erweisen. Nach allem, was: man bisher erlebt hat, ist es nicht wahr- ' scheinlieh. Im besten Falle wird man für | die österreichischen Filme, die in Deutschland gnädigst zugelassen werden, kein Geld, sondern, wie es auch bisher meist der. Fall war, Apparaturen und andere Materialien, die man nicht unbedingt braucht, beziehen können. Möglicherweise wird man für ein etwa erhöhtes Kontingent an Filmen als Gegenleistung das Angebot auf Lieferung nichtfimktioniierender Tanks, für die sich General Franco schon bedankt hat, wiederholen. Entscheidung über Danzig Der Rat des Völkerbundes hat d i e Danziger Frage verabschiedet. Er hat die Vorschläge Polens angenommen, die eigentlich die Vorschläge des Danziger Senate« sind. Die Minderheit, die, wie bekannt, die Mehrheit ist, wird an den Nationalsozialismus ausgeliefert. Die Kompetenz des Völkerbundkommissärs wird in dem Genfer Beschluß dahin eingeschränkt, daß er „nach eigenem Ermessen“ die inneren Vorgänge behandeln soll, wobei die Formel Polens aufrecht bleibt, daß den Anträgen des Senates die ihnen zukommende Wertung erhalten bleibt. Neu ist nur, daß das aus Eden, Delbos und S a n d- 1 e r (Schweden) bestehende Dreierkomitee als Inßtanz zwischen dem Rat und dem Kommissär eingeschaltet wird. Das bedeutet nur, daß der Rat das Gesicht gewahrt hat. Für die eventuelle Behandlung von Beschwerden der Minderheit ergibt sich eine neue Methode der Verschleppung, da doch der Dreierausschuß immer erst die Meinung des Kommissärs, des Senates und der polnischen Regierung einzuholen haben wird, ehe er sich in Bewegung setzt. Zudem kann nur ein Kommissär ernannt werden, der dem Danziger Senat, das heißt also dem Reichskanzler Hitler, genehm ist. Diese Bestimmung hat denn auch herbeigeführt, daß die holländische Regierung dem für diese Stelle vorgeeehlagenen Admiral G r a e f f abgeraten hat, das Amt zu übernehmen. Diese Art der Lösung erinnert sehr stark an die Behandlung des Saar-Problems und wie dort, sind es auch in Danzig vor allem die Juden, an deren Schicksal sich die höchst negative Methodik der Genfer Institution auswirkt. Man hat dies auch in Genf sofort empfunden. Außer Eden, Beck und Greiser sprach niemand, Herr Delbos blickte starr auf seinen Notizblock, Litwinow, der sonst so redselig ist, war in eine Broschüre vertieft. Der Rat war in peinlichster Verlegenheit, zumal er sich erinnern mußte, daß im Vorjahre just bei der gleichen Frage ein jüdischer Journalist sich erschossen hatte, um durch seinen Tod die Aufmerksamkeit auf das Los der Juden unter nationalsozialistischer Knute zu lenken. Seine Briefe an Avenol und Eden sind nicht bekannt geworden, aber jedenfalls wirkungslos geblieben. Beweis der Beschluß über Danzig. Und so fällt wieder ein Teil des europäischen Judentums in die Wolfsgrube der europäischen Politik. Das Zentrum in Danzig ist bereist den Weg des Kompromisses gegangen und unterwirft stich löblich, die Deutschnationalen, deren Führer im Kerker sitzen, werden über kurz oder lang nachgeben. Bleiben die Juden, deren Sache niemand führt. Sie sind in ihrem Vertrauen auf Genf betrogen worden und werden der Hitlerei geopfert. frisch wie vom 'Raum! mm WH- ' V*; /:■ ■ Orangen und Grapefrucht sind saftiger PALÄSTINENSISCHES WACHSTUM Jüdisches \fotk - was KUH? Unter diesem Titel behandelt Dr. Nalium Goldmann, Mitglied der Zionistischen Exekutive und Delegierter der Jewi-sh Agency for Palestine, vor dem Völkerbund, auf Grund einer umfassenden Analyse der jüdischen Gesamtsitiuation akifcuettlßite Schicksalsfragen des jüdischen Volkes in seinem groß angelegten Vortrag am Donnerstag, den 11. Februar 1937, halb 9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental, Wien, I., Taborstraße. Rechtzeitig Karten sichern: Buehahndlung A. Mejstrik, Wien, I., Wollzeile 6—8, Telephon: R 21-4-25, Buchhandlung M. Rath, Wien, H., Taboretraße 20 a, Telephon: R 45-3-05, Jüdische Kultursteile, Wien, I., Franz-Jos cf s- Kai 3, Telephon: R 28-2-36. Sehenswerte Innendekoration: An der schönen blauen Donau ilbtMJmiUiitwii ‘ZiVtUJli iiiiiljljiiijliiiiiiiiiiiiii'jiiiiiiinii ya äülissisliiiiiijiliiiKiislJ " 1 I i J| l,r;■ ti iillilüffilÜül! P!! Ü5 .•:m7 Landschaft Palästinas, sonderlich das so unerhört schwer faßbar© Bergland des Südens, darzustellen. Sicherlich ist es kein Zufall, daß Kohle, Bleistift und Rötel die einzigen Mittel der Vermittlung sind, deren sich dieser Künstler bedient, denn dio Farben dieser Landschaft sind zu erregend, inn nicht immer wieder vom Inhalt des Bildes, vom Inhalt der Landschaft abzulenken. Dieser Inhalt aber — das „Mystische“ (man verzeihe dieses abgemiihto Wort) — das, ein Unvorstellbares, hinter jedem der schweren Schatten Jerusalems, hinter jedem Felsblock der Wüste Juda lauert, steht auch hinter Krakauers Graphiken. Was besonders wesentlich ißt, ist die Tatsache, daß diese Blätter ein Mensch schuf, dessen „innore Schau“ nach dem Osten gewendet ist. Nur aus dieser seelischen Orientierung konnte Elka dieses Land begreifen, das unbegreiflich bleiben muß jedem Künstler, der von außen an es herankommen will. Und so mußte es sein, daß Krakauer» Graphiken sich immer mehr, in Ausdruck, Inhalt und Form, jener Diagonale nähern, die ganz Asien durchläuft, die ihren Standardausdruck in gewissen Periodein chinesischer und noch mehr japanischer Kunst gefunden hat. So ist es verständlich, daß es Blätter von Krakauer gibt, die ganz gut ein paar Jahrhunderte früher von einem Hasegawu Tohaku amgefertigt sein könnten -(besonders die Baumbilder), wie Krakauer anderseits ganz gut das Werk eines Sesshu fortsetzen könnte, von dessen Existenz er vermutlich gar nichts weiß. Und zwar nicht drübeu in Ostasien, sondern hier auf palästinensischer Erde, deren Ausdrucksformen sicherlich andere sind, deren Manifestationen, deren Schwingungen aber eozusagen die gleichen sind wie die der Gelben Erde, wenn sie au! den ihr komplementären Geist troffen. Es ist nicht meine Aufgabe, kritisch-analysierend dio Kunst Krakauers zu untersucheu, sondern vielmehr darauf hinzuweisen, daß hier in Palästina ein Graphiker lebt, der — ich nehme da« Wagnis auf mich, es zu sagen — wahrscheinlich zu den stärksten Talenten dieser Zeit gehört. Der das Phänomen oiner merkwürdigen Reinkamatio-: eines alten, beinahe ausgestorben gewähnten Geistes All- Asiens ist, welcher das große Asien zu einer Einheit im übergeographischon Sinn macht. Aue dieser Tatsache heraus läßt sich vielleicht die gewagte Annahme gestalten, daß Elka, so weit er auch intellektuell davon entfernt sein mag, als erster den Weg zu einer „jüdischen Kunst“, zu einer aus der Landschaft Palästinas geborenen Kunst im Sinn All-Asiens weißt. Krakauers Kunst bedeutet kein Proklamieren von Gesiniuingstüchtigkeit*, sin ist jüdisch in weit bedeutenderem Sinn: eie ist der Beginn der Reas&imilierung an die Landschaft dieses urjüdischen Landes, das ein Teil des großen Ostens ist-, an jenen Boden also, der als einziger eine den Juden spezifische Art der Kunatauffa-ssung und der künstlerische! Gestaltung garantieren kann. Nebenbei «ei bemerkt, daß Krakauer, der seit vielen Jahren in Palästina lobt — eine große Anzahl von Bauten, besonders im Emek, sind Ergebnisse dieser Zeit —, au« Wien stammt, daß, wenn ich mich nicht «ehr irre, die Wiener Albertina ein paar Blätter von ihm besitzt und daß andere Arbeiten von ihm, unter anderem, Im Reichsmuseum in A- '.sterdam zu sehen sind. Und was immer wieder feetzustellen Ist: er ist der erste — und vielleicht auch der einzige —, der die Landschaft Palästinas zu begreifen und darzußtellen versteht. (Wir veröffentlichen auf Seite 1 Abbildungen zweier architektonischer Standard-Werke Krakauers)

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