Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 614 (26.1.1937)
- Date
- 1937-01-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Otc STIMM1 Sott« 5 Wien, Dienstag, 26. Jänner 19S7. — Nr. 614. <laß ihm hei seiner verantwortungsvollen Tätigkeit nirht immer die notwendige Unterstützung zufeil wird. Aber übersehen wir nicht, daß die Bewegung gewachsen ist, daß die Kultusgemcindo unendlich viel Kräfte absorbiert, daß das Tätigkeitsgebiet, des Zionismus auf politischem, kulturellem, erzieherischem und sozialem Gebiete sich in einem solchen Maß verbreitert hat, daß es nur ein natürlicher Vorgang ist, wenn nicht alle Positionen rechtzeitig und angemessen besetzt werden konnten. Hier Abhilfe zu schaffen, wird, wie ich glaube, die vornehmste Aufgabe der Landeskonferenz sein und ich bin überzeugt, daß aus den Reserven der Bewegung die erforderlichen Ersätze werden beschafft werden können, so daß es möglich sein wird, eine Aufteilung der Arbeit herbeizuführen, die den Präsidenten Herrn Dr. Grünbaum befriedigt und seine Zustimmung zur Beibehaltung seiner Führerschaft erleichtert. Herr Präsident Dr. Grünbaum kann darüber nioht im Zweifel sein, daß der Zionistische Landesverband geschlossen hinter ihm steht, daß wir alle ibm das Gefühl der Treue, Anhänglichkeit und Verehrung entgegenbringen, daß wir bereit sind, ihm unentwegte Gefolgschaft zu leisten und deshalb hoffe ich, daß es den vereinten Bemühungen aller Mitglieder der Landeskonferenz gelingen wird, Ihn von seinen Rücktrittsabsichten abzubringen und daß die Tagung Ihren schönsten und erhebendsten Höhepunkt in der Wiederwahl unseres geliebten Präsidenten Anden wird. Indem ich Ihnen nochmals meine besten Wünsche für den Erfolg Ihrer Beratungen übermittle, zeichne ich mit Zionsgruß als Ihr ergebener Gesinnungsgenosse Dr. Desider Friedmann. Oer Tätigkeitsbericht Nun erstattete, mit lebhaftem Beifall begrüßt, Präsident Dr. Oskar Grünbaum den Tätigkeitsbericht, aus dem die rege politische und kulturelle Tätigkeit des Landesverbandes in der abgelaufenen Berichtsperiode hervorgeht. Dr. Grünbaum konnte auf das ständige starke Anwachsen der Organisation hmweisen. Er mußte aber auch die fortschreitende Verschlechterung der Lage der österreichischen Juden darstellen, die durch die Schwierigkeit der Auswanderung nach Palästina noch eine besondere Erschwerung bekommt. Es sind 3000 Zertifikatwerber Im Wiener Palästinaamt angemeldet, während nur 7 Zertifikate vergeben wurden. Hierauf erstattete Dr. Abraham Groß den Bericht über die geplante Reorganisierung des Landesverbandes, die namentlich in einer besonderen Ressortaiifteilung zum Ausdruck kommen soll. Vor dem XX. Kongreß Referat Dr. Ignaz Schwarzbarths Unter allgemeiner Spannung eigreift nun Dr. Ignaz Sohwarzbarth, der Präsident des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, zu einem großaugelegten, umfassenden Referat über die Gesamtheit der zionistischen Probleme das Wort. Er sagte: „Gemäß einer provisorischen Mitteilung der Exekutive soll der XX. Kongreß im August dieses Jahres etattfiaden. Die Vollsitzung des Aktionskomitees wird aller Wahrscheinlichkeit nach im Frühling in Jerusalem stattfinden. Beides hängt jedoch wesentlich von der Entwicklung der politischen Situation unserer Bewegung ab. Vorläufig müssen wir damit rechnen, daß der Kongreß in diesem Jahre stattfindet. Es ist also Zeit, daß auch unsere Bewegung ernst an die Vorbereitungen zum XX. Kongreß herantritt. Unsere Mapai- Freunde haben bereits die Kongreßaktion in aller Stille, wie sie es immer tun, begonnen. Diesmal wird die Mapai wahrscheinlich nicht nur eine Offensive, eine Kongreßoffensive, in Palästina und in Polen, sondern auch, und dies in erster Reihe in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, entfalten. Der Druck unserer außenpolitischen Situation zwingt uns, den inneren Kampf zurückzustellen oder zumindest zu dämpfen. Es ist ein Beweis unserer erwachenden Raison d’Etat, daß wir in dieser kritischen Zeit eine geschlossene Front nach außenhin gebildet haben und daß wir unsere internen Probleme und Kämpfe wesentlich eingeschränkt haben. Aber es wäre ein Trugschluß, wenn wir glauben würden, daß unsere Mapai-Freunde nicht gleichzeitig ihre Positionen ausbauen, um der entscheidende Maohtfaktor am XX. Kongreß zu werden. Es ist unsere Pflicht, das Beispiel der Mapai nachzuahmen, damit uns die Wahlaktion nicht überrascht. Die politische Situation ist ernst. Mit Genugtuung können wir foststellen, daß die Exekutive in ihrer politischen Aktion für eine Grundlinio gekämpft hat, die auch unseren Anschauungen entspricht. Einzelne Fehler treten deshalb in den Hintergrund. Die Rede Weizmanns, Bon Gurions und die juristischen Ausführungen Leonhard »Steins vor der Königlichen Kommißißon standen im Zeichen eines judenstaatlichen Zionismus. Dies geschah nioht ohne schwerwiegende innere Auseinandersetzungen in den leitenden Instanzen unserer Bewegung.. Nach schwerem, innerem Kampfe wurde die sogenannte Paritätsformol fallen gelassen. Es ist dies oiu Vordienst der entschlossenen Haltung der Vertreter des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, in dieser grundlegenden Frage unserer politischen Taktik. In einem kritischen Momente hat os Präsident Weizmann eingesohen, daß die Annahme dieser Formel zu einem inneren Bruch in dor Organisation und in der g eg e n wä r tig en Koalition führen müßte. Mit richtigem Instinkt hat er die Bedeutung der Aufrechterhaltung dieser Koalition eingesehon. Ich glaube, behaupten zu können, daß die Entwicklung der Vorgänge in der Königlichen Kommission den Gegnern der Paritätsformel rechtgegeben hat. Diese Formel war weder geeignet, die englische Regierung für uns zu gewinnen, noch konnte sie eine Brücke zu den Arabern schaffen. Die Endzielfrage wurde ohne unsere Initiative aufgerollt. Die maximalistischen Forderungen der Araber zwangen uns zu einem klaren Nein. Wir mußten uns defensiv auf das Gebiet der Endzielfrage begeben. In diesem Sinne wirkte der letzte Abschnitt unserer Politik erzieherisch für uns selbst. ‘ Niemand von uns weiß, wie der B erieht der Königlichen Kommission ausfallen wird. Sollte Recht und Gerechtigkeit entscheidend sein, dann müßte dieser Bericht im Sinne unserer Forderungen ausfallen. Aber leider ist das politische Moment im Gesamtspiel der Kräfte das Entscheidende. Die Leitung unserer Politik steht vor ungeheuren Aufgaben, Die Zielsetzung zwingt uns jetzt mehr denn je zu einer Anspannung aller Kräfte. Für einen kleinen Zionismus genügt kleine Politik, für einen großen Zionismus ist große Politik nötig. Die Königliche Kommission weiß jetzt ganz klar, was wir wollen. Die Hauptaufgabe unserer Politik beruht jetzt darin, die englische Regierung für unsere Forderungen zu gewinnen. Es zeugt von großem Verantwortungsgefühl unserer Leitung, daß sie nicht, wie vielleicht von manchen Seiten verlangt 'wurde, mit ihrer weiteren politischen Tätigkeit bis zur Veröffentlichung des Berichtes der Königlichen Kommission wartet. Sicherlich wird unsere Exekutive schon jetzt mit dem ganzen Aufgebot ihrer Kräfte und Mittel und überall, wo dies nötig und tunlich ist, den weiteren Lauf der Dinge zu beeinflussen suchen, damit dio Stellung der englischen Regierung unseren Forderungen gerecht wird. Politik ist wesentlich nur die Anstrengung der Kräfto ohne Garantie des Erfolges. Da sich dieso Anstrengungen den großen Zielen des politischen Zionismus nunmehr anpassen, so besteht die subjektive Sicherheit, daß die Leitung unserer politischen Geschäfte das Maximum des Möglichen tun. Ich bin persönlich zuversichtlich. Mein Glauben stützt sich sowohl auf diese Anstrengungen der Exekutive, wie auch auf den zweiten Faktor unserer politischen Tätigkeit, auf die Entschlossenheit unseres Jischuw, für unsere Sache mit allen Mitteln zu kämpfen, wenn uns ein Kampf aufgedrängt wird. Die große Peripherie der zionistischen Bewegung und auch Ihr Landesvorband kann diese politische Tätigkeit und Kampfbereitschaft unseres Jischuw stützen, wenn sie der Exekutive die moralische, dem Jischuw die materielle Hilfe gibt. Im Rahmen dieses durch den Ernst der Stunde gebotenen Burgfriedens müssen wir im inneren Leben unserer Bewegung unsere Positionen ausbauen. Eine Landesorganisation, auch wenn sie so glänzend auf dem unmittelbaren Gebiet ihrer Tätigkeit gearbeitet hat wie der österreichische Landesverband unter der strammen und opferfreudigen Führung IhresPr äs identen Doktor Oskar Grünbaum, gewinnt erst dann seine richtige Bedeutung, wenn er sich in die ideologische Gemeinschaft einer größeren Einheit eingefügt hat. Das ist die Kraft unserer Mapai-Freunde, daß sie diese große Einheit geschaffen haben. Was in ihrer Zentrale angeordnet wird, wird in allen Organisationen der Mapai durohgeführt. Uns, Allgemeinen Zionisten, fehlt noch immer diese umspannende, befehlende Einheit. Die Idee des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten war es und ibt es, diese Einheit zu schaffen. Solange wir das nicht verstanden haben, bleiben wir eine Minorität und wir müssen das Brot der Minorität essen. Die Mapai hat es verstanden, durch eine Politik des Divide et impera den Prozeß der Einigung des Allgemeinen Zionismus aufzuhalten. Ein schwacher, zerrissener, sich gegenseitig bekämpfender Allgemeiner Zionismus ist ihr ein erwünschter Faktor in der zionistischen Bewegung. Sie behauptet das Gegenteil. Aber sie führt trotzdem ihre Politik des Teilens und Herrschen^. Die meisten von uns merken es nicht oder wollen es nicht merken. Die Tragik des Allgemeinen Zionismus besteht darin, daß er nicht vergessen kann, daß er einmal die Majorität in der Bewegung gebildet hat und nicht die Kraft aufbringt, wieder die Majorität zu werden. Wir gebärden uns so, als ob wir die Majorität wären. Wir sind aber organisatorisch an dieser Stelle, die maßgebend ist, in der Exekutive, im A. C., am Kongreß, die Minorität. Es hilft nichts, um Rechte zu kämpfen, wenn wir unseren Forderungen nicht den nötigen Ausdruck durch eine Machtposition in der Bewegung verleihen. In der Frage der Hitjaschwuth unserer chaluzischen Jugend werden wir benachteiligt. Wir haben nie gefragt, für wen wir Debatte uti In der Nachmittagssitzung entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Weintraub, Wittler, Doktor ■Schmerler, Dulitzky, Alexandrowitz, Ing. Kende, Rotter und Süßkind beteiligten. Die Ausführungen der Redner bezogen sich in der Hauptsache geben. Und jetzt müssen wir um Unterstützung unserer Chaluzim und Arbeiter betteln, und sehr oft erfolglos Volkspolitik statt Partelpolltik. Ich hab«' großen Respekt vor der Kraft und Einheit der Mapai. Wir vergessen aber, daß die Mapai — wie sie selbst zugibt — klassenmäßig eingestellt ist. Sie ist eine Partei im engeren Sinne des Wortes und eie führt klug und mit taktischer Schulung ihre Parteipolitik. Ja, sie behauptet sogar, sie sei allgemein-zionistisch. Auch das ist ein Instrument ihrer Taktik. In den breitesten Schichten der Allgemeinen Zionisten herrscht tiefe Erbitterung über diese Zurücksetzung der Allgemeinen Zionisten in der Gesamtbewegunp-, insbesondere in der Frage der Arbeitervernältnisse und der Hitjaschwuth. Es hilft aber nichts, wenn man verbittert ist. Das ist kein politisches Argument, das ist politische Lyrik. Im Kampfe der Kräfte müßten wir eine Kraft ßein, wieder eine Kraft sein. Wir Allgemeinen Zionisten werden keine Parteipolitik treiben, auch dann nicht, wenn wir wieder die Majorität erreichen, weil unser Programm die konstruktive und harmonische Verbindung sämtlicher Teile des Volkes anstrebt. Wir haben nie in der Zeit, als wir die Majorität hatten, eine Politik gegen die sozialen oder ökonomischen Interessen der Mapai in Palästina geführt. Aber unsere Bewegung wird jetzt gedrosselt und selbst eine allgemeine zionistische Hitjaschwuth will man nicht aufkommen lassen, weil das der Anfang einer neuen allgemein-zionistischen Kraft in Erez bedeuten würde. Die einzige Antwort auf dieses System ist wieder: Kraft und Macht erringen innerhalb der zionistischen Bewegung, wieder Majorität werden. Das will der Weltverband der Allgemeinen Zionisten. Er kann es aber nur dann erreichen, wenn er die ideologisch zu einander gehörenden Kräfte des Allgemeinen Zionismus vereinigt und sich die unbedingte Unterstützung der Landesverbände sichert. Erreichen wir diese Kraftposition am XX. Kongreß, dann werden wir ein vertragsfähiger und geachteter Faktor in dem Gesamtspiel der innerzionistischen Kräfte bilden. Allgemein-zionistischer Egoismus als Funktion des Selbsterhaltungstriebes unserer Bewegung tut uns not. Das ist die. Richtlinie und die Zielsetzung für unsere Vorbereitungen zum XX. Kongreß.“ d Vorträge auf allgemein-zionistische Probleme, Probleme der zionistischen Außenpolitik und organisatorische Fragen. Fast alle Redner führten Klage über die Benachteiligung der allgemein-zionistischen Chaluzim bei der Alia und insbesondere bei der Kolonisa/tionsarbeit in Erez Israel. Dr. Viktor Kellner: „Zionistische Galuthprohleme“ Der Direktor des Chajes-Gymnasiums, Dr. Viktor Kellner, erstattete sodann ein Referat über „Zionistische Galuthprobleme“. Er führte aus: Drei Aufgabenkreise ergeben sich für den Zionismus in der Galuth: Erstens die eigentlich zionistische Arbeit, zweitens die Zusammenarbeit mit dem nichtzionistischen Judentum, drittens die Gestalung der Beziehungen zur Außenwelt. Zu 1). Notwendig ist der organisatorische Zusammenschluß aller zionistischer Gruppen. Die ideologischen Unterschiede zwischen diesen Gruppen sind meistens geringfügig und die Zersplitterung oft nur auf persönliche Momente zurückzuführen. Es muß einen Zionismus der Mitte geben, der Freiheit im Ideologischen mit straffeT Organisation bei der Durchführung konkreter Aufgaben verbindet. Der Territorialverband muß endlich Wirklichkeit werden. Dazu gehört seitens der leitenden Menschen Takt, Versöhnlichkeit und Verständnis für andere Anschauungen. Zu 2) Ausgehend von den Kultuswahlen, die dem Judentum geschadet und dem Zionismus nicht genützt haben, erörtert Redner das Verhältnis des Zionismus zum Gesamtjudentum. Auch hier geht es um Zusammenfassung aller Kräfte zu gemeinsamer Arbeit. Man muß erkennen, daß es sich nicht um rein politische, verwaltun^stechnischo und organisatorische Aufgaben handelt. Judentum und Zionismus ist mehr als Politik Es gilt, von der Ganzheit des zionistischen Menschen aus die Ganzheit des Judentums zu gewinnen. Dazu bedarf es einer starken zionistischen Organisation, die nicht im einzelnen Entscheidungen trifft, aber im großen die Prinzipien der Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Gruppen festlegt. Der Zionismus hat eine sittliche Instanz zu sein, keine Organisation von Jasagern. Die Gefahr der Selbstzufriedenheit ist bei uns groß. Es gilt, den Kontakt mit dem Volk wiederzugewinnen und ihm die zionistischen und allgemein-jüdischen Probleme zum Bewußtsein zu bringen. Das gesamte Judentum ist durch den Zionismus zu konkreter jüdischer Arbeit zu organieieren. Ein Maximum jüdischen Lebens unter allen Umständen ist anzustreben. Alles positiv Jüdische ist gut, von wem immer es getan wird. Es gibt zwei Tendenzen in unserer zionistischen Tätigkeit: Isolierung und Zusammenarbeit mit anderen. Der zweito Weg ist der einzig mögliche, da wir durch den ersten nicht vorwärts gekommen sind. Die Anteilnahme der Nichtzionisten an zionistischen Arbeiten wird immer bedeutsamer. Wir müssen Vertrauen haben zu den guten Absichten der anderen (man soll sie beim Wort nehmen), Vertrauen aber auch zu uns selbst, zu unserer Berufung, dem jüdischen Die Winterhilfe der Isr. Kultusgemeinde Wien 10 Ausspeisestelien Zirka 170.000 Mittagessen, über 250.000 kg KOhle und Koks, zirka 2700 Lebens* mlttelpakete, ferner verschiedene Bekle!dtingsgegenst8nde, eine Tages- Heimstätte für Kinder und Tee- und Harmestuben wurden errichtet Spendet reichlich! Potttparkassenkonio B 29.659