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Die Stimme · 1937-01-26 · Heft 614 (26.1.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 614 (26.1.1937)
Date
1937-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wien, Dienstag, 96. Jänner 1987. — Nr. 614. Oll STIMMI Satt« 3 «aas Der Tag der Bäume Morgen ist der 15. Schewat, das Fest der Bäume. Überall im jüdischen Palästina ziehen morgen die Kinder mit Lied und Spiel hinaus ins Freie und setzen junge Bäumchen in die Erde. Die schöne alte jüdische Bauernregel, daß am 15. Schewat der Saft in die Bäume zu schießen beginnt, ihnen nach dem Winterregen neue Kraft gibt, Hht in unserer Zeit durch den Zionismus neuen Sinn und neuen Inhalt bekommen. Die jüdische Jugend, bei der die Zukunft des Volkes liegt, ist wieder miit der Scholle verbunden, sie wächst auf in der Liebe und Ehrfurcht vor der schaffenden Natur, der ihr Volk so lange entfremdet war, und sie pflanzt Bäume ein, die sie selbst betreuen wird. Diese Jugend ist aus der zermürbenden Psychologie der Galuth hinaufgewachsen zu einer neuen gesunden Erfassung des Seins und der LebeDslinie des Volkes. Für sie ist das Jude-Sein kein Problem, sondern eine Selbstverständlichkeit, so natürlich wie der Baum, der Acker, das Land und der Himmel. Die Lehrer sprechen morgen in Palästina zu den Kindern. Sie sagen ihnen, daß in diesem Jahre der 15. Schewat eine weitere und tiefere Bedeutung besitzt. So wie dieses Land, durch das sich jahrhundertelang plündernde und sengende Kriegsscharen bewegten, durch die jüdische Arbeit der letzten 20 Jahre wieder zu einem Teile zu einem blühenden Garten gemacht worden ist, so muß auch jetzt wieder durch jüdische Hände Schaden gutgemacht werden, der durch verhetzto arabische Banden angerichtet worden ist. Viele Tausende junger Bäume wurden aus der Erde gerissen oder umgelegt oder verbrannt. Weite Strekken bebauten Bodens wurden zerstört, die Frucht des Feldes, die Hoffnung nährender Arbeit vernichtet. Aber der jüdische Siedler, der, Pionier und der Bauer haben sich nicht einschüchtern lassen, und sie sind nicht von der Scholle gewichen. Sie. haben den Feind abgewehrt, sie haben ihr Dorf mit der Waffe in der Hapd verteidigt, sie haben die Nächte auf den Wassertürmen oder auf ihren Posten rings um die Gärten und Felder ausgeharrt und sie sind alle Tage wieder mit Pflug und Krampen zur Arbeit gegangen. Sie wissen nicht, ob sich diese schweren sechs Monate nicht bald wiederholen werden, aber sie lassen's sich nicht verdrießen. Sie harren dort aus, wohin sie ihr eigener Wille und der Ruf des Herzens gestellt hat; voll einer trotzigen Entschlossenheit haben sie sich inmitten des. Hasses einer ganzen Welt ein Heim gezimmert, das zu einem Heim für das jüdische Volk werden soll, und sie werdend nicht dulden, daß von ihrem Land wieder Dschungel und Sumpf Besitz nehitaen. Denn das ist der tiefste Sinn dieser Unruhen gewesen, die Wüste ist gegen die ehrliche und fleißige Arbeit der jüdischen Jugend gerufen worden und inr Aufgebot hat so gewirkt wie einstmals Edonn und Amalek. Diesen Kampf versteht die Welt draußen nicht, die so viel von Kultur und Zivilisation redet, aber die Gewalf und den Haß zu ihrepi obersten Moloch erhoben hat. Au den reinen und enthusiastischen Idealismus des jüdischen Aufbauwerkes legt die europäische Welt, die in Feindschaft und Mißtrauen versinkt, ihren Maßstab an, und sie will es nicht wahrhaben, daß das duroh Jahrhunderte mißhandelte jüdische Volk ein Wjgrk der Tat und der ihm eigenen Ethik vollbringt, daß es aus seiner eigenen Kraft den Weg zum Land und zum Schaffen wieder gefunden hat. Die Terroristen, die von zitternden Effendis und von der moslimischen Klerisei gegen arbeitende Menschen, gegen Bäume und Äcker losgelassen wurden, hat man in Europa als Helden gefeiert, man hat ihnen Geld und Waffen gespendet, und man hat sie belobt, weil sie bei Nacht und Nebel aus dem Hinterhalt auf Schulen und Kinder geschossen haben, weil sie Bomben geworfen und Gärten angezündet haben. Europa hat ob zugelasseu und belächelt, daß die Wüste gerufen wurde, aber ihr hat sich der Trotz dieses neuen und erneuerten jüdischen Volkes entgegengestemmt. Es hat sich verteidigt, und es hat weiter gearbeitet, denn in dioser jüdischen Jugend lebt der durch nichts zu erschütternde Wille, dieses Land festzuhalten und zu einem jüdischen band zu gestalten, zu einer neuen Erhöhung des jüdischen Namens. Noch während der Unruhen und Wirren des Vorjahres haben die jüdischen Kinder I. K. J., I., Goldsdimleagawe 9 Samstag, 30. Jänner 1937 RONACHER Beginn: 23 Uhr »JUGEND FÜR WINTERHILFE« PROGRAMM: Ronacher-Sensationen der zweiten Jännerhälfte, ferner Rita GEORG Sonja LEW KO WA Max BROD Karl FARKAS Fritz GRUNBAUM Duno TENDLER Martin MILLER 3 Melo-Parodisten Fritz STREHLEN 8 MAKKABI-Boys Conference: Josef BAAR TANZ Im Barstüberl : Edmund HEUFEIl! Jimmy BERG Karten von S 2*~ aufwärts Oas Reinerträgnis fließt zur Gänze dem Wlnterhlltsfonds der Israelitischen Kultusgemelnde zu Karten Vorverkauf e Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5 (U22-’*il); Oronner, i., Graben 28; Jüdische Kulturslelle, I., Kai 3 (R 28-2-30); J. K. J., I., Goldschmiedgasse 9, sowie in den diversen TheaterkartenbUros und bei allen KomlteemitgUedern. bei einer leistet: Feier in Tel-Aviv ihren Eid ge- „Wir denken der Untat an dem goldenen Weizen auf den Feldern Israels, der verbrannt wurde, wir denken der Seele der eingeäscherten Wälder, der Schmerzen der gemordeten Bäume — wir denken daran, und wir wollen für jede Garbe Millionen neuer schaffen, für jeden umgelegten Baum Tausende neuer, die Frucht und Schatten bringen sollen.“ An diesen Eid werden morgen die Lehrer die Kinder erinnern, an diesen Eid aber müssen auch wir denken. Denn diese Felder und Wälder und Bäume sollen für uns alle wachsen, für das jüdische Volk, das sich sein Heim baueu muß gegen Mißwollen und Haß der Welt. Wir müssen am Tag der Bäume uns sagen, daß diese Kipder und diese Bäume unsere Zukunft sind, eine freie und schöne neue Welt, die zu sichern und zu verteidigen, unsere Pflicht und unser Stolz sein muß. Christlich-arabische Kritik an der Regierung Jerusalem, 22. Jänner. (Palcor.) Einen sehr heftigen Artikel gegen die Regierung veröffentlicht im Gefolge der im Lande herrschenden Lage die arabisch-christliche, in Jerusalem erscheinende Zeitung „Moraat-el-Schark“. Seit dem Ausbruch der Unruhen im Lande ist es das erstemal, daß eine arabische Zeitung sich an die Regierung mit der Beschuldigung und Forderung wendet, die Sicherheit im Lande zu wahren. Dieses mutige — wenn man den im arabischen Lager herrschenden Terror berücksichtigt — Auftreten des genannten arabischen Blattes zeigt die gespannten Beziehungen, die in Palästina zwischen d e r m o h a m m e d a n i s c h e n u n d der a r a b is c h - c h r is 11 i c h e n Bevölkerung herrschen. Der direkte Anlaß für dieses Auftreten war sicherlich der Mord, der vor einiger Zeit an dem Führer der arabischen Arbeiter in Jaffa, dem christlichen Araber Michel M i t r i, begangen worden ist. Dieser Mord rief unter der christlichrarabischen Bevölkerung große Aufregung hervor, weil er ihnen zeigte, daß auch ihr Leben nicht sicher ist. „Das palästinensische Problem“, so schreibt das genannte Blatt, „ist heute kejn arabisch-jüdisches Problem, aber auch kein Problem, das nur die Engländer und die Araber angeht; es ist vielmehr ein Problem von Recht und Ordnung, von denen die Frage der Sicherheit menschlichen Lebens und Eigentums abhängt. Es ist das Problem, daß jeder einzelne die Sicherheit haben muß, daß sein Leben und Eigentum nicht vogelfrei ist, daß, wenn er sein Haus verläßt, er die Sicherheit hat, daß ihm kein Unglück zustößt. Wo ist die Regierung des Landes?, das ist die Frage, die heute von jedem wiederholt wird. Es gibt keine Regierung in Palästina, denn kann man sich vorstellen, daß es im Lande eine Regierung gibt und daß gleichzeitig sich jeden Tag Raubüberfälle wiederholen und kein Mensch sich sicher fühlen darf? Unter der türkischen Herrschaft wurde im Falle eines Mordes der Mörder sofort vor Gericht gestellt, unsere Regierung jedoch — wieviel Raub, und Mordüberfälie I bereits im Lande geschehen, ohne daß auch nur einer der Verbrecher gefaßt worden ist? Kann dann das Volk angesichts dieser Tatsachen daran glauben, daß in diesem Lande eine Regierung vorhanden ist? Es Ormsby-Gore über die Lage London, 22. Jänner. (JTA.) In der ersten Si'zung, die das Unterhaus in seiner Wintersession abhielt, gab Kolonienministor William Ormsby-Gore eine kurze Erklärung über die gegenwärtige Lage in Palästina. Der Kolonienminister stellte fest, daß in Palästina zwar nach außen hin Ruhe herrsche, daß aber das Land von einer Stimmung i nerer Unruhe erfüllt sei. Der Mn’-^cr fttite hinzu, daß die letzten Raubüberfälle auf den Straßen Palästinas keineswegs, aus politischen Motiven verübt wurden, es handle sioh hier vielmehr um rein kriminelle Erscheinungen. Auf die Frage eines Abgeordneten, ob Italien seine antibritbche Propaganda über den Sender von Bari durch politische Mitteilungen in arabischer Sprache, die in erster Reihe für die Araber Palästinas bestimmt sind, fortsetze, antwortete der Minister, es lägen ihm keine Berichte, über die Fortführung dieser Propaganda durch den italienischen Rundfunk vor. 850 jüdische Arbeiter im HaiSaer Hafen Haifa, 24. Jänner. (JTA.) Nach langen Unterhandlungen zwischen der Jewisli Agency und der Regierung wurden 100 neue jüdische Träger im Haifaer Hafen eingestellt. Insgesamt arbeiten jetzt im Haifaer Hafen 850 Juden, die 40% der gesamten Belegschaft bilden. 1500 jüdische Ärzte Jerusalem, 24. Jänner. (JTA.) Wie bereits mitgeteilt, hat die Organisation jüdischer Ärzte Palästinas das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens gefeiert. An der Festvergenügte, daß die Regierung einen Offizier j Sammlung in Tel-Aviv nahmen 800 Ärzte aus der Türkenzeit mit zwanzig Polizisten! teil. Ansprachen hielten die Gründer des engagierte; sie würden ihr beibrlngen, wie j Vorbandes, Dr. Sherman und Dr. Puman die Verbrecher ausrottet. Die Palächowski, letzterer, der der erste Präsistina-Regierung sollte sich ein Beispiel an dent des Verbandes war, berichtete, daß der der türkischen Regierung nehmen, wenn; Verband bei seiner Gründung 14, heute aber sie Ordnung und Sicherheit im Lande einrund 1500 Mitglieder zählt. Zur Unterstützung der notleidenden Ärzte wurde ein Fonds von 3000 Pfund errichtet, der durch weitere, aus verschiedenen Institutionen zugeflossene 3000 Pfund erhöht wurde. führen will.“ Das Blatt schließt mit folgenden Worten: „Die Palästina-Regierupg sollte sich schämen, daß sie sich ,Regierung4 nennt. Sie ißt keine Regierung, die die Bewohner des Landes brauchen. Sie brauchen eine Regierung, die ihr Leben schützt, die Verbrecher und Räuber verhaftet und Ordnung, Recht und Frieden im Lande wieder herstellt. Andernfalls wird im Lande Anarchie herrschen und werden sich die Mordtaten und Raubüberfälle vermehren.“ AMenile Menschen wissen, daß zu erfolgreicher Arbeit bester Kräftezusland, ruhige Nerven, gute Stimmung notwendig sind. Zur Kräftigung des Körpers, zur Behebung von MattigkeitsgefUhl gibt es . ein zuverlässiges Mittel: DIANA- Franzbranntwein mit Menthol. Restes Einreiberaittel, hervorragend zur Mund-, Zahn- und Raohenpflege und zu mannigfachen anderen Zweoken. In |edem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen sie ausdrücklich „Diana“ und nehmen Sie nur „Diana“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurttckzuwclsen. Arabischer Verständigungsvorschlag London, 21. Jänner. (JTA.) Dem „Daily Ilerald“ wird aus Jerusalem telegraphiert, daß eine Gruppe prominenter palästinensischer Araber, dio sowohl zu den arabischen Radikalen wie zur Mufti-Gruppe in Opposition steht, der königlichen Kommission ein Memorandum überreichen wird, das nie ein V o r s t ä n d i g u n g e Vorschlag angesehen werden kann und dessen Forderungen in scharfem Gegensatz zu denjenigen der Radikalen und Mufti-Anhänger stehen. Von den gemäßigten Arabern werden folgende vier Forderungen erhoben: 1. Es soll ein Legislative Council eingesotzt werden, der dio Rechte der Juden und der Araber garantieren soll. 2. Es soll eine ständige Kommission zur Regelung der Einwanderung geschaffen werden; in der Kommission sollen Araber, Juden und Engländer vertreten sein. 3. Es soll einstarkeeSicherheitsw o e e u eingerichtet werden, durch das Gewähr dafür geboten wird, daß es nicht wieder zu Unruhen in Palästina kommen kann. 4. Das englische Palästina- Mandat soll in Kraft bleiben. AuniBey für jüdisch-arabische Aussprache London, 21. Jänner. (JTA.) Wie die „Times“ melden, hat Auni Bey Abdul Hadi vor der Königlichen Kommission erklärt, die Araber seien bereit, sich auf einer nichtzionistischen Basis mit den Juden zu verständigen und die Juden als Minderheit in Palästina anzuetkennen. Mohammedaner terrorisieren die Christen Jerusalem, 23. Jänner. Der „Dawai“ meldet, daß die christlichen Araber in Jaffa von den Mohammedanern terrorisiert werden; viele fürchten sich, nach Sonnenuntergang die Straße zu betreten. Gestern wurden in Jaffa Flugblätter verteilt, in denen die Mohammedaner aufgefordert werden, die christlichen Araber zu boykottieren. Die Flugblätter waren gezeichnet „Junge Mohammedanische Glaubenseiferer“. Dre Einlagen bei den Banken Jerusalem, 22. Jänner. (JTA.) Nach einer Veröffentlichung des Statistischen Bureaus der Palästina-Regierung betrugen die Einlagen in den palästinensischen Niederlassungen ausländischer Banken Ende Oktober 1936 14,140.146 Pfund. Das bedeutet eine Steigerung von 30.000 Pfund gegenüber September 1936. Die jü'.llschen genossenschaftlichen Kreditinstitute hatten Einlagen von insgesamt 2,642.053 Pfund. Unter den Niederlassungen ausländischer Banken ist auch die Anglo-Palestina- B a n k einbegriffen, deren Depositen Ende Oktober allein 1% Mijlionen Pfund betrugen. Von den übrigen fremden Banken sind die Barclays Bank, die Ottoman Bank, die Banca di Roma, die Dutch Union Bank und die Polnische Bank zu nennen. Außerdem bestehen in Palästina siebzig einheimische Banken. Der Oraaigenexport Jerusalem, 14. Jänner. (Palcor.) Der Orangenexport ist im vollen Gange. Bis heute sind bereits zirka drei Millionen Kisten exportiert worden, davon 1,600.000 aus jüdischen Pflanzungen. Trotz Hagel und Sturm, die vor zwei Wochen über das Land hereinbrachen, wird der gesamte Orangenexport in der Saison 1937/1938 auf nicht weniger als neun Millionen Kisten (gegenüber 5,873.000 Kisten im Vorjahre) geschätzt, davon 5% Millionen aus jüdischen Pflanzungen (gegenüber 3,340.000 Kisten im Vorjahre). Die Preise für die Palästina- Orangen auf dem internationalen Markte sind zwar nicht hoch, aber nicht niedriger als im Vorjahre. Normalerweise beginnen in dieser Zeit die Preise von Woche zu Woche zu steigen und erreichen das höchste Niveau in den Monaten März—April. iniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimiiiuiiniiNiiiniiiiniiiiiiiiiiitiiiiin Samstag wird die Jakresausstellung der Vereinigung Bildender Künstler im Glaspalasl eröffnet' Wir zeigen hier die Abbilduni einer Büste Josef Kasteins von dem jüdischen Künstler Egon Weine r. die auf der. Ausstellung zu sehen ist.

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