Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 613 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag, 22. Jänner 1937. — Nr. 613. DIB STIMME 8«1t« 3 J. K. J., I., Goldsdimledgasse 9 Samstag, 30. Jänner 1937 RONACHER Beginn: 23 Uhr »JUGEND FÜR WINTERHILFE« PROGRAMM: Ronaeher-Sensationen der zweiten Jännerhälfte, ferner Rita GEORG Sonja LEWKOWA Max BROD Karl FARKAS Fritz GRUNBAUM Duno TENDLER Martin MILLER 3 Melo-Parodisten Fritz STREHLEN 8 MAKKABI-Boys Conference: Josef BAAR TANZ Im BarstUberl : Edmund HELFER, Jimmy BERG Karten von S 2‘— aufwärts Das Reinerträgnis fließt zur Gänze dem Wlnterhllfsfonds der Israelitischen Kultusgemelnde zu Kartenvorverkaufi Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Slraßo 5 (0 22-'-ll); Oronner, 1., Graben 28; Jüdische Kulturstelle, I., Kal 3 (R 28-2-38); ,J. K. J., I., Goldschmiedgasse 9, sowie in den diversen Theaterkartenbüros und bei allen Koralteemltgliedern. Die National-Betonten und der Kurs In Graz ist dieser Tage die Gründung eines „Ostmärkischen Volksvereines“ erfolgt, der sich satzungsgemäß die „Pflege und Förderung des deutschen Schaffens“ und die „Erfüllung des österreichischen Volkskörpers mit gesundem deutschvölkischem Geist“ zur Aufgabe stellt. Der Verband, der seine Tätigkeit auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen will, bereitet die Gründung von über 800 Ortsgruppen vor und steht unter einer Leitung, die sich aus „Betont-Nationalen“ zusammensetzt und demgemäß die deutsch-arische Grundlage der neuen Organisation herausstreicht. Die Gründung ist mit Zustimmung der Regierung erfolgt, der, wie bekannt, im Sinne des Abkommens vom 11. Juli zwei nationale Minister, Dr. Glaise-Horstenau und Neustädter-Stürmer angehören, welch letzterer sich in dem bekannten Interview in der „Neuen Zeit“ sich für die Einführung der Nationalen in die Staätsführung ausgesprochen hat. Die in Graz vollzogene Gründung hat auch zu verschiedenen Erklärungen Anlaß gegeben, und die Vaterländische Front hat, wie berichtet, ausgesprochen, daß außerhalb ihrer Organisation eine politische Einflußnahme nicht angängig ist. Hier klafft ein Widerspruch, und dies macht es verständlich, daß sowohl in Österreich wie im Ausland eine sehr lebhafte Diskussion eingesetzt hat. Es wird in diesem Zusammenhang darauf verwiesen,, daß der deutsche Gesandte Papen bei den gegenwärtigen deutsch-österreichischen Wirtschaftsverhandlungen auch eine Liste politischer Postulate aufgestellt haben soll, die u. a. die Amnestie für die wegen Böller-, Sprengattentaten usw. verurteilten Nationalsozialisten und für die nach Deutschland Geflüchteten sowie die gesetzliche Zulassung der nationalbetonten Organisationen enthält. Dazu kommen auch noch Gerüchte über gewisse in Rom gelegentlich der Anwesenheit Görings gefaßte Beschlüsse, die die Selbstbestimmung Österreichs tangieren, über die Bildung eines „arischen“ Unterstützungsvereines ehemaliger Heimatschützer, über die bevorstehende Gründung eines „arischen“ Kreditorenverbandes und über die Einflußnahme der deutschen ‘'Devisenbehörden auf österreichische Verhältnisse, indem jüdischen Exporteuren aus Österreich die Devisenbewilligung verweigert wird. Die antisemitische Presse Österreichs beginnt wieder mit der Numerus-clausus-Agitation, und ein Blatt wagt es sogar, den deutschen Firmen, die Juden in Österreich als Vertreter beschäftigen^ mit der Anprangerung zu drohen. Das sind Ereignisse und Erscheinungen, die sich gegen die Unabhängigkeit Österreichs richten, die die Stellung der katholischen Kirche gefährden und die eine Ausweitung des antijüdischen Treibens anstreben. Es ist bedauerlich, daß die Einschränkung der Vereinsfreiheit gerade an jener Stelle durchbrochen wird, an deivsich die Feinde der Freiheit Östorroiehs sammeln, Elemente, die ausdrücklich und offen den Haß predigen und in das öffentliche Leben neuen Unfrieden und neuen Konflikt tragen. Es ist ihr Programm, die Judenschaft Österreichs aus allen Positionen zu vertreiben, den Juden das Brot vom Mund zu nehmen und dasjenige zu rauben, was sich jüdische Intellektuelle und Kaufleute in privater Stellung, in Ausübung ihres Berufes, in treuer Befolgung der Gesetze und im Vertrauen auf die Rechtlichkeit der Gesellschaft erworben haben. Das ist der Sinn der Ordnung, die angestrebt wird und die in einem grellen Kontrast steht zu allem, was bisher über die Geltung der Verfassung von verantwortlicher Stelle erklärt und betont worden ist. Es ist ein ununterbrochener Sturmlauf zu einer Entwicklung, die in der Ermordung des Kanzlers Dollfuß kulminiert und die nur durch die schärfste Zusammenfassung aller betont österreichischen Kreise verhindert werden konnte — zum Nutzen des Staates, der sich gerade durch sein Bekenntnis zur europäischen Zivilisation und durch seine Ablehnung aller nationalistischen Tendenzen das Vertrauen Europas und nicht zuletzt der jüdischen Kreise außerhalb Österreichs erworben hat. Das ist ein geistiges Kapital, das nicht aufs Spiel gesetzt werden kann, zumal ihm von „betont nationaler“ oder von nationalsozialistischer Seite nicht der geringste Gegenwert entgegengestellt werden kann. Denn was kann Deutschland bieten? Die jüdische Situation in Österreich ist just in diesen Tagen durch den Fall Kaspar Brandhofer illustriert worden. Wenn ein Mann, der als Jude und weil er Jude ist, zurückgestoßen wirdl und seinen Beruf nicht ausfüllen kann, zu dem Auskunftsmittel eines falschen Namens und eines geänderten Exterieurs greifen muß, so ist das eine Angelegenheit, die weit über die Grenzen des Staates hinausgreift und zeigt, wie es hier bestellt ist und wie gering die allgemeine Loyalität und das Empfinden für Recht und Ehrlichkeit geworden ist. Dieser Fall zeigt, was man im Schilde führt und was den Juden droht, denen nichts angelastet werden kann als ihre Abkunft. Das ist das System, das jetzt Minister Eden an den Pranger gestellt hat. Will Österreich in solche Gesellschaft geraten? Unser Inventurverkauf ist diesmal ein Ereignis! Alles nur aktuelle, schöne Restpaare Trotteur- und Luxusschuiie ir Schneeschuh schwedische Marke S 7 ISO usw. II.TABORSTRASSE Sa smKsas&asmmxm VoCtifotu/ifr - dCHS füdische- Schicksal Das ist das Thema des Vortrags, den Josef Kastein am 23. Jänner um 8 Uhr abends im Großen Musikvereinssaal hält. HalÜsiina — das liidisUt# SdUcksal Nie war-das Wort aktueller als heute. . Wie wird sich dieses unser Schicksal gestalten? Ein Mann, der das Land und seine Probleme gründlich kennt, ein Mann, der ihm mit Geist und Seele ergeben ist, der aber auch imstande ist, die Dinge zu sehen, wie sie sind, und reale, gangbare Wege zu weisen, wird uns seine Ansichten darlegen. Wer am jüdischen Schicksal interessiert ist, kommt am 23. Jänner in den Großen Musikvereinssaal! Erlösung von der tägliohen Qual ist die sanft-scharfe Amtseinführung des Ober* rabblners Hertzog Jerusalem, 18. Jänner. (JTA.) Am 15. Jänner fand in Jerusalem die feierliche Amtseinführung des neuen aschkenasischen Oberrabbiners von Palästina, Dr. lsaac Hertzog, des früheren Oberrabbinere von Irland, statt. An der Feier, bei der dem Oberrabbiner die Bestellungsurkunde überreicht wurde, nahmen Vertreter aller zentralen Institutionen des Jischuw, des Waad Leumi, der Jewish Agency, des Rabbinats mit dem sephardifiolien Oberrabbiner Jacob M e i r an der Spitze, der nationalen Fonds und verschiedener andoror Organisationen und Institutionen teil. Begrüßungsansprachen hielten der Präsident des Zionistischen Aktions- Komitees und des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Us s iß c h k i n, der Leiter dos politischen Departmentfi der Jewish Agoncy, Mosche Shertok, der Vorsitzende dt\s Waad Leumi, Jizchak Ben Z w i, Rabbi Meir Berlin von der Leitung des Misrachi-Weltverbandes, u. a. m. Ußsisohkin sprach die Hoffnung aus, daß es dem neuen Oberrabbiner gelingen wird, den Jieohuw und das Volk zu einigen. An Stelle des am Erscheinen verhinderten Chefsekretärs der Paläßtinaregierung Hathom Hall begrüßte der Regierungebeamte E n b a d i daß neue religiöse Oberhaupt. In seiner Antwort betonte Oberrabbiner Hertzog die Bedeutung der brüderlichen Einigkeit im jüdischen Loben und rief alle Teile des Jischuw auf, zusammenzaistehen, um geeint an dem heiligen Werk des Aufbaue des jüdischen Landes zu arbeiten. Auf der Reise durch Haifa und Tel-Aviv war Oberrabbiner Hertzog Gegenstand herz lieber Ovationen seitens der jüdischen Bevölkerung. Vor dem Einzug in Jerusalem wurde er in Monza von Repräsentanten der jüdischen Institutionen feierlich eingeholt Eine Erfindung palästinensischer Ärzte Die „Wiener Klinische Wochenschrift“ bringt einen Bericht der ln Palästina wirkenden Mediziner Prof. Hermann Z o n d e k und Dr. J. Weiser über die Heilung der Lungentuberkulose durch Hormone. Diese Ärzte berichten über große Erfolge bei Behandlung von Lungentuberkulose, die durch Einverleibung von Hormonen auß der Nebenschilddrüse geheilt werde. Der Kalk, der den Lungengeweben zugeführt wird, füllt die Lungenkavernen aus und auf diese Weise gelang es bisher bereits in 25 Fällen, die Heilung herbeizuführen. IPC übernimmt Pipeline- System Jerusalem, 17. Jänner. (JTA.) Die Iraq Petroleum Company (IPC) wird ihr Kapital um acht Millionen Phmd auf 14.5 Millionen Pfund erhöhen, um die Interessen der Mediteranean Pipelines Ltd., deren Kapital acht Millionen Pfund beträgt, übernehmen zu können. Damit würde das Pipeline-System im Vorderen Orient in den Besitz der Iraq Petroleum Company übergehen. Das Kapital der IPC von bisher 6.5 Millionen Pfund ist zu je 23%% im Besitz der Anglo Iranian Oil Company, der Royal Dutch Shell- Gruppe, der Compagnie Fran$aise de Petrol und der Near Eaßt Development Corporation (USA); der Rest von 5% ist im Besitz von Gulbenkien. Die historischen Bücher JERUSALEM Die Geschichte eines Landes. 419 Seiten * HEBOBES Die Geschichte eines fremden Königs 388 Seiten lAr URIEL DA COSTA Die Tragödie der Gesinnung 362 Seiten dr SABBATEI ZEWI Der Messias von Ismlr 386 Seiten ★ Jeder Band in Ganzleinen S 12*— R. LÖWIT, Wien, I. Wollzeile 6/8 u. durch Jede gute Buchhandlung Zionistische Bezirkssektion IV/V Am 18. Jänner 1937 fand die Generalversammlung der zionistischen Bezirkseektion IV/V statt. Die Rede hielt Kultuspräsident und Staaterat Dr. Desider Friedma.nn. Auf Antrag Dr. P r e i s’, welcher auf die Verdienste Dr. Oskar Grün bau ms als Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes verwies und von dessen Abßicht, seine neuerliche Wahl nicht anzunehmen, der Generalversammlung Mitteilung machte, wurde einstimmig folgende Resolution gefaßt: „Die am 18. Jänner 1937 stattgefundene Generalversammlung der Bezirkssektion Wieden-Margareten hat einstimmig beschlossen, dem Parteiführer und Präsidenten , des Landesverbandes Österreichs, Herrn Dr. Oskar Grünbaum, den innigsten Dank für seine Verdienste um die zionistische Idee und um die Partei auszusprechen. Gleichzeitig wird an Herrn Dr. Oskar Grünbaum als Präsidenten des Landesverbandes, indem ihm treueste Gefolgschaft zugesichert wird, der Appell gerichtet, in diesen für die Judenheit so schweren Zeiten die Führung nicht niederzülegen, diese vielmehr zu behalten und; die Partei von Sieg zu Sieg zü führen.“ Ein genauer Bericht über diese bedeutungsvolle Rede und über den Verlauf der Generalversammlung wird demnächst veröffentlicht. RENDEZVOUS IN DER KONDITOREI I Z S A K WIPPLINGERSTRASSE 13 Brodetsky Großpräsident der Bne Brith Englands London, 17. Jänner. (JTA.) Auf der Dreijahresvereammlung der englischen Bne Brith ist Professor Dr. Selig Brodetsky, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, zum Großpräsidenten des Ordensdistrikte für das Vereinigte Königreich und Irland gewählt worden. Der bisherige Großpräsident war M. Gordon Liverman. Zionistische Sammlungen in Rumänien erlaubt Timisoara, 17. Jänner. (JTA.) Während der hiesigen Tagung der Zionißtißchen Organisation für Transsylvanien lief die Meldung ein, daß daß Innenministerium das Verbot der Sammlungon zionistischer Fonds zurückgezogen hat, die Landesbtiroß halben ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Jüdische Stunde im Radio Bratislava Oberkantor Joeef Feuer wurde vom Radio Bratislava eingeladen, Montag, den 25. d., bei der Jüdischen Stunde mitzuwirken, die unter der Leitung Kantor K i e ws k i s, um 8 Uhr 30 abendß, stattfindet. Der Zionistische Landesverband spricht Herrn Börsenrat Richard Pappenheim anläßlich des Ablebens seiner Mutter, Frau Emma Pappenheim, seine herzliche Anteilnahme aus. Zionisten! Vergesset nicht bei euren Veranstaltungen die 10%ige Keren-Kajemeth-Abgabe!