Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 613 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite £ DU STIMMI Wien, Freitag, 22. Jänner 1937. — Nr. 613. Club »Erez Israel« Samstag, 20. Februar: Großer Purimball fahren, daß der Chefsekretär der Palästinaregierung, John Hathorn Hall, sich boi seiner Vernehmung durch die Königliche Kommission zugunsten des arabischen Standpunktes geäußert habe. Die Vernehmung Halls fand bekanntlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Nach Zanzibar versetzt Araber gegen Juden und England Jerusalem, Chefsekretär 1933, ißt zum nannt worden. 21. Jänner. Hathorn Hall, der Palästina-Regierung seit Gouverneur von Zanzibar er- 28jähnger Mann inHellung sucht braves jüdisches Mädchen von angenehmen Äußern zwecks Ehe kennenzuleinen. Unter , Auch Einheirat“ an die Adimn. d. Blattes. Konferenz arabischer Staaten Jerusalem, 15. Jänner. (Palc-or.) Nach einer Meldung in der arabischen Zeitung „Al- Liwa“ soll anläßlich der Pilgerfahrt nach Mekka eine Konferenz der Vertreter arabischer Staaten einberufen werden, auf der die Palästina-Frage sowie auch Probleme des Islam in anderen Ländern verhandelt werden sollen. Aus anderen Quellen verlautet, daß König I b n Saud eine solche Konferenz nicht billigt und überhaupt zu irgend welchen politischen Zusammenkünften seine Einwilligung versagt. „Al-Liwa“ meldet ferner, daß die Arabische Gesellschaft für Palästina in New York eine Abordnung nach London entsenden wird, wenn die Königliche Kommission dorthin zurückkehrt. Jüdischer Ingenieur - Chemiker mit langjährigen praktischen chemischen und mascbinen-teehnischen Erfahrungen au! dem Gebiete der Herstellung von Cellulose und Papier gesucht. Ausführliche Bewerbungen mit genauer Angabe bisheriger Tätigkeit, Zeugnisabschriften sowie Aufgabe von Referenzen imd Gehaltsanspriichen erbeten unter „Karl“. Eine Lüge des Mufti Bukarest, 18. Jänner. (JTA.) Der Mufti von Jerusalem, Haj Amin el Husseini, hat, wie mitgeteilt, vor der Königlichen Kommission erklärt, er sei im Besitz eines Schreibens des Oberrabbiners von Rumänien, in dem die Wiederherstellung des Salomonischen Tempels gefordert wird. An wen dieses Schreiben gerichtet sei, sagte der Mufti nicht. Der Landesrabbiner von Rumänien, Sena*- tor Dr. I. Niemirower, hat sofort an die Königliche Kommission telegraphiert, er habe niemals an den Großmufti irgendein Schreiben gerichtet, habe sich auch niemals über den Wiederaufbau des Salomonischen Tempels geäußert-. Vegetarische Küche Diätküche, Milchspeisen, Büfett, Fischspezialitäten Menü S V-, 1*60. 2*- lm Abonnement 10"/« billiger Wien, II., Hermlneng. 10, Ecke Franz Hochedlfngerg. 10. Schöner Saal für Festlichkeiten. — Samstag geschlossen Neues englisches Weißbuch London, 17. Jänner. (JTA.) „Daily Telegraph“ meldet, daß der Bericht der Königlichen Kommission im April vorliogen wird. Gleichzeitig werde die englische Regierung eine politische Erklärung über das Palästinamandat veröffentlichen. Damit würden alle Vorbereitungen für die im Juni stattfinden de Tagung der Ständigen Mandatskommission de« Völkerbundes getroffen «ein, bei der der Vertreter der Britische» Maudatarmacht die «schon bei der vorletzten Tagung der Kommission verlangten Auskünfte über die Ursachen dor Palä/stinaunruirn geben eoll. Inzwischen werden die vor der Kommission abgelegten Zeugenaussagen sofort nach dem Eintreffen des offiziellen Protokoll« in London in Druck gegeben. Jerusalem, 18. Jänner. Heute wurde der Generalsekretär des Obersten Arabischen Ausschusses, Auni Bey Abdul Hadi, von der Kommission ein zweites Mal vernommen. Er erklärte bei dieser Gelegenheit, die Lage der Fellachen in Palästina sei durch den Zionismus verschlechtert worden. Auf Artikel 34 dee Lausanner Vertra-, g e 8, in dem die Rochte früherer türkischer Untertanen behandelt werden. Sir Horace | R u m b o 1 d bemerkte hiezu scherzhaft, daß er zwar den Lausanner Vertrag selbst mitunterzeichnet, jedoch den vom Zeugen zitierten Artikel 34 vergessen habe. Sir Horace a 1 s B e w e i s dafür hinstellte, daß die Juden mit den Arabern konkurrieren und versuchen, die Rechte der Araber zu schmälern. Sir Horace Runibold bemerkte dazu, daß hier ein Beratungskomitee, das die Araber abgelehnt haben, der Re* tt. j rr . j , , , . gierung Gelegenheit geben würde, die Ge- Jb ragen des Kommjssionsvorsitzenden, Lord fügte hinzu, daß m Palästina geborene Aragetzgeßung zu erläutern. Dajani bestand Peel, und des Mitgliedes der Kommission, ber, die vor dom Kriege ausgewandert sind, jp.pJ.h auf dor Fnrderunanach einer a r a- Sir Laurie Hammond, über die Stellung der ohne Schwierigkeiten Visa elbischen nationalen Regierung, Land zu rück-^ie bezahlten englischen Beamten ent- Der Zeuge beharrte fenien und die Gesetzgebung unter arabische Araber zu dem Plan einer arabischhalten und ins jüdischen Round Table-Konfekehren könnten. renz imdzu einer eventuellen.Einteilung jedoch.auf seiner Forderung nach Pal*- Konttolle stellen wUrde. Er" schloß mit der Palästinas in arabische und jüdische Kanstmeneischer Staatsangehörigkeit für Araber,, Forderung naoh eigenem Üben, eigenem tone, antwortete der Zeuge, die Araber würdie noch außerhalb Palästinas wohnen, so Fiao-aß für dm Araber den auf keinerlei Kompromiß eingehen. Sie daß sie unter konsularischem Schutz stehen. ’ B r 00 bereit, sich an einer Round Hassan Sidkey Dajani, der Sekre- Table-Konferenz zu beteiligen und würden ^,r Arabischen Obersten Komitees, besieh nicht einmal mit der Verhinderung j stritt Dr. Weizmanns Erklärung, daß die weiterer jüdischer Einwanderung zufrieden j Juden nur da« Recht verlangten, nach Palägeben. Auch die Zahl der jetzt in Palästina etina zu kommen und dort in Frieden zu lebenden Juden sei ihnen zu hoch. In eine i^ben. Dajani wies darauf hin, daß die Juden Kantonisierung Palästina« würden sie keinesfalls einwilligen. Weitere arabische Zeugest Die Kommission setzte am 17. Jänner die Einvernahme arabischer Zeugen fort. Dr. K h a 1 d i, der Bürgermeister von Jerusalem, übte scharfe Kritik an der Kritik, insbesondere an der Besetzung von höheren Regierungsposten, wobei Engländer zum Nachteil.der Araber bevorzugt würden. Ferner gab er an, daß der Prozentsatz der arabischen Regierungsbeamten sich immer mehr vermindere, während immer mehr Regierungs-Dezernate zugunsten von jüdischen Zwecken geschaffen würden, wodurch höhere Kosten entstehen. Nach einem eingehenden Verhör durch Prof. Coupland ergab sich die Tatsache, daß die vom Zeugen erwähnten Kosten von den Juden getragen werden, so daß also durch die zusätzlichen Regierungs-Dezernate die Araber keinerlei Schaden erlitten. Dr. Khaldi behauptete ferner, die Regierung treffe keinerlei Maßnahmen, um die Bestimmungen des Mandats bezüglich1 Selbstverwaltung zu erfüllen; er wies darauf hin, daß sogar die Stadtverwaltungen einer immer schärfer werdenden Regierungskontrolle unterstellt würden, was bei der arabischen Bevölkerung lung auslöse. Die Stellung der Juden gegen, befestige sich inzwischen immer mehr, und er erwähnte in diesem Zusammenhänge die wachsende Zahl jüdischer Stadträte in der Jerusalemer Stadtverwaltung, was zum Schaden der Araber sei und darauf schließen lasse, wie sich die Dinge in Zukunft gestalten werden. Schließlich kam Dr. Khaldi auf das Projekt des Gesetzgebenden Rates zu sprechen, das 1922 und 1935 aktuell war. Das negative Resultat dieses Projektes lasse, die Araber immer mehr an den Aussichten für eine künftige Selbstverwaltung verzweifeln. eine 50prozentige Beteiligung an den städtischen Arbeiten in Jerusalem fordern, was er BUROPRAKTI KANTIN oder PRAKTIKANT mit Stenographie und Maschinenschreiben für Texttt- und Wäschegeschäft gesucht. Offerte unter „BUropraktlkantin“ a. d. Administration Die Türkei und Arabien Von M. Y. Betfgavrlel Als nach dem militärischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch im Weltkrieg die Herrschaft der Türken auf den rein türkischen Lebensraum in Kleinasien beschränkt wurde, ahnte wohl niemand, daß gerade diese Operation den seit hundert Jahren sterbenden „kranken Mann am Goldenen Horn“ stärken und gesund machen werde. Die durch die Friedensverträge erzwungene Konzentration auf sich selbst, deren ungeheuren Wert Mustafa Kemal als erster begriff, ließ diesen Staat, mit dem nach dem Krieg kein Politiker ernstlich rechnete, eine überraschende Wandlung durchmachen. Die verhältnismäßig kurze Spanne Zeit zwischen damals und heute machte aus der Türkei des Ataturk einen Militärstaat von ziemlicher Stärke, allenfalls die militärisch stärkste Macht des Vorderen Ostens. Abgesehen von einer ungemein geschickten Bündnispolitik mit den benachbarten Staaten, hat die neue Türkei in weiser Zurückhaltung während dieser Jahre nur sehr selten in den aus dem geschnitgesucht. Vprzweif-1 C «O.U1U nui ocui ocitou m uci •, , i Leib des großtürkischen Reiches Auch die arabischen Arbeiter Der nächste Zeuge war George Mans o u r, Sekretär des arabischen Arbeiterverbandee in Jaffa. Nachdem er sich an Hand von statistischem Material eingehend mit den Löhnen arabischer Arbeiter in den verschiedenen Handelszweigen befaßt hatte, versuchte er zu beweisen, daß die jüdische Einwanderung schuld ist an der arabischen Arbeitslosigkeit. 90 Prozent der arabischen Arbeiterschaft, behauptete er, seien verschuldet, und 95 Prozent hätten nur für ein oder zwei Tage in der Woche Arbeit. Er erklärte ferner, es gäbo auch beträchtliche Arbeitslosigkeit unter den Juden. Sir Harold Morris fragte, ob nicht die Juden die Schuld an der arabischen Arbeitslosigkeit tragen, der Zeuge antwortete, daß die Regierung die Schuld treffe, da sio für die jüdische Einwanderung verantwortlich sei. In der Abendsitzung wurde Issa Bend a k, Bürgermeister von Bethlehem, vernommen. Anwesend waren nur vior Koramissonsmitglieder, da Sir Laurie Hammond und Professor Coupland den Sitzungssaal vorher schon verlassen hatten. Issa Bendak tenen Nachkriegsstaaten Einfluß Man hörte gelegentlich von Handelsvertragsverhandlungen und auch mitunter von einer — übrigens schwachen — Kulturpropaganda in den Ländern jenseits des Taurus, all dies aber 6tand in keinem Vergleich zu den in den Ländern des Orients üblichen Propagandaanstrengungen anderer Mächte. Nun ist es plötzlich anders geworden. Die völlig unübersichtliche weltpolitische Situation und nicht zuletzt der unter etwas krampfhaften Erscheinungen vor sich gehende Gestaltwandel in den arabischen Ländern, lassen plötzlich die Politik Ankaras aus ihrer Reserve heraustreten. Die Ausnützung der gegenwärtigen Situation wird zur Generalforderung und plötzlich tauchen in einem seit Alexander dem Großen weltpolitisch wohl kaum bedeutenden Winkel türkische Agenten auf, die neue Schwierigkeiten in die politische Lage dieser Tage bringen. A1 e x a n d r e 11 e, ein wohl vorzüglich geschützter Hafen, der aber sonst nur als Flankendeckung für die syrische Bahn von Bedeutung ist, wird über Nacht zum Streitobjekt zwischen Syrien, das heißt Frankreich, und der Türkei. Das Schicksal dieses Sandschaks, um dessen Besitz hüben und drüben der syrischen Grenze leidenschaftlich demonstriert wird, ist noch nicht entschieden. Was aber bereits heute sicher ist, ist die Tatsache, daß dor türkische Anspruch zu einer elementaren Annäherung selbst der radikalsten syrischen Nationalisten an Frankreich führen muß, weil kein Mensch in Syrien heute darüber unklar ist, daß drei oder vier Tage nach einer Evakuierung Syriens von französischen Truppen dor Zustand von vor 1918 wieder hergestellt, das heißt, daß Syrien wieder türkisch wäre. Frankreich könnto natürlich, schon au« Selbsterhaltungsgründen, eine derartige Veränderung der Landkarte nicht zulassen. Wenn es auch in den Verträgen von befaßte sich mit denjenigen Arabern, die vor 11921 — als die damals türkeifreundliche dem Kriego als Untertanen der türkischen! Standard Oil Companie auf der Pariser Börse Herrschaft, aus Palästina ausgewandert wa-! ein gewichtiges Wort zu sprechen hatte — ren, und die nun, wie er erklärte, keinen bezüglich des Status von Alexandrette der Schutz seitens der türkischen Konsulate ge-; Türkei entgegenkam, kann eg sich selbstnossen, und daher die palästinensische verständlich des besten Hafens von Syrien Staatsangehörigkeit erstrebten. Er zitierte nicht entäußern. Und England wieder, das in Palästina sitzt, ist es durchaus nicht darum zu tun, die Türkei eines Tages als direkten Nachbar zu bekommen, die die Erinnerung an die einstige Macht wieder aufgenommen zu haben scheint und überdies eine künftige H a i f a—B agdad-Bahn jederzeit bedrohen könnte. So ißt es klar, daß England auch in der Alexandrette-Frage mit Frankreich gehen muß. Die neu offenbarten Expansionstendenzen der Türkei werden sich aber, nach Erledigung der Sache von Alexandrette, auch nach einer andern, England unmittelbar interessierenden Richtung wenden. Das zweite Ziel dieser Tendenz ist das Ölfeld von M o s s u 1, dae die Friedensverträge dem neuen Staat Irak zuteilten, und dessen Erträgnisße da« Budget Bagdads und besonders die in letzter Zeit forcierte Aufstellung einer großen Armee garantieren. Die Türkei braucht natürlich Petroleum, wenn eie Armee und Flotte auf der Höhe halten will. Eine Rohrleitung aus Mossul, worüber eine Verständigung wohl möglich wäre, genügt heute Ankara nicht, besonders da man im letzten palästinensischen Aufßtand gelernt hat, wie leicht eine solche Leitung anzuschießen ist. So besteht die für alle Freunde des Friedens wenig tröstliche Aussicht auf eine neue Komplikation im Oßten der Welt. Es ist sicher, daß dieses neue Problem ßchwieriger sein wird, als das von Alexandrette, da nicht allein Frankreich und England, sondern auch die arabischen Staaten, besonders der Irak, gegen die türkischen Ansprüche sein werden, und auch Rußland es nicht gern sehen wird, weun ein gut zahlender Großabnehmer, wie es die Türkei ist, sich plötzlich selbständig macht. Die Türkei ist also wieder in der Politik des arabischen Orients aufgetaucht. Die Erinnerungen an ihre Herrschaft sind in diesen Ländern nicht die beeten, doch nicht sie allein sind es, die den arabischen Nationalismus von vornherein gegen alle türkischen Aspirationen einnehmen. Die Leute von Ankara haben, ganz andere als die lotzten Sultane von Konstantinopel, nichts für eiue panislamische Bewegung übrig. Sie nennen sie eine sentimentalreaktionäre Tendenz. Aber sio wissen auch gleichzeitig, daß ihr Erstarken ein Erstarken aller gegen die Reformen Mustafa Kemals gerichteten inuertürkischen Kräfte bedeutet. Den Pan-Arabißmtts aber müssen sie schon deshalb ablehnen, weil man lieber an ein Volk grenzt, das nicht geeinigt ist, als an einen Nachbar, der den Partikularismus und die Stammesgogensätze bereits überwunden hat und nach dem gleichen Lebensprinzip zu leben beabsichtigt, wie man selbst. Und ein großarabiscues Reich, das weiß die Türket, das sich überdies an England und Frankreich lohnt, kann eine Alexandrette- oder Mossul- Frage über Nacht entscheiden. Die Juden Palästinas aber, die zwar weder mit Alexandrette, noch auch mit Mossul direkt etwas zu tun haben, müssen mit wachsender Aufmerksamkeit diese aus dom Norden kommende Bewegung beobachten und ihren Standpunkt sichern, der b e i Verhandlungen mit Arabern der Standpunkt eines Gebenden und daher auch zu Forderungen Berechtigten sein kann.