Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 612 (19.1.1937)
- Date
- 1937-01-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 1 QIC STIMME Wien, Dienstag, 19. Jänner 1937. — Nr. 612. a b z u ä n d e r n, nach dem Muster der Jewieh Agency auch eine Arab Agency zu schaffen und die Einwanderung eo zu regeln, daß die jüdische Bevölkerung niemale mehr als 83 Prozent der arabischen ausmachen kann. Ferner verlangte Barbour, daß tun Teil des Palästinabudgets den Arabern zur Entwicklung einer eigenen Industrie zur Verfügung gestellt werde. Zu den britischen Zeugen gehörten auch mehrere M i e s i o n ä r e, die zwar von vornherein nicht für die Forderungen eines der beiden Bevölkorungsteile eintreten, aber ihre Tätigkeit vorwiegend in den arabischen Kreisen auetlbcn, so daß angenommen wer den muß, daß sie in ihren Aussagen mehr Verständnis für den arabischen als für den jüdischen Standpunkt gezeigt haben. Warum Ussisdikin nicht vor die Kommission ging Tel-Aviv, 14. Jänner. (JTA.) Auf einer in! gen allein. Hätte meino Ansicht gesiegt und Tel-Aviv jibgehaltenen Konferenz der Allgej hätten die anderen ein und dieselbe Sprache ~ . gesprochen, dann wäre ich vor der Kommission erschienen; 60 aber habe ich es unterlassen. Vor neun Jahren, erklärte Ussischkin zum Schluß, war die Shaw-Kommission hier. Vorsitzender der Exekutive war damals Harry Sacher. Man wandte sich an ihn mit der Bitte, daß Jabotinsky und iah eingeladen werden mögen, vor der Kommission aufzutreten. Was Jabotinsky betrifft, 60 antwortete Sacher, werde er es sich überlegen; was mich betrifft, antwortete er: nein! Seine Überlegung war die: Wenn Jabotinsky aussagen wird, dann wird man nachher erklären können, er sei der Führer der Opposition; werdo aber ich sprechen, dann werde man schweigen müssen. Dasselbe hat sich jetzt wiederholt. Gerade weil ich Vorsitzender des Aktionskomitees bin, darf ich keine Spaltung in die Bewegung tragen. Entweder wir kommen zu einer geschlossenen Ansicht, oder ich muß schweigen. In einem Augenblick des Kampfes aitf Leben und Tod mit den Feinden Israels gilt als oberster Grundsatz: innere Einheit! meinen Zionisten (Gruppe B) Palästinas äußerte sich der Präsident des Jüdischen Nationalfonds und Vorsitzende des Zionisischen Aktionskomitees, M. M. Usßischk i n, über seinen Standpunkt gegenüber der Art, wie die jüdischen Interessen vor der königlichen Kommission vertretn wurden. Ich habe, sagte Ussischkin, folgende Grundsätze aufgestollt: 1. Wir dürfen vor der Kommission nicht als Beschuldigte, sondern müssen umgekehrt als Ankläger erscheinen: das ganze Material muß daraufhin zugeschnitten sein. 2. Wir müssen England klar und offen sagen: Im Verlauf von achtzehn Jahren hat man vier Pogrome gegen uns durchgeführt. Wie immer man das Mandat interpretieren möge, hat 6ich England vor allem verpflichtet, Leben und Eigentum zu schützen; das hat es nicht getan, entweder weil die Verwaltung unfähig war, oder weil sie es nicht gewollt hat. Im ersten Fall hätte man die Verwaltung ändern, im zweiten Fall offen Anklage gegen England erheben müssen. Ich glaube kaum, daß schwere Unruhen ausbrechen können, wenn die englische Verwaltung es nicht will. Was den Boden betrifft, so müssen wir folgende Beschwerden erheben: Als ihr eure Zustimmung zur Errichtung des Nationalheims gegeben habt, wußtet ihr, daß man nicht in der Luft baut, sondern auf dem Boden. Jedes Feld und jeden Sumpf htben wir mit Gold aufgewogen und ihr habt, statt uns zu helfen, uns nur schwere Steine in den Weg gelegt, um das Land zur Hölle zu machen. Nicht wir sind die Schuldigen, sondern ihr. In bezug auf die Einwanderung wäre es unsere Aufgabe, alle Bedrückungen und Einschränkungen gegen die Alija darzustellen. Statt dessen hat man die Darlegungen in der Richtung des „Wir sind nicht schuld!“ geführt und gewissermaßen Kurse für Palästinakunde für die königliche Kommission eingerichtet. Manche Lehrer batten dabei Erfolg, andere nicht. Aber die Schüler langweilen sich und sind dieser Kurse überdrüssig. Nachdem Weizmann sein ausgezeichnetes und wunderbares Referat gehalten hatte, sagte ich ihm, er hätte über zwei Dinge nicht sprechen sollen: 1. darübor nicht, daß die Regierung für die Araber zu wenig getan habe. Nicht die Aufgabe unseres Präsidenten sei es gewesen, dies zu sagen, sondern des Mufti. Wenn man sich die Ansicht Weizmanns zu eigen mache, werde man den Arabern mit unserem Geld helfen; 2. über Transjordanien; ich war der Ansicht, man hätte zwar diese Gedanken äußern können, von Leib J a f f e namens der Jewish Agency und des Waad Leumi, sowie von den Rabbinern Ostrovsky und Berlin willkommen geheißen wurde, trat er die Fahrt nach Jerusalem über Tel-Aviv an. An allen Stationen auf der Strecke waren Vertreter der jüdischen Gemeinden mit den Rabbinern an der Spitze zur Begrüßung erschienen. Ausbau des Hafens von Tel-Aviv Jerusalem, 14. Jänner. (Palcor.) Auf einer Sitzung der Tel-Aviver Handelskammer wurde von S. Hoofien, Direktor der Anglo-Paleetinc Bank, angekündigt, daß die neue Ausgabe von Aktien der Gesellschaft für Finanzierung des Hafenausbaues nächste Woche erfolgen wird. Es besteht die Absicht, die Mole und den Wellenbrecher zu vergrößern. Max Ntsrok geht nach Tanganyika Jerusalem, 14. Jänner. (JTA.) Die Tageszeitung „Haarez“ meldet, daß der Sekretär der Palästinarogierung, Max N u r o k, der bekanntlich Jude ist, zum Vizesekretärin Tanganyika ernannt worden ist. Nurok wird nach Palästina nicht wieder zurückkehren. Für die mir anläßlich meiner Verlobung von allen Veiwandten, Gesinnunqsgenossen und Freunden zugegangenen Gratulationen danke ich bestens. Judith Drimmer Sic schon Ihre Karte für den Vortrag Josef Kasteins im Großen Musikververeinssaal? Die Nachfrage ist, wie zu jedem Kastein-V ortrag, stürmisch. Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Karte an einer der Vorverkaufsstellen: Im Büro des Zionistischen Landesverbandes, Wien, L, Marc-Aurel-Straße 5, bei den Bezirkssektionen der WIZO, in der Buchhandlung Rath, der Jüdischen Kunsstelle, der Buchhandlung Lanyi oder der Buchhandlung Mejstrik. Der Vortrag, der das Thema „Palästina — das jüdische Schicksal“ behandelt, findet am 23. Jänner, um 8 TJhr abends, statt. Die Kommission zeigt ihr Gesicht Von Michael, Jerusalem. jedoch in anderer Form. Man hätte der Kommission sagen müssen: Seht, was ihr uns mit der Balfour-Deklaration gegeben habt und was daraus geworden ißt. Im Aktionskomitee habe ich manchmal in scharfer Form geredet. Ich habe mit Dr. Ruppin über seine Ansicht diskutiert, daß man nachweisen müsse, daßgenug Boden vorhanden ist und daß wir die Araber nicht ausbeuten. All dies haben wir schon vor der Shaw- Kommission dargelegt. Es hat keinen Sinn, mit Tabellen zu operieren, denen andere gegenübergestellt werden. Wir. müssen erklären, daß zwar unserer Meinung nach für die Araber Platz im Lande ist, wenn aber die Regierung anderer Meinung sei, dann müsse sie den Arabern Boden beschaffen, aber nicht auf unsere Kosten. Es gibt ein arabisches Volk, das sich über den Irak, Syrien, Ägypten und Saudi-Arabien erstreckt und weite Ländereien besitzt. Und es gibt ein Volk, da« nicht« beftitzt außer dem Stückchen Boden für ein Grab; ißt ee Gerechtigkeit, eino solche Stellung zu ihm einzunehmen? Das hätte der Weg unserer Argumentation sein müssen und nicht ein Operieren mit Zahlen und Tabellen. Die Gegenseite im Aktionskomitee erklärte, eine solche Argumentation sei gefährlich, und ich blieb mit meinen Ansohauun- Dle hebräische Presse gegen Bentwich und Smilansky Jerusalem, 14. Jänner. (JTA.) Die hebräische Presse will erfahren haben, daß der Professor an der Hebräischen Universität iu Jerusalem und frühere Chef der Justiz in Palästina Nor man Bentwich in einer vertraulichen Sitzung der Königlichen Kommission einen Plan unterbreitet hätte, der darauf hinausgehen soll, die jüdische Einwanderung so zu regeln, daß die Juden niemals 40 Prozent der allge meinen Bevölkerungszahl Palästinas übersteigen. Die Zeitungen geben einen entrüsteten Kommentar zu dieser Mitteilung und fordern Bentwich auf, sich öffentlich zu diesem Gegenstand zu äußern. Vor einigen Tagen hatte der „Dawar“ scharfe Angriffe gegen den Präsidenten des jüdischen Kolonistenverbandes Mosche Smilansky gerichtet, der als Zeuge in einer vertraulichen Sitzung der Königlichen Kommission vorgeschlagen haben soll, daß bei der Festsetzung des Einwanderungsschedule auf der Basis der Aufnahmefähigkeit Palästinas nur 75 Prozent der Zertifikate an Juden gewährt, die restlichen 25 Prozent dagegen für die Beschäftigung arabischer Arbeiter reserviert werden mögen. Ferner soll sich Smilansky mit der Schaffung eines Legislative Council einverstanden erklärt haben. „Dawar“ fordert Smilansky auf, zu erklären, ob diese Wiedergabe seiner Aussagen richtig ist. Weizmanns Abreise Jerusalem, 16. Jänner. (Palcor.) Präsident Weizmann reißt morgen nach Europa ab. Vor einigen Tagen verabschiedete er eich in einer Sondersitzung des Kleineren Aktionskomitees. In seiner Ansprache gab er einen Überblick über die politische Lage und über seine Tätigkeit während seines Aufenthaltes im Lande. Er erklärte, daß, was auch immer da« Ergebniß des politischen Kampfes sein möge, dae Aufbauwerk fortgesetzt werden müsse. Alles, was in menschlichen Kräften liegt, sei getan worden und werde auch weiterhin getan werden. Ussischkin richtete warme Abschiedsworte an Weizman im Namen des Aktionskomitees und des Jißchuws. Raw Hertzog in Palästina eingetroffen Jerusalem, 14. Jänner. (Palcor.) Der neue aschkenasißche Oberrabbiner Palästinas, Hertzog, traf heute vormittags in Haifa ein und wurde von einer zahlreichen Menge begrüßt. Unter den offiziellen Vertretern befanden sich solche der Regierung, des Waad Leumi, der nationalen Körperschaften und jüdischen Gemeinden, sowie mehrere Rabbiner. Auch der arabische Bürgermeister von Haifa, Hassan Shukri, war anwesend. Nach einem Empfang in der Synagoge von Hadar Hacarmel, wo der neue Oborrabbiner Wer die lange Kette der Aussagen vor der Königlichen Kommission einigermaßen verfolgt hat, mußte den krassen Umschwung im Verhalten der Kommission zu den jüdischen Zeugen und unserem Aufbauwerk bemerken. Die respektvolle Freundlichkeit, mit der man dort Weizmann angehört, ja ihn ermun- Y eil in aber hatte wegen Anwendung ebendieses Ausdruckes von der Kommission strengstes Verhör zu dulden, ob sich darunter nicht gar Sympathie für den Judenstaat verberge. Was nun ist der Grund dafür, daß die Kommission uns Juden ihr Wohlwollen so tert hat, sich frei auszusprechen, und die offensichtlich entzog? Da und dort tauchte Anerkennung, die man noch den Berichten der nächstfolgenden Referenten der Sochnuth gezollt hat, gehören längst der Vergangenheit an. Der Humor des Vorsitzenden, Lord Peel, ist seither stachlig und giftig geworden und seine Kollegen wetteifern, unseren Leuten Einwiirfo zu machen, Widersprüche vorzuwerfen, Fangfragen zu stellen. Als Beleg hiefür paar knappe Reminiszenzen! Als in einer der ersten Sitzungen der Leiter des Regierungsdepartements für Erziehung dahin Bescheid gab, daß wohl in den jüdischen Schulen Arabisch unterrichtet worfle, in den Regierungssohulen aber für arabische Kindor nicht auch Iwrith, fuhr das zuständige Kommissionsmitgliefl auf, das sei ein schwerer Verstoß gegen das Grundgesetz, wonach doch Iwrith als eine der drei offiziellen Landessprachen zu gelten habe. Ala aber der greise und seit fünf Jahrzehnten hierlands um. Hobung der geistigen Kultur hochverdiente David Y e 11 i n nachdrücklich und dabei bescheiden dartat, wie die Regierung das Hebräisch auf Schritt und Tritt zurücksetze, wurde ihm von der Kommisison her angedroht, daß man, wenn die Juden sich so auf die genaue Einhaltung des Mandates versteifen, dieses werde abändorn müssen ... Oder ein weiterer Fall! Die Kommission hatte bei Vernehmung der englischen Departemcntsloiter wiederholt bedauert, daß neben den hohen Staatsausgaben für Sicherheit so lächerlich kleine Quoten für Erziehung, Heilweeen und andere produktive Zwecke übrig bleiben. Später nun wiesen jüdische Zeugen, denen die Kommission — gestützt auf die Londoner Richtschnur — hartnäckig Beschwerden gegen die Palästina-Regierung abverlangte, auf den gleichen Übelstand in Verteilung deren Budgets hin. Da jedoch stießen sie auf den schroffen Einwurf, ob denn die Ausgabe für Sicherheit nicht um so vieles wichtiger sei! Das grenzt ja schon an Hohn; denn längst weiß jedermann im Land und in aller Welt, daß der Sicherheitsdienst dieser Regierung, ob nun Polizei, Militär oder Gericht, völlig versagt hat. Unter den Augen der Kommission wird nicht nur der arabische Boykott gegen den Jisohuw ausgebaut, sondern auch Raub und Mord dauern — kaum gebremst — fort und nur ein Zufall bewahrte Lord Peel, auf der Straße Jericho—Jerusalem von Banditen gefaßt zu werden. — Oder: E r e z J s r a e l ist seit Mandatsbeginn der offizielle Ausdruck für Palästina in Jwrith; er wurde seinerzeit vom Obersten Gericht des Landes gegen die Klage der arabischen Exekutive aufreohterhalten. in der jüdischen Presse ein berufsmäßiger Fraktionskrakehler auf und fischte im Vorbringen der „Offiziellen“ von der Sochnuth nach einem Haar, um daraus Stricke zu drehen. Aber auch gutwillige Juden sind geneigt, — nach der selbstquälerischen Art der Schwachen, der innerlich Unsicheren — die Schuld auf unserer Seite zu suchen. Da hieß es gleich, das Niveau der Aussagen sei seit Weizmanns großzügiger Darlegung von Judennot und Zionsheil rapid gesunken; man habe sich in Details über unser Aufbauwerk verloren und so die hohe Kommission gelangweilt. Andere wieder fanden, daß alle jüdischen Zeugen — Weizmann nicht ausgenommen — es an Mut und Stolz fehlen ließen; Schertok z. B. hätte auf die Zumutung jenor Herren, daß unsere Sochnuth die jüdischen Illegalen der Polizei überliefere, antworten müssen, für Juden gäbe es überhaupt keine illegale Alijah. Wogegen Dritte meinen, daß Schertoks Antwort: „Kommt nicht in Betracht!“ provokant gewesen sei, usw. All diese Anklagen und Selbstvorwürfe der Juden scheinen fehl am Platz. Denn wäre es der Kommission um gerechtes Urteil zu tun, hätte sie sich von Tag zu Tag mehr für die jüdische Sache erwärmen müssen. Aus verschiedenen Gründen. Einmal haben wir Juden uns sofort und ausnahmslos — Zionisten, wie Revisionisten und Agudaleute — der Kommission zur Verfügung gestellt und zur Lösung ihrer Aufgabe reiches Material durch Denkschriften und, so weit die Aussage zugelassen war, auch mündlich geliefert. Die Araber für ihr Teil begrüßten dio Kommission mit dem großen Bann; ja, sie haben nicht einmal die von. der Londoner Ministerbank feierlich diktierte .Voraussetzung für das Wirken der Kommission, nämlich Respektierung von Ruhe und Ordnung im Lande, beachtet. „Al Liwa“, das Blatt der des von der Palästinaregierung besoldeten Mufti, schrieb erst jüngst in einem Artikel, welcher drohend dio Begnadigung der einzigen zwei — wegen Kampf gegen englisches Militär — zwm Tod verurteilten Araber forderte, wörtlich: „Könnte der Arm des Rechts die wahren Verbrecher packon, dann gebührte Menschen wie Balfour, Ormby Gore und Lloyd George der G al g e n!“ Und kann die Kommission, wenn sie es in den Flitterwochen ihrer Kontrollarbeit nicht selbst zugestanden hätte, nach allem, was sie noch zu hören und sehen bekam, einen Augenblick daran zweifeln, daß die Juden für die Entwicklung des Landes und automatisch auch zum Vorteil der arabischen Bewohner Großes geleistet haben? Oder Samstag, 20. Februar 1937, Purimball