Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 611 (15.1.1936)
- Date
- 1936-01-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vfr. 811. — Wien, Freitag, 15. Jänner 1987. Oll ItlMMI Sott« 5 Samstag, 23. Jänner 1937 Großer Musikvereins-Saal: Kartenbestellung im Zionistischen Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2*11 «HB* Uortrnj Dr. Josef Kostein» Haifa, Palästina: Palästina — das Jüdische Schicksal Von Dr. Ahron Eliasberg (Jerusalem) DU fytiickwiiuscke l Der Keren Hajessod hat zur Feier seines fünfzehnjährigen Bestehens zahlreiche Glückwünsche bekommen. Eine Auswahl von ihnen ist jetzt unter dean Sammeltitel „The Work of an Epoch. Its Echo in the World“ (Das Werk einer Epoche. Sein Echo in der Welt) im Druck erschienen. Die würdig außgestattete Schrift enthält 35 Beiträge. Ungefähr zwei Drittel sind von Männern des öffentlichen Lebens verfaßt, unter ihnen Staatsoberhäupter (der Präsident der Tschechoslowakischen Republik Bene§, der Präsident der Polnischen Republik Moscicki, der schwedische Kronprinz, Präsident Roosevelt), aktive oder gewesene Regierungschefs (Lloyd George, Edouard Herriot, der Gouverneur des Staates New York Herbert Lehmann, dazu der High Commissioner von Palästina), ferner Minister, Parlamentarier (u. a. die Untorhausmitglieder Hartington, Barnett Jänner, und Wedgwood im Namen des Parliamentary Palestine Committee), Vertreter des Völkerbundes, Publizisten, Wissenschaftler usw. II. Wie das kurze Vorwort besagt, soll in erster Linie gezeigt werden, wie die andern das vom Keren Hajessod bis jetzt Vollbrachte sehen. Es ergibt sich darum von selbst, daß die jüdischen Verfasser in der Minderheit sind. Aber unter ihnen befinden sich die Namen der beiden größten Geister der zeitgenössischen Judenheit: Einstein und Freud. Beide betonen den jüdischen Lebenswillen, der sieh im Keren Hajessod und seinem Werk verkörpert. HI. Die Dynamik des Aufbaus bringen die Äußerungen der Führer der zionistischen Bewegung zum Ausdruck. Nahum Sokolow, der im Begriff war, für den Keren Hajessod nach Südamerika zu gehen, als ihn der Tod traf, schließt sein Schreiben mit dem nunmehr wie ein hehres Vermächtnis klingenden Ruf: „Und so ans Werk! Mit vollem Einsatz der Seele, des Willens, der Beharrlichkeit. Brüder, ans Werk!“ Wuchtig faßt Ussischkin seine Wünsche dahin zusammen, daß in weiteren zehn Jahren das Volk Israel dem Keren Hajessod den vollen Zehnt geben möge und nicht bloß ein Zehntel von ihm. Eine Festschrift des Keren Hajessod wäre nicht vollständig, ohne ein Wort von Ohaim Weizmann, dem größten und treuesten aller Keren-Hajessod-Propagandisten. Möge man nicht, so warnt der Führer, dem verhängnisvollen Irrtum verfallen, das jüdische Nationalheim sei bereits errichtet. Das unbändigem Schöpferwillen entsprossene Wort hat heute den Charakter eines polemischen Arguments. Sind doch einflußreiche Politiker nicht vor dem Vorschlag zurückgeschreckt, den Zionismus mit der Erklärung hinwegzuinterpretioren, das Nationale Heim sei Tatsache und Großbritannien seiner Verpflichtungen dem jüdischen Kontrahenten gegenüber los und ledig, IV. Viele alte Freunde des Zionismus und des Keren Hajessod findet man vertreten. Eduard Benes — ebenso wie der polnische Außenminister Bock — zieht oino Parallele zwischen dem Zionismus und dem Kampf seines eigenen Volkes um Freiheit und Selbständigkeit. Lord Cecil, der Vorkämpfer' des Völkerbundes und der Abrüstung, sieht das in Palästina Vollbrachte als Lichtblick an in trostloser Zeit. Mit Genugtuung ließt man Lloyd Georges Bestätigung, daß diejenigen, die dem Zionismus Pate gestanden, mit seinen Fortschritten zufrieden sein können. Niemand ißt befugter es zu sagon, als der Mann, dessen Regierung die Baifour-Doklaration erließ und der in San Remo dae prägnante Wort von dem Start sprach, den der Zionismus nunmehr erhalten hätte. I Einzelne Freunde haben die Arbeit des Keren Hajessod mit eigenen Augen gesehen. Lord Strabolgi, einst Major Konworthy, be-; tont mit jener unnachahmlichen — weil maß- und kraftvollen zugleich — englischen Ausdruckswei.se die Erfolge des Aufbauwerks, trotz zahlreicher Fälle von „offlcial d iß couragement“, die er bei seinen beiden Besuchen in Palästina feststellen konnte. Emil Vandervelde bedauert, daß er durch die Beteiligung an der belgischen Regierung verhindert wurde, in diesem Jahre (1935) Palästina wieder zu bereisen und sich an Ort und Stelle von den seit 1928 erzielten Fortschritten zu überzeugen. Auch Kronprinz Gustavuß Adolphus von Schweden beruft sich auf seine Palästinareise im Winter 1934/35, wenn er von den Früchten der Keren-Hajessod-Arbeit spricht. Wohltuend und anspornend wirkt der Glaube an dio Kraft dos Zionismus bei Männern vom Niveau eines General Smuts oder Professor William Rappard. Johann Smuts, dessen Namen die Siedlung Ramat Joohanan trägt, sieht in den 50.000 bis 60.000 JahroseinWanderern nur den Anfang „einer Bewegung, die anhalten wird, bis sie das Antlitz des Landes vollständig geändert und seine künftige Geschichte von Grund aus gewandelt hat“. Rappard aber kann seine Ängstlichkeit nicht verbergen vor den allzu rapiden Fortschritten des Zionismus. Wie, fragt er, wenn der Spenderstrom, der sich seit fünfzehn Jahren über Palästina ergießt, plötzlich versiegen sollte? Aber der Mann, der „von Anfang an als Mitglied der Mandatskommission die Entwicklung des Nationalheims verfolgen könnte“, tröstet sich im Vertrauen auf die Ausdauer derjenigen, die den Keren Hajessod aufgebaut haben, und die Kinder werden sich schon der Eltern nicht unwert zeigen. Arthur James Balfouns Manen beschwört Blanche Dugdale, seine Nichte, Biographin und literarische Testamentvollstreckerin: „Wenn Lord Balfour noch unter uns wäre, so würde seine Botschaft ein Ruf an das jüdische Volk sein, den Geist des edlen Nationalismus lebendig zu erhalten, der die Achtung der zivilisierten Welt für die Pioniere Erez Israels gewonnen hat.“ V. Wie gesagt, eine Festschrift, Rückschau und Ausblick zum Abschluß der Periode der Vorarbeiten und Versuche, aber auch eine politische Publikation. Wer sie denkend liest, wird Beziehungen zur Aktualität finden, zu den Fragen und Sorgen und Erlebnissen, die seit vier Monaten Palästinas tragischen Alltag bilden. Schon das Bibelzitat des Vorworts: „Nicht mit Kraft, und nicht mit Heeresmaoht, sondern mit dem Geist.“ Denn, wie unser Dasein eine Provokation, so ist unsere Selbstbeherrschung eine Waffe, nicht nur den Feinden gogenübe r, sondern auch im Hinblick auf ■ andere Faktoren, die die Zukunft des Palästinawerkes mitbestimmen... Ein Brief des früheren Kolonialministens Amory, der im Sommer 1935 geschrieben ist und der dem Keren Hajessod Erfolg für dio Zukunft wünscht „zur Erfüllung seiner Aufgabe, das neue jüdische Nationalhoim in Palästina auf der gesunden Grundlage einer sich selbst erhaltenden landwirtschaftlichen Gemeinschaft aufzubauen“. Unter Berufung auf seine frühere Tätigkeit als Kolomalminister schätzt er sich glücklich, den Wert der unermüdlichen Arbeit und der Hingabe derjenigen anzuorkennen, deron Geißt die Bewegung erfüllt. Der Loser aber| wird feststellen müssen, daß es anscheinend die aktuellen Vorgänge sind, die diesen selben Glückwunschsohreiber veranlaßt haben, seine großangelegte Rode in der Unterhausdobatto vom 19. Juni d. J. in dio zwei Forderungen ausmünden zu lassen: Rationierung der Alijah und Kontrollierung der Bodenverkäufe... Zwei der Glückwunschsohreiber haben sich seinerzeit an den Verhandlungen der Shaw-Kommiseion des Jahres 1929 beteiligt. Wird die Royal-Commission auch ein Mitglied haben, wie Snell, dem die Gabe eigen ist, die Dinge richtig zu sehen, und der Mut, seine Einsicht gegen die Majorität zu verteidigen? Mit dem Namen Sir Boyd Merriman, des damaligen juristischen advisers der Jewish Agency, verknüpft sich die Vorstellung von der Behandlung unserer Belange vor der bevorstehenden Kommission. Wieder wird man das Abc des Zionismus Vorbringen, wieder wird man vor anscheinend wirklich „unvoreingenommenen“ Leutenten für die Gedanken der Erhaltung, der Wiedergeburt, der Entfaltung unserer Gemeinschaft werben müssen. Ein mühseliger Kampf von Wochen und Monaten um jede der tausend sinnlosen, unehrlichen, unzählige Male widerlegten Beschuldigungen mit Herzblut zu führen und mit den Methoden eines Gerichtsverfahrens in einem. In diesem Zu&ammenhang gehören auch die Glückwunschschreiben jener, denen seit sechzehn Jahren die Ausführung des Mandats anvertraut ist: Palästinareg Le rung und Colonial Office. Amery haben wir bereits sprechen lassen. Sir Arthur Wauchope hobt die Verdienste des Keren Hajessod um das landwirtschaftliche Versuchs wesen und um Bodenmeliorationen hervor. Zum Schluß einige Sätze aus dem Briefe von Sir Wyndham Deeds, dom Chief Secretary unter dem ersten High Commissioner Samuel: „Hier findet man Juden ihre nationale Sprache sprechen, ihre Kinder in einer für Körper, Seele und Geist gesunden Atmosphäre erziehen, und deren Leben, das gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche, meiner besten Überzeugung nach, der Welt noch manche Lehre geben wird. Der Traum von Gonerationen geht in Erfüllung, Palästina ist keine Vision mehr, es ist eine Realität geworden. Unter den Organisationen, die in dieser großen Leistung eine Rolle gespielt haben, kann keine einen größeren Anteil beanspruchen als der Keren Hajessod.“ VI. Es ist ein eigentümliches Schicksal, das dieser jüngsten Publikation des Keren Hajessod besohieden wurde. Als friedliche Manifestation des Aufbauwillens geplant, wurde sie zu einer Kampfschrift. In einer Zeit, da über den Wert der jüdischen Leistung in und für Palästina nicht diskutiert wird, unter Bedingungen, die das ganze Aufbauwerk mit Vernichtung bedrohen, wird jede Lebensäußemng der jüdischen Gemeinschaft zu einer feindlichen Handlung. Wir sind Feinde, weil wir da sind, weil wir hier bleiben und leben wollen. Und einer erkennt die wissenschaftliche Fundierung unseres Anspruchs an: „Ich bin Naturforscher“, schreibt Professor Moscicky, Präsident der Polnischen Republik, „und weiß, Ihr Werk wird wachsen und gedeihen.“ Es wird. Semmeringfahrt der Hakoah. Die Hakoah veranstaltet am 16. und 17. Jänner eine Weekendfahrt auf deu Semmering. Fahrpreis für Mitglieder S 7.50. Abfahrt am Samstag, den 16. um 19 Uhr vom Reisebüro „Universal“, I., Kärntnerring 3. Anmeldung Tel. R 27-1-14. Quartieranmeldung R 25-0-10. Arbeitska'ender des Keren Kajemeth Lejisrael (Aktion zur Gründung der Liga der Keren- Kajemeth-Freunde. — Referate Prof. Julian Siiberbusch und Dr. Cbaim Tartakower.) Freitag, den 15. Jänner, 9 Uhr abends, 3. Bezirk, Neulinggasse 8: Privater Zirkelabend. Samstag, den 16. Jänner, H9 Uhr abends, Sektion und WIZO Prater: Vortrag: Die letzten Ereignisse in Palästina. Montag, den 18. Jänner, H9 Uhr abends, 9. Bezirk: Engero Zirkelversammlung. Dienstag, den 19. Jänner, M9 Uhr abend«, 3. Bezirk, Sektion u. WIZO, HI., Landstraße Hauptstraße 9: Vortrag: Unser Aufbauwerk im Lichte der königlichen Untersuchungßkommißsion. Restaurant Billet Bestrenommierte Küche ^3 Reichhaltige Menüs ä S 1'90 u. 2*60!l.(Hammerpurgstal gasse3 (nächst Saiztorbrücke) 1h den ttüHstlecsfUeteH (II., Praterstraße 34) findet Freitag die Premiere einer neuen musikalischen Komödie statt, deren Text S p o d e k geschrieben hat, während die Musik von Beigelmann ist. Wohl herrscht im Publikum noch immer größtes Interesse für die Meiseis-Revue „Chassene im Städtel“, doch muß die Direktion der Künstlerspiele dem verständlichen Bestreben des Gastspielensembles Seidermann, sich in immer neuen Rollen dem Publikum zu zeigen, Rechnung tragen. Darum wurde schon jetzt eine neue Premiere angesetzt. Das neue Stück heißt „Das Mädel aus Warschau“. Es ist auf einer originellen Handlung voll von überraschenden Wendungen aufgebaut. Die tragenden Rollen spielen wieder Seidermann und Chana Lerner. Seidormann hat in den zahlreichen Gesangseinlagen wieder Gelegenheit, sein brillantes gesangliches Können zu zeigen. „Das Mädel aus Warschau“ hat sich überall, wo das Stück schon gespielt wurde, als zugkräftiger Schlager bewährt. PENSION ECKSTEIN neu renoviert Die zionistische Bezirksektion Meidling hielt am 4. Jänner 1937 in Gegenwart de« Herrn Dr. Pickholz als Vertreter des Landeskomitees ihre diesjährige Generalversammlung ab. Aus dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes ging hervor, daß die Sektion im abgelaufenen Arbeitejahr einen neuerlichen Zuwachs an Mitgliedern, insbesondere durch die zionistische Erfassung des Sprengels Altmannsdorf-Hetzendorf, erreicht hat. Aus dem Bericht de« Fondskommissärs Saß ergab sich, daß im Bezirk in der abgelaufenen Arbeiteperiode über S 4000 für die Fonds aufgebracht wurden. Nachdem dem abtretenden Vorstand das Absolutorium erteilt worden war, erfolgte die Neuwahl. Es wurde mit einigen Ergänzungen der alte Vorstand neubestellt. Herr Doktor Pickholz übermittelte der Sektion den Dank und die besten Wünsche des Landeskomitees. WIZO Graz Die Arbeit der WIZO-Gruppe Graz gestaltet sich außerordentlich intensiv. Am 29. Dezember sprach Frau Dr. Henny Lichtens t e i n-Rap p apo r t über „Die WIZO und die jüdische Frau“. Die Ausführungen der Rednerin fesselten in ihrer formalen wie inhaltlichen Vollendung die Zuhörerinnen, von denen ein großer Teil für die Arbeit der WIZO gewonnen wurde. Die Kultursektion der WIZO veranstaltet gemeinsam mit der Ortsgruppe am 19. J|nner einen Vortrag von Dr. Josef K a s t e i n. „Palestlne-Levante-Courier“, Wien, I., Franz- Josef s-Kai 1. Das offizielle Organ der Austro Palestine Chamber of Commerce, Tel-Aviv, bringt in der Jänner-Ausgabe: „Palästinas Wirtschaft“ von Lord M e 1 c h e 11. „Palästinas Import und Export“ von Dr. Walter Eckstein, „Palästina zu Beginn des .j.hres 1937“ und wirtschaftlichen Informationsdienst Denkt an die jüdische Zukunft i Denkt an die Zukunft eurer Kinder / lim FÜR DEN All Filii KIWKOK