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Die Stimme · 1936-01-15 · Heft 611 (15.1.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 611 (15.1.1936)
Date
1936-01-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr, 811. — Wien, Freitag, 15. Jinner 1987. 0» STIMME 8«1te 3 Warum verlangen Alle Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt 1 Seit vielen Jahren genießen die »Sdimidl-Mazzoth« das beste Renommee und werden von allen bevorzugt! Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Schmidt N. B." auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besondes aufmerksam gemacht. Auch beim Kauf von Mazzoth-Grieß wahren Sie Ihr eigenes Interesse und verlangen Sie ausschließlich Schmidl-Mazzoth-Grieß. Sdimidl-Mazzoth weil Sdimidl-Mazzoth in Geschmack und Qualität unübertroffen sind! Sdimidl-Mazzoth werden unter streng orthodoxer Aufsicht des ran etwa Dmrrn n*oa nov mn hergestellt 7*n|pa|lAi AI Dma«|a||b|«u II«, Leopoldsgasse 43, und in allen besseren DlWUVtZrl%y einschlägigen Geschäften erhältlich Telephon A 40-0-90, A «SO-S-63 u. A 48-4.48 Der jüdische Reichtum in der Phantasie der antisemitischen Propagandisten zu finden sind — hat sich bis heute nicht geändert. Ältere Zionfeten werden eich noch aue der Zeit Herzte an die Subskripten des von Herzl gegründeten, als Finanzinstrument der Bewegung gedachten Jewish Colonial Trust Jüdische Kolonialbank) erinnern. Über 100.000 Personen subskribierten eage uud schreibe 300.000 Pfund. In hunderten von Städten und Dörfern wurden Sparvereine zum Ankauf von Aktien gegründet und viele Zeichner zahlten ein bis zwei Jahre ein, um Eigentümer von einem Zehntel einer Aktie zu werden; und dabei kostete eine Aktie nur ein Pfund. Und der Keren Kajemethl Blutige Spar kreuzer des kleinen Mannes sind es, die sich im Laufe vieler Jaihre zu Millionen summierten. Der Boden des jüdischen Landes wird nicht durch die Reichen erlöst, sondern noch so tut, als sei es ihm ein leichtes, den £urell die A™e“-, *?<*““ t sind gröBere Zins zu bezahlen. MittelsUndler sind hier S?“11«11 UIMi wirkllch Sroße 6lbt 68 *ar die Legion derer, die sich von Tag zu Tag mc ‘ sorgen, um für sicht und ihre Familie eine gewisse schäbige Eleganz aufreohtzuerhalten. Mittetetändler sind hier Menschen, die wissen, daß morgen oder übermorgen das Kartenhaus ihrer bürgerlichen Existenz zusammenbreohen muß. Die arabische Presse stellt wiederholt die Behauptung auf, daß der zionistischen Bewegung ungeheure Geldmittel zur Verfügung stehen. Die nationalsozialistische Propaganda, die immer bereit ist, antijüdische Propaganda zu fördern, hat sich das Märchen vom Reichtum der zionistischen Bewegung zu eigen gemacht. Von Zionisten wieder wird die zionistische Bewegung oft als die Bewegung des Mittelstandes bezeichnet. Auch das ist unrichtig. Der Begriff „Mittelstand“ ist überhaupt eine irreführende Bezeichnung, insbesondere soweit er Juden betrifft. Mit dem Begriff Mittelstand verbinden sich in jedem Lande andere Vorstellungen. In England ist ein Mittetetändler, wer ein kleines Häuschen besitzt oder 5000 Pfund in der Bank liegen hat und. außerdem einer regelmäßigen Beschäftigung nachgeht. In Österreich ist ein Mittetetändler, wer Und der Keren Hajessod! Als er gegründet wurde, sollten in fünf Jahren 25 Millionen Pfund aufgebracht werden. Ein Bruchteil davon wurde erzielt. Die Keren Hajessod- Eingänge setzen sich ebenfalls aus verhältnismäßig kleinen Beträgen zusammen. Noch . „ ,t , immer halten wohlhabende Juden die Tain Polen ist Mittetetändler, wer hart am scben zugeknöpft gegenüber diesem Aufbau- Rande der wirtschaftlich Entrechteten steht, fondg A]s GrieC(henland von der Türkender. jüdische Advokat ohne Klienten, er Herrschaft befreit wurde da wetteiferten die jüdische Arzt ohne Patienten, der e reichen Griechen im Ausland miteinander in Kauf mann, ohne Kundschaft. Mittelständler großetl Spenden für ihr befreites Land. Milin Polen sind Menschen mit hungrigen i ajjonen flössen nach Griechenland. Bei uns gen, die heute noch nicht aber morgen sc on kommen tropfenweise Groschen und Pfunde, sicher ihre bescheidenen Wohnungen werden Dle, geben möchten? können 6g nicht tuDj aufgeben müssen, von Brot und Zwiebeln, we>u gi0 oft nich(. G&ld haben, um Samstag bestenfalls von einem Hering, le on gjcb 6att zu es6en und dje fla könnten, die und in feuchten und finsteren Kellerlöchern haben Geld für nur nicht für jüdische hausen werden. oder zionistische Zwecke. Nun ist es richtig, Man kann also schon aus diesen Gründen (]aß in den ietzten Jahren ungefähr 15.000 nicht von einer zionistischen Bewegung des Juden nach Palästina gekommen sind, von Mittelstandes in ökonomischer Beziehung denen jeder mindestens 1000 Pfund ins sprechen, und zwar um so weniger, als die Land brachte. Aber fünfmal mehr Menschen zionistische Bewegung eine starke Arbeiterkamen in der gleichen Zeit ins Land, ohne bewegung aufweist. Zieht man noch in Bej einen Groschen in der Tasche. Das sind tracht, daß seit Hitler auch der sogenannte unsere Chaluzim, die bei ihrer Landung „bessere Mittelstand“ — manchmal aus nichts besitzen, als das, was eie am Leibe Überzeugung, manchmal aus Deutschland tragen oder anderen Ländern — zur zionistischen Bewegung stößt, ein „besserer Mittelstand“ von heute und ein verarmter von morgen, so muß man sagen: Die zionistische Bewegung ist die Bewegung der armen Juden und jener Juden, die es noch nicht wahr haben wollen oder noch nicht wissen, daß sie arme Juden sind. Das ist die wahre Lage. Wer die Geschichte der zionistischen Bewegung kennt, der weiß, wie die reichen Juden Herzl die lcalto Schulter gezeigt haben. Baron Hirsch lehnte ab und im Wiener Hause Rothschild konnte Herzl eine vorbereitete Rede nicht halten — weil er nicht empfangen wurde. Der Pariser Rothschild, der schon vor Herzl in Palästina kdlonisiorte, ging seine eige.neu Wege, der Londoner Rothschild tat nicht mit, und dieses Vorhalten der reichen ,iuden — die beute übrigens fast nur mehr Nur Unwissenheit oder Judenhaß kann die armen, jüdischen Massen unter Hinweis aui die wenigen jüdischen Millionäre, die noch dazu in der Regel Antizionisten sind, als reich hinstellen. In Palästina leben heute 350.000 um ihr tägliches Brot kämpfende jüdische Arbeiter und nur 50.000 Menschen, die 1000 Pfund oder etwas mehr besitzen. Das weiß auch die Palästina-Regierung. Trotzdem spricht sie oft von der reichen zionistischen Bewegung und von den „armen Arabern“, deren Schulen und Spitäler gie mit jüdischen Steuergoldern erhält, während sie die jüdischen Institutionen stiefmütterlich behandelt. So ist es um den „jüdischen Reichtum“ bestellt. Er ist ein notwendiges Requisit der antijüdischen Propaganda, die ohne dem Märchen vom internationalen, die Welt beberreohejaden Judentum und seinem unermeßlichen Reichtum nicht leben kann. Auf| der anderen Seite aber gibt es noch immer | ein Judentum, das alles vergessen und nichts, gelernt hat. Für die schon von Herzl atel nutzlos erkannte assimilatorische Propa-j ganda zur „Abwehr des Antisemitismus“! haben die Juden Deutschlands bis zum Jahre 1933 viele Millionen Mark ausgegeben. Der, Erfolg hieß Hitler. j Trotzdem gibt es noch heute Juden außerj halb Deutschlands, die für die nutzlose „Abwehr des Antisemitismus“ Geld haben,’ das sie für die zionistische Aufbauarbeit nicht zu besitzen vorgeben. Ja es gibt sogar Juden, die entzückt die Augen verdrehen, wenn sie die Artikel ln der Missionszeitschrift „Die Erfüllung“ lesen. Kann man da noch! immer sagen, daß wir „ein Volk von Weisen’ und Propheten“ sind? j Gewiß, auch wir Zionisten müssen auf-! klären, und wir tun es auch. Wir glauben 1 aber, daß die Abwehr des Antisemitismus, wenn sie überhaupt möglich ist, nur durch, die moralische Haltung jedes einzelnen' Juden, durch unsere Umschichtungsarbeit in der Gaiuth und durch unsere Aufbauarbeit in j Erez Israel erfolgen kann. Das ist der einzig; richtige Weg. Wir sind ihn bisher mit zu-j sammengebissenen Zähnen gegangen und gegen den Willen der Reichen und Mächtigen. Viel zu wenig von den Juden bemerkt, j hat sich im jüdischen Volk ein wichtiges volkswirtschaftliches Resultat ergeben. Die’ Sparkreuzer der armen Zionisten haben in! Palästina reiche Früchte getragen. Der j Reichtum der jüdischen Antizionisten ißt j zerronnen oder in fremde Taschen geflossen, i Wir können niemanden zwingen, unseren! Weg zu gehen. Wir können nur immer wie-l GASTSPIEL RICHARD TAUBER in dem Opern-Film »DER BAJAZZO« nach Leoncavallo BURG-, IMPERIAL-, STAFA-, VOTIVPARK-KINO der warnen und darauf hinweteen: Nicht der jüdische Reiche, die arme Masse baut die Zukunft des jüdischen Volkes und damit die Zukunft des jüdischen Menschen. Wissenschaftliche Vorträge im Spital der Kultusgemeinde Am 12. Jänner fand im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde zum erstenmal eine wissenschaftliche Demonstration statt. Primarius Dr. Schwarzwald hielt einen überaus interessanten Vortrag über die neuesten Methoden der Behandlung von Geschwülsten der Blase. Primarius Dr. B orak zeigte eine Reihe von Röntgenbildem seltener Tumore des Dünndarms und erörterte die Erfolge der Röntgentherapie auf diesem Gebiete. In der Diskussion sprach Primarius Dr. Schloß über die Bedeutung der Radiumtherapie. Die große Zahl von Ärzten aus allen Bezirken zeigte das Interesse der jüdischen Ärzteschaft an derartigen Vorlesungen im jüdischen Spital. Es ist zu hoffen, daß diese Einrichtung nunmehr entsprechend ausgebaut wird. Die Veröffentlichung dieser Vorträge wird jeweils im Organ der Vereinigung jüdischer Ärzte erfolgen. »JUGEND FÜR WINTERHILFE« Samstag, 30. Jänner, 23 Uhr RONACHER Samstag, 30/ Jänner, 23 Uhr Programm: Die Ronachersensatlonen der zweiten Jännerhälfte, ferner Rita GEORG Sonja LEWKOWA Fritz GRÜNBAUM Max BROD Karl FARKAS 3 Melo-Parodisten Fritz STREHLEN Martin MILLER 8 MAKKABI-Boys Conference: Josef BAAR Barstüberl / Überraschungen / TANZ / The 1'4 musical boys Veranstalter: Jüdischer Kliib der Jungen (J. K. J.) unter demProtektorat desPräsidiumsderKultuBgemeinde Das Reinerträgnis fließt zur Gänze dem Winterhilfsfonds der Israelitischen Kultusgemeinde zu Karten von S 2’— aufwärts: Jüdische Kulturstelle, I., Kai 3 (R 28-2-36); Zionistischer Landesverband, I., Marc- Aurel-Straße 6 (U 22-2-11); Kartenzentrale, I., Graben 28; Kartendirektton Bernard, I., Schwarzenbergplatz 1 (U 17-2-83) und J. K. J., I., Goldschmidgasse 9 Keren Kajemeth-Efanmgen Gold- und Silberbuch-Eintragungen und Gärten Diese Ehrungsformen haben einen doppelten Zweck; Erstens dem KK. neue Mittel zuzuführen, und zweitens mit Hilfe dieser Mittel jemanden so zu ehren, daß er sich bewußt werde, daß seine Ehrung z ugleich einem produktiven nationalen Zweck dient, nämlich den nationalen Bodenbesitz zu vergrößern. Beide Zwecke setzen voraus, daß tatsächlich neue Mittel dem KK. zugeführt werden. In der letzten Zeit ist ein arger Mißstand eingerissen: Die Zionisten meinen, daß alle von ihnen dem KK. zugeführten Gelder für beliebige Ehrungen verwendet werden dürfen, ja beinahe müssen. Nein — für Ehrungen dürfen nur Gelder verwendet werden, die der Spender für diesen Zweck gewidmet hat. Es ist eine unechte Ehrung, wenn ohne, oft gegen den Willen des Spenders seine Gelder für Ehningen verwendet werden. Das Präsidium des KK. sowie die Landeskommission haben daher einhellig beschlossen, daß in Hinkunft nur solche Beträge für KKL.-Ehrungen verwendet werden dürfen, die besonders und ausdrücklich für diesen Zweck gespendet wurden. Alle sonstigen Gelder werden natürlich, wie bisher, dem Selbstkontingent des Sammlers, respektive den Kontingenfcgruppen gutgeschrieben werden. Somit werden zwar bei Familienfeierlichkeiten gesammelte Gelder zur Ehrung der Träger dieser Feiern (Hochzeitspaar, Bor-Mizwah) verwendet werden dürfen, nicht aber für Personen, die mit dieser Feier gar nichts zu tun haben. Sammlungen bei Veranstaltungen und Versammlungen werden für fremde Ehrungen nicht verwendet' werden dürfen. Die Folge wird zwar sein, daß weniger Goldbuoh- und Silberbuah-Eintragungen und Baumstiftungen sein werden, aber dafür wird die' Ehrung ehrlicher ' und würdiger' sein. Dies alles gilt auch für Sefer Hajeled-Eki-; tragungen: Nur Spenden der Eltern oder Sammlungen bei Feiern innerhalbder Familie werden bei solchen Eintragungen gelten. Jubiläum eines Wiener Jüdischen Forschers Der Entdecker der Röntgentherapie, die bahnbrechend die ganze moderne Medizin beeinflußt hat, Prof. Leopold Freund, feiert das 40jährige Jubiläum des Tages, an dem er zum erstenmal in der Wiener Ärztegesellschaft von der therapeutischen Wirkung der Röntgenstrahlen Bericht erstattete. Anläßlich des Jubiläums wurde Professor Freund bei einer Festsitzung der Wiener Ärztegeseltechaft in ' besonderer Weise geehrt. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Hofrat E i s e 1 s b e r g, beglückwünschte in seiner Rede Prof. Freund nicht allein im Namen der Wiener Ärzte, sondern auch i u dem der gesamten medizinischen Welt und der vielen Millionen Patienten, die durch die Großtat des jüdischen Gelehrten Heilung gefunden haben. Josef Kastein gehört zu den repräsentativen Schriftstellern und Historikern des modernen Judentums. Er Ist einer der gründlichsten Kenner Palästinas und seiner Probleme. Wien kennt ihn gut aus seinen Büchern und Vorträgen. Am 23. Jänner spricht er wieder in Wien. Sein Thema lautet diesmal: „Palästina — das jüdische Schicksal“. Es Ist der einzige Vortrag, den er in dieser Saison hier hält. Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Kartei

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