Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 610 (12.1.1936)
- Date
- 1936-01-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 610. — Wten, Dienstag, 12. Jänner 1037. Dü «TIMMI Seite 3 Elektrischer Strom Stir Safed Jerusalem, .10. Jänner. (JTA.) ln Jen letzten Tagen sind die Verhandlungen zwi sehen der Stadtverwaltung von Safed und der Palestine Electric Corporation zum Ab Schluß gekommen. Ee eoll nun in wenigen Wochen mit, der Verlegung der Kabel von Tiberias nach Safed begonnen werden. Ford verleugne! wieder sein Buch New York, 8. Jänner. (JTA.) Als Antwort auf den Protest Samuel Untermyers gegen den öffentlichen Verkauf von Henry Fords Buch „Der internationale Jude“ in New York erklärt der Sekretär Henry Fords, das vertriebene Buch stamme nicht von Ford, sein Name werde mißbraucht. Es seien Schritte unternommen worden, um diesem Mißbrauch zu steuern. Ee ist bekannt, daß dae Buch von einem der deutschen Sekretäre Forde in Detroit geschrieben worden ist. Ford hat eeinen Namen dazu hergegeben und eich wissentlich mißbrauchen lassen. Als er von Louis Marshall öffentlich angegriffen wurde, leug nete er jeden Zusammenhang ab. Pogromland Polen In Polen vergeht kein Tag, ohne daß es in dem einen oder dem anderen Kreis zu erheblichen antijüdischen Ausschreitungen kommt. Sie sind eine derart normale Erscheinung geworden, daß auch die jüdischen Zeitungen sie kaum noch registrieren. In den letzten Tagen aber kam ee in der Ortschaft Czyzew (Kreis Bialystok) zu offenen Pogromen. Zahlreiche Juden wurden schwer verletzt. Der 36jährige Selig J e 11 i n erlitt einen Schädelbruch und starb im Krankenhaus. Er hinterläßt eine Frau und drei kleine Kinder. Von 20 schwerverletzten Juden wurden sechs in bedenklichem Zustand in das Warschauer Hospital gebracht. Der 26jährige Pferdehändler Lipman W e i n b r u n erlitt lebensgefährliche Schädelverletzungen und hat das Bewußtsein nicht wieder erlangt. Sein Zustand ist hoffnungslos. Von den übrigen Sie werden es nie bereuen wenn Sie den Rat befolgen, Ihren Körper widerstandsfähig und widerstandskräftig zu machen. Im Kampf ums Dasein spielt es eine große Rolle, daß Sie keinen Tag verlieren, daß Sie duroh keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Beruf, Ihrer Beschäftigung fernzubleiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA- Franzbranntwein mit Menthol und Sie schützen sich am besten gegen eile Unbill des Wetters und des Alters. In Jedem besseren Gesohäfte erhältlich. Verlangen Ste ausdrücklich „DIANA“ und nehmen Sie nur „DIANA“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweison. Samstag 30, Januar 23 Uhr 7JUc wUoU iotm icdks atoüi „JiijjcihI für Winterhilfe” Die Balfnaeht des Jüdischen Klubs der Jungen Im Ronadier. Protektorat: das Präsidium der Israel. Kultusgemelnde. Programm: Die komplette Ronadier Show, ferner eine Auswahl der beliebtesten Wiener Künstler. Anschließend Tanz. Karten ab S 2*— in allen Kartenbüros, im Klubheim des J. K. J., I., Goldschmledg. 9, Direktion Bernard, I., Schwarzenbergplatz 1 (U 17-2-83) und Jüd. Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3. Das Reinerträgnis fließt dem Winterhilfsfonds der israel. Kultusgemeinde zu geschlossen sind. Wie die jüdische Gesetz seit 1. Januar in Kraft ist, wurde Presse meldet, herrscht darüber in jüdischen zum Beispiel in Lodz bis zur Mitte dieser Kreisen eine sehr gedrückte Stimmung. i Woche nicht geschachtet. Für gewöhnlich I wurden bis zum Inkrafttreten des Gesetzes Das Schächtgesetz I täglich in Lodz 400 Stück Rinder und 1000 I Kälber geschachtet, jetzt werden täglich In der Durchführung des Schächtgesetzes etwa 20 Stück Rinder, aber kein einziges herrscht ein ungeheures Chaos. Obwohl das Kalb geschachtet. Die Taufbewegung ln Bukarest Täuflinge werden abgelehnt (Von unserem Korrespondenten.) Bukarest, 9. Jänner. Die von uns gemeldete Massentaufbewe gung hat in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen beträchtliches Aufsehen gemacht, und es wird über sie sowohl in deT jüdischen als auch in der christlichen Presse viel dis kutiert. Schwerverletzten sind zu nennen der 56jährige Fleischhändler Israel B a r a n, der 46jährige Pferdehändler Chajim Jablkovs k i, aas 23jährige Fräulein Mina K ow a d 1 o. Die Attentäter gaben auch Schüsse ab, durch die zwei Christinnen, die für Jüdinnen gehalten wurden, Frau Wardzak und Tochter, erheblich verletzt wurden. Viele der verletzten Juden wurden vollkommen ausgeraubt. Das Warschauer jüdische wirtschaftliche Komitee und das Joint Distribution Commitee nehmen sich der Opfer des Pogroms von Czyzew am Eine jüdische Abordnung aus Bialystok traf in Czyzew ein, um die in panischem Schrecken lebende jüdische Bevölkerung zu beruhigen und Feststellungen über den Pogrom und seine Ursachen zu machen. Ln Dorfe Szalubi bei Dolino in Ostgalizien wurden der Jude David Kliner imd seine Frau Gitel von Banditen ormordot und beraubt. Keine Winterhilfe für luden An der Durchführung der Sammlungen von Geld, Lebensmitteln und Kleidern für dio staatliche Wintorhilfo in Polon haben die Juden in einem außerordentlich großem Maße teilgonommen. Dio jüdischen Mitlieder der lokalen Komitees für die Winterilfe erhielten schriftliche Zusicherungen, daß auch die jüdischen Bedürftigen berücksichtigt werden würden. Es stellt sich jetzt heraus, daß bedürftige Juden von Konzert des Tenors Josd Kania, 14. d. M.. Großer Musikvereinssaal, unter Mitwirkung von Prof. Juliusz Wolfsohn. Begleitung Prodem “Genuß der durch die Winterhilfsaktion ■ feasor E. Meller. (Kasse Dr. Hohenberg und aufgebrachten Mittel überall in Polen a u s-1 Musik verein.) Die ausgesprochen antisemitischen Zeitungen, allen voran die der nationalchristlichen Partei Cuza-Goga, lehnen das Eindringen von Juden in die Kirche für jeden Fall ab. Nicht in gleicher Weise ablehnend verhält sich die derzeit größte, wohl nicht offizielle, aber offiziöse antisemitische Tageszeitung „Universul“. Man müsse — schreiben die Gemäßigten — prüfen, ob wirkliche religiöseüberzeugung oder nur Opportunismus diese jüdischen Intellektuellen zur .Taufe treibe, und die Frage sei auch vom politischen und nationalen Standpunkt des Rumänentums zu prüfen. Keinesfalls aber dürfe das Patriarchat die Taufe einer ganzen Gruppe bewilligen, und schon gar nicht die angesuchte Schaffung einer besonderen Gemeinde, mit eigener Kirche und eigenem Pfarrer, sondern es müsse das Ansuchen um Zulassung zur Taufe von jedem einzelnen Kandidaten besonders überreicht und besonders behandelt werden. Von einigen Blättern wird gemeldet, daß der Patriarch eine Besprechung einberufen habe, an der auch Vertreter weltlicher Be hörden, politischer Gruppierungen, Schrift steiler und Journalisten teilnehmen sollen damit über die Frage auch vom nationalen und politischen Standpunkt beraten werde Wir geben diese Mitteilung mit Reserve wie der. „Curieul Israelit“ in Bukarest bestreitet die Tatsache der Massentaufbewegung aller dings sehr schüchtern; das Dementi besteht aus einer kleinen Notiz ganz am Ende des Blattes, .und .es geht nicht von den Tauf kandidaten aus, obwohl die Führer dieser Bewegung, der Advokat S p i e g 1 e r und der Großindustrielle K o m p a n i t z. seit mehreren Wochen namentlich in der jüdi sehen und nichtjüdischen Presse im Zusam menhange mit dem Ansuchen der 200 um Zulassung zur Taufe genannt werden. Josef Kastein gehört zu den repräsentativen Schriftstellern und Historikern des modernen Judentums. Er ist einer der gründlichsten Kenner Palästinas und seiner Probleme. Wien kennt ihn gut aus seinen Büchern und Vorträgen. Am 23. Jänner spricht er wieder ln Wien. Sein Thema lautet diesmal: „Palästina — das jüdische Schicksal“. Es ist der einzige Vortrag, den er in dieser Saison hier hält. Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Karte! i Arbeitskalender des Keren Kajemeth Lejisrael (Aktion zur Gründung der Liga der Keren Kajemeth-Freunde. — Referate Prof. Julian Silberbusch und Dr. Chaim Tartakower.) Dienstag, den 12. Jänner, 8 Uhr abends, Caf6 Palace, Mariahilferetraße, WIZO VII (Noubau), Empfangeabend. Mittwoch, den 13. Jänner, KÖ Uhr abends, IX., Währingerstraße, engere Zirkelversammlung. Donnerstag, den 14. Jänner, 3A9 Uhr abends, WIZO-Heim, Schottenring 25, WIZO IX, Vortrag: Die Lehren aus den jüngsten Ereignissen in Palästina. Freitag, den 15. Jänner, 9 Uhr abends, 3. Bezirk, Neulinggasse, private Zirkelversammhmg. Samstag, den 16. Jänner, 349 Uhr abends, Stuwerstnaße 1, Sektion .und WIZO Prater, Versammlung: Unser Aufbauwerk im Lichte der königlichen Untereuohungekommis&ion. Amerikanische Arbeiterdelegation in Palästina Jerusalem, 8. Jänner. Eine aus sieben Mit gliedern bestehende Delegation der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas traf gestern in Haifa ein, wo sie von Vertretern der Histadruth begrüßt wurde. Die Delegation wird das ganze Land bereisen, um die Lage eingehend zu stu dieren. Konzert Siegmund Löwenherz Dienstag, den 26. Jänner, dirigiert Siegmund Löwenherz ein Konzert mit Streichorchester im Historischen Figaro-Kammersaal (Josefsplatz 6, Palais Pallffy). Beginn 348 Uhr abends. Zur Aufführung gelangen Werke von Johann Sebastian Bach, Karl Dittere von Dittersdorf, Hugo Kauder (Erstaufführung), Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Vivaldi. Mitwirkend: Adolf Ballor (Klavier); Josef Mörtin (Gesang); ein Kammerchor; ein Streichorchester. Karten in der Verwaltungskanzlei des Figaro-Kjimmersaales täglich von 10 bis 8 Uhr und von 17 bis 10 Uhr erhältlich. Die jüdischen Künstlerspiele spielen Dienstag den „Grünen Melamed“, Mittwoch „Mottel Pantoffel“ und Donnerstag „Chassene im Städtel“. Freitag findet die Premiere einer großen Operette statt. MATURANTIN (Griechisch, Latein) sucht Beschäftigung für die Nachmittage, geht auch zu Kindern U lg Slnek, III., Hauptstr. 33 Die neue Marokko-Krise Zur Spanien-Krise kommt nun die Marokko-Krise hinzu. Die französische Regierung hat den spanischen OberkommLssär in Melilla in einer am Freitag überreichten Note a.n die Verträge erinnert, die ee Spanien untersagen, seine Rechte in Maro kl? o an eine andere Macht zu übertragen und weiter bestimmen, daß jeder Vertragspartner len anderen von militärischen Aktionen unverzüglich zu benachrichtigen hat. Den Anlaß zu dieser Note bilden Nachrichten, wonach für deutsoho Truppen in Westmarokko Kasernen in Bereitschaft gehalten werden, und daß dort auch Befestigungswerke errichtet werden. Ee liegen weiters Nachrichten vor, wonach deutsche Agenten die marokkanische Bevölkerung auch schon gegen Franco aufwiegeln, um eie für eine Okkupation durch deutsche Truppen günstig zu stimmen. Es handelt eich hiebei nicht etwa um Gerüchte, sondern um amtliche Informationen der französischen Konsulate und ihr Wert wird noch dadurch unterstrichen, daß man auch in London nicht an ihrer Wahrheit zweifelt. Man ist überzeugt davon, daß das Dritte Reich in Centa festen Fuß fassen will, sei es, um Gibraltar und den Eingang zum Mittelmeer zu beherrschen, sei es, um eich ein Faustpfand für Kolonialforderungen zu sichern. Berlin dementiert, aber es schreit zu laut. Daß man ausgerechnet in Berlin von einem Versuch „internationaler Brunnenvergiftung“ spricht, ist eher ein Beweis für die Pariser Behauptungen. Denn die deutsche Propaganda arbeitet nicht erst seit gestern an der nordafrikanischen Küste. Sie ist schon seit drei Jahren in Marokko und in den algerischen Kiistenstädten damit beschäftigt, gegen Frankreich zu schüren und die eingeborenen Araber für eine bewaffnete Erhebung zu drillen. Die Judenpogrome in Gran und in den Lagern der Fremdenlegion, in Sidi bei Abbes, in Larrache, in Rabat, sind auf Berliner Instruktionen zurückzuführen und sie entsprechen einerseits den Mordplänen der Streicher und Rosenberg, andrerseits den dunkeln politischen Absichten, Frankreich einzukreisen. Aber diesmal geht es weniger gegen Frankreich als gegen England, das ja seit dem Abessinienkrieg im Mittelmeer in die. Hinterhand geraten ist. Es ist zu bezweifeln, daß hinter der Angelegenheit ein deutschitalienisches Abkommen steckt, denn für Italien wäre die deutsche Militärmacht in dieser Gegend genau so unerträglich wie in Südtirol. Eine halbamtliche Auslassung der Stefan! weist auch in der Form eines Dementis darauf hin, daß Graf Ciano nach seiner Reise nach Berlin und Berchtesgaden die formelle Versicherung gegeben hat, daß die italienische und die deutsche Regierung die spanische nationale und koloniale Unversehrtheit respektieren werden. Es ist opportun, heißt es dort weiter, darauf hinzuweisen, daß die Beachtung des nationalen Status quo in den Mittelmeergebieten auch durch das englisch-italienische Gentleman-Agreement garantiert ist. Aber wenn in Italien immer von der Achse Rom—Berlin gesprochen wird, so kann man im Dritten Reich dieselbe Achse auch für die nationalsozialistischen Expansionstenclenzen benützen und dann hätte das Gentleman- Agreement nur mehr musealen Wert. Deutsche Truppen in Spanien in der Nähe von Gibraltar, deutsche Flieger im Irak an dem Endpunkt der Achse Berlin—Bagdad, deutsche Agenten in Griechenland, in Ägypten, in Haifa — das ist heute die Lage, in der sich England befindet. Es mag sein, daß das Weltgewissen abhanden gekommen ist,.aber cs müßto doch einen Rest von Weltvenmnt't geben, der sich jetzt geltend zu pmohen hätte. Die französische und die englische Flotte sind zu großen kriegsmäßigen Übungen in das westliche Mittelmeer befohlen worden. Hoffentlich genügt dies als Demonstration und hoffentlich versteht auch Rom die große Gefahr eines deutschen Streiches gegen den Rif und läßt sich nicht zum brillanten Sekundanten“ mißbrauchen. Samstag, 23. Jänner 1237 Großer Musikvereins-Saal: Kartenbestellung im Zionistischen Landesverband, I., Maro-Aurel-Straße 6, Tel. U22*241 Vortrat Dr. Josef Kastein, Haifa. Palästina: Palästina - das jüdische Schicksal