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Die Stimme · 1936-01-12 · Heft 610 (12.1.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 610 (12.1.1936)
Date
1936-01-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit# 4 Oll STIMMI Nr. 610. — Wien, Dienstag, 12. Jänner 1987. Der Palästinabericht der amerikanischen Senatoren England hat klare Pflichten zu erfüllen Die Berichte, die von der nach Palästina entsandten inoffiziellen Kommission amerikanischer Senatoren über ihre Beobachtungen erstattet wurden, sind jetzt als Broschüre erschienen. Nach der Feststellung, daß die bisherigen Verhandlungen der Königlichen Kommission die wesentlichen Ergebnisse der von den drei amerikanischen Senatoren durchgetührten Untersuchung bestätigt haben, wird in dieser zusammenfassenden Äußerung das Interesse Amerikas an dem Palästinaproblem hervorgehoben. Amerikas Interesse an Palästina # Die .Königliche Kommission ist ermächtigt. die Ursachen des jüngsten Araberstreiks und der Terrorherreohaft zu untersuchen und Änderungen in der Politik der Palästinaregierung zu empfehlen; es ist ihr aber nicht das Recht verliehen worden, das Grundgesetz des Paläetinamandats zu ändern, dessen Ziel es ist, ein Jüdisches Nationalheim zu errichten. Dies kann auch nicht andere sein, denn das Mandat ist ein Großbritannien von allen Kulturnationen der Welt erteilter treuhänderischer Auftrag. Das amerikanische Interesse an Palästina ist in keiner Weise eine Sache der Einmengung in ausländische Angelegenheiten. Es ist em Interesse, das sich auf einen feierlichen Vertrag stützt, der zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und der englischen Regierung am 3. Dezember 1924 geschlossen wurde. Die Lösung des Konflikts ist möglich Es wird darauf hingewiesen, daß die Einhaltung des Vertrages über Palästina eine Angelegenheit ist, die Volk und Regierung der Vereinigten Staaten direkt angeht. Die jüdische Tragödie in Mittel- und Osteuropa, die mit dem Aufbau des Jüdischen Nationalheims in so engem Zusammenhang stehe, mache es zur gebieteri sehen Notwendigkeit, eine konstruktive Lösung der Krise in Palästina zu finden. Daß eine solche Lösung möglich sei, gehe aus dem Ergebnis der von der Senatorenkommission durchgeführten Untersuchung hervor. Dieses lasse sich in folgende sechs Punkte zusammenfassen: Englands Pflichten 1. Die Krise in Palästina hat zwei Hauptureaohen: Erstens, daß es keine beständige und feste englische Verwaltungspolitikgibt; zweitens, daß zwischen den jüdischen und arabischen Bestrebungen ein politischer Gegensatz besteht. Großbritannien hat als Treuhänder die Verpflichtung übernommen, in Palästina Bedingungen zu schaffen, „die die Errichtung des Jüdischen Nationalheims sichern“ und „jüdische Einwanderung unter geeigneten Bedingungen zu erleichtern und die geschlossene Ansiedlung von Juden auf dem Lande zu ermutigen“, ohne die Rechte anderer Teile der Bevölkerung zu gefährden. Das sind klare Pflichten. Sie sind zugegebenermaßen schwer zu erfüllen. Zu ihrer Erfüllung ist eine g 1 e i c h b 1 o ibende bestimmte Politik erforderlich. Es ist aber, wie Senator Copeland dies gezeigt hat, ein offenes Geheimnis, daß gewisse Elemente der zivilen MandatSverwajtung in Palästina mit dem treuhänderischen Auftrag ihres Amtes nicht sympathisieren und die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims mit ungünstigen Blicken betrachten. Darauf Ist die schwankende'Politik der Mandatarmacht zurückzuführen, durch die Gesetzlosigkeit und Streit im Lande nur ermutigt werden können. 2. Das Mandat hat den jüdischen Siedlern in Palästina ausdrücklich Sicherheit versprochen. Es ist offenbar, daß der britische Treuhänder es verabsäumt hat, diese Sicherheit zu schaffen. Nach der Meinung aller Mitglieder der Kommission kann es keine ausreichende Entschuldigung für die offene Verletzung dieser elementaren Mandatsbestimmung geben. Es kann keine Rechtfertigung für Ausschreitungen geben, die in den letzten Monaten in dem Heiligen Land gegen unschuldige jüdische Männer, Frauen und Kinder begangen wurden. Die Juden sind verständigungsbereit 3. Die Grundursache der arabischjüdischen Zwiotracht ist politischer Natur. Gewisse arabische Agitatoren, die 6iob mit der panarabisohen nationalistischen Bewegung identifizieren, streben die Errichtung eines arabischen Staates in Palästina an und machen viel Wesens aus der Furcht, daß gewisse jüdische Elemente die Errichtung eines Judenstaates in Palästina versuchen könnten. Nichts in denn Mandat rechtfertigt derartige Ambitionen von irgend einer der beiden Seiten. Die verantwortlichen jüdischen Führer haben den Arabern ein Abkommen gegenseitiger Parität angeboten, das beide Seiten gegen Beherrschung durch die andere sichern würde. Wenn Großbritannien seine durch das Mandat erklärte Politik in einer Weise bekräftigen würde, die es unmißverständlich macht, daß Palästina nur ein palästinensischer Staat werden kann, dann wäre der Weg frei gemacht für eine Verständigung zwischen den Arabern und den Juden. Eine Frage auf Leben und Tod 4. Die arabische Forderung nach Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina ist für die bedrängten Juden in Mittel¬ und Osteuropa eine Frage von Leben und Tod. Sie rührt auch an die Wurzel des Mandats, denn eine Einstellung der jüdischen Einwanderung würde die Mandatsbestimmungen ad absurdum führen. Nur die wirtschaftliche Unfähigkeit Palästinas, diese Einwanderung aufzunehmen, wäre ein zwingender Grund für die Einstellung. Die Untersuchung der Senatorenkommission hat dargetan, daß es keinen wirtschaf tlichen Grund für Einstellung oder Beschränkung der jüdischen Einwanderung gibt. Palästina hat kein Arbeitslosenproblem. Der breite Strom jüdischer Einwanderer und jüdischen Kapitals hat nicht nur den Lebensstandard der gesamten Bevölkerung merklich gehoben, er hat auch die Fähigkeit des Landes, mehr Einwanderer aufzunehmen, vergrößert. Was die Furcht der Araber vor einer eventuellen jüdischen Mehrheit betrifft, so muß die Zahl der Bevölkerung nicht entscheidend sein für die Herrschaft. Die Herrschaft kann aufrecht erhalten werden durch Bedingungen ohne Rücksicht auf die Zahl. Die Furcht vor Unterwerfung der Araber Abend {iidiscUes ICuMt Veranstaltet vom „Hechaluz Haclal Zioni“, fand am 6. Jänner 1. J. im Bayrischen Hof ein Abend jüdischer Kunst statt, dem die Anwesenheit des Kultusgemeindepräsidenten, des Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes, zahlreicher Mitglieder des Kultusvorstandes und des Landeskomitees, der WIZO sowie der Vertreter sämtlicher bedeutenden zionistischen Organisationen, Körperschaften und Vereine festliches Gepräge gab. Der Abend — dessen Reinertrag dem Stadtkiibbuz des Hechaluz Haclal Zioni zufällt — erfüllte vollkommen die Verpflichtungen, die die verheißungsvolle Devise „Abend jüdischer Kunst“ in sich barg und ist als voller Erfolg der Veranstalter zu werben. Er bewies das Vorhandensein einer wahnhaft jüdischen Kunst, von der viele leider bloß die Zerrformen kennen, er bewies das Vorhandensein lebendiger schöpferischer Elemente dieser jüdischen Kunst und gab einer Anzahl ausgezeichneter Künstler, deren jüdisches Schicksal es ist, in kleinen, nicht immer von Kunstfanatdkern frequentierten Veranstaltungen, zwischen einer Schale Tee und dem bereits sehnsüchtig erwarteten Tanz, konsumiert zu werden, endlich Wieder einmal Gelegenheit, in würdigem Rahmen, vor verständigem Publikum, sich von unter die Juden und umgekehrt sollte beseitigt werden durch Einsetzung eines Legislative Council, in dem Juden und Araber paritätisch auf Grund von Wahlen vertreten sein sollten. 5. Die arabische Forderung nach Verbot des Bodenverkaufee an Juden ist ebenso wie die nach Einstellung der Einwanderung politischer Natur. Die Ergebnisse der Senatorenkomroission haben klar gezeigt, daß es keinen wirtschaftlichen Grund für eine Einstellung jüdischer Bodenkäufe gibt. Kein arabischer Bodenbesitzer ist verpflichtet, sein Eigentum an Juden zu verkaufen. Außerdem verlangt die Regierung, daß die arabischen Siedler Ersatz bekommen, bevor eine Bodentrans aktion abgeschlossen wird. Die Juden besitzen jetzt nicht mehr als fünf Prozent des Bodens Palästinas, obwohl sie dreißig Prozent der Bevölkerung ausmachen. Noch Hunderttausende haben Platz! Die Mitglieder der Kommission waren tief beeindruckt von dem, was die aus dem Ghetto gekommenen jüdischen Pioniere aus dem sumpfigen, felsigen und sandigen Boden gemacht haben. Sie haben die Landwirtschaft zur führenden Industrie Palästinas gemacht und das Niveau der arabischen Landbevölkerung gehoben. Es gibt noch genug kulturfähigen Boden im Lande, um mehrere Hunderttausend weitere Landwirte zu versorgen. Transjordanien gehört zu Palästina 6. Die Frage, sofort eine Zufluchtsstätte für die Millionen Juden zu finden, die gezwungen sind, aus ihren Geburtsländern zu fliehen oder auszuwandern, kann jedoch nach Ansicht des Senators Hastings praktisch nur gelöst werden, wenn Transjordanien für jüdische Einwanderung geöffnet wird. Transjordanien war ursprünglich in das Gebiet Palästinas, auf das sich die Balfour- Deklaration bezieht, eingesohlossen, wurde jedoch 1922 vom heutigen Palästina abgetrennt und als eigenes arabisches Reich unter der Aufsicht des britischen High Coramissioner für Palästina eingerichtet. Es heißt, daß der arabische Herrscher Transjordaniens jüdische Unternehmungskraft und Siedlung wünscht. Sein Land ist rückständig und dünn bevölkert, besitzt aber ebenso große Entwioklungsmöglichkeiten wie Palästina diesseits des Jordan. Im Anschluß an diese sechs Punkte wird erklärt, daß ein freundschaftliches Abkommen zwischen den Juden und den transjordanischen Arabern die Spannung im heutigen Palästina mildern würde. Für das Britische Reich ergäbe sich außerdem der Gewinn eines größeren und stärker prosperierenden Palästirr, das an einem lebenswichtigen Knotenpunkt des Reiches ein Bollwerk des Friedens und Fortschrittes sein werde. * Dieser Bericht ist sehr präzise in seinen wirtschaftlichen Folgerungen, läßt aber in der jxüitißchen Betrachtung jedes Verständnis für die Stellung der Juden vermissen. Vor allem ist einzuwenden, daß die Grundursache der arabisch-jüdischen Zwietracht nicht politischer, sondern sozialer Natur ist. Die Angst der Effendis vor der durch das jüdische Beispiel sich anbahnenden sozialen Erweckung der Fellachen und vor einer Agrarrevolution hat sie dazu getrieben, eine religiös-nationale Propaganda einzuleiten und die Bewegung des arabischen Landproletariats gegen die Juden abzulenken. Dies hat zu den Unruhen geführt, deren Leitung dem arabischen Komitee schließlich entglitten ist. Die führenden arbischen Kreise fürchten nicht den Judenstaat, sondern den ihnen hörigen Fellachen, der von den Großgrundbesitzern und den mit ihnen verbundenen Geistlichen auf der tiefsten Stufe des Lebensstandards festgehalten wird und sich dagegen zu wehren begonnen hat. Ein gesetzgebender Rat würde daran nichts ändern, abgesehen davon, daß die Juden niemals dareinwilligen können, ihre Lebensfragen unter das Diktat oiner feindlichen Mehrheit zu stellen. -iiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiminiimiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiimuuniiiuinr» Hilda Vuläzluya sittgi fiU ftUfal ftiwzacott Samstag, den 16. Jänner, 8 Uhr abends, im Heime der WIZO-Zentrale, Schottenring 25. Große Mtfal-Bizzarctn veranstaltet der WIZO-Neubau. Mitwtrkende: Frl, Adele Bauminger und andere prominente Künstler, Der Erlös fließt zur Gänze dem Sicherheitsfonds zu. quälender Stummheit zu befreien. So verdienen die Veranstalter sowohl den Dank des Publikums, das sicherlich auf seine Rechnung kam, als auch den der Mitwirkenden. Der Obmann des Hechaluz Haclal Zioni, Ing. Dr. F. Pickholz, begrüßte die Erschienenen, umriß in kurzem Worten Zweck und Ziel dieses Verbandes, appellierte an die jüdische Öffentlichkeit, dem Stadtkibbuz durch Gewährung von Arbeitsmögliohkeiten zu unterstützen, und dankte dem Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes, Herrn Dr. Oskar Grünbaum und Herrn Kultusvorsteher Dr. K1 aber für ihr aktives Interesse an zionistischen Jugendproblemen, den Künstlern für ihre uneigennützige Mitwirkung sowie dem Leiter des Stadtkibbuz, Herrn Samuel Weintraub als technischem und Herrn Bobby Weiser als künstlerischem Arrangeur dieser Veranstaltung. Das Programm : eröffneto Fräulein Evl Wächter, die zwei Kompositionen ihres Lehrers Prof. Wolfsohn am Klavier zum Vortrag brachte und ihrem Lehrer alle Ehre macht. Kapellmeister Kurt Fuchsgelb zeigte in der Baal-Schem-Suite gediegenes Können. Richard Müller rezitierte äußerst sympathisch Gedichte von Auerbach und Bobby Weiser. Dem Höhepunkt des ersten Teiles stellten die Cellovorträge Prof. Joachim Stutschewskys dar, der sowohl als Virtuose als auch als Komponist sein großes Können neuerlich unter Beweis stellte. Oberkantor J. L. Müller beschloß den ernsten Teil durch technisch vollkommenen Vortrag synagogaler Gesänge. War der erste, vorwiegend musikalische Teil nicht Sache des gesamten Publikums, so fand der zweite ungeteilten, begeisterten Anklang. Den Reigen eröffnet« das heitere Quartett des Jüdischen Gesangvereines, welches, geleitet von Kapellmeister Rudolf Beck, jüdische Volkslieder humoristisch interpretierte. Bobby Weiser hieb in seiner aktuellen Satire „Der letzte Jude“ mit viel Geist und Witz nach allen Seiten aus und holte sich für seine originellen Ideen verdienten Beifall. Frau Hilde Dulitzkaja bewies, daß sie nicht zu Unrecht die populärste Interpretin des jüdischen Volksliedes hierorts ist. Josef Kamen s Rezitation war ein künstlerisches Erlebnis. Daß solche Menschen nicht auf Weltbühnen kommen können, kennzeichnet die Tragik des jüdischen Galuth-Künstlers. Den Abschluß des Programms bildeten jiddische Volkslieder, die David Seidermann mit kraftvollem Tenor vortrug. In der Begleitung der Künstler teilton sich die Herren Beck, Lubetzky und Spitz. J. K. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniininmiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiK Erster Wiener Jüdischer Turnverein „Makkabl“, Sektion IX. Die 39. ordentliche Generalversammlung des Ersten Wiener jüdischen Turnvereins „Makkabi“ findet Donnerstag, den 14. d. M., um 8 Uhr abends in der Turnhalle, IX., Lieohtenstejnetraße 20, statt. Alle Mitglieder werden gebeten, pünktlich zu erscheinen. Die Winterhilfe der Isr. Kultusgemeinde Wien 10 Ausspeisestellen Die Verteilung von Kohle, Lebensmitteln und Bekleidung, abbaI a§ IF^eS#lelS^le I Postsperkessenkonto die Errichtung von Tt«. und Wirmestuben usw. usw. «PwilUwl udwsillUll B B 29.659

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