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Die Stimme · 1936-01-12 · Heft 610 (12.1.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 610 (12.1.1936)
Date
1936-01-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite z stina erstehen könne. Palästina sei das einzige Land der Welt, das die Juden als ihre Heimat betrachten; gleichzeitig gäbe es kein anderes Volk, das als Ganzes Palästina als sein Heimatland ansieht Ben Gurion uoterstrioh die Bedeutung jüdischer Arbeit beim nationalen Aufbauwerk. Die Juden schaffen sich eine Heimat weder durch Kauf noch durch Eroberung, sondern durch ihrer eigenen Hände Arbeit. So wie eine Frau sich kein Kind kaufen kann, sondern es gebären muß, so ist es einem Volke unmöglich, eine Heimat für Zionistisch• Bailrkwktlon »■•opoldstadt, II«, PraftHraBi 13 Mittwoch, I3. Jänner I937, um VjO Uhr abends, findet in unserem Heime ein Vortrag Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners Doz. Dr. H. J. ZlmmelS statt. — Thema : Humanes in der Alt-Jüdischen Rechtspflege Gold zu erwerben. Aus diesem Grunde bestehen die Juden darauf, ihre Felder selbst zu bearbeiten, ihre Fabriken selbst zu bauen; täten sie es nicht, so würden sie ihnen auch nicht gehören. Nationalheim und Judenstaat Weiter gab Ben Gurion die Gründe an weshalb der Zionismus den Ausdruck „Natio nalheim“ anstatt „Judenstaat“ anwende „Juden6taat“ würde den Begriff der Beherr schung von Arabern einschließen, was die Juden keinesfalls wünschen; sie wollen frei und nicht von der Gnade anderer abhängig sein, und können deshalb auch nicht erwarten, daß andere auf ihre Gnade angewiesen sein sollen. Zweitens schließe der Begriff „Staat“ ein separates politisches Gemeinwesen ein, was die Juden wiederum nicht wünschen, denn sie ziehen es vor, mit dem britischen Reich verbunden zu bleiben. Der dritte Grund sei Palästinas besondere Stellung in Anbetracht der heiligen Stätten der drei Religionen. Bestünden diese drei Gründe nicht, so wäre eine Nationale Heimstätte trotzdem einem Judenstaate vorzuziehen, denn es sei ein weiterer Begriff. „Judenstaat“ könnte bedeuten, daß die Juden in Palästina berechtigt würden, Juden aus der Diaspora die Ansiedlung im Lande zu verbieten, währenddie Nationale Heimstätte dem gesamten jüdischen Volke gehöre und jeder einzelne Jude berechtigt sei, nach Palästina z u r ü c k z u k e h r e n, solange dadurch die bestehende Bevölkerung nicht verdrängt wird. Palästina für alle Juden der Welt Der Umfang der Nationalen Heimstätte stehe nicht im Verhältnis zu der Ziffer der jeweiligen jüdischen Bevölkerung Palästinas, sondern sei von dem Bedürfnis der Juden der Diaspora nach der Rückkehr nach Palästina und von der sachlichen Aufnahmefähigkeit des Landes abhängig. Jeder einzelne Jude, der noch in der Diaspora lebt, habe genau dasselbe Anrecht auf Palästina, wie der Jude, der bereits im Lande ist. Ben Gurion wies die Behauptung zurück, daß die Lage der Juden in der Welt erst in den letzten Jahren eine Verschlechterung erfahren habe, während sie zur Zeit der Gewährung des Mandats normal war. Er erinnerte an Nordaus große Reden über die Lage in der Diaspora auf den ersten Zionistenkongressen sowie an Herzls Erscheinen vor der Königlichen Kommission in London im Jahre 1902, die eine Untersuchung der Frage der Fromdeneinwanderung anstellte, und seine Forderung nach einer Heimstätte für verfolgte Juden. Dies sei der erste Kontakt der zionistischen Bewegung mit Königlichen Kommissionen gewesen. Jiidisch»arabische Zusam* menarbeit Im ganzen Orient Zum Schluß befaßte sich Ben Gurion mit der arabischen nationalen Bewegung, deren Methoden in Palästina dem Wesen des Zionismus entgegengesetzt seien. Er wies auf die Möglichkeit hin, daß die Schaffung des Jüdischen Nationalherm&ß zum Segen für den ganzen Mittleren Osten gereichen könnte, vorausgesetzt, daß die Juden in Palästina stark und zahlreich sind. Er begrüßte die Un abhängigkeit der Araber in den Nachbar ländern, da. die arabische Bewegung dadurch vor konstruktive Probleme des Staatsaufbaues gestellt werde, bei deren Lösung sie von den Juden unterstützt werden würde. Auf diese Weise könnte die Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit von Juden und Arabern sowohl in Palä stina als auch im ganzen Osten geschaffen werden. Die Aussagen Ben Gurions, die durch keine Fragen unterbrochen wurden, wurden »später unter Ausschluß d e t Öffentlichkeit fortgesetzt. Oberst Kisch erschien ebenfalls vor der Kommission in geschlossener Sitzung. Der Höhepunkt im Zyklus der vom Zionistischen Landesverband veranstalteten Vorträge wird der Vortrag von Dr. Josef Kastein (Haifa) über das hochaktuelle Thema: „Palästina — das jüdische Schicksal“ Die Vorträge „Jüdische Neuorientierung**, „Ahasver" und ,,Der Geist der jüdischen Wirklichkeit“ zeigten Kastein als führenden jüdischen Historiker und blendenden Sprecher, der es versteht, die Zuhörer zu fesseln wie kaum jemals ein jüdischer Redner. So ist es kein Wunder, daß alles, was im Judentum Wiens Rang und Namen ha,t und geistig interessiert ist, bei den Vorträgen Kasteins zu sehen ist und daß die Nachfrage nach Karten geradem stürmisch Ist. Der Vortrag „Palästina — das jüdische Schicksal“ findet am 23. Jänner, 20 Uhr, 23. Jänner um präzise AO Uhr abends im Großen Musikvereinssaal statt. Karten zum Preise von S 1.60 bis S 5.75 sind im Purem des Zionistischen Landesverbandes, Wien, /., Marc-Aurel-Straße 5, bei den Bezirkssektionen, der WIZO, in der Buchhandlung Rath, der Jüdischen Kunststelle, sein. Die bisherigen Vorträge von Dr. Josef der Buchhandlung Lanyi und der Buchhand- Kastein fanden immer ausverkaufte Häuser, hing Mejstrik erhältlich. Konferenz des Weltverbandes Jerusalem, 6. Jänner. In Tel-Aviv wurde am 5. Jänner eine Konferenz der Leitung des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten unter Vor8itz des Herrn Suprasky eröffnet. Exekutivmitglied Rottenstreicb referierte über die Königliche Kommission. Er stellte fest, daß die zionistische Bewegung keine Vorteile von der Kommission erwarten könne, deren Mission darin bestehe, Konzessionen an die A r a b e r zu machen; die politische Lage sei ernst, und die Bewegung müsse sich zum Kampfe rüsten. Es wurden Beschlüsse gefaßt, in denen unter anderem gefordert wird, daß die J ewish Agencyc keine politischen Zugeständnisse machen soll; ferner wird die Einleitung einer Aktion zur Bekämpfung der dem Jüdischen Nationalheim drohenden Gefahren in der ganzen Welt verlangt. In einem weiteren Beschluß wird die Forderung erhoben, daß bei der Verteilung der Einwanderungszertiflkate seitens der Jewisb Agency keine Diskriminierung gegen Revisionisten erfolgen möge. 35 Jahre Keren Kajemeth Die Kommission wird In London weitertagen Jerusalem, 7. Jänner. Wie Palcor erfährt,! wird die Königliche Kommission nach ihrer] Rückkehr nach London die ehemaligen, High Commissioner für Palästina, Chefeekretäre der Palästinaregierung sowie die Kolo-j nialminißter in früheren britischen Regierungen vernehmen, unter anderen Winston Cur-| ohill, Sir Philip Cunliffe-Lister, Malcolm MaeDonald, Sir Herbert Samuel, Sir John Chancellor, Sir Wyndiham Deedes u. a. Kein Palästinavisum für Jabotinsky Jerusalem, 10. Jänner. (JTA.) Die Palästinaregierung hat die Ausstellung eines I Einreisevisums für den Präsidenten der Neu- Zionistischen Organisation, Wladimir J a b o- J t i n 8 k y, der nach Palästina kommen wollte, um vor der Königlichen Kommission] auszusagen, verweigert. Jerusalem, 7. Jänner. Trotz strömenden Regens wohnten 3000 Personen der Feier des 35. Jahrestages der Gründung des Keren Kajemeth bei, die im Großen Saal der Levante-Messe stattfand. Delegierte zum Fünften Zionistenkongreß, bei dem beschlossen worden war. den Nationalfonds zu schaffen, waren anwesend. M. M. U s s i s c h k i n, der mit stürmischem Applaus begrüßt wurde, gab eine Übersicht der Leistungen des Keren Kajemeth. Die Jahreseingänge des Fonds, die im Anfang 10.000 Pfund Sterling nicht überstiegen, haben im vorigen Jahre über 400.000 Pfund Sterling betragen; der Bodenbesitz des KKL, der im Jahre 1918 aus 19.000 Dunam bestand, hat 380.000 Dunam erreicht und bildet 52% des gesamten jüdischen Bodenbesitzes. Der Boden sei der Drehpunkt der zionistischen Tätigkeit; deshalb richteten sich die Angriffe der Gegner gegen diesen Punkt. Ussisohkin schloß mit den Worten: „Wir hörenden Schritt des Messias in unseren Tagen, und ob man es will oder nicht, wird Palästina unser sei n.“ Leib J a f f e sprach im Namen der Delegierten zum Fünften Kongreß. Berl K a t znel?on erinnerte daran, daß, während die Feier in diesem Saale ihren Fortgang nimmt, neue Beschränkungen, die gegen den Keren Kajemeth gerichtet sind, vorbereitet werden. Die Ankündigung, daß am selben Tage bereits der zweite Kibbuz zur Ansiedlung auf dem Beisan-Boden geschritten ist, wurde mit Begeisterung angenommen. der Die Winterhilfe Ai ■ hat begonnen. spendet reichlichJ Postspark. - Konto: B 29.659 Arabischer Aufruf Jerusalem, 6. Jänner. (Palcor.) Das Oberste Komitee erließ heute einen Aufruf, in dem alle Araber, die Beschwerden haben, aoifgefordert werden, dieselben nur durch das Komitee der Königlichen Kommission zu unterbreiten. Der Aufruf des Komitees, in dem der Beschluß, betreffend die Aufgabe des Boykotts, der Kommission angekündigt wordeu ist, wurde heute durch den Rundfunk verbreitet. Dies verursachte große Verwunderung, da sonst nur offizielle Mitteilungen im Radio verlautbart werden. Die arabische Delegation ist von ihrem Besuch bei den arabischen Königen mit einem Brief für den Mufti von König Ihn Saud und König Ghazi zurückgekehrt, die dem Mufti empfehlen, sich auf die Gerechtigkeit der Engländer zu verlassen und die arabische Sache vor die Kommission zu bringen. Keine Einigkeit unter den Arabern Jerusalem, 8. Jänner 1937. Das Arabische Oberste Komitee entwickelt eine fieberhafte Tätigkeit in der Vorbereitung der Aussagen seiner Vertreter und dem Studium der Bekundungen jüdischer Zeugen; in der Frage der von den Arabern zu vertretenden Linie ist es jedoch noch nicht zu einer Einigung gekommen. Eine Gruppe besteht auf der Forderung nach Abschaffung des Mandats und der Balfour- Deklaration, die andere vertritt eine realere Politik, in der Hoffnung, die größtmöglichen Konzessionen zu erzielen. Wahrscheinlich werden beide Standpunkte vorgetragen werden. FÜR DIE SICHERHEIT UND FESTIGUNG DES JÜDISCHEN AUFBAUWERKES IN PALÄSTINA! 30 Raubüberfälle im Dezember Jerusalem, 9. Jänner. Es wird gemeldet, daß im Laufe des Monats Dezember über 30 Raubüborfälle auf den Landstraßen stattgefunden haben. Gestern nachts griff eine bewaffnete Bande syrische Schafhirten in der Nähe von Safed an; einer der Hirten blieb tot liegen. Die Ölleitung bei Haifa In Flammen Jerusalem, 9. Jänner. Die Ölleitung aus dem Irak steht an der Stelle der Einmündung in die Öltanks bei Haifa in Flammen. Ganz Haifa ist in ducken Rauch gehüllt. Ob die Ursache des Feuers Brandstiftung ist, konnte noch nicht geklärt werden. Die Röhrenloitung überschreitet in der Nähe der Siedlung Motzkin auf einer kleinen Brücke den Kiscbon und mündet dann in eine Pumpstation. Wieder Baumfrevel Jerusalem, 7. Jänner. (Palcor.) Gestern nachts wurden in zwei jüdischen Plantagen bei Hadar Bäume ausgerissen. Die Spuren der Täter führten zu einem in der Nähe aufgeschlagenen Beduinenlager, __-_ _ _ _ _ _ H _ _ _ — _ > _ _ | wo 5 Personen in Haft genommen wurden. ERBET FÜR Ml I F A L B I X X A R N! Auch in zwo> arabischen Plantagen in der ■wlm ■ ** ** M* n m m OO im ■ 1 von 3^ Dajan wurden Bäume ausgerodet. Es besteht die Vermutung, daß dies ein Racheakt gegen die Besitzer war, die mit Juden geschäftliche Verbindungen unterhalten. Es verlautet, daß die arabischen Könige das Obenste Komitee aufgefordert haben, den Raubüberfällen auf den Landstraßen Einhalt zu tun. Neue Brücke über den Jarkon Jerusalem, 10.. Jänner. (JTA.) Im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Chaussee Herzlia—Ramat Hascharon—Tel-Aviv soll auch eine neuo Brücke über den Jarkon geschlagen werden. Diese Brücke wird wesentlich größer sein als die, über die die Straße Petach Tikwa—Hascharon führt. Sie wird 30 Meter lang und 8 Meter breit sein. Osslas Thon-Straße In Tel* Aviv Jerusalem, 10. Jänner. Auf der letzten Sitzung der Stadtverwaltung von Tel-Aviv wurde beschlossen, eino Straßo in Tel-Aviv nach Oesias Thon zu benennen. Erfolgreiche Brunnen* bohrung Jerusalem, 10. Jänner. (JTA.) Nach längeren Bohrversuchen in der Gegend von Karkur und Pardess Charta konnten die ersten Sohöpfversucho gemacht werden, die überraschende Ergebnisse brachten. Ein neuer Brunnen lieferte innerhalb einer Stunde 860 Kubikmeter Wasser. Man hofft auf noch größere Ergiebigkeit, da Wasser dauernd steigt,

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