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Die Stimme · 1936-01-12 · Heft 610 (12.1.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 610 (12.1.1936)
Date
1936-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9te \Stimme V. b. b. 20 9 Arhiro Toseanini Nr. 610 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienstag, 13. Jänner 1937 39* Teweth $997 io« Jahrgang Arabische Forderungen für England unannehmbar Eigenbericht der „Stimme" London, 10. Jänner. Ein Reuter-Communiqud besagt, daß es angesichts des bestehenden Mandates unmöglich sei, die zionistische Politik aufzugeben und die arabischen Forderungen nach Einsetzung einer nationalen Regierung zu erfüllen. Die Mitteilung wäre zu begrüßen, wenn sie die Schlüsse ausdrticken würde, die die Londoner Zentralstellen aus den bisherigen' Ergebnissen der in Jerusalem tagenden Königlichen Kommission zu ziehen bereit ist. Die offiziöse. Auslassung stellt in diesem Falle ein Signal vor, das an die Araber gerichtet ist, die den Boykott der Kommission aufzugeben bereit sind. Allerdings ist bisher noch kein einziges maßgebendes Mitglied des arabischen Komitees vor der Kommission zu einer Aussage erschienen. Aber wie immer sich die palästinensischen Araber in dieser Angelegenheit weiter verhalten werden, es zeigt sich doch, daß sie isoliert sind und daß alle ihre Hoffnungen auf die Könige auf Selbsttäuschung beruhen. Die Außenaraber gehen in der Beurteilung der Sachlage von ganz anderen Gesichtspunkten aus. Sie befleißen sich, mit den realen Tatsachen nirgends in Konflikt zu geraten. Für sie ist zunächst, insoweit sie überhaupt ein arabisches Nationalgefühl besitzen, entscheidend, daß Palästina infolge der Auswirkungen der jüdischen Siedlung das reichste und kulturell höchststehende arabische Gebiet geworden ist. Der sechs Monate lang betriebene Streik hat just die arabischen Großgrundbesitzer nicht getroffen — auf deren Äckern und Pflanzungen weiter gearbeitet wurde, — wohl aber die Kleinbauern, die die Parole unter dem Druck des Muftis befolgt haben, und dann die arabischen Kaufleute und Händler. Das bewirkt eine empfindliche Schmälerung der Mekka- Wanderung, eine der wesentlichsten Einnahmsquellen des Königs Ibn Saud, der ein nüchterner Rechner ist und in der Sorge um seine Pilgersteuern und um die englischen Subsidien alle Abenteuer vermeidet.. Ebenso wenig ist der Imann des Jemen geneigt, wegen der Kalifatsbestrebungen des Mufti von Jerusalem einen Konflikt mit England zu riskieren. Emir Abdullah wieder, der aus der ehrgeizigen Familie Husseins von Mekka stammt, würde eher die Aufschließung Transjordaniens durch die Juden fördern, hat aber im übrigen zu viele außenpolitische Sorgen, die ihm der Staatsstreich im Irak bereitet, der unter allen mosleminischen Arabern, die sich im Kriege unter Lawrence gegen die Türkei führen ließen, eine förmliche Panik erzeugt hat. In Bagdad haben die Freunde Attatiirks heute das Heft in Händen, ihre Truppen tragen türkische Uniformen, türkische Generalstabsoffiziero (und deutsche Flieger) haben die Operationen geleitet und kontrollieren heute die Staatsführung. Die Araber sind in einer Zange, und der Beschluß des arabischen Komitees war durch diesen Zustand bedingt, ebenso die Bemühungen, die Bewegung gegen die Christen, die sich aus der religiös betonten Hetze naturnotwendig ergeben mußte, einzudämmen. Auch das italionisch-onglische Übereinkommen hat viele weitausgreifende Hoffnungen geknickt. Viele und führende Araber Palästinas haben auf dem Umweg über Kairo gutes, schönes Geld aus Rom bekommen; vieles ist ihnen zugesagt worden, und es hat bei ihnen besonderen Eindruck erweckt, daß es ein Völkerbundstaat war, der den Angriff auf das englische Mandat unterstützt hat. Großbritannien ist nunmehr nach dem Abkommen — wenigstens für die nächste Zeit — in einer besseren Situation und ist vielleicht jetzt geneigt, sich an die Mandatsverpflichtung zu erinnern, deren Artikel 2 und 4 so unmißverständlich gefaßt sind, daß sie selbst von der Interpretationskunst der Untersuchungskommission nicht abgebogen werden können. Die Neigung zu solchen Experimenten besteht, und verschiedene Äußerungen von Mitgliedern der Kommission lassen sogar die feste Absicht erkennen. Zum soundsovielten Male ist es von jüdischer Seite auseinandergesetzt worden, wie die Rechtsgrundlage, auf der wir stehen, beschaffen ist, was wir erstreben und was wir geschaffen haben. Von der anderen Seite ist bisher gar nichts eingewendet worden, denn die Morde und( Waldfrevel können und dürfen nicht als. Argumente dienen. Für uns bleibt das Mandat ein Vertrag, den wir nicht als einen Fetzen Papier behandeln lassen können. Wenn nun England durch eine offiziöse Erklärung ausspricht, daß es die arabischen Forderungen nicht erfüllen und keine nationale Regierung errichten kann, so ist das im Wesen nur eine negative Äußerung. England ist auch uns eine Erklärung schuldig, nicht allein des Respektes vor der Leistung und der Bewunderung des ethischen Hochstandes unserer Verteidigung, sondern eine genaue Feststellung: bleibt es bei der vollen und ungeschmälerten Erfüllung des gegebenen Wortes? Wird sich die jüdische Arbeit in Sicherheit vollziehen können? wmmmm iÄöÄiifiSiiP Eine interessante Aufnahme vom ersten großen Konzert des italienischen Meisters in Tel-Aviv. Die Arbeit der Königlichen Kommission: Sinn und Zweck des Mandats Jerusalem, 5. Jänner. In der Abendsitzung ’ sches Nationalheim werden solle, was Stein vom 5. Jänner erschien Leonard Stein verneinte. Er zitierte eine Resolution wiederum vor der Königlichen Kommission, des Zwölften Zionistenkongre6ses im Jahre In Beantwortung einiger Fragen von Lord 1921, in der Palästina als das gemein- Peel, bezüglich der wörtlichen Auslegung same Heim beider Völker bezeichverschiedener Artikel des Mandats, erklärte net wird. Er hob ferner hervor, daß Stein, daß darin kein Hinweis auf die Aufnahmefähigkeit des Landes enthalten sei; er! betonte jedoch, daß der Geist des ganzen Mandates und nicht nur einzelne Artikel auf, die wirtschaftlichen Verhält-j n i s s e als den einzigen Maßstab für den! Umfang der Einwanderung deutet, während eine Beschränkung der. Einwanderung aus politischen Gründen nicht im Sinne des Mandates Hegt. Das Problem der Selbstverwaltung Lord Peel fragte dann, weshalb die Juden sich einem Gesetzgebenden Rat widersetzen. Stein antwortete, daß in Coupland den Sitzungssaal und Sir Horace der im Mandat enthaltenen Verpflichtung, Ru mb old übernahm den Vorsitz. In Aueine Selbstverwaltung zu entwickeln, das Wesenheit von nur drei Kommissions- Wort „entwickeln“ bedeutet, daß die Einmitgliedern erfolgte dann die Verführung der Selbstverwaltung allmählich nehmung von Abramowitz und Jizchaki, der und stufenweise erfolgen müsse; das Land Vertreter des linken Flügels der Poale-Zion. sei jedoch für eine Selbstverwaltung noch Abramowitz erhob heftige Anklagen gegen die Regierung, die, obwohl sie schon vor den Unruhen um den kommenden Ausbruch wußte, es versäumt hat, geeignete das. Mandat völlig im Einklang steht K mit der Ansicht der Mehrheit des jüdischen Volkes, und daß die Zeitdauer des Palästina-Mandates von jeher als unbegrenzt angesehen wurde. Zu dem Plan einer Kantonisierung erklärte Stein, daß, sofern die Bestimmungen bezüglich des jüdischen Nationalheims in einzelnen Kantonen nicht durchgeführt würden, dieser Plan nicht mit dem Mandat zu vereinbaren sei. Die Schuld der Regierung Nach den Aussagen Steins verließen Lord Peel, Sir Laurie Hammond und Professor nicht reif. Er fügte hinzu, daß die Selbstverwaltung nicht unbedingt eine parlamentarische Form anzunehmen braucht, die durchaus nicht als die empfehlenswerteste Form der Selbstverwaltung angesehen wird, insbesondere nicht im Orient. Lord Peel und Sir Laurie Hammond stell Schritte zur Unterdrückung der Unruhen zu unternehmen. Er behauptete, daß die Ursache der Unruhen hauptsächlich in der Haltung der Regierung gelegen habe, die dem Mob in Jaffa schon am ersten Tage nachgab und es nicht für notwendig befand, die verantwortlichen Araber-Führer festzunehmen* Der Zeuge schilderte die Not der Fellachen, die lediglich Werkzeuge in den Händen der nationalistischen Araberfülirer seien. Er gab an, daß die Regierung einer Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern Hindernisse in den Weg lege, und daß die chauvinistischen Elemente unter den Arabern von der Regierung unterstützt werden. In diesem Zusammenhänge führte Abramowitz die Ernenn ungdes Mufti an, die trotz seiner Wahlniederlage und trotz der Tatsache, daß er der Urheberschaft an den Jerusalemer Unruhen im Jahre 1920 überführt worden war, erfolgte. Bezüglich der jüdischen Einwanderung erklärte Abramowitz, daß selbst die Länder, die nur eine beschränkte Einwanderung zulassen, eine Ausnahme im Falle von Flüchtlingen machen, und die Juden als Opfer der Verfolgung könnten doch wirklich als Flüchtlinge bezeichnet werden. Ben Gurion: Eroberung durch Arbeit! Jerusalem, 7. Jänner. (Palcor.) David Ben Gurion, Vorsitzender der Exekutive der . .. , „ _ Jewish Agency in Palästina, erschien heute ten versch edene Prägen qf •_ als Zeuge vor der Königlichen Kommission. Rechte der Nicht,«den m Palästina Stern Uator PubUtaun &fandett eich awei “WW* Ar“n 0beret6n Komi don Arabern lediglich als Individuen,. nicht als zugesichert werden. Gemeinschaft, Rechte Zeitdauer des Mandats unbegrenzt tees. Ben Gurion erklärte, daß die Juden nicht dazu in Palästina sind, um anderen Vorteile zu bringen, sondern in erster Linie, um das Jüdische Nationalheim zu schaffen, das ein Selbstzweck ist und seine eigene Berechtigung in sich Lord Peel fragte dann, ob die Errichtung birgt. Auf eine Frage von Sir La/urie Hameines jüdischen Nationalheims in Palästina i m o n d erwiderte Ben Gurion, daß die Juden bedeute, daß Palästina ausschließlich jüdi-1nicht aus Philanthropie, sondern auf Araber gehen vor die Kommission Jerusalem, 8. Jänner. In einer Sitzung des Arabischen Obersten Komitees, an der sich die gestern zurückgekehrte Delegation mit Auni Abdul II a d i an der Spitze beteiligte, wurde der Beschluß gefaßt, den Boykott der Königlichen Kommission zu beenden. „Falastin“ bringt ein Interview mit Emir Abdullah, in dem dieser den Boykott scharf verurteilt und gleichzeitig im Namen der Könige G b a i i von Irak und Ibn Saud dessen Revozierung fordert. „Falastin“ fügt hinzu, daß auch der Rebellenführer Fauzi Kawakji dem Boykott ablehnend gegenüberstehe, Grund ihres Rechtes nach Palästina gekommen seien. „Die Bibel ist unser Mandat46 Ben Gurion erwähnte die Bemerkung von Lord Peel, der Shertok gefragt hatte, ob das Mandat die Bibel der Juden sei, und erklärte dazu, daß die Bibel ihr Mandat darstelle und daß das vom Völkerbund an England erteilte Mandat nur diese Tatsache anerkenne, ohne etwas Neues zu schaffen. Der Grundsatz der Nationalen Heimstätte habe staatsrechtliche Anerkennung erlangt und bezwecke die Lösung der Judenfrage. Ben Gurion, dessen Ausführungen mit größter Aufmerksamkeit verfolgt wurden, schilderte die Vorteile, die dem Lande als Ganzes aus der Aufbautätigkeit der' Juden erwachsen sind. Das Wesen dieser Tätigkeit bringe es mit sich, daß das Land daraus nur Nutzen ziehen kann, Palästina unsere einzige Heimat Der Zeuge setzte die beiden Gründe auseinander, weshalb die Nationale Heimstätte nur ln Palä-

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