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Die Stimme · 1936-01-08 · Heft 609 (8.1.1936) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 609 (8.1.1936)
Date
1936-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seit* t Dtl ITIMMI Nr. 609. — Wien, Freitag’, 8. Jänner 1987. Eine neue Balfour-Biographie Herbert Henry A s q u i t h bczeicbnete Lord Ba I fo u r ..als das am meisten ausgezeichnete Mitglied der größten beratenden Versammlung der Welt“. Balfour ist die Verkörperung des Staatsmannes von einst, der mit abgeklärtem Blicke die politischen Situationen erfaßt und die ihm anvertraute Macht sine ira et Studio zu handhaben versteht. Er war gentleman im vollkommensten Sinne des Wortes. Mit der Geschichte des jüdischen Volkes ist Lord Balfour untrennbar verbunden. Es hat nicht an Versuchen gefehlt, das Leben und Wirken die ses großen Staatsmannes darzustellen. Von Biographien Lord Balfours waren bisnun die WTerke B. Aldersone (1903) und E. T. Raymonds (1920) bekannt. Nun ist eine Nichte Balfours, Mns. Blanche E. C. D u g d a 1 e mit. einer Lebensbeschreibung vor die Öffentlichkeit getreten. In zwei stattlichen Bänden unternimmt es die Biographin, das vielgestaltige und wechselvolle Leben ihres Onkels, die scharfumrissene Gestalt des Staatsmannes dem Publikum nahezubringen. Besonderen Reiz gewinnt das Werk dadurch, daß Mrs. Dtigdale das Leben Balfours zeitweilig aus unmittelbarer Nähe aus betrachten konnte, mit ihm oft zusammenweilte und daher in hervorragendem Maße die Möglichkeit besitzt, den Menschen Balfour klar und scharf zu zeichnen. Mrs. Dugdale bietet zunächst ein reizvolles Bild der Jugendjahre des Staatsmannes; sie führt uns in den intimen Familienkreis Balfours ein und läßt das vornehme englische Herrenhaus vor unserem geistigen Blick entstehen. Die Biographin ist bestrebt, jeweils den Einfluß dieses Milieus auf Balfouns Entwicklungsgang aufzuzeigen. Mrs. Dugdale vermag es auch, Einzelheiten aus seinem täglichen Leben mitzuteilen. Wir lernen seine Vorzüge und Schwächen, seine Charaktereigenschaften und Neigungen kennen. Das unermüdliche Lesen und Forschen, trotz anstrengender politischer Betätigung, verbindet Baifour mit'Masaryk. Der Abschnitt in dem W7erke, der vom Wirken Balfours für den Zionismus handelt, ist für uns natürlich von besonderem Interesse. Mrs. Dugdale schildert, wie die zionistische Bewegung in England auf Initiative Professor Weizmann s in Manchester immer mehr an Boden gewann. Im Herbst 1914 kamen Sokolow und Tchlenow nach England. C. P. Scott, einer der ersten Engländer, die den Zionismus offen unterstützten, gab ihnen ein Einpfehlungsschreiben an den Finanzminister. Zusammen mit Professor Weizmann reisten die drei nach London, wo sie Lloyd George für die Sache gewannen. Am 14. Dezember 1914 hatte Professor Weizmann seine erste Unterredung mit Lord Balfour. Dieser war von dem Plan sichtlich ergriffen. Balfour sagte zu Weizmann: „Es iet eine große Sache, für die Sie arbeiten; ich möchte sehr, daß Sie wieder uqd wieder kommen.“ Weizmann erfüllte diesen Wunsch; die Begeisterung Balfours wuchs und trotz allen hemmenden Faktoren zum Trotz kam es zur Balfour-Deklaration. Das Problem der jüdischen Heimstätte ist nach Ansicht Mrs. Dugdales geeignet, den ewigen Glauben an die Macht des Idealismus besonders stark bervortreten zu lassen. Ara Ende seines Lebens äußerte sich einmal Lord Balfour zu seiner Biographin über die Deklaration. Er meinte, es sei das Wertvollste, das er je geleistet habe. Es ist der Biographin gelungen, ein klares und getreues Bild des Lebens und Wirken« Balfouns zu entwerfen. Balfour ist der moderne Cyrus, der den Juden das Dekret zur Rückkehr nach Palästina aus der Gefangenschaft der Diaspora erteilt hat. In dieser Tat liegt seine ewige Bedeutung für das Judentum. Dr. Josua Horowitz. i » CIHEKSTUItte Hilferuf. Nahezu 150 jüdische Blinde sind heute mehr denn je auf Ihre gütige Hilfe angewiesen. Der Winter mit allen seinen Härten verschärft das ohnehin schon schwere Los der Bedauernswerten um ein Bedeutendes; die Lage ist trostlos. Um die Ärmsten der Armen unseres Volke« vor der äußersten Verzweiflung zu schützen, erlaubt sich die gefertigte Veränderung, um Geld- und Kleiderspenden ganz ergebenst zu bitten. Tüchtige Musiklehrer, Klavierstimmer, BesseIflechtcr und Bürstenmacher sind auch unter unseren Blinden, welche urn Arbeit bitten! Hilfsverein der jüdi- .-eben Blinden, Wien, II., Rembrandtstraße 18, Tel. A 47-2-77 Postaparkassenkonto Nummer A 133.213. Ein Wort an die Mütter Liebe Mutter! Wir wollen die „Kinder-Stimme“ auch euch Müttern dienstbar machen, indem wir euch bei der Erziehung der Kinder an die Hand gehen. Und da richten wir unser Augenmerk gleichermaßen auf diie körperliche wie auf die geistige Ertüchtigung unserer Kleinen; dieser Kleinen, die dazu berufen sind, die Zukunft, unseres Volkes zu gestalten. > Da es im häuslichen Milieu immer schwieriger ist, gewisse Forderungen an die Kinder durchzusetzen, wollen wir gemeinsam mit euch Müttern die Zahl solcher Schwierigkeiten vermindern. Zu diesem Zwecke erscheint in der nach sten Nummer der „Kinder-Stimme“ eine laufende Rubrik, die sich mit diesen Din gen, zunächst mit hygienischen, in kindgemäßer Weise befassen wird, die wir aber auch euch zur Lektüre angelegentlich empfehlen. — Wir richten im vorhinein die Bitte an unsere Leserinnen, diese Rubrik durch Anfragen, Mitteilungen und Anregungen zu fördern. Materialspenden. Für unsere Aktion für den MifaJ Bizzaron: Frl. Rosa Austern, Textilgeschäft Starer, III., Hohlweggasse; Kindermodenhaus Katz, IX., Währingerstraße 6. Die Richterin Deborah unter der Dattelpalme Von Theodor-Herz 1. (Rückübersetzt von L. Grünwald.) „Und es lebe Deborah unter der Palme!“ riefen tausend Zungen ♦voll Freude. Und an der Spitze des jubelnden Volkes ging Amitai zum Palast des Königs. Aber die Kunde von dem Aufstand hatte den König bereits erreicht, und so beeilte er sich, sein Leben in Sicherheit zu bringen. Doch bald sollte er unter schrecklichen Qualen sterben: sein starkes, wildes Pferd warf ihn während der Flucht ab, im Falle blieb er mit einem Fuß im Steigbügel hängen, und das dahinrasende Pferd schleifte ihn mit sich, so daß nur sein verstümmelter Leichnam geborgen werden konnte. Und Amitai bestieg den Königsthron seiner Väter und „Deborah unter der Palme“ wurde sein Weil). So ward die blinde Richterin zur 'Königin’ de« Landes, und sie half dem König, ihrem Manne,’ das Volk in Ge reehtigkeit und Frieden zu regieren. (Schluß.) * und Ihrer V erknüpftheit mit dem österreichischen Schicksal Die unübertreffliche Art Professor Bronners, durch Fragen die Kinder zum Mitdenken anzuregen, schuf eine bilderreiche Brücke in die Vergangenheit. Wir sahen außerdem jüdisches Kunsthandwerk aus den verschiedensten Jahrhunderten, Trachten, Schriften, Bruchstücke von Grabsteinen, alte Thorarollen, Modelle von alten Tempelbauten, und schließlich Bilder1 aus dem neuen Palästina. Der einmalige Besuch reichte selbstverständlich nicht aus, um auch nur die Hälfte der vorhandenen Schätze betrachten zu können. Außerdem mußte die Führung verkürzt werden, da ein heftiger Sturmwind durch die Fensterritzen des Museums drang, das unter dem Dach des Hauses Malzgassc 16 untergebracht ist. Schade, daß dieser so wichtigen kulturgeschichtlichen jüdischen Heimstätte keine würdigeren und größeren Räumlichkeiten bisnun beschieden sind! Vom Stadtschulrat gen. SCHÜLERHORT CENTRAL II./ Taborstraße 8 B Telephon U 14-908 Gewissenhafte Schulnachhilfe Sprachen Musik Sport Die erste Trinksdiokolade Rätselecke Das große Preisrätsel: Dies ist das 15. Bild des großen Preisrätsels. Wenn ihr nun alle 15 Bilder ausgeschnitten und mit den Namen der Personen, die diargestellt wurden, versehen habt (und zwar: linke mit deutschen, rechts mit hebräischen Buchstaben), so sendet sie an die „Kinder-Stimme“, I„ Marc-Aurel-Straße 5. Und zwar bis zum 31. Jänner 1937. Wer die richtigen Lösungen von allen 15 Bildern cinschickt, kann einen schönen Preis gewinnen. 1. Preis: Ein Photoapparat. 2. Preis: Ein Buch. 3. Preis: Eine Schallplatte mit dem Emek- Lied. 4. Preis: Ein Quartettspiel „Große Männer des jüdischen Volkes“. Bedauerlicherweise ist gerade das letzte von den fünfzehn Bildern unseres Preisrätsels unscharf herausgekonunen, wodurch das Erraten noch erschwert würde. Daher bringen wir es heute nocheinmal, um unseren Kindern die Teilnahme am Wettbewerb zu erleichtern. Unsec Bestick im jüdischen Hluseüm Vergangenen Sonntag gab es eine kleine Verkehrsstörung vor dem Hause der „Kinder- Stimme“. An die dreißig Kinder hatten sich eingefwvden, und damit gezeigt, daß sie auch für die jüdische Vergangenheit Interesse haben — groß genug, um ihren sonntägigen Morgenschlaf zu opfern. Hach dem lustigen, aber dennoch manierlichen Start in der Marc-Aurel- Straße betraten toir mit Spannung das Museum. Professor Dr. Brenner empfing uns in gewohnter Liebenswürdigkeit. Seine Führung war außerordentlich interessant und lehrreich für uns alle. Er gab ms eine Übersicht über den Werdegang der Judenschuft in Wim und zeigte uns Dokumente, Urkunden, Siegel, Zeugnisse der Niederlassung der Juden in Wien — ihrer verschiedenen Austreibungen, Rückwanderungen, Verbrennungen, auch ein Modell der einstigen Judenstadt in Wien vor Errichtung des Ghettos. Vor uns erstand ein leben- \ diges Bild vom Werden der Wiener Judenheit I Dieses leckere Getränk wurde ursprünglich nicht süß, sondern — gepfeffert 'genossen. In diesem Zustande hieß es „chokolatt“ und war bei den Ureinwohnern Mexikos, den Azteken, zu Hause. Bei der Eroberung Mexikos durch die Spanier wanderte auch dieses Getränk —.wie so manche neue Speise — nach Europa. Ein Zusatz von Zucker nahm ihm seinen ursprünglich herben Geschmack, den der etwas bitteren Kakaobohne. Natürlich konnten sich nur wohlhabende Leute dieses fremdländische Gebräu leisten, da zunächst ein Kilogramm des Pulvers um die Mitte des 17. Jahrhunderts in London ungefähr 30 Schilling kostete. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Zoll darauf wesentlich herabgesetzt, man begann Geschmackselemente zu machen, setzte, um das Pulver schmackhafter zu machen, Milch hinzu, und so wird mit der Zeit aus einem ursprünglich exotischen Luxusgetränk ein allgemein beliebtes, nahezu, unentbehrliches Nahrungsmittel. , , . . . # Biblisches Rätsel Etwas für unsere bibelfesten Kinder. Welches Schiff brauchte keine Schraube und keine Segel? * Scherzrätsel Hast du schon den Hahn gesehn? Nun, mein JKiud, so rate du: Warum macht der wohl beim Krähen Immer seine Augen zu? ’ Viele Kinder, die von einem Vater stammen, Wohnen dicht in einem Busch beisammen; Doch jedes hat auf seinem hohen Sitze Ein eigenes Kämmerlein mit schlanker Spitze. Zuletzt bringt man sie in ein großes Haus Und peitscht dann auf oinrnal alle heraus... * i Auflösung, des Scherzrätsels der vorigen Nummer: Rätsel. §|ff|g iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiin Eine Preisaufgabe Etwas zum Nachdenken Ihr habt nun in der „Kinderstimme“ vielerlei Geschichten gelesen, kurze und lange, ernste und lustige. Nun möchte ich gerne wissen, welche euch am besten gefallen hat, warum, und was an der betreffenden Geschichte so schön oder unterhaltend war. Schreibe mir zu diesen Angaben deinen Namen und dein Alter. Selbstverständlich schreibst du den Brief ohne Hilfe anderer. Die drei besten Beschroibungon erhalten als Preis je ei:i schönes Buch und werden in ider „Kindorstimme“ veröffentlicht. Denkt an die jüdische Zukunftt Denkt an die Zukunft eurer Kinder / ve irr FÜR DEN AIPAL KIKKMON Die Winterhilfe der Isr. Kultusgemeinde Wien » A?«P.i.«^ien Die Verteilung von Kohle/ Lebensmitteln und Bekleidung/ die Errichtung von Tee- und Wärmestuben usw. usw. Spendet reichlich! PoUtpirlcassenkonto B 29.659

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