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Die Stimme · 1936-01-08 · Heft 609 (8.1.1936) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 609 (8.1.1936)
Date
1936-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 609. — Wien, Freitag, 8. Jänner 1987. Bfl «TIMMI Seite 5 TELEGRAMM kommet samstag 30. jänner 1937/23 uhr / rona eher / stop/, ,j ugend fürwinterhilfe** / ehrenprotektorat Präsidium der israelitischen kultusgemeinde / stop / akademie hervorragender kunst-* kräfte mit tanz / stop / Veranstalter: jüdischer klub der jungen / kartenvorverkauf ab montag /näheres nächste nummer. Schnee auf den Dächern | Jerusalems n. 1. Jerusalem, Emde Dezember. Nach zwei Tagen eines fürchterlichen Stammes und schwerer Regen — während gleichzeitig unten in Südpalästina Sandstürme den Eisenbahnzmg zum Entgleisen brachten — trat in Jerusalem ein selten gesehenes Natursohauspiel ein. Als die Jerusalemer am Morgen aufstanden, war die Stadt mit Schnee bedeckt. Die Touristen, clie einmal in Jerusalem waren und mit Schaudern eich der sehr imeuropäischen Hitze in der Heiligen Stadt erinnern, werden sich dieses, für Jerusalem wirklich mehr ale unnatürliche Bild nicht voretellen können. Auf den tausenden Dächern, auf den Kuppeln und Türmen, und sogar auf den Palmen unten im Tal vor Gethsemane Schnee, der ölberg und der Skopus im Schnee, und die Straßen der Stadt selbst von Schnee verweht und nur mit Mühe passierbar. Ein Bild, dessen Sensationswert nicht gering ist, wenn man bedenkt, daß Schnee in Jerusalem nicht viel öfter vorkommt, als etwa ein Heuschreckeneinbruch in Paris. Dieses Naturtspiel eigenartigster Schönheit hat aber auch seino Schattenseiten, denn weder die Häuser noch die Menscheu von Jerusalem sind auf Schnee und auf einen derart strengen Winter eingerichtet. Man friert daher in dieser südlichen Stadt mehr, als in ‘ einer Stadt des nördlichen Europa,, da man noch vor kurzem Temperaturen hatte, wie sie Europa nur im Hochsommer kennt. Da überdies die Häuser von Jerusalem Doppelfenster nicht kennen und die Ileizungsimögliolikedten im allgemeinen mir geringe sind, kann man sich leicht ein Bild von den Leiden der Jerusalemer in diesen Tagen machen. Wer nicht unbedingt muß, verläßt das Haus während des Sohneefalles natürlich nicht. Eine große Zahl von Geschäften hat vor diesem Ereignis kapituliert, und die Angestellten nach Hanse geschickt. Da man in Jerusalem natürlich weder Sohneeßchanfetn noch Schneepflüge oder auch nur geschulte Arbeiter hat, bleibt natürlich nichts übrig, als die Entfernung des Schnees der zu erwartenden Sonne zu überlassen. Die Folge diavon ist die, daß der Straßenverkehr so ziemlich eingestellt ist, auch für Autos natürlich, denn die Jerusalemer Chauffeure sind ja endlich und schließlich keine Polarforscher, die ihr Leben einem unbekannten und ungemütlichen Element bieten. Da überdies der Sturm Fenster, Straßenlampen und Schaufensterscheiben in großer Zahl zerschlug, so daß die Straßen mit Glasscherben gespickt sind, bleibt auch ein großer Teil der Autobusse zu Hause. Was man auf der Straße sieht, soweit man überhaupt sehen kann, sind vermummte Gestalten, zumeist von höchst merkwürdigem Aussehen, die allen nur möglichen wärmenden Hausrat wie Bettdecken, Säcke oder Vorhänge um eich geschlungen halben, und verzweifelt nach Möglichkeiten suchen, die Straße zu überqueren, ohne vom Sohneeßturm in ein Stadtquartier gewollt zu werden, in dem sio kehio Geschäfte zu erledigen haben. Für die Kinder natürlich bedeutet der Schnee eine ganz außerordentliche Sensation, uncl das Schneeballwerfen wurde fast sofort, ohne Lehrmeister anscheinend einem Naturtrieb folgend, zu einem allgemeinen jüdisch-arabischen Volkssport für Kinder bis zu achtzig Jahren, und insbesondere für Chauffeure. Es ist anzunehmen, daß auch dieses Mal, wie es gelegentlich des letzten Schnees vor etwa fünf Jahren der Fall war, Petroleumkanistor mit Schnee in die Schulen von Tel-Aviv gebracht wurden, um den Kindern dort, die Schnee niemals sahen, das Wunder vorzuführcu. Die Beduinen aber, in ihren Zelten, sind die Hauptleidtragenden. Es ist; sehr leicht möglich, daß in dieser Nacht in der Wüste wieder oinigo Menschen erfroren sind. Nicht weniger leiden natürlich die Ohaluzim in den Siedlungen, die noch keine tosten Bauten, sondern nur Zeltlager haben. ln dem Augenblick, da diese Zeilen geschrieben werden, ißt dio Sonne, clio vor einigen Minuten augenblickelang auf daß Schneefeld Jerusalem blickte, wieder verschwunden, und ein neuer Sdineeßchauer prasselt auf die Palmen im Garten. Prasselt, im wahrsten Sinne des Wortes, denn cler Schnee hat sich in Hagel verwandelt, in Hagelkörner von außerordentlich respektabler Größe, die das Vergnügen, die Straßen überqueren au müssen, noch um ein Bedeutendes erhöhen. Der Höhepunkt im Zyklks der vom Zionistischen Landesverband veranstalteten Vorträge wird der Vortrag von D r. Josef Käst, ein (Haifa) über das hochaktuelle Thema: „Palästina — das jüdische Schicksal“ sein. Die bisherigen Vorträge von Dr. Josef Kastein fanden immer ausverkaufte Häuser. Die Vorträge „Jüdische Neuorientierung“, „Ahasver“ und „Der Geist der jüdischen Wirklichkeit“ zeigten Kastein als führenden jüdischen Historiker und, blendenden Sprecher, der es versteht, die Zuhörer zu fesseln wie kaum jemals ein jüdischer Redner. So ist es kein Wunder, daß alles, was im Judentum Wiens Rang und Namen hat und geistig interessiert ist, bei den Vorträgen Kasteins zu sehen ist und daß die Nachfrage nach Karten geradezu stürmisch ist. Der Vortrag „Palästina — das. jüdische Schicksal“ findet am , 23. Jänner um präzise A9 TJhr abends im Großen Musikvereinssaal, statt. Karten zum Preise von S 1.60 bis S 5.75 sind im Bureau des Zionistischen Landesverbandes, Wien, L, Marc-Aurel-Straße 5, bei den Bezirkssektionen, der WIZO, in der Buchhandlung Rath, der Jüdischen Kunststelle, der Buchhandlung Lanyi und der Buchhandlung Mejstrik erhältlich. PENSION ECKSTEIN -Stimm neu renovier! Um Pucim-0f*ecs Prof. Ignatz Waghaltcr (vormals Leiter der Oper in Charlottenburg) und Dr. Alfred Werner haben in gemeinsamer Arbeit eine kleino originelle Purim-Oper beendet, die den allbekannten Stoff der Mogilla, in witziger Weise aktualisiert und die musikdramatische jüdiseho Literatur um ein künstlerisch wertvolles Werk bereichert. Die Oper, dio in vier Vprsszenen mit Prolog und Epilog Esther, Mardoehai, Ahasveros, Hanian sowie die beiden Verschwörer Bigthan und Theres auf die Bühne bringt, ist leicht aufführbar (auch mit Klavierbegleitung), so daß alle jüdischen Organisationen, die ihre Purim-Feiern künstlerisch gestalten wollen, schon jetzt auf dieses einzigartige Work mit seiner farbenprächtigen Musik und seiner straff o n dramatischen Gliederung aufmerksam gemacht worden. Gastspiel Josef Kamen In der Jüdischen Bühne, II., Prater» Straße 60 Täglich gelangt zur Aufführung das berühmte Stück aus dem ost,jüdischem, chassidischen Milieu „H e r s c h e l e 0 s t r opolc r“ von M. Lüf t s c h i t z, Musik von Henoch K o h n. In der Hauptrolle der weltbekannte Schauspieler, ehemaliges Mitglied der Wilnaer Truppe, Josef K a m e n, der nuch seiner Genesung — zum erstenmal seit längerer Zeit — ‘wieder auf der Bühne zu, sehen ist. Beginn A9 Uhr. Fürst Lukomski: Altjüdische Synagogen In der Jüdischen Kulturstelle hielt Hugo Friedmann einen höchst bemerkenswerten Vortrag über das Lebenswerk eines nichtjüdischen russischen Künstlers und Kunsthistorikers, der mit seltener Liebe und Aufopferung seine Forschungsarbeit den altjüdischen Synagogen Europas gewidmet hat. Fürst Georg Lukomski hat schon während seiner Tätigkeit als kaiserlich-russischer Konservateur vor allem für den Synagogenbau des Ostjudentums Interesse bekundet und darin eine spezifisch jüdische Kunstform erblickt, die nicht ihresgleichen hat. Aquarelle des Malers gebeu die seltsanf6n Stein- und Holzsynagogeu Wolhyniens, Podoliens und Litauens wieder, deren Eigenart die neueren Kunsthistoriker beschäftigt hat, ohne daß man bisher eine genügende Erklärung dafür fand. Denn während den Synagogen der Diaspora im Westen Europas ein nationaljüdischer Charakter ebenso wenig anzusprechem ist wie etwa den in hellenistischer Bauform errichteten Gotteshäuser in Galiläa und Mesopotamien, sind die Steinsynagogen Polens: viereckige Zentralbauten mit vier Pfeilern in der Mitte, welche das Gewölbe tragen, sicherlich als eigennationale jüdische Kunstform zu werten. Häufig sind es übrigens festungsartige Wehrbauten, denen in Kriegszeiten die Aufgabe zufiel, die Angehörigen der Gemeinde aufzunehmen und zu schützen. # Von diesen StcAnbauten verschieden sind die Holzsynagogen mit ihren pagodenartigen Dächern. Auch sie sind sowohl in ihrer Anlage als auch in ihrer Innendekoration durchaus jüdischen Charakters. Wie erklärt man aber die Form der Dächer, die an chinesische und japanische Tempel erinnern und sich seltsam im Formenkreis der russisch-polnischen Synagoge ausnehmen1? Friedmann behauptet, daß diese Form von den Ohazaren herrührt, die ja in stetem Zusammenhang mit den ihnen stammverwandten mongolischen Völkern Innerasiens standen. Prächtige Lichtbilder von russisch-polnischen, spanischen und italienischen Synagogen bereicherten den interessanten Vortrag. Fürst Lukomski, der selbst mit einigen Worten über seine Arbeiten berichtete, bereitet eine große Monographie über „Alte Synagogen Europa s“ vor, die Bilder aus Osteuropa, Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Holland und England sowie kunsthistorische Abhandlungen von Autoritäten enthalten und sicherlich eine große Lücke in unserem Wissen um unsere kulturelle Vergangenheit würdig ausfüllen wird. Dr. A. Werner. Neuerscheinungen des Bermann-Fischer- 4 Verlags (Wien) Savonarola (Eine Untersuchung über das Gewissen.) Die Von Legenden umwobene Gestalt des Dominikanermönchs Savonarola bat in Ralph Roederer einen liebevollen Darsteller gefunden. Der Autor schildert plastisch das Italien der Renaissance und den Weidegang Savona- D Die (Dinterhilfe der Kultmelnde hat begonnen» spendet reichlicht Postspark, - Konto: B 29,659 rolas, der schließlich, nachdem er durch seine gewaltige Beredsamkeit der Abgott des Volkes wurde, am Scheiterhaufen endet. Das Buch ist für den Kulturhistoriker, den Politiker und den Psychoanalytiker eine gleich wertvolle Bereicherung der "Literatur. Salware oder Die Magdalena von Bozen. Roman von Carl Zuckmayer. Salwäre ist der Name eines Bergschlosses in Südtirol. Dieses ist die Heimat eine« Geschwisterpaares, dem sich aus dem Erbe eines uralten Geschlechts im Schönen und Schlimmen das Schicksal erfüllt. Dio Fabel des Buches ist ein vielgestaltiger Reigen, Gipfel und Abgründe menschlichen Erlebens streifend. Dahinter gestaltet sich die Vision einer neuen Gläubigkeit, einer starken männlichen Lebensfrommbeit zu einem ernsten und freudigen Bekenntnis. Zuckmayer ist mit diesem Erstlingsroman ein großer Wurf gelungen. Stunden im Garten Eine Idylle von Hermann Hesse. Das schön ausgestattete Büchlein, ein bukolisches Gedicht, führt uns aus der Unrast unserer Tage in das Tessin und schildert in schönen Versen das geruhsame, naturverbundene Leben des Dichters. Kurt Sonnenfelds Roman „Der Poseur" Der satirische Gegenwartsroman „Der Posen r“ von Kurt Sonneufeld wird im Europäischen Verlag, Wien-Leipzig, erscheinen, in dem soeben das fünfte bis achte Tausend seines zeitkritischen Buches „Schopenhauer — beute“ erschienen ist. Jüdische Kulturstelle I., Kai 3, R 28-2-36. Jeder Wiener Jude zahlt als Stamm- Mitglied der Jüdischen Kulturstelle nur S 1.50 jährlich. Jüdische Volkshochschulbücherei. Die Leihbücherei verleiht Neuerscheinungen der Schönen Literatur und Judaica gegen geringe Gebühren. Fiihrung: Sonntag, 10. Jänner: „Daumier- Ausstellung“ (Albertina). Leitung: Dr. Gertrude Bon di. Treffpunkt: %10 Uhr, I., .Augustinerbastei 6. Jüdisches Ku,lturtheater. Täglich 20 Uhr, Scholem Alej chem’s Komödie „Schwer zu sein ein Jud“, deutsch von Jakob Rosenthal, Regie: E. Juhal. Sonn- und Feiertags- Nachmittagsvorstellung um VA Uhr: „Die Grenze“. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM 1 NEUER I ANFÄNGER I TANZKURS § Samstag, den 9. Jänner 1/28 Uhr § Ab 0. Jänner jeden Samstag u. Mittwoch utu 7j8 Uhr | Für 3 Monate zweimal | wöchentlich . . S 10 — ■ TANZSCHULE 1 ERDSTEIN H I., Werdertorgasse 7, Tel. U 20-7-24 §| Perfektion jeden Sonntag u. Feiertag V,5 u. V,8 Uhr ■ WIZO Neubau Unter zahlreicher Beteiligung fand am 15. De* zember in Anwesenheit der Präsidentin Frau Sophie Löwenherz und der Keren-Kajemeth-Reforentin Frau Ajalah Tartakower die Generalversammlung der WIZO Neubau statt. Aus dem von der Gnippenleiterin Frau Marga Groß erstatteten Rechenschaftsbericht ging hervor, daß die junge Gruppe in der vergangenen Periode eine ersprießliche organisatorische und kulturelle Tätigkeit ent* faltet hat und daß das Aufblühen dieser Gruppe vor allem der hingebungsvollen Mitarbeit der Damen Dulizkaju, Jungleib, Reiß, Trief, Weinstein, Wittmanu, Wasserbrormer, Hermann und Kurrein zu verdanken ist. Dio künftige Tätigkeit soll u. a. durch die Gründung einer Jung- WIZO-Gruppe erweitert worden. _ Die Damen Helene J u n g 1 e i b und Charlotte Reiß wurden für ihre Verdienste um den KKL. durch Eintragung ins Silberne Buch des KKL. geehrt. Der alte Ausschuß wurde wiedergewählt und durch den Eintritt der Damen ElJenbeTg, Jeliinek und Rosl Trief um wertvolle Mitarbeiterinnen erweitert. Frau Dr. Löwenherz erstattete ein Referat über die Council-Tagung und WIZO-Arbeit und ermunterte die Domen durch ihre interessanten und begeisterten Ausführungen zur Fortsetzung der verheißungsvollen Arbeit, Bist du schon Selbstkontlngentler des Keren Kalemeth?

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