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Die Stimme · 1936-01-08 · Heft 609 (8.1.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 609 (8.1.1936)
Date
1936-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 609. — Wien, Freitag, 8. Jänner 1937. Sette 3 DIE STIMM! FESTSAAI mit modern eingerichteter Bühne, für Veranstaltungen, Hochzeiten, Versammlungen sehr geeignet, empfiehlt zu günstigen Bedingungen Restaurant Hotel Stefanie II., Taborstraße 12, Telephon R 48-4-46 Ein Orangengarten für Toscanini Jerusalem, 3. Jänner. Ein Orangengarten, der im nächsten Jahre Frucht tragen wird, wurde heute vormittags in Raraath Hafichavim, feierlich an Toecanini als Geschenk übergeben. Die Anwesenden, Toswinini, Huberman und andere Gäste, wurden vom ganzen Dorf lebhaft unter Ki.mlorgesang begrüßt. Der Vorstand des Kolonierates, Rosenoff, erklärte in einer Ansprache, daß das an den Orangengarten angrenzende Land T o scaninis Namen tragen soll. In seiner Erwiderung erklärte Toscanini, er sei zu tief bewegt, um zu sprechen; seine Frau war zu Tränen gerührt. Toscanini, Huberman und andere pflanzten dann eine Anzahl von Setzlingen. Toscanini äußerte, daß es seine Absieht sei, sobald wie möglich nach Palästina zurückzukommen, und stellte seinen Besuch für nächsten November in Aussicht. Er erklärte ferner, daß er das Palästina Symphonie-Orchester anläßlich der Pariser Ausstellung im Sommes 1937 dirigieren möchte. Erlösung ' von der täglichen Qual ist die sanft-scharfe Syrien und Libanon Von unserem J. Sdi.-Berichterstatter Arbeitskalender des Keren Kajemeth Lejisrael (Aktion, zur Gründung der Liga der Keren- Kajemeth-Freunde. — Referate Prof. Julian Silberbusch und Dr. Chaim Tartakower.) Samstag, 9. Jänner, 149 Uhr abends: Misrachi-Zeire Misrachi, II., Praiterstraße 60. Montag, 11. Jänner, 149 Uhr abends, II., Untere Augartenstraße 38. Binjan Haarez. Vortragsabend, Thema: „Die Bodenpolitik dies Keren Kajemeth in der neuesten Zeit.“ Dienstag1, 12. Jänner, 8 Uhr, WIZO, VII., Cafe Palace, Mariahilfenstraße: Empfangsabenid. Mittwoch 13. Jänner, 149 Uhr abepds, Währingerstraße: Engere Zirkel Versammlung. Beyruth, 24. Dezember. Nach monatelangen Verhandlungen in Paris, die von den syrischen „Nationalisten“ ebenso klug und gut geführt wurden, wie früher die Kämpfe, wurde der syrisch-französische Vertrag abgeschlossen. Er gibt Syrien ungefähr dieselben Freiheiten, wie sie der Irak im englisch-irakischen Vertrag zugesprochen erhalten hat: Syrien ist damit von einer bisher von Frankreich verwalteten Kolonie zum Status eines Vasallenstaates aufgestiegen. Daß Frankreich die Militärmacht weiter äusbildet und damit kontrolliert, ist ziemlich selbstverständlich, ebenso, daß es die Außenpolitik der neuen Republik „überwacht“. Auf allen anderen Gebieten hört aber damit die Bevormundung auf, und die Syrier werden sich jetzt selbst verwalten. Das heißt, daß Landwirtschaft, Industrie und Handel, Schulwesen, Justiz, Finanzen, Administration usw. von dem französischen Einfluß losgelöst und den Syriern selbst überantwortet werden. Auch die Nachbargebiete werden teilweise mit Syrien vereinigt, und zwar: der Dschebel Drus, wozu auch das in der Verbannung lebende Oberhaupt der Drusen bereits seine Zustimmung gegeben hat. Ebenso die A11 e u t e n. Wegen des Sandschak Alexandre 11 e, in dem eine starke türkische Gruppe lebt, ist ein Konflikt zwischen Türken und Arabern (Syriern) entbannt, und Studentenversammlungen hüben und drüben tragen nicht gerade dazu bei, daß die Atmospäre sich beruhigt. Unter diesen Auspizien trat am 21. Dezember die syrische Nationalversammlung zusammen, in der die Nationalisten eine überwiegende Mehrheit besitzen. Ihnen gehört auch als Minderheitenvertreter ein Jude an, der aber als „ArAber jüdischer Konfession“ mehr ernannt als gewählt wurde. Zum mindesten waren die hiesigen Juden geschlossen g e g e n ihn. In dieses „G r o ß s y r i e n“ wurde die Republik Libanon nicht miteinbezogen. Diese soll ebenso wie Syrien, ebenfalls ein selbständi- I ger Staat werden. Die Ursache der Separierung sind die starken christlichen Gruppen (Maroniten, Griechisch-Orthodoxe, griechische Katholiken usw.), die zusammen zirka 55 Prozent der Bevölkerung ausmachen, während' die Mohammedaner, welche auch in I zirka drei Gruppen (Sunniten,-Schiiten, Dru-! sen) zerfallen, zirka 44 Prozent der Bevöl-! kerung ausmachen. Diese christlichen Gruppen fürchteten, in Größsyrien das Schicksal zu erleiden, das den Nestorianern (Assyrern) im Irak bereitet worden war, und darum bemühten sie sich, den libanesischen Staat völlig unabhängig von Syrien zu machen, was i'hnen auch gelang. Der französisch-libanesische Vertrag ist völlig analog dem syrischen, nur ißt die Attachierung dieses kleinen Landes an Frankreich naturgemäß eine viel innigere, als die des größeren Syrien. Als dieser Vertrag am 13. November kundgemacht wurde, gab es in Beyruth, der Hauptstadt des Libanon, Freudenkundgebungen der christlichen Bevölkerung. Die mohammedanische Bevölkerung veranstaltete daraufhin Gegendemonstrationen, und es kam zu schweren Zusammenstößen, mit Toten und Verwundeten. Militär mußte eingreifen, um die Ruhe wieder herzustellen. Auch in der Stadt Tripoli, die eine mohammedanische Mehrheit hat und die deshalb i.m Rahmen des libanesischen Staates eine beschränkte Stadtautonomie besitzen wird, kam es zu schweren Unruhen mit mehreren Todesopfern. Die Ruhe ist zwar überall wieder hergestellt, aber die ersten Freuden der neuen Freiheit sind dahin, und der religiöse Gegensatz ist wieder in voller Schärfe entflammt. Die Republik Libanon, die sich als Zufluchtsstätte bedrückter Minderheiten bewährt hat — viele Armenier fanden hier auf der Flucht vor den Massakern eine Zuflucht, ebenso Griechen, und jetzt in der letzten Zeit auch die Assyrer — fühlt sich bedroht und sieht sich nach^Bundesgenoßsen um. Da die Juden in Erez Israel momentan auch von den Arabern angegriffen werden, glauben vieleLibanesen, hier Anlehnung zu finden und einen B u n d e s g e n o ssen gewinnen zu'können. Da Libanon derjenige Teil der palästinensischen Nachbarländer ißt, der am weitesten fortgeschritten ist, und .da zwiechen beiden Staaten Freihandel besteht, wird sogar auch an noch innigere Verbindungen gedacht,, die aber kaum realisierbar sein dürften, da "doch beide Staaten verschiedenen Mächtegruppen angehören. Auch von palästinensischer Seite muß 'dieser Vorschlag mit Zurückhaltung geprüft werden, damit nicht ein Gebäude auf Sand errichtet wird, das einstürzen muß. Der libanesische Staat wird auf religiöser, nicht auf nationaler Grundlage errichtet, und jede der großen Religionsgemeinschaften soll jeweils einen Minister delegieren. Wie-steht es aber mit der heranwachsenden christlichen Jugend, steht diese im religiösen, steht sie nicht im nationalen Lager? Bevor diese Frage nicht gelöst ist, ist an eine Allianz nicht zu denken. Noch ein Punkt spielt hier eine große Rolle, die rivalisierenden Interessen der | Großmächte: England fördert oder för- Anthony Adverse Liebe und Leben eines Abenteurers ohne Hamen und oltne Heimat mit FREDRIC MARCH Olivia de Havilland URAUFFÜHRUNG: ROTENTURM• KINO "■»»■-•■»■Warner Bros. First National»—mmmmm derte zum mindesten die panarabische Bewegung, die von Frankreich abgelehnt wird, aus Angst um das nordafrikanische Kolonialreich. Italien unterstützte die großsyrische Bewegung (inklusive Irak und Palästina), um Frankreich, und vor allem England, Schwierigkeiten zu bereiten. Dasselbe tut Deutschland, dessen Pressepropaganda hier äußerst rege ist. Rußland fördert prinzipiell jede Auflehnung, ganz gleichgültig, wer der Aufrührer ist, wogegen Japan nur an der Ausdehnung seines Handels interessiert, Amerika aber wirklich desinteressiert ist. Es ist für die syrischen Staaten ungeheuer schwer, zwischen diesen Imperien zu lavieren. Es verdient daher eine Anregung, die aus dem Bewußtsein entsprungen ist, daß die hiesigen Völkerschaften sich selbst helfen müssen, wenn ihnen geholfen sein soll, Beachtung: der Libanon soll ein christlicher Staat sein und bleiben und die Mohammedaner dies einfür allemale anerkennen. Gleichzeitig1 soll er aber in die panarabische Staatenverbindung (die national und nicht religiös ist) eintreten. Da dieser Vorschlag aus dem nationalistischen Lager in Damaskus stammt, ißt dies ein Beweis des dort vorhandenen staatsmännischen Denkens. Die Vorgänge in Syrien erfordern daher die größte Aufmerksamkeit der Zionistischen Exekutive. vergessen, daß die tägliche Körperpflege für Ihre Gesundheit unerläßlich ist. Sorgen Sie für Ihr Wohlbefinden und verwenden Sie für Massage (Einreibungen) sowie zur Mund- : und Zahnpflege stets und ständig nur J erusalem sendet Toscanini Als vor zwei Jahren Bronislaw Huberman vor einem kleinen Kreis von Vertretern der Weltpresse in Jerusalem seineu überraschenden Plan entwickelte, ein palästinensisches Symphonieorchester zu gründen, das „das zweitbeste der Welt“ sein werde, stieß er auf höflich zurückhaltende Ungläubigkeit, und als nachher der große Pianist Arthur Schnabel nach Jerusalem kam, lachte er über die Idee und nannte Huiberman einen unverbesserlichen Phantasten. Die Idee, in Palästina, das so weit von allen Musikzentren liegt, und das voll ist von politischen und von AufbausorgehJ ein halbwegs diskutables Orchester aufzustellen, schien tatsächlich mehr als phantastisch. Nun, ich habe das beste Symphonieorchester der Welt nicht gehört, aber das Orchester, das gestern zum erstenmal in die Öffentlichkeit trat, scheint ein Klangkörper von sehr großer musikalischer' Wichtigkeit zu sein, denn kein anderer als der größte lobenclo Dirigent, der Maestro Arturo Toscanini, hat die Leitung der ersten Konzerte übernommen. Huberman, der großo Geiger und Pan- Europäer, hat in außerordentlich kurzer Zeit ein organisatorisches Werk geschaffen, das als gewaltiges Ereignis für die gesamte musikalische Welt anerkannt werden muß. Nicht allein, weil es*das erste große und künstlerisch ernst zu nehm ende Orchester auf asiatischem Boden ist, nicht allein, weil Toscanini. es für würdig fand, es zu dirigieren, sondern weil es wirklich ein Orchester der Hervorragenden ist. Ekmndsiebzig Menschen, auö der ganzen Welt zwischen New York und Lodzzusammengeholt, einundsiebzig Menschen, die man in der Musdkerwelt kennt, von denen viele Konzertmeister irgendwo waren, wurden zu einem Körper zusammengezogen, aus denen einer der größten Musikkenner dieser Tage „das zweitbeste Orchester der Welt“ machen will. Ein jüdisches Orchester, ein Orchester von einundsiebzig bedeutenden jüdischen Musikern auf jüdischem Boden! Abgesehen von den rein musikalischen Schwierigkeiten standen natürlich auch besonders finanzielle Probleme dem Werk im Wege. Der Mann aber, der früher auf seinen Konzertreisen für die;paneuropäische Idee Stimmung au machen wußte, wußte auch für diese seine neue Idee zu werben. Es gelang ihm, in Europa und iu Amerika., sozusagen im Handumdrehen, Tausende von englischen Pfunden aufzutreiben, die zur Gründung notwendig waren, und bezüglich des Restes verließ er sich auf Palästina, auf dieses Land, das wohl die relativ größte Zahl von Musiken thusiasten auf zu weisen hat. Die Kalkulation erwies sich als richtig. Mit dem Augenblick, da dio Presse die ersten Meldungen von der Gründung des Orchesters und vom Auftreten1 Toscaninis in sechs Konzerten brachte, beganu der Musik-, respektivo Tosoanini-Taumel, der in Worten nicht darzustollen ist. Dieses Land, in dem man nooh gestern mehr Geweji.ro als Spazierstöeke sah, dieses Land der schworen politischen Sorgen und der völlig unklaren politischen Zukunft, in dem noch immer Räuberbanden vor den Toren der Städte herrschen,. vergaß im Augenblick alle Sorgen, und kein Name, nicht einmal der des abgetretenen Königs, wurde so oft genannt, wie der Tosoaninis und Hubermans. Der Kampf um die Karten zu den Konzerten wurde zu einem mit größter Erbitterung durehgefochtenen Krieg. Schon während der Generalproben in Jerusalem und in Tel-Aviv glichen die Säle, in denen die Konzerte stattfanden, einer belagerten Festung. Tausende warteten draußen, während drinnen die Landarbeiter aus den Dörfern, die Spitalsohwestem und andere, die nicht die Mittel hatten, sich ein Billett zu kaufen, den sensationellen Genuß hatten, Toscanini dirigieren zu sehen und erstklassige Musik zu hören. v Das Konzert in Jerusalem stellte natürlich ein musikalisches und gesellschaftliches Ereignis dar, wie es das Land noch nicht erlebt hatte. 'Vom Hochkommissar abwärts waren alle Behörden der Engländer und der Juden und die Vertreter aller Mächte — ausgenommen Italien und Deutschland — anwesend und feierten den Maestro, wie selten ein lebender Mensch gefeiert wurde. (Wie Toscanini in Italien die einleitenden Takte der faschistischen Hymne, vor seinen Konzerten nicht dirigierte, mußte auch hier die englische und die jüdische Hymne im Eingang des Konzertes durch das Polizeiorchester gespielt werden.) Über das Programm haben wir bereits berichtet. Die Einundsiebzig unter Toscanini gaben mehr her, als selbst die größten Enthusiasten der „T i s m o r e t h erezyissraelith“ des „Palestine Orchestra“, wie der offizielle Name lautet, in ihren hoffnungsvollsten Träumen erwarteten. Der allgemeine Tosoanini-Taumel pflanzte sieh aber weit über die Grenzen des Kbnzertsaales hinaus fort. Alle Kaffeehäuser hatten Lautsprecher aufgestellt und waren mit Menschen überfüllt. Amerika aber hatte eine große Summe Geldes gezalilt, um das sensationelle Konzert auch den amerikanischen Radiohörern zugänglich zu machen. Da der Jerusalemer Sender zu schwach ist,, mußte das Konzert per Telephon nach Ägypten, und von dort mit Kabel nach London und von hier mit Kurzwellen nach Amerika weitergegeben werden. Da für Palästina selbst aber nur der zweite Teil des Abends übertragen wurde, ergaib sich die groteske Tatsache, daß die Hörer in Jerusalem, die auch nur zwei Schritte vom Konzertsaal wohnen, New York einstellen mußten, um auch den ersten Teil zu hören. Toscanini und Huberman ist es geglückt, was keinem Politiker der Welt gelungen wäre, die dumpfe politische und infolgedessen auch schwere geistige und seelische Situation des Landes für Tage und Wochen zu unterbrechen. Hätte man nicht die gewaltige Menge von Polizeisoldaten vor dem Saal gesehen, die argwöhnisch dio Eintretenden beobachteten — in diesem Saal wurde ja im Mai dieses Jahres von Arabern in das Publikum einer Kinovorstellung gefeuert —, dann hätte man vergessen, daß Toscanini auf einem — man verzeihe das abgemühte Wort —, auf einem Vulkan sozusagen dirigiert. Aber nicJitdestoweniger: Jerusalem, Palästina ist auf dem Wege, ein Musikzentrum zu werden, das den Wettbewerb mit den größten Zentren Europas aufnohanen wird. Besonders dann, wenn sich die politische Situation des Landes geklärt haben wird. b. g. Samstag, 23. JMnner 1937 Großer Muslkvexelns-Saal: Kartenbestellung im Zionistischen Landesverband, I., Maro-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2-11 Vortrag Dr. Josef Kastein, Haifa, Palästina: Palästina — das Jüdische Schicksal

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