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Die Stimme · 1937-01-05 · Heft 608 (5.1.1937) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 608 (5.1.1937)
Date
1937-01-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit« 4 Oll STIMM! Nr. 608. — Wien, Dienstag, 5. Jänner 1937. beren Jahren und in diesem Jahr sei die Zahl der Einwanderer zu klein. Ah Lord Peel bemerkte, es habe besondere Grün d e dafür gegeben, daß in den früheren Jahren nicht mehr Einwanderer zu^elassen wurden, erwiderte Katznelson, seiner Meinung mach seien diese Gründe nicht schwerwiegend genug, um Fa-milientragödien zu rechtfertigen. Berl Katznelson erhob gegen die Palästina-Regierung die Beschuldigung, daß sie bei Zuteilung von Staatsländereien an Siedler mit zweierlei Maß mißt und damit direkt gegen dae Mandat verstößt. Obwohl das Mandatsstatut die ausdrückliche Bestimmung enthält, eine z u s a m m e nhängende S i e d 1 u n g von Juden durch Zuteilung von Staatsländereien zu ermutigen ( — eine ähnlich lautende Bestimmung hin-1 sichtlich der Araber enthält das Mandat nicht — hat die Regierung auf diesem Gebiete zugunsten der Juden mir sehr wenig getan, und wo ja, wurden den Juden ganz große Opfer zugunsten der Araber auferlegt; hingegen habe die Regierung den Arabern, sogar den reichen EfTendis. große Ländereien unentgeltlich überlassen. Die Juden aber müssen sich jeden Fußbreit Bodens im Schweiße ihres Angesichte und durch sehr große Geldopfer erkaufen. Noch heute besitzt die Regierung große Ländereien, d i e w tt s t un d ö d e e i n d. Die Regierung weiß es, daß die Juden Meieter in der Umwandlung von Wüsteneien in fruchtbare P’ekler sind, während die Araber bis jetzt ihre Meisterschaft in der Verwahrlosung gmten Bodens bewiesen haben. Doch die Regierung lernt nichts aus Erfahrungen. Die Frage der hebräischen Sprache Herr David Y e 11 i n befaßte sich mit der Schmälerung der Rechte der hebräischen Sprache seitens der Regierung. Herr Yellin sprach Hebräisch. Er zitierte aus dem Mandat und der seinerzeitigen Proklamation Königs George V., daß die Regierung bereit sei, die drei offiziellen Sprachen zu benützen, bewies jedoch an Hand zahlreicher Briefe von Regienmgsabteilungen, daß die hebräische Sprache nicht benützt wird und daß Juden, die sich an die Behörden Hebräisch wenden, Antworten erhalten, die in englischer oder arabischer Sprache abgefaßt sind. Die Mehrzahl der Gerichtsprotokolle werden nur Arabisch geführt, während die Jahresberichte einer ganzen Reihe von Regierungsabteilungen ausschließlich in englischer Sprache erscheinen. Die Zollbehörden korrespondieren mit Arabern Arabisch, während ihre Mitteilungen an Juden in englischer Sprache erfolgen. Herr Yellin wies darauf hin. daß hebräisch geschriebene Adressen auf Postsendungen in lateinischen Buchstaben kopiert werden, woraus sich Zeitverlust bei der Austragung der Post ergebe; er forderte, daß die Briefträger in der Lage sein sollen, Hebräisch zu lesen, genau so wie in allen Ländern der Welt, wo es als selbstverständlich vorausgesetzt wird, daß Postbeamte der Landessprache in Wort und Schrift mächtig sind. Sir Harold Morris fragte den Zeugen, ob ihm. Briefträger in England bekannt seien, die Hebräisch lesen können, worauf Herr Yellin erwiderte: „England ist nicht das jüdische Nationalh e im!“ Aus den Äußerungen der Kommissionsmitgiieder ging deutlich hervor, daß dem in den Auslagen Yellins zum Ausdruck gekommenen Standpunkt kein V e rs t ä n d n i s entgegengebracht wurde. Sie wiesen unter anderem auf die hohen Kosten hin, die aus der Anwendung aller drei Sprachen entstehen würden, sowie auf die Tatsache, daß die Haltung Tel- Avivs gegenüber der Benützung der englischen und der arabischen Sprache eine durchaus ablehnende sei. Professor C o o p 1 a n d bemerkte, daß falls gewisse Bestimmungen des Mandats sich als praktisch undurchführbar erwiesen haben sollten, die Möglichkeit bestehe, eine Änderung vorzunehmen. Herr Yellin protestierte gegen die hauptsächlich im Rundfunk angewandte Bezeichnung' des Landes in hebräischer Sprache als „Palestina Alef Yod“, anstatt „Erez Israel“, und zitierte au« dem Alten und auch aus dem Neuen Testament, um zu beweisen, daß „Erez Israel“ von je her der hebräische Name Palästinas war. Lord Peel fragte, ob die Juden mit dieser Forderung nicht politische Ziele verfolgen, das heißt ob sie nicht mit der Bezeichnung „Erez Israel“ andeuten wollen, daß das Land ein jüdischer Staat sei. Herr Yellin erwiderte, daß dies nicht der Fall sei, und daß die Juden nicht mehr verlangen, als daß der althergebrachte hebräische Name des Landes wieder, wie schon in der türkischen Zeit und bald nach der Eroberung Palästinas durch die Engländer, benützt werden soll. Er fügte hinzu, daß nach tausend Jahren ein Name seinen buchstäblichen Sinn verliert; die Juden fordern nicht, daß das Land etwa ..Land der Juden“ genannt werde, obwohl das Volk heutzutgage als „Juden“ und nicht mehr als „Israel“ bekannt sei. Debatte über das Mandat Die Aussagen des Herrn Leonard Stein, ehrenamtlichen Rechtsberaters der Jewish Agency, bezogen sich auf die Auslegung des Mandats. Er wies auf die im Mandat enthaltene doppelte Verpflichtung der Mandatarmacht hin, und auf die Bemerkung, daß beide Verpflichtungen von gleichem Gewicht seien, was nichts weiter bedeute, als daß sämtliche Verpflichtungen, gleichgültig welcher Natur, die gleiche Kraft haben. Er erklärte, daß man bei genauem Studium des Wortlautes des Mandats ke i nen Hinweis auf Verpflichtungen den Arabern gegenüber finden könne; während von den Juden und anderen Voiksteilen vielfach die Rede ist, ist eine Erwähnung der Araber absichtlich vermieden worden. Er hob hervor, daß die Tatsache, daß beide Teile der Balfour-Deklaration in gleicher Weise bindend sind, bedeutet, daß sie auch von gleicher Natur seien: die Verpflichtung, die Schaffung des jüdischen Nationalheims zu erleichtern, ist eine positive, die andere Verpflichtung aber nicht. Herr Stein zitierte einen Artikel, in dem diese Punkte eingehend behandelt werden, von Churchill, der zur Zeit der Bestätigung des Mandats Minister war. Bewegte Auseinandersetzung Zu scharfen Meinungsaustauschen kam e6 zwischen Herrn Stein und Sir Harold Morris, als Ersterer zu einer Analyse der im Artikel 6 des Mandats erwähnten bürgerlichen und religiösen Rechte nichtjüdischer Gemeinschaften überging. Sir Harold Morris erging sich in abstrakten Argumenten bezüglich der Deutung der Worte „Recht e“ und „G e m e i nschaf t“, offensichtlich in der Absicht, Stein zu verwirren, was ihm jedoch nicht gelang. Herr Stein erklärte, daß die Klausel betreffend Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften nicht das Bestimmungsrecht über Wahl der Einwanderer einschiieße. Das Prinzip der wirtschaftlichen Absorptionsfähigkeit des Landes sei der einzige mit dem Mandat vereinbarende Einwanderungs-Grundsatz; die darauf basierte Politik sei vom Mandat gefordert. Herr Stein belegte seine These mit Zitaten aus offiziellen Veröffentlichungen der britischen Regierung, darunter aus dem Weißbuch vom Jahre 1922, dem Bericht der Verwaltung unter Herbert Samuel, dem MacDonald-Schreiben an Doktor Weizmann, sowie der Erklärungen des britischen Vertreters vor der Permanenten Mandatskommission im Jahre 1930 und einer Erklärung des High Commissioner Wa u c h o p e an arabische Führer während der letzten Unruhen, aus denen klar ersichtlich ist, daß das Prinzip der Absorptionsfähigkeit ein Grundsatz der britischen Politik von Anbeginn an war. Ferner unterzog Herr Stein die betreffenden Bestimmungen des Mandate, der Balfour-Deklaration und anderer Dokumente einer genauen Analyec und stellte im Endergebnis fest, daß die „Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften“ auf keinen Fall eo ausgelegt worden können, als ob die Abeicht bestünde, dio Juden in halten. der Minorität zu Lord Peel verstellt das Mandat nicht Sir Harold Morris, sowie Lord Peel und Sir Laurie H a m m o n d, etellten zahlreiche eindringliche Fragen an den Zeugen, die Herr Stein klar beantwortete. Zum Schluß bemerkte Lord Peel lächelnd, daß nach Steins geschickter Auseinandersetzung des Mandats, die drei Stunden in Anspruch genommen hatte, d a e Mandat n o c h unverständlicher als vorher erscheine. Eine rasch beigelegte Krise in der Exekutive Jerusalem, 81. Dezember. (Palcor.) Die Aussage Shertok« vor der Königlichen Kommission am 29. Dezember, als er auf eine Frage von Sir Horace R u m b o 1 d zur Antwort gab, daß die Juden am Sabbath arbeiten würden, wenn dies zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Betriebe erforderlich w ä r e, hat eine Krise in der Exekutive der Jewish Agency 'hervorgerufen. Einem Beschluß des M i 6 r a c h i zufolge ist Raw F i s c h m a n zurückgetreten. Shertok hat, um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, in einem Schreiben an die Kommission auseinandergesetzt, daß er in seiner Aussage nur die Tatsache feststellen wollte, daß die Beobachtung der Sabbath-Vorsehriften ein Grund für die Ausschaltung der Juden vom Regierungsdienst sei; er habe damit jedoch nicht sagen wollen, daß die Jewish Agency mit dieser Situation einverstanden sei. Die Jewish Agency wende sich entschieden dagegen, daß nur eine geringe Zahl von Juden von der Regierung beschäftigt werde, weil sie den Sabbath halten. Gleichzeitig forderte Shertok, daß von der Regierung Vorkehrungen getroffen werden sollten, die es den jüdischen Angestellten ermögliche«, den Sabbath zu halten. Die Jewish Agency stehe auf dem Standpunkt, daß die Juden von der Arbeit am Sabbath befreit werden sollten, was jedoch keinesfalls die jüdische Forderung nach angemessener Beteiligung am Regierungsdienst beeinträchtigen dürfe. In einer heute einberufenen Sitzung der Exekutive wurde einstimmig beschlossen, Raw Fischmanns Rücktritt nicht zu akzeptieren und Shertoks Brief an die Königliche Kommission zu veröffentlichen. Die Weltzentrale des Misrachi trat abends zu einer Sitzung zusammen. Es wurde beschlossen. Raw Fischmann zu beauftragen, in die Exekutivo zurückzu kehren. Der Konflikt ist auf diese Weise aus der Welt geschaffen worden. Erklärung der Misrachi* Leitung Jerusalem, 1. Jänner. (Palcor.) Die Leitung des Welt-Misrachi veröffentlicht eine Erklärung, derzufolge sie Raw Fischmann ersucht habe, seinen Austritt aus der Exekutive rückgängig zu machen. Ferner wird festgestellt, daß die Beschlüsse des letzten Kongresses betreffend den Sabbath und die von der Arbeiterpartei übernommene Verpflichtung in bezug auf Kaschruth noch nicht erfüllt worden seien; der Misrachi sei entschlossen, den Kampf für deren Erfüllung weiterzuführen, wünsche jedoch nicht, die gegenwärtige schwierige Situation des Zionismus durch eine Sprengung der Koalition noch weiter, zu erschweren; aus diesem Grunde habe er die Rückkehr in die Exekutive beschlossen. Ein Protest der PoaIe*Agudah Jerusalem, 31. Dezember. (Palcor.) Die Arbeiter gruppe der Agudath Israel protestierte in einem im ..Dawar“ veröffentlichten Brief gegen die von Vertretern der Agudah vor der Königlichen Kommission gemachten Aussagen bezüglich ihrer Stellung als Sondorgemeindo und bezüglich separater Schulen. Jüdische Einwanderung im Jahre 1936 j Jerusalem, 1. Jänner. (Palcor.) Laut vor-' läufigen Schätzungen sind im Laufe des Jahres 1936 30.000 Juden nach Palästina eingewandert. I £\\\\\\\\\\\m\\m I Die zionistische g | Beamtenschaft § | gratuliert ihrer Kollegin % | FräuleinJudith Dt immer | | herzhehst zu ihrer Verlobung | ^\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\W\\\\V\\\XN\\^N\\^ Ein Legat von 3500 Pfund für die Wiener Jüdische Gemeinde Die Wiener Kultuisgemeinde erhielt aus der Hinterlassenschaft des im Oktober v. J. verstorbenen österreichischen Generalkonsuls in Rio de Janeiro Hugo Ornstein ein Legat von 3500 Pfund. Die Erbschaft, die Ornstein hinterließ, soll mehr als 100,000.000 Schilling betragen und fällt seiner einzigen Tochter, einer Österreicherin, zu, die in Brünn ansässig ist. Von dem Legat wurden 3000 Pfund für wohltätige Zwecke, 500 Pfund für das Altersheim der Kultusgemeinde bestimmt. Überfälle 'Jerusalem, 30. Dezember. (Palcor.) In Kfar Tabor wurde gestern abends ein jüdischer Autobus von vier bewaffneten Arabern zum Halten gezwungen. Die Fahrgäste wurden ausgeraubt und die im Autobus mitgeführten Postsendungen gestohlen. Ein mitreisender Hilfspolizist wurde seiner Uniform beraubt. In der Nähe von Safad wurde gestern nachts ein arabischer Schafhirt von drei bewaffneten Arabern ermordet, die versuchten. die Schafe zu stehlen. Später wurden drei verdächtige Personen festgenommen, von denen zwei ein Geständnis abgelegt haben. Jerusalem, 1. Jänner. (Palcor.) Auf der Chaussee zwischen Nazareth und Tiberias wurde gestern nacht ein Überfall auf ein Auto verübt. Dio Passagiere wurden ausgeraubt. Eine bewaffnete Bande verübte einen Feuerangriff auf das Drusen dorf am Karmel und stahl eine Anzahl von Schafen. Das Feuer wurde erwidert, worauf die Angreifer die Flucht ergriffen. In der Plantage der Kwuzah Kfar Hahoresch im Emek Hefer wurden gestern 200 Bäume ausgerissen. Eine Steinbruchmaschine in einem Stein-' bruch in Migdal Zedek würde von Arabern i« die Luft gesprengt. Auf der Tel-Aviiv—Haifaer Chaussee wurde auf mehrere jüdische Autos in der Nähe des berüchtigten Dorfes Anabta geschossen, nachdem zuerst vergeblich ver-' sucht worden war, don Weg mit Barrikaden zu versperren. Verletzt wurde niemand. In Anabta wurden nach einer Hausdurchsuchung zwei Araber verhaftet. In der Altstadt von Jerusalem wurde gestern nacht eine Polizei-Patrouille angeschossen. Der Täter, ein Araber, wurde verhaftet. In der Gegend von Nazareth feuerte ein Araber auf eine Polizei-Patrouille, die das Feuer erwiderte. Der Täter erlitt eine Verwundung am Bein; er wurde verhaftet. Familie Isak Herzberg dankt allen Verwandten, Freunden und Gg. Für die anläßlich der Bar- Mizwa ihres Sohnes erwiesene Aufmerksamkeit Schweres Flugzeugunglück in Palästina Jerusalem, 31. Dezember. (JTA.) Am 30. Dezember stürzte in der Nähe von Afuleh im Tale Jezreel ein Flugzeug mit sechs Insassen ab. Ein hoher britischer Beamter der Irak-Petroleumgesellschaft und ein Ingenieur der gleichen Firma kamen dabei ums Leben. Drei Engländer und der Flugzeugführer wurden verwundet. Bei dem Absturz wurde, wie später bekannt wurde, der Judo Nahura Popper, Ingenieur der Irak Petroleum-Gesellschaft, getötet. Der Jüdische Frauen-Wohltätigkeltsverein Breitensee veranstaltet Samstag, den 9. Jänner, in Hühnere Park-Hotel. Hietzing, eine Akademie mit Tanz. Jeder Besucher hilft Not lindem. Die Winterhilfe der Isr. Kultusgemeinde Wien 10 Aüsspeisestelfen Die Verteilung von Kohle, Lebensmitteln und Bekleidung, « AI#l«ll#Il V Poatrparkarsenkonto die Errichtung von Tee- und Wärmestuben usw. uiw. vlvdllaCI ■ d lall II Hl ■ B 29.659

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