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Die Stimme · 1937-01-05 · Heft 608 (5.1.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 608 (5.1.1937)
Date
1937-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 608, Wien, Dienstag, 5. Jänner 1037, Oll «TIMMI Sette 3 Ausschließung der Juden aus öffentlichen Arbeiten oder die Begrenzung ihres Anteils im Staatsdienst. Shertok unterstützte mit Nachdruck die Wichtigkeit drs Anteils der Juden an den öffentlichen Arbeiten vom Standpunkt, der öffentlichen Sicherheit. DONNERSTAG JANUAR 1937 Theatersaal des „Hotel Post" I., Fleischmarkt 24, pünktlich % 9 Uhr abends, JEHUDA EHRENKRANZ: „ SCHOLEM - ALECHEM ABEND " CONFERENCE: Dr. OSKAR ROSENFELD Karten von S —160 aufwärts bei der Jüdischen Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3 > R. Lanyi, I., Kärntnerstraße 441 M. Rath, II., Taborstraße 20a Als Beispiel führte er an: Unter den 117 Lokomotivführern der palästinensischen Bahnen sind nur 17 Juden. Im Falle eines Streiks der Araber haben die arabischen Lokomotivführer infolge ihrer überwiegenden Zahl die Möglichkeit, den gesamten Bahnverkehr lahmzulegen. Das gleiche gilt für die Arbeit in den Häfen, wo der Anteil der jüdischen Beschäftigten ebenfalls ein allzu geringer ist. Die letzten Ereignisse haben bewiesen, daß zum Beispiel der Hafen von Jaffa, wo Juden überhaupt nicht beschäftigt werden, das Hauptzentrum des Streiks war, während im Hafen von Haifa, wo Juden, wenn auch zu einem kleinen Teil, beschäftigt sind, der arabische Streik nicht gelang: trotz ununterbrochener Gewaltpropaganda funktionierte der normale Hafendienst. Shertok erinnerte weiter daran, daß im Jahre 1933 der High Commissioner anordnete, daß 33 Prozent Juden bei öffentlichen Arbeiten und im Staatsdienst beschäftigt werden. Bis heute aberwurdedieee Anordnung nicht entsprechend d u r c h g e f ü h r t. Shertok unterstrich die Notwendigkeit, aus Sicherheitsgründen eine große Chaussee in Nord Palästina zu bauen, um es den jüdischen Autobuskarawanen zu ersparen, den ganzen bergigen Tulkarem-Distr-ikt zu durchfahren, wo die Gefahr des Überfalls durch arabische Banden auch in normalen Zeiten besteht. Anscheinend ist die Bahnverwaltung gegen den Bau einer solchen Chaussee. Würde man, schloß Shertok, den Juden den geforderten 33prozentigen Anteil an den Regierungsarbeiten geben, würden die Ausgaben zur Deckung der Kosten der jüdischen Arbeit relativ immer noch nur 50 Prozent des jüdischen Anteils an den Regierungseinnahmen, der 62 Prozent beträgt, ausmachen. Die für Instandhaltung der Wege und andere öffentliche Arbeiten ausgegebenen 130.000 Pfund jährlich kommen ganz und gar Arabern zugute. Jüdische und arabische Arbeiter Jerusalem, 30. Dezember. (Palcor.) Frau Golda Mcycrson, als Vertreterin der Hietadruth-Exekutive, befaßte sich vor der Kommission mit Fragen bezüglich des Frauenstimmrechtes. Sie wies auf die schwierige Position der Frauen hin, die außerhalb Tel-Avivs und der jüdischen Dörfern lebten und die ihrer bürgerlichen Rechte beraubt seien, da die mohammedanischen Frauen auf diese Rechte keinen Wert legten. Die jüdischen Frauen dagegen genießen volle Recht in allen jüdischen Körperschaften, jedoch nicht in den Stadtverwaltungen. Der nächste Zeuge war Herr Dov Hos, der betonte, daß die jüdische Arbeiterorganisation bestrebt sei, eine engere Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern herbeizuführen, daß jedoch, die Regierungsbeamten einer solchen Zusammenarbeit feindlich gegenüberständen. Hier machte der Vorsitzende, Lord Peel, die Feststellung, daß Hos durch seine Bemerkung eine schwere Anklage erhoben habe. Herr Hos wiederholte, daß die jüdische Arbeiterorganisation all ihren Einfluß anwandte, um die Juden, und Araber einander näher zu bringen. Obgleich sie in separaten Gewerkschaften organisiert seien, verfolgten sic doch ähnliche Interessen. Natürlich sei es unmöglich, Araber und Juden in einer Gewerkschaft zu organisieren, da man von den Arabern nicht erwarten könne, daß sie sich mit allen Unternehmungen der jüdischen Arbeiterorganisation einverstanden erklären, doch beide Gewerkschaften könnten zum Nutzen beider Völker Hand in Hand Zusammenarbeiten unter Beibehaltung ihrer eigenen Kultur, jedoch auf einer kooperativen Basis. Sir Horace R u m b o 1 d fragte, ob die Juden von der Regierung Zuschüsse zu ihren bewundernswerten Institutionen erwarten und ob das Fehlen von Zuschüssen von den Juden als B e s c h w e r d e g r u n d gewertet, werde. Dov Hos wies darauf hin, daß die jüdischen Arbeiterinstitutionen Funktionen erfüllen, die in anderen Ländern der Regierung oblieg e n, und die ihrer Ansicht nach auch die Regierung in Palästina übernehmen sollte. Sir Horace R u m b o 1 d zitierte darauf Artikel 4 des Mandats im Zusammenhang mit der von der Regierung zu gewährenden Unterstützung in der Entwicklung des Landes. Sir Horace hob hervor, daß in diesem Artikel nicht ausdrücklich festgestellt ist, daß die Entwicklung in einem gewissen Tempo vor sich gehen sollte. Außerdem, fuhr er fort, könnte man von einer wirklich tüchtigen Verwaltung nicht erwarten, daß sie diese Entwicklung in einer knapp bemessenen Zeitspanne vollenden könnte. Er erwähnte in diesem Zusammenhänge Lord C r o m e r, der 25 Jahre schwerer Arbeit gebraucht hatte, uni aus Ägypten wieder ein wohlhabendes Land zu machen. In Palästina gestalte sich das Problem noch schwieriger durch das Experiment, dem Staatskörper eine fremde Rasse einzuverleiben. Er sei der Ansicht, daß die Regierung in diesem kurzen Zeitraum sehr viel getan habe, wenn man bedenkt, daß die jüdische Bevölkerungsziffer, die im Jahre 1922 80.000 betrug, im Laufe von 14 Jahren auf das Fünffache gestiegen sei. Dov Hos antwortete, daß die Juden neue SiedlungsmögUchkeiten für weitere Juden schufen und daß sie nicht als Fremde ins Land kämen, sondern daß sie in diesem Lande schon tausend Jahre gelebt hätten. Lord Peel fragte dann die Zeugen, ob er glaube, daß die Regierung mit den ihr zur Verfügung stehenden beschränkten Mitteln die mannigfachen Pläne in zwei oder drei Jahren durchführen könnte, worauf Herr Hos zur Antwort gab, daß es sich hier nicht um eine Frage von zwei oder drei Jahren handle, sondern darum, daß die Regierung überhaupt nicht versucht, das Problem zu lösen. Die jüdischest Arbeiter Bürger zweiter Klasse Berl Katznelson brachte die Beschwerden des Allgemeinen jüdischen; Arbeiterverbandes Palästinas •(Histadruth Haowdim) vor. Er betonte, daß die jüdische Arbeiterschaft sich den Forderungen der Jewish Agency voll anschließe. Der Arbeiterverband habe sich vor allem über den Mangel an Sympathie bei den Behörden für die Lage der jüdischen Arbeiter zu beschweren. Der Zeuge führte auch Klage über den unzureichenden Anteil, der den jüdischen Arbeitern in den Häfen und bei den Eisenbahnen, sowie bei der Polizei eingeräumt werde. Sir Horace R u m b o 1 d: Es ist möglich, daß es andere Gründe für die Weigerung der Regierung, jüdische Arbeiter zu beschäftigen, gibt; es ist aber auch möglich, daß sie dies tut, weil sie U nruhen befürchtet. Katznelson: Wenn dem so ist, dann sind wir Bürger zweiter Klasse. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen stellte Katznelson es entschieden in Abrede, daß die Beschäftigung von Juden die Unruhen verursacht habe. Bei einem gut organisierten Regierungsapparat könne es zu solchen Unruhen nicht kommen. Die Palästina-Regierung bekenne sich zwar zu dem Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit, sie interpretiere jedoch diesen Grundsatz in einer für die Juden ungünstigen Weise. Sir Laurie H a m m o n d: Vielleicht ziehen die jüdischen Arbeiter das Leben in der Stadt vor. Katznelson verneinte dies und wies darauf hin, daß die Histadruth die Juden für Landarbeit ausbilde. Allerdings käme es vor, daß einzelne das Dorf verlassen. Im übrigen gebe es sowohl in der Stadt als auf dem flachen Lande Arbeit genug. Sir Laurie Hamtnond; Ihrer Meinung nach gefällt also den meisten jüdischen Arbeitern das Landleben. Katznelson antwortete, die jüdischen Arbeiter seien bereit, überall zu arbeiten, sofern ihnen ein bestimmtes E x i s t e n z m i n i m u m gesichert wird. Sir Laurie H a m m o n d: Warum kann die Polizei keine Juden für die Polizeiposten auf dem Lande bekommen? Katznelson erwiderte, viele Juden seien bereit, in den Dörfern als Polizisten Dienst zu tun. Die Tatsache, daß 3000 Juden zur Zeit für den Polizeidienst auf dem Lande eingetragen sind, beweise dies. Sir Laurie Hammond; Vielleicht werden Sie sie zur Verfügung stellen. Katznelson: Wenn man uns dazu auffordern wird, werden wir es mit Freude tun. Katznelson führte Beschwerde über die Kürzung der Arbeiterschedule. Diese Maßnahme führe zu F a.m ilientra- . gö dien. Sir Morris Carter: Gibt es nicht 6000 jüdische Arbeitslose? K a t z n e 1 s o n: Nein; bloß 2500; diese sind jedoch für Landarbeit nicht geeignet. Lord Peel: Im letzten Jahr sind 60.000 jüdische Einwanderer zugelassen worden. j Katznelson erklärte, dies eei eine groß- ‘ herzige Maßnahme gewesen, aber in frü- Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis | Der Oberrabbiner von Stockholm, Doktor! Markus Ehrenpreis, ist, wie schon kurz berichtet, in Wien eingetroffen, um sich hier verschiedenen Studien über diie ersten Anfänge des politischen Zionismus zu widmen. Dr. Ehrenpreis hat als jüdischer Historiker unendlich viel für die Verbreitung des Wissens vom Judentum in der Gelehrtenwelt geleistet. Er hat für seine Darstellung die Form der künstlerischen Monographie gewählt, die insbesondere in dem nordischen Milieu seines beruflichen Aufenthaltes Sympathie und Verständnis gefunden hat. Doktor Ehrenpreis lmt den Versuch unternommen, die dreitausendjährige Entwicklung des Judentums in 22 repräsentativen Gestalten in einem vierbändigen, schwedisch geschriebenen Werk vorauf (ihren, dias den Gesamttitel trägt: „Die Israel gebaut haben.“ Der erete Band, der auch deutsch bereits 1929 im Weltverlag in Berlin erschiene« ist, heißt „Propheten und Gottesmänn er“ und ist auch ans Holländische übersetzt worden. Der zweite Band „Heilige und He 1 d o n“ behandelt Gestalten von Juda bis Schimon bar Jochai, der dritte Band, „G a b i r o 1 bis B i a 1 i k“ ist ebenfalls schon erschienen. Für Herzl und seine Zeit hat Dr. Ehrenpreis einen vierten Band bestimmt, für den er gewisse neue Nachforschungen vornimmt, dio den Zweck seines jetzigen Wiener Aufenthaltes sind. Die hier genannten vier Bändo haben in Skandinavien einen ausgedehnten nichtjüdischen Leserkreis gefunden und ihre Beurteilung durch die namhaftesten Persönlichkeiten der nordischen Geistigkeit zeigt auch eine sehr wertvolle politisch literarische Wirkung. Hier sei nur eine Stelle aus einem im „Sozialdemoliraton“ veröffentlichten Brief des derzeitigen Unterriehtsministers E n g b o rg wieidergegebe«: „Das Buch ist doppelt willkommen gerade jetzt, w o d o r Rassonabo r glauben sic h breit macht und dem Blick der M onschßn für die Größe de r li stör iis c li e n Leistungen Deines Volkes an der We 11k u 11u r verdunkeln will.“ Dr. Ehrenpreis ist auch schon vorher mit historischen Werken hervorgetreten, deren Bedeutung für eine gerechte und unbefan- 'gene Würdigung der Stellung und Kult-ur-; leistung des Judentums ungemein groß ist: ’ „Die Seele des Orients“, und „Das Land! zwischen Orient und Okzident“ (Visionen auf einer Reise durch Spanien) sind in Schweden wiederholt neu aufgelegt worden.! Auch hat Dr. Ehrenpreis durch Vorträge im j schwedischen Radio Aufklärung über! jüdische Fragen und das Verhältnis des | Judentums zur Umgebung verbreitet. * Über das Judentum in Schweden macht Dr. Ehrenpreis einem unserer Mitarbeiter die folgenden Mitteilungen: Freiheit des Glaubens, Freiheit der bürgerlichen Betäti- 1 gung liegt dem Schweden so tief im Blut, j daß antijüdische Bewegungen und Metho- : den aus anderen Ländern kaum weitgehem-; dere Nachahmung finden. Das schließt aller-; dings nicht aus, daß auch in Schweden nationalsozialistische Bestrebungen auf- I treten, aber sie sind geringfügig. Bei den letztem Reichstagswahlen konnten die Nationalsozialisten mit 17.000 Stimmen kein einziges Mandat gewinnen. In Schweden leben nur etwa 10.000 Juden unter 6 Millionen Einwohnern und sie haben niemals einen Anlaß gegeben, besondere im nachteiligen Sinne aufzufallen. Sie leben sehr zurückgezogen. Das gesellschaftliche Zusammenleben ist in 'Schweden und auch in Dänemark ein sehr gutes. Auch in Norw o gen und in F In n 1 a n d ist kein Anlaß zu besonderer Beschwerde. Dr. Ehrenpreis hobt insbesondere das j ü d i s e h o Gmn a s i u m in Helsingfors hervor, eine erstklassige untor Aufsicht des Staates stehende und sehr angesehene Anstalt, am der auch der hebräischen Sprache neben Schwedisch und Finnisch der gebührende Platz eingeräumt ist. Dieses Gymnasium hat Dr. Ehrenpreis im Jahre 1924 selbst eingeweiht. Er wurde damals vom Präsidenten der Republik Svinhufvud feierlich empfangen. Es war dies an einen Samstag', weshalb Dr. Ehrenpreis den ihm angebotenen Wagen ablehnte. Aus der Synagoge, in der er am Vormittag eine, Rede hielt, holte. ihn der Chef des Protokolls ab und begleitete ihn zum Palais des Präsidenten. Nach dem Empfang ging er wieder mit dem Gast, zurück. Dr. Ehrenpreis, der bis zu seiner Berufung nach Stockholm Oberrabbiner von Bulgarien war, stehtselbstverständlich auch heute in Verbindung mit diesem Lande. Er erfreute sich allgemeines Ansehens und die Freundschaft zwischen ihm und den früheren König Ferdinand hat keine Abschwächung erfahre«. Prof. Ehrenpreis, der ein genauer Kenner der Balkanländer ist, betont, daß nach seinen Informationen die politische Lage der Juden in Bulgarien unverändert imd normal ist, dagegen ist ihre wirtschaftliche Situation eine sehr ungünstige. Wenig bekannt ist, daß Dr. Ehrenpreis seinerzeit nach dem zweiten Balkankrieg eine sehr intensive Tätigkeit zum Schutz der Rechte der nationalen und konfessionellen Minderheiten auf dem Balkan entfaltet hat. Dr. Ehrenpreis reiste damals in die wichtigsten Zentren der europäischen Politik und machte aufmerksam, daß bei den Friedens Verhandlungen in Bukarest an die ■Schutebesjfcim-mungen des Berliner Traktates vom Jahre 1878 vergessen worden sei. Die englische Regierung nahm diese Mitteilung auf und erklärte, daß der Bukaresfcor Vertrag nicht ratifiziert sei. Den weiteren I Bemühungen hat daun der Weltkrieg ein lEnde gemacht. Samstag, 23. Jänner 1937 Großer Musikvereins-Saal: Kartenbestellung im Zionistischen Landesverband, I., Maro-Aurel-Straße 5, T e|. U 22-2-11 Vortrag Dr. Josef Kastein. Haifa. Palästina: Palästina — das Jüdische Schicksal

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