Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 607 (31.12.1936)
- Date
- 1936-12-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 Oll «TIMM« Nr. 607 — Wien, Donnerstag, 31. Dez. 1986. gang des Budgets Sorge za tragen. Ich stelle diese Verantwortung ausdrücklich fest. Ohne der Entscheidung des Präsidiums vorzugreifen, ob utkI wann die dritte Sitzung einberufen wird, gebe ich schon heute mit Rücksicht auf die Anzweiflung der Rechtslage — bisher war die Auslegung jahrzehntelang unbestritten — bekannt, daß wir einen Zustand zu schaffen wünschen, der das wichtigste Recht, das Besteuerungsrecht. wozu auch das Recht der Einhebung von Zuschlägen gehört, außer jeden Zweifel stellt Wir werden den Abgang h er ein zubringen versuchen, wenn nicht anders, so im Budget für 1937, und alle Kraft anwenden. um nicht die Armen und die Winterhilfe durch die Ausnützung überholter demokratischer Spielregeln um ihr Recht auf Unterstützung zu bringen.“ Hierauf erklärt Dr. Ehrlich u. a.: „Die Minderheit, die das Verhältniswahlreoht in Anspruch nimmt, hat es für gut befunden, eine Bestimmung des Statute zu mißbrauchen, wodurch die Ärmsten zu Schaden kommen können. Es kann nicht der Sinn des § 17 des Statuts sein, heit das Recht hat., die Mehrheit an einer legalen Beschlußfassung zu hindern. Tch stelle den Antrag, die Statutenkommission möge beauftragt werden, binnen vier Wochen entsprechende Anträge wegen Änderung des § 17 im Zusammenhänge mit anderen sie beschäftigenden Anträgen zu stellen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Zionistische Bezirksorganisation Leopoldstadt. II.. Praterstraße 13 Ttlephon R 42*407 Samstag, den 2. Jänner 1937, '/,9 Uhr abends, findet in den Räumendes Helmes ein GESELLIGER ABEND statt Aussprache j Dr. Abraham churcrler Mltwirkende; I. Segall-Rosenbadi (Gesang) — Hugo Klofn-Bobby Weisser (Humoristen) — Wolf Weinberg (Satirische Vorlesungen) Donnerstag, den 7. Jänner 1937, lJt9 Uhr abends, findet im Heime ein Vortrag des Herrn DIREKTOR DR. VIKTOR KEUNfcR statt. Thema: Zionistische Probleme Selbstmordversuch David Frankfurters In der hierauf stattgefundenen vertraulichen Sitzung beschloß der Kultusvorstand einhellig, dem Mifal Bizzaron zu Lasten des Budgets für das Jahr 1937 einen Betrag von 10.000 Schilling zuzuwenden. Weiters wurde Herr Dozent Dr. Zimm e 16 zum Rabbiner im Gemeindetempel im 15. Bezirk (Turnergasse) bestellt. Zionistische Bezirkssektion und Wizo Prater gratulieren ihrem Präsidialmitglied Herrn Gedale Frischer herzlichst zur Verehelichung seines Sohnes. Die Gleichschaltung beim Füm ... Nach der Ernennung des Bruders des Ministerpräsidenten Göring, Ing. Göring, zum leitenden Direktor der Tobis-Sascha-Filmgesellschaft ist nunmehr der letzte führende jüdische Filmfachmann, Dr. Oskar P i 1 z e r, von der Leitung der Gemeinschaft der österreichischen Filmproduzenten zurückgetreten. und Im Versicherungswesen Bern, 28. Dezember (JTA.). Graubündner Blätter melden verspätet, daß das Plaidoy er des Anklagevertreters Dr. Brügger im Prozeß gegen David Frankfurter in Chur, das angebliche schlechte Charaktereigenschaften Frankfurters in den Vordergrund stellte und ihm eine „große Portion an Zynismus“ vorwarf, auf den Angeklagten einen so niederdrückonden Eindruck gemacht hat, daß er noch am gleichen Abend, daß die Minderalso noch vor der Urteilsverkündung, einen Selbstmordversuch unternahm, der durch die wachhabenden Polizisten rechtzeitig verhindert werden konnte. Frankfurter versuchte, sich mit den Scherben der Wasserflasche die Pulsadern aufzusohneiden. Die Polizisten blieben bei ihm die ganze Nacht, um weitere Selbstmordversuche zu verhindern. Man erinnert sich, daß Frankfurter nach der Rede des Anklagevertreters versucht hatte, sich zu wehren, daß ihm aber der Vorsitzende das Wort abschnitt. Frankfurter war besondere gegen den Vorwurf, in seinen Absichten nicht ganz lauter gewesen zu sein, sehr empfindlich. Das Züricher „Israelitische Wochenblatt“ weist auf eine schriftliche Äußerung Frankfurters hin, die sich in dem Gutachten des Direktors der Irrenanstalt „Waldhaus“, Dr. J ö rger, befindet. Dr. Jörger hatte Frankfurter ersucht,, seine Einstellung zum Judentum und zur Tat niederzuschreiben. Frankfurter führte u. a. aus: „Ich sah in der Geschichte des jüdischen Volkes immer wieder das Bild von unaufhörlichen Verleumdungen, Verfolgungen und Pogromen durch 2000 Jahre hindurch. Gewiß war ich solchem Unbill persönlich nicht ausgesetzt, aber nach den Erfahrungen aus der Geschichte gab es keine Sicherheit, daß dies nicht eintreten kann. Abgesehen von den persönlichen, unwesentlichen Befürchtungen bereitet das Bewußtsein, daß Tausende von Menschen, nur well sie Juden sind, darunter leiden müssen, höllische Qualen... Wie ein mir persönlich zugefügtes Unrecht oder Beleidigung mich zur Verzweiflung treiben konnte, so verletzten mich bis ins Innerste diese Verleumdungen und Verfolgungen des jüdischen Volkes und der jüdischen Religion. Bei all dieser Liebe für das Judentum habe ich mich doch nie einem Revanchegedanken oder ähnlichen Gefühlen hinge- Die von rieht, daß reichischen nehmenden muß nach der „Stimme“ von den 380 Versieherungs Angestellten gebrachte Naehvon der ößter- A. G. zu über- 20 Juden sind, unseren neuerlichen Infor mationen richtig gestellt werden. Es werden nicht 20, ßondera nur 13 jüdißohe Angestellte der Lebensversiöherungs-Geßellßchaft Phönix in Betracht gezogen, und diese überdies auf untergeordneten Dienstposten mit niedrigen Bezügen, obwohl es sich ausnahmslos um hochqualifizierte, langjährige Beamte der Phönix handelt. geben, nur zu bitter fühlte ich die Ungerechtigkeit der Verallgemeinerung, um den Spieß umzukehren .. Zum Schluß heißt es: „Warum Gustloff? Weil die Schweiz als demokratisches und tolerantes Land viel zu schade ist, daß es denselben Weg geht, den Deutschland geht, und daß es zum Schluß von diesem Deutschland mit Haut und Haaren verschlungen wird." Protestkundgebung in Paris gegen das Urteil in Chur Paris, 28. Dezember (JTA.). Zum Protest gegen die Verurteilung David Frankfurters zu 18 Jahren Zuchthaus durch das Gericht in Chur fand in der Pariser „Mutualitd“ eine vom Weltzentrum gegen Rassismus und Antisemitismus einberufene Kundgebung statt. G. R. Tedesco gab als Versammlungsleiter das Leitmotiv des Abends: Keine Glorifizierung Frankfurters, aber Gerechtigkeit. Z e p h a r a, der im Auftrag der Liga gegen den Antisemitismus dem Prozeß in Chur beigewohnt hat, übte scharfe Kritik an dem Urteilsspruch. Das Gericht hat die Motive, die Frankfurter zu seiner Tat trieben, nicht gewürdigt. Wäre Gustloffs Tätigkeit in der Schweiz bei Zeiten gestoppt worden, hätte David Frankfurter nie zum Revolver gegriffen. Das Ziel der jetzt beginnenden Kampagne müsse sein: Revision des Prozesses oder Begnadigung Frankfurters. Für die „Internationale Juristen-Vereinigung“ erklärte F e r u c c i, man müsse sich schämen, daß Frankfurter so von aller Welt verlassen worden sei. Nachdem noch eine große Reihe Vertreter der verschiedensten Parteien und Organisationen gesprochen hatte, faßte der Präsident der Liga gegen Antisemitismus, Bernard L e c a c h e, den Sinn der Kundgebung in einem Scblußappeil zur Einigkeit zusammen: „Nicht Schweigen sei das Gebot der Stunde, sondern Aufrollung der Affäre Frankfurter, die keine jüdische, sondern eine Weltangelegenheit sei.“ In der einstimmig angenommenen Resolution wurde das „Weltzentrum gegen Rassismus und Antisemitismus“ ausdrücklich beauftragt, eine Kampagne für Frankfurters Befreiung einzuleiten. nen Lage im Mittelmeerbecken zusammenhängt oder es eine Folge der immer wieder auf tau dien den Gerüchte ist, daß im Irak gut ausgerüstete arabische Freiwilligenbanden sich vorbereiten, durch die Wüste nach Transjordanien zu kommen, um von dort nach Palästina einzufallen, dies ist eine Frage, die die Regierung natürlich nicht beantwortet. Mord bei Petach Tikwaft In einer Plantage bei Petach Tikwah wurde die Leiche eines ermordeten Arabers aufgefunden. Ein arabischer Wächter, der als verdächtig verhaftet wurde, gestand den Mord ein. Weitere Gewalttaten Jerusalem, 29. Dezember. (JTA.) Auf der Straße Tiberias-Nazareth sind vier von jüdischen Chauffeuren gelenkte Lastwagen von bewaffneten Arabern angehalten worden. Während zwei Autos entkommen konnten, wurden die beiden anderen ausgeplündert. Der Torsitzende des arabischen Arbeiterverbandes, Michel M i t r i, wurde von arabischen Attentätern durch Revolverschüsse verletzt. Arabische Banditen griffen überraschend das Bahnarbeiter-Lager in der Nähe von Ras-el-Ein an, verletzten zwei der Arbeiter durch Schüsse und raubten, was ihnen in die Hände fiel. In Jerusalem und in Jaffa kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Christen und Moslems, wobei mehrere Christen verwundet wurden. Der Haifaer arabische Arbeiterklub erließ eine Proklamation gegen die destruktive Tätigkeit der Banden und für Frieden in ganz Palästina. Zwecks Schonung ihrer Beamten geht die Palästinaregierung daran, ihre Büros aus der Gegend des Nablus-Tores in Jerusalem nach dem Palaee-Hotel kn Zentrum der Stadt zu verlegen. In einem Pardes bei En-Charod wurden jüdische Arbeiter von der Seite der Gilboa-Hügel beschossen. Getroffen wurde niemand. Die Zionistische Bezirks- Sektion und WIZO VI/VII gratulieren ihrem bewährten Vorstandsmitglied Herrn Arnold Dawid henlichst zu seiner Vermählung Die arabischen Banden Die Zionistische Bezirkssektion und Wizo Vf/VIl kondolieren dem Vizeobmann Saul D u l i t z k y aus Anlaß des Ablebens seiner Mutter. Zeitschrift „Palästina“ (Herausgeber (i. E.) Adolf Böhm, Wien). Die Dezember-Nummer enthält einen Aufsatz von Dr. Alfred Marcus über Transferproblem und Palästinawirtschaft, in dorn die gegenwärtigen und künftigen Schwierigkeiten des Transfers auseinandergesetzt und Abhilfemaßnahmen vorgesohlagen werden. Dr. Abraham Werber entwirft den Plan eines Institutes für W asserfrage n, Dr. Stefan Krauß gibt in seiner Untersuchung über Die Kinder der Altstadt von Jerusalem ein interessantes Bild von den traurigen Verhältnissen, unter denen die orientalischen Juden leben. Der Hauptteil der Zeitschrift ist der Königlichen Kommission gewidmet. Die Verhandlungen oind möglichst wörtlich wiedenregeben, um eine feste Grundlage für spätere Erörterungen zu haben. Jerusalem, 28. Dezember. (Privat.) Die Unsicherheit auf den Landstraßen ist wieder eine derartige, daß sie die Aufmerksamkeit der Behörden in großem Maße erfordert. Eß vorgeht kein Tag, da nicht, zumeist im Norden des Landes, Autos und Ka rawanen angehalten und außgeraubt werden. (In einem Fall gingen die Räuber sogar so weit, in Polizei- und Militäruniformen aufzutauchen.) Jetzt aber ist, zum Unterschied von den Überfällen in der Zeit des Aufstandes, der arabische Reisende nicht weniger gefährdet, als der jüdische und der englische, ja, es scheint sogar, als wäre gerade der arabische Passant der Landstraßen Palästinas in der letzten Zeit das bevorzugte Objekt dieser, nachgerade zum Volkssport gewordenen Bandentätigkeit. Die übergroße Mehrzahl der Ausgeraubten und beinahe 100 Prozent der in den Dörfern Überfallenen und alle in den letzten Wochen bei diesen Gelegenheiten Ermordeten sind Araber. Aus dieser Tatsache läßt sich der Schluß ziehen, daß hier System und Methodo vorhanden ist. Man dürfto kaum fehlgohen, wenn man hierin eine gewisse Pression sieht, die sich gegen gewisse arabischo Stellen richtet, gegen jene Stollen nämlich, die in der letzten Zeit die Unterstützung der Bandonmitglieder eingestellt haben, die sechs Monate lang ihre Haut auf den Markt trugen, daß wohl noch immer Gelder kommen, aber daß diese Gelder in Händen bleiben, die nie ein Gewehr hielten. Wie dem aber auch sei, das Faktum, unter dem Palästina und besondere die arabischen Dörfer zwischen Nablus und Haifa, aber auch die in Galiläa leiden, das Faktum der ganz unglaublichen Räuberromantik, ist nicht wegzulougnem und ist von großer Wichtigkeit, weil es ganz dazu angetan ist, vielleicht als Vorbereitung zu neuem Aktionen großen Stils zu gelten. Polizei und Militär bemüht sich zwar, die Räuber zu fangen. Das Ergebnis dieser Bemühungen fet aber bis jetzt gleich Null. Einerseits ist es ja einfacher, eine Nadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Menschen in dem durchaus unübersichtlichen palästinensischen Bergland, anderseits aber gilbt es zu viele Waffen in Palästina, die nicht von der Regierung kontrolliert werden, und überdies zu viele Männer, die sich nach sechs Monaten Abonteurordasoins mit geregelter Honorierung nicht in ein friedliches Leben dos Ilungerns hkieintinden können. Vielleicht, dies ist zu hoffen, wird es andere werden, wenn das Militär mit seinen, einstweilen unbekannten Zweckou dienenden Vorbereitungen fertig sein wird. In Wauchope fordert Verstärkung der Polizei London, 28. Dezember. (JTA.) „Daily Telegraph“ teilt, aus zuverlässiger Quelle mit, daß der High Commissioner beim Colonial Office in London um Erhöhung der Zahl der englischen Polizisten in Palästina angesucht hat. Von den Londoner Kronagenten für die Kolonien’wurden bereits 50 Personen für den Polizeidienst kl Palästina rekrutiert und werden sich anfangs Jänner naeh Palästina einschiffen. Die Rekrutierungen werden fortgesetzt. Der Sold eines Mannes beträgt monatlich 11 Pfund bei freier Verpflegung und Unterkunft. In den letzten Tagen haben 4156 Mann und 224 Offiziere Palästina verlassen. Die. Stärke der noch in Palästina befindlichen Truppen wird auf acht Bataillone geschützt. Vor den Unruhen wa.r die Garnison Palästinas zwei Bataillone stank. nun, zum Teil Ausländer, mit dem Gewehr den letzten Tagen ging viel Militär an die syrische und an die transjordanischo Grenzo ab, während andere Gruppen die Borgo zwischen Nablus und Jenin befestigen und überall lim Norden — und angeblich auch ln gewissen Teilen Südpaläßtinas — Stützpunkte errichten. Ob dies mit der allgemeiin der Hand durchs Land vagabundieren. Wenn auch von gewisser Seite argumentiert wird, daß die Hilfsgelder aus dem Ausland, die während des Aufstandes in gToßen Mengen kamen, nun ausbleiibon, sagen doch andere Leute, die nämlich, die Restaurant Billet Bestrenommierte Küche w Reichhaltige Menüs ä S V90 u. 2*60 il.lHammerpurgstai’ga$se3 (nächst Sa ztorbrikke) Keine Entlassung jüdischer Hilfspolizisten Jerusalem, 22. Dozembor. (Palcor.) Angesichts der von der Jewish Agency gemachten Vorstellungen hat die Regierung beschlossen, dio jüdischen Hilfspolizisten, die am 1. Jänner entlassen werden sollten, im ihrem Ainto zu belassen. Dio an dio Siedlungen verteilten Waffen bleiben vorläufig in deren Besitz. Die ine Zivilleben zurückgekehrten jüdischen Hilfspolizisten haben von den Polizeibehörden dio Weisung erhalten, sich für Wioderoinstellung in den Dienst bereit zu halten. Die Siedlungen sind aufgef ordert worden, Listen neuer Kandidaten einaureiohen.