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Die Stimme · 1936-12-31 · Heft 607 (31.12.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 607 (31.12.1936)
Date
1936-12-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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OIE STIMMI Seite 3 Nr. (507 —■ Wien, Donnerstag, 31. Do*. 1936. Herrn Hermann Neumann und Frau gratulieren herz! chst zur Vermählung Ihrer Tochter Fräulein Gisa. Familie Leopold Engelberg Familie Chalm Schwarz Hitler und die Hochfinanz Im holländische« Verlag Van II o 1kema & Waren dorfs Uitg. Mij. N. V. in Amsterdam hat der amerikanische Bankier Signey Warburg im Jahre 1933 eine kleine Broschüre von 99 Seiten „Die Geldquellen des Nationalsozialismus“ (Drei Gespräche mit Hitler) erscheinen lassen, dio jedoch seither verschwunden ist, da die Nationalsozialisten das Büchlein aufkaufen ließen. Die holländischen Nationalsozialisten haben dann unter demselben Titel eine andere Broschüre herausgegeben, d/ie irrefithreu sollte und diesen Zweck zum Teil erfüllte. In der schweizerischen Zeitschrift „Der Sperber“ ist die Originalbroschüre in Heft 5 vom Jahre 1936 eingehend besprochen. Nach dieser Originalbroschüre wurde Sidncy Warburg bereits im Juli 1929 von den Direktoren der Federal Reserve Banken, fünf Direktoren von unabhängigen Banken, dom jungen Rockefeiler von der Standard Oil Company, Olean von der Royal Dutch Company und dem Vertrauensmann des Guarantoe-Trustcs, Carter, in einer Beratung über den Schutz amerikanischer Interessen in Deutschland, beauftragt, mit Hitler in Verbindung zu treten, um dadurch Frankreich, das als Gefahr für amerikanische Geschäfte in Europa angesehen wurde, zu bedrängen, so daß dieses Land eich an Amerika und England wenden müsse, wobei es auf die Reparationen verzichte. Hitler soll damals 100 Millionen Mark gefordert haben, wobei er alle Zusagen gegen Frankreich machte. 10 Millionen Dollars 40 Millionen Reichsmark, wurden durch die Bank Mendelsohn & Cie. in Amsterdam zur Auszahlung übernommen. Im Jahre 1931 soll es zu eingehenderen Verhandlungen gekommen sein. Hitler erklärt jetzt dem Bankier Warburg, er brauche 500 Millionen für eine Revolution, 200 Millionen genügen für die bloße Umstellung, das heißt für die legale Machtübernahme. Durch telegraphische Zusage aus Amerika werden sofort 15 Millionen Dollars, das sind 60 Millionen Mark, bewilligt, und drei Überweisungen von je fünf Millionen Dollars angeordnet. Neben Gering intervenierte auch noch Gregor Strassei, der seine Kenntnis dieser Geschäfte auch zugegeben hat. Zu Beginn des Jahres 1933 werden weitere 7 Millionen Dollars, das sind 28 Millionen Reichsmark, davon 2 Millionen an Goebbels, durch die Rhenania, der Rest durch die Banc-a Commerciale in Rom ausgezahlt. Warburg, der sich nach Berlin begab, hatte bei diesen Geschäften interveniert, er hoffte, als Jude der Judenschaft nützlich sein zu können. Als der Reichstagsbrand erfolgte, reiste er ab. Diese Mitteilungen finden sich jetzt in einer kleinen 47 Seiten starken Broschüre „Finanzielle Weltgeschichte“ von Ren 6 Sonderegger, die natürlich in der Schweiz erscheinen mußte, da anderwärts nicht so leicht derartige Aufklärungen veröffentlicht werden können. Der Beweis muß natürlich dem Autor Souderegger überlassen werden. Der Zionistische Landesverband für Österreich gratuliert Herrn Arnold Dawid anläßlich seiner Vermahlung aufs herzlichste Ehrung Professor Otto Löwis Im Bundesministermm für Unterricht fand aus Anlaß der jüngsten Nobolpreisverteilungen an österreichische Gelehrte eine Ehrung führender österreichischer Wissenschaftler statt, darunter des jüdischen Nobelpreisträgers Dr. Otto L ö w i. Bundesminister Dr. P o r n t o r betonte in seiner Ansprache, daß der festliche Akt der Ehrung österreichischer Wissenschaft und besonders der Ehrung jener bahnbrechenden Forschungsarbeit gelte, durch die hervorragende Gelehrte der österreichischen Hochschulen auf verschiedenen Fachgebieten neuen Ruhm für dio österreichische Wissenschaft in der ganzen Welt erworben haben. Der Unterrichtsminister beglückwünschte dio Professoren Löwi und Hees zu ihrer Auszeichnung mit, dem Nobelpreis und sagte: Ehre und Dankbarkeit dieson Männern der Wissenschaft, welche die Fackel des Geistes der jungen akademischen Generation vorantragen und in unserem österreichischen Vaterland der deutschen Wissenschaft, zn deren Geistesraum wir uns bekennen, und darüber hinaus der gesamten K u 11 u r w e 11, .schon so viel gegeben haben. Diesen Dankesworten dos Ministers schloß sich der Bundeskanzler Doktor Schuschnigg an, der den Ausgezeichneten die ihnen verliehenen Ehrenzeichen überreichte. Ar je Scherz~Fe/c/mann uni Frau gratulieren herzlichst Familie Jakob und Rachel Miedermayer aus Anlaß der Vermählung ihrer Tochter hslhet mit Herrn Alexander Manheim in HaHa, Tel Chay, Dr. Pia sch k es. Während der Rede des Vorstehers Dr. Plaschkes kam es zu erregten Zwischenrufen und persönlichen Beleidigungen, so daß der Präsident Dr. Friedmann die Sitzung suspendieren mußte. Nach Wiederaufnahme der Sitzung rügte der Präsident diie Vorfälle. Dann erfolgte die Annahme des Dringlichkeitsantrages gemäß den Abänderungsanträgen Dr. Ehrliche. Der Antrag wird die Statutenkommission beschäftigen, die binnen vier Wochen Anträge zu stellen hat. * * * Der näobsto Punkt der Tagesordnung betraf die Caf6 i ft ii n mm « r p n n < < _K±1 entbietet seinen geehrten Gästen die herzlichsten Glückwünsche zum Jahreswechsel 1937. Ungestörter Kaffeehautbetrieb, die ganze Nacht geöffnet. Im Kiub'okal Radioöbertragung der Silvesterfeicr der Ravag aus dem Großen Konzerthaussaal. Aus der jüdischen Gemeinde Dio erste öffentliche Sitzung des Kultusvorstandes war wenig erfreulich. Sie bewies, daß die von Dr. Oppenheim geführte Opposition nicht gesonnen ist, ihre von der Majorität der Wähler abgelehnte Kampfeeweise einzustellen. Dr. Oppenheim kündigte wieder an, er werde „eine höhere Stelle“ beschäftigen. Die Blamage des Davonlaufens aus der Kultusstube und die b 1 amable Abweisung der Aufsichtsbeschwerde genügen offenbar der Union noch nicht. Die jüdische Öffentlichkeit muß sich darüber im klaren sein, daß die Union den Frieden nicht will und daß sie gesonnen ist, eine gehässige Opposition zu führen. Denn sonst wäre es nicht zu verstehen, daß dio Unionisten den Saal verließen, um die Abstimmung über den unbedingt notwendigen Zuschlag von 20% zur Kultussteuer zu verhindern. Die Gehässigkeit der unionistischen Opposition offenbarte sich noch ein zweites Mal, als die Unionisten gegen das Budgetprovisorium stimmten, das mit den Stimmen der Zionisten angenommen wurde. Treffend erklärte Präsident Dr. Friedmann, daß es sich hier um eine leere Demonstration handle und daß die Unionisten es nicht wagen würden, gegen das Budgetprovisorium zu stimmen, wenn die Zionisten nach dem unionistischen Beispiel den Saal verlassen würden. Denn die Folge wäre, daß die Kultusgemeinde ab 1. Jänner die Zahlung von Unterstützungen usw. einstellen müßte. Es scheint, daß es noch gute Weile haben wird, bevor die Union einsehen wird, daß sie als Minorität mit 13 Stimmen die zionistische Majorität nicht kommandieren kann, und daß eine Abkehr von ihrer von der Majorität der Wähler abgelehnten unjüdischen Kampfesweise eine wesentliche Voraussetzung für eine vor allem von den Zionisten gewünschten friedlichen Atmosphäre ist. Die öffentliche Sitzung Am 28. Dezember fand eine öffentliche Sitzung des Plenums des Kultusvorstandes statt, bei welcher über den Dringlichkeitsantrag der „Union“ verhandelt wurde, das Proportionalwahlrecht mit rückwirkender Kraft für die Wahl des Präsidiums, des Vertreterkollegiums, der Obmänner und Obmannstellvertreter der Kommissionen einzuführeu. Mit diesem Antrag hat die „Union“ zugegeben, daß ihre Behauptung nach der Wahl, sie habe einen im Statut begründeten Anspruch auf die Besetzung einer Vizepräsidentenstelle, unrichtig ist. Nachdem Doktor Oppenheim namens der Union den Antrag begründet hatte, antwortete ihm Doktor Ehrlich, der u. a. folgendes ausführte: Die Forderung nach Einführung des Proportionalwahlrechtes ist eine alte zionistische Forderung, für die wir als Minorität in der Kultusstube Jahre hindurch ohne Erfolg ein traten und endlich gegen den Willen der Union durchsetzten, die für die Ungleichheit der Wähler eintrat und lange Zeit das privilegierte Wahlrecht der Höherbesteuerten aufrechterhielt. Wenn heute die Union als Vorkämpfer für den Proporz auftritt, so entbehrtdiesnichteineskomischen Beigeschmackes, wenn man sich vergegenwärtigt, wie sieb die Union bis zu ihrem heutigen Antrag zum Proportionalwablr echt stellte. Im Jahre 1920 wurden 20 Unionisten, 2 Agudisten und 14 Zionisten gewählt. Damals gab es einen ersten und einen zweiten Vizepräsidenten, die im Range nicht gleich waren. Obwohl nun die Zionisten nach dem Proporz Anspruch auf die Stelle des ersten Vizepräsidenten hatten, wählte die Union einen Unionisten zum ersten Vizepräsidenten. Im Jahre 1928 verlor die Union die Majorität bei den Wahlen. Gewählt wurden 18 Unionisten, 13 Zionisten und 5 werktätige Juden. Damals erklärte der heutige Verfechter des Proportionalwahlrechtes Dr. Oppenheim, daß sich die Union mit dem Wahlergebnis nicht zufriedengebe, er werde darauf drängen, daß derKultusvorstand aufgelöst werde und eine Neuwahl stattfinde. Sollte die Union auch bei dieser Wahl nicht die Mehrheit erzielen, so werde dafür Sorge getragen werden, daß die Union eine eigene Kultusgemeinde bekomme. Als Dr. .Oppenheim den Zwischenruf machte, er 'habe so etwas nicht gesagt, antwortete ihm Dr. Ehrlich: „ Was ich gesagt habe, ist wahr, und ich kann das vor Gericht als Zeuge unter Eid aussagen.“ Dr. Ehrlich fährt fort: „Obwohl die Union im Jahre 1928 die Mehrheit verlor, wählte sie trotz des jetzt von ihr verfochtenen Proporzes zu Vizepräsidenten zwei Unionisten. Trotzdem sind diie Zionisten damals nicht zum Magistrat gelaufen, um sich zu beschweren, obwohl die Wahl anfechtbar war. Denn die Union hatte nur 18 von 36 Stimmen bei der Wahl der Vizepräsidenten erzielt. Der Antragsteller Dr. Oppenheim hat uns heute wieder eine Beschwerde an gekündigt, die von den Zionisten wieder als Denunziation bezeichnet werden würde. Darauf Ist zu sagen: Daß eine Beschwerde über eine juristische Streitfrage, ob nämlich der Vorstand mit 17 Mitgliedern beschlußfähig war, keine Denunziation ist, das ist klar. Eine Denunziation aber war es, wenn in der Beschwerde zum Ausdruck gebracht wurde, daß das in Österreich beheimatete, bodenständige, religiös eingestellte Judentum zurtickgedrängt wurde, und wenn weiter zum Ausdruck gebracht wurde, daß der ,Union* die Vereinigung aller Wiener Juden sei, die auf dem vaterländischen, bodenständigen, religiösen Standpunkt stehen. Diese Begründung der Aufsichtsbeschwerde der ,Union*, die mit einer als strittig bezeichneten Rechtsfrage nichts zu tun hatte, haben wir als Denunziation bezeichnet und das werden wir auch weiter tun. Das ist nicht der erste Fall einer derartigen Beechwerde. Schon unter Kaiser Franz I. bezeichnet© ein gewisser Ignaz Deutsch in einer Eingabe an den Kaiser die liberalen Juden als nicht patriotisch unrl nicht religiös. So wenig diese Eingabe ein rühmliches Blatt in der Geschiehto der Jüdischen Gemeinde in Wien bildet, so wenig wird es die Beschwerde der ,Union* sein.“ Schließlich erklärte Dr. Ehrlich nochmals, daß die Mitglieder des Zionistischen Klubs aus prinzipiellen Gründen dafür sind, daß der Proporz für die Wahl des Präsidiums, des Vertreterkollegiums und der Mitglieder der Kommissionen eingeführt werde, jedoch nicht mit rückwirkender Kraft und nicht für die Wahl der Obmänner der Kommissionen. Das sei unmöglich. (Lebhafter Beifall.) Nach Dr. Ehrlich sprachen Dt. Bloch und Einhebung eines zwanzigprozentigen Zuschlages für die Kultussteuer des Jahres 1936, dessen Einhebung aus folgenden Gründen unbedingt notwendig ist: Das präliruinierte Defizit beträgt 200.760 Schilling. Dazu kommt ein Defizit aus früheren Jahren von 98.000 Schilling. Im heurigen Jahre hat sich infolge notwendiger Überschreitungen, insbesonders auf dem Konto Fürsorge — begreiflich durch die zunehmende jüdische Not — ein Defizit von 156.000 Schilling ergeben. Dann ergibt sich die Notwendigkeit der Durchführung der Winterhilfe, diie mit 110.000 Schilling präliminiert ist, aber voraussichtlich 150.000 Schilling erfordern wird. Dazu kommt noch, daß im Jahre 1936 zur Erweiterung des Friedhofes Gründe angekauft werden mußten, auf die 150.000 Schilling angezahlt werden mußten. Zur Deckung aller dieser Posten ist die Ednhebung des 20%igen Zuschlages zur Kultussteuer 1936 notwendig. Die bisher freiwillig geleisteten Zuschlagszahlungen werden aut den Steuerzuschlag angerechnet werden. Wie bereits erwähnt, hat <tlie „Union“ die Annahme des Antrages in dieser Sitzung sabotiert. Religiöse Grundsalzfragen Kultus Vorsteher Dr. Rosen b erg stellte folgenden Initiativantrag: „Soweit es sich um religiöse Grundsatzfragen handelt, ist über Antrag eines Vorstandsmitgliedes eine Anfrage an das Rabbinat der Israelitischen Kultusgemeinde zu richten, dessen Entscheidung für den Kultusvorstand verbindlich ist. Diese Festsetzung bezieht sich nicht auf administrative Angelegenheiten irgend welcher Art.“ Dieser jedermann einleuchtende Antrag erregte bei der „Union“ und der Fraktion „Arbeitendes Palästina“ Bedenken. Nach einer kurzen Diskussion, in der Dr. Friedmann für die Annahme des Antrages eintrat, wurde der Beschluß gefaßt, den Antrag der Kultus- und Statiitenkommission zur Antragsteliung an das Plenum zu unterbreiten. * * * Am 29. Dezember fand eine weitere öffentliche Sitzung statt, um in der Frage des Zuschlages von 20 Prozent zur Kultussteuer Beschluß zu fassen. Zu Beginn der Sitzung verließen jedoch die Unionisten den Saal, so daß — infolge entschuldigter Abwesenheit von zwei zionistischen Kultusvorstehem — die zur Abstimmung erforderliche Anzahl von 22 Kultusvorstehem nicht im Saale anwesend war. Hierauf erklärte Präsident Doktor Friedmann, daß nunmehr die Möglichkeit bestehe, eine dritte Sitzung mit der gleichen Tagesordnung einzuberufen, die bei Anwesenheit von 18 Vorstehern beschlußfähig sei und führte u. a. aus: „Wir haben den Zuschlag beantragt, weil ein dringendes Erfordernis, insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge vorliegt. Die Verantwortung dafür, daß die notwendigen Mittel nicht zur Verfügung gestellt werden, trifft diejenigen, die sich absentieren und dadurch der Majorität die Möglichkeit genommen haben, für den Ab- Samstag, 23. Jänner 1937 Großer Musikverelns-Saal: Kartenbestellung im Zionistisohen Landes« verband, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2*11 Vortrag Dr. Josef Kastein, Haifa, Palästina: Palästina - das Jüdische Schicksal

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