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Die Stimme · 1936-12-24 · Heft 606 (24.12.1936) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 606 (24.12.1936)
Date
1936-12-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Oll STIMME Seite 7 Sr. 606 — Wien, Donnerstag, 24. Dezember 1088 Die Winterhilfe der Kultusgemeinde hat begonnen, spendet reichlich 1 ———wwwwm «»——w—————w—w——1 Postsparkassen ■ Konto; B 29,659 Ro so ws kl: // titüsik dcc Bi&el // Der erste diesjährige Abend des Vereines zur Förderung jüdischer Musik war dem Komponisten und Musikforscher Prof. Dr. Salomon R o s o w s k i gewidmet. Seine vor ungefähr drei Jahren erschienene Broschüre „Music of the Pentateuch“ hat in der Musikwelt Aufsehen erregt. Kein geringerer als der Präsident der Internationalen Gesellschaft für neue Musik, Universitätsprofessor Dr. D e n t in London, hat sich für diese Arbeit mit Begeisterung eingesetzt. Rosowski wurde von den Universitäten in New York und London eingeladen, über den in dieser Brosobüre behandelten „Tropp“ Vorträge zu halten. Das Ergebnis dieser Vorlesungen war die Gründung einer Gesellschaft zur Förderung der Musikwissenschaft in Erez Israel. „Maohon Erez Israel l’madaei Hamusika“, kurz „Mailam“ genannt. An dieser Vereinigung arbeiten Leopold G odowsky, Bronislaw Huberman, Mischa E11 m a n, Arnold Schönberg, Josef Ach r on, Lazar Ssaminski, Georg G e r s c h w i n, Weinberg u. v. a. Die wissenschaftlichen Forschungen der Musik der Bibel, dio im Troppstil gehalten ist, werden von dieser Vereinigung besorgt. Es gibt verschiedene Varianten der Ausführung der Troppzeiohen, deren Gesamtzahl 28 beträgt. Rosowski zählt die verschiedenen Abarten: die aschkenasiscbe, sepbardische und jemenitische auf, ferner die Ausführungen derselben Zeichen im Pentateuch, in den Megiloth, in Eioha und in den Propheten. Die Gesamtforschung erstreckt sich auf alle Arten der Ausführung. In seinem Vortrag konnte Rosowski nur die Aschkenasische und davon nur die polnisch-litauische Art der Sabbathoantillation schildern. Nach einigen allgemeinen historischen Betrachtungen sprach Rosowski über die Methode, nach der er die Messungen vorgenommen, die Intervalle, Pausen und den Rhythmus analysiert halte und wie er von der Grammatik der Sprache ausgehend zur Musik der Bibelcantillation überging, ln dem von ihm erfundenen System stellte er mit mathematischer Präzision ein Schema auf, nach dem jeder Musikkundige die Cantillation jeder beliebigen Stelle der Bibel rekonstruieren kann. Mit seiner sonoren Stimme sang er einige Troppmelodien vor. Es offenbarte sich dem Zuhörer das, was wir, die wir seit Jahren damit vertraut sind, immer wußten: die unermeßliche Schönheit und Erhabenheit der Musik der Bibelcantillation. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit Rosowskis werden in der Zukunft für die Entwicklung der jüdischen Musik von ganz großer Bedeutung sein. Im Konzertteil, der zur Gänze dem Komponisten Rosowski gewidmet war, hörte man ein Wiegenlied für Violine und Klavier, von Kurt Fuchsgelb prächtig gespielt, ferner eine Bearbeitung des Tanzes aus „Ozar“ für Klavier von Julius Chajes, von ihm selbst mit Schwung und Temperament vorgetragen. Drei Lieder sang mit einer zarten, versonnenen und klaren Stimme Fräulein Giza Blatt. Den Schluß bildete das bekannte Trio „Fantastischer Tanz“, eine Jugendarbeit des Komponisten, die er später in eine Ouvertüre „Chassidim“ für Orchester umgewandelt hat. Das blendende Werk — ein Stück echter jüdischer Musik — kam in der Wiedergabe der Herren Julius Chajes, Kurt Fuohsgelb und Emmerich Gara zur vollen Entfaltung. Rosowski wurde von den Zuhörern, unter denen sich Künstler, Musikgelehrte und Kantoren befanden, überaus warm empfangen. Jul. Wolfsohn. FÜR DIE SICHERHEIT UND FESTIGUNG DES JÜDISCHEN AUFBAUWERKES IN PALÄSTINA UJERBET FÜR MIFAl B1ZZARON! A. Meiseis Revue in den Jüdischen Künstlerspielen (Nachdruck verboten.) VdUstied Von Ch. N. 8ialik*) Ziotechen Euphrat und Chidekel Auf dem Berge steht eine Dattel- Palme und ein Wiedehöpflein Nistet dort mit güldenem Schöpflein. Strecke, Vögleln, deine Schwingen! Sollst mir einen Freier bringen; Und, daß du ihn sicher bringest, Bind ihn fest, wo du ihn findest! Hast du keinen Purpurfaden — Mußt du freundlich ihn einlade ti. Und was sagst du ihm? — Ja, sage Ihm, daß mich die Sehnsucht plage. Sag ihm, — Blüten trägt mein Garten, Keiner kommt — die Blüten warten; Äpfel blühen in den Zweigen, Doch der Reife fehlt der Segen. Sag ihm noch — vor lauter Sehnen Netz ich nachts mein Bett mit Tränen; Unter meinem weißen Nacken Lodert Nacht für Nacht mein Lacken. Sagt er min, darfst du nicht rasten, Alles liegt bereit im Kasten; WölV und Seide und im Schranke Zwanzig Stück der Hemden, blanke. Und auch Daunen, weich wie Butter, Hat geschenkt mir meine Mutter; Wagte oft nicht einzunicken, Um das Brautbett mir zu sticken. Um mein Baldachin schon hurtet Goldig-glänzend, wohlbewahr et Auch die Mitgift, — zur Feier , Schon bereit, — 100 ist mein Freier? Hokuspokus, Fried' und Segen! — Hört man’s Wiedehöpflein sagen: Heul' werd ich den Freier finden Und ihm dein Geheimnis künden. Werd' ihm von dir Grüße bringen Und im Traume ihn bezwingen. Plötzlich kommt er angeritten, Dich um deine Hand zu bitten. — Kommt und sagt: Da bin ick, Liebste Du bist mir die Allerschönste Ohne Mitgift; Sieh, ich habe Liebe nur als Morgengabe! Reichtum — Armut, Gold und Seide, Was bekümmert es uns beide! Nur du bist's, die mich entzücket, Du der Schatz, der mich beglücket! Schätze bring' auch ich als Freier: Schwarze Locken, Jugendfeuer, Dein ist beides, — Fried und Segen! Komm dem Bräutigam entgegen! ln der Nacht war auf gebrochen Wiedehopf den Freier suchen; Flog und flog durch ferne Flächen, Doch er hielt nicht sein Versprechen. Nacht und Morgen, viele Tage Kommen, gehen und ich frage Immerfort die Wolken bange: Warum zaudert er so lange! #) Aus der demnächst erscheinenden neuen Übersetzung der Gedichte Bialiks von M. K i e n b o 1 n. Möbliertes, separiertes Kabinett, Mezzanin, eventuell mit r i t u o 11 o r Pension sehr billig zu vermieten, ll.f Untere Augartenstraße 32,Tür10. Abisch Meisels hat guten Theaterinstinkt, er kann schreiben — und diese Fähigkeiten sind veredelt durch Herz und jüdisches Empfinden: Darum freut man sich, daß die Jüdischen Künstler spiele ihn wieder aufführen. „Ohne Zertifik-at nach Palästina“ und „Hallo, hallo, hier Radio Jerusalem", seine beiden Palästina-Revuen, haben den Spielplan des Theaters in der Praterstraße in der letzten Saison beherrscht und Sevilla Pastor spielt die beiden Stücke seither mit Erfolg im Osten. Freitag kommt das neue Stück von Abisch Meisels: „C hasse ne im Städte l" zur Uraufführung. Nach allem, was der Autor darüber verraten hat, kann man auch dieser Revue eine schöne Karriere versprechen. Diesmal wandert Meisels wohl nicht nach Palästina, aber er wäre nicht der, der er ist, wenn er in irgend einem seiner Werke die nationale jüdische Idee beiseite ließe. Die neue Revue spielt vom Anfang bis zum Ende im Osten: dort zeigt Meisels diesmal, wie jüdische Jugend, entgegen allen Vorurteilen, auf den nationalen Weg gelangt und wie sie sich gegen alle Vorurteile durchsetzt. Es wird ein Stück voll plötzlicher und witziger Wendungen sein. Aber Meisels’ Geist und Charakter bietet die Gewähr, daß es nicht jüdische Selbstpersiflage sein wird, sondern echter, jüdischer Humor. Man wird in diesem | Stück viel lachen können, ohne sich aber schämen zu müssen. Es gibt überraschende Verwicklungen mit noch überraschenderen Lösungen, es gibt köstliche Figuren, wie sie nur der Osten produziert. Es gibt mächtige Aufregungen im Städtel, das infolge eines grotesken Mißverständnisses Rothschilds Millionen erwartet und natürlich nicht bekommt. Es gibt eine Unzahl von Konflikten, die sich teils dramatisch, teils komisch lösen. Im chassidischen Milieu loird der aus Palästina zu Besuch kommende Chaluz (er wird von Seid er m a n n gespielt), weil er Iwrit spricht, nicht verstanden uncl als Schegez bezeichnet und behandelt. Eine gute Figur wird Dolly Nachbar auf die Bühne stellen: Einen Ostjuden, der vor längerer Zeit nach Wien ausgewmdert ist und jetzt ins Städtel kommt, aber überhaupt nur mehr Wiener Dialekt verstehen will. Er spricht in diesem Idiom mit seinen östlichen Landsleuten, die natürlich alles verkehrt auffassen. (Amüsant ist, daß Dolly Nachbar im Leben gerade den umgekehrten Weg gemacht hat. Er ist „bodenständig“ in der Brigittenau und hat erst im Jüdischen Theater Jiddisch gelernt.) Die Revue ist reich ausgestattet mit ostjildisehen und palästinensischen Melodien. Der musikalische Teil ist das Werk von Max Lubetzky. Die Bühnenbilder hat Szafrenko entworfen. Er wird seine Kunst besonders im letzten Bild, der Chassene, zeigen können. Das wird nämlich nicht die übliche, nur angedeutete Bühnenhochzeit, sondern eine richtige, von Anfang bis zum Ende naturgetreue ostjüdische Chassene sein. * Die neue Revue wird von Freitag an täglich gespielt, auch Samstag und Sonntag nachmittags bei kleinen Preisen. Am 25. Dezember nachmittags findet die 25. Aufführung der Operette „Der Radiosängef* statt. Tuest Xukomski: Alte In der Jüdischen Kulturstelle hielt der Kunctreferent Hugo Friedmann einen höchst bemerkenswerten Vortrag über das Werk eines nichtjüdischen russischen Künstlers und Kunstschriftstellers, der mit seltener Liebe und Auf« Opferung seine künstlerische Forschungsarbeit den alten Synagogen Europas gewidmet hat. Fürst Georg L u k o m e k i hat schon während seiner Tätigkeit als kaiserlich-russischer Konservateur am Zarskoje Selo vor allem für den! Synagogenbau des Ostjudenfrums Interesse bekundet und darin eine spezifisch jüdische1 Kunstform erblickt. Handzeichnungen Lukom« ßkis geben die seltsamen Stein- und Holzsynagogen Wolhyniens, Podoliens und Litauens wieder, deren Eigenart die neueren Kunst« historiker beschäftigt, ohne daß man bisher, eine genügende Erklärung dafür gefunden hat. Denn während den Synagogen der Diaspora im Westen Europas ein nationaljüdischer Charakter ebensowenig anzuspreehen ist, wie etwa den in hellenistischer Bauform errichteten Gotteshäusern in Galiläa und Mesopotamien, sind die Steinsynagogen Polens: vier« eckige Zentralbauten, von vier Pfeilern gestützt, in deren Mitte sich die Bima (Almemor) befindet, sicherlich als eigennationale jüdi« sehe Kunstform zu werten. Häufig sind es übrigens feetungsartige Wehrbauten, denen in Kriegszeiten die Aufgabe zufiel, die Angehörigen der Gemeinde aufzunehmen und zu schützen. Von diesen Steinbauten verschieden sind die Holzsynagogen mit ihren pagoden« artigen Dächern. Auch sie sind sowohl in ihrer Anlage als auch in ihrer Innendekoration eine durchaus jüdische Kunstform. Wie erklärt man aber die Form der Dächer, die an chinesische und japanische Tempel erinnern? Friedmann meint, daß die Hypothese, wonach diese Form auf chazarische (mongolische) Einflüsse zurück« zuführen sei, durchaus einer wissenschaftlichen Grundlage entbehre und wohl nur ein roman« tischer Wunsch sei. Prächtige Lichtbilder von spanischen, italienischen, russisch-polnischen Synagogen nach Kreidezeichnungen Lukomskis bereicherten den interessanten Vortrag. Fürst Lukomski, der selbst mit einigen Worten über seine Arbeiten berichtete, bereitet eine große Monographie „Alte Synagogen Europas vom 11. bis 18. Jahrhundert“ vor, die seine Arbeiten aus Osteuropa, Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Holland und England sowie kunsthistorische Abhandlungen von Autoritäten enthalten und sicherlich eine große Lücke in unserem Wissen um unsere kulturelle Vergangenheit würdig ausfülleu wird. Dr. A. W. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Unentgeltliche Studienberatung für Mittelschüler. Eltern von Mittelschülern, die einen ungünstigen Fortgang in der Schule aufweieen, finden unentgeltliche fachmännische Beratung im Verein „Studienhilfe“, IX., Garnisongasse 3 (Telephon A 20-4-48), Leiter der Studienberatung: Hofrat Dr, Heinrich M o n t z k a, Gymnasialdirektor i. P., und Dr. Alfred N at h a n s k y. Fachpsychologische Prüfung und Erziehungsberatung durch Dr, E. Dichter. Sprechstunden jeden Mittwoch von 10 big 11 Uhr vormittag«. Samstag, 23. Minner 1937: QjjJjß Kartenbestellung im Zionistischen Landesverband,)., Marc-Aurel-Straße 5; Tel. U 22-2-11 Palästina das jüdische Schicksal

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