Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 606 (24.12.1936)
- Date
- 1936-12-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seit« Z 018 STIMM! Nr. 606 — Wiera, Donnerstag, 24. Dezember 1090 Vor der Königlichen Kommission „Verschwundener Boden“ Jerusalem, 20. Dezember. Vor der Königlichen Kommission führte der Sach verständige der Jewish Agency, Bernhard Joseph, Klage, daß die Regierung nicht die notwendigen Sohritte ergriffen habe, um ihren Bestand an Staatsländereien zu erhalten. Es waren noch weitere 2 bis 3 Millionen Dunam Ödland vorhanden, die scheinbar einfach verschwunden sind. Der Zeuge lenkte die Aufmerksamkeit der Kommission auf das noch heute bestehende türkische Bodengesetz, wonach ein Fellache, ■der behauptet, zehn Jahre lang ein der Regierung gehörendes Grundstück bearbeitet zu haben, Anspruch auf Eigentümerreohte erheben kann. Die Kommissionsmitglieder waren erstaunt, zu erfahren, daß der Fellache nur ein vom Dorfältesten und zwei Notabein Unterzeichners Schriftstück vorzuweisen braucht, um das Eigentumsrecht auf das Grundstück zu erwerben. Herr Joseph sprach die Vermutung aus, daß die auffallende Verringerung der Staatsländereien, die sich in den von der Regierung angegebenen Ziffern widerspiegelt, sich wohl daraus erklären lasse. In Iso Jahren.•• Sodann wandte sich Herr Joseph der Frage der geplanten Beschränkungen der Bodenkitufe zu, "wobei er die Motivierung der Regierung einer scharfen Kritik unterzog. Bis jetzt hätten die Juden nur 5% der gesamten Bodenfläche Palästinas erworben; wenn das so weiterginge, so werde es 150 Jahre dauern, bevor die Juden die Hälfte der Bodenfläche des Landes ihr eigen nennen können, wobei der Bezirk Beersheba noch gar nicht inbegriffen wäre. Auf eine Frage Sir Hammonds erklärte Herr Joseph, daß, den Angaben der Regierung zufolge, weniger als 200 arabische Kleinbauern im Laufe der letzten 15 Jahre landlos gemacht worden 6eien. Gebt den „wertlosen“ Boden uns! Der Zeuge beschwerte sich darüber, daß <lie Regierung von 17 Millionen Dunam nicht anbaufähigen Bodens spricht, ohne den Juden die Möglichkeit zu geben, diesen Boden zu erwerben. Man möge doch diesen! angeblich wertlosen Boden den Juden überlassen; sie würden ihn schon brauchbar und wertvoll machen. Die Citrus-Industrie Der Präsident des Verbandes der palästinensischen Exporteure und Direktor der Jaffa Citrus Exchange, Ing. Samuel Tolk o w s k y, äußerte sich über die Lage der Citrus-Industrie. Er forderte insbasondere die Fertigstellung der Straße Jaffa — II a i f a, die Errichtung von Packhäusern und die Bereitstellung anderer technischer Einrichtungen für den Citrusexport. In dieser Saison würde Tel-Aviv eine Million Kisten verladen. Die Ernte des Jahres 1936 schätzte der Zeuge auf 9 Millionen Kisten; diese Anzahl würde sich binnen der nächsten Jahre auf 22 Millionen Kisten jährlich erhöhen. Tolkowsky verlangte schließlich die Einführung von Vorzugszöllen für palästinensische Orangen inner halb des British Empire. Teil der Stadt durchschritt; jedes Kind trug eine brennende Kerze. In sämtlichen Fenstern waren angezündete Ohanukkah-Lampen sichtbar. Die von einer schaulustigen Menge gefüllten Straßen boten ein festliches Bild. Dr. W e i z m a n n wohnte einer Chanukkah-Feier für 1000 Kinder bei, die in der Jeschurun-Synagoge zu Jerusalem abgehalten wurde, und wurde von den Kindern bejubelt. In einer kurzen Ansprache gab er seiner Überzeugung Ausdruck, daß sie die Erfüllung der jüdischen nationalen Hoffnungen mit eigenen Augen schauen werden. Optiker RUDOLF HAAS & COMP. WIEN« II., PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÖR BRILLENOPTIK Sonderbericht der „Stimme" aus Erez Israel Geist und Arbeit Schutzzölle für die Industrie! Der Präsident der palästinensischen Han delskammer und Generaldirektor der Anglo- Palestine Bank, H o o f i e n, forderte Regierungsunterstützung für die Industrie und unterstrich wiederum, daß die .arabischen Bauern auf die jüdische städtische Wirtschaft für den Absatz ihrer Produkte angewiesen seien. Er verlangte Schutzzölle unter Hinweis darauf, daß der in Palästina erhobene Höchstzoll für irgend eine bestimmte Warengattung noch immer niedriger sei als die in anderen Ländern bestehen den Zölle für dieselben Waren. Durch Gewährung von Hilfe an die jüdische Industrie würde der arabischen Wirtschaft kein Schaden erwachsen. Vegetarische Küche -raa Diätküche, Milchspeisen, Büfett, Fischspezialitäten Menü S 1*-, l*ÄO. 2*- im Abonnement 107o billiger Wien, II., Hermlneng. 10, Ecke Franz Hochedlingerg. 19. Schöner Saal für Festlichkeiten. — Samstag geschlossen Iraks Absage an Araber-Komitee Jerusalem, 20. Dezember. Aus Bagdad wird gemeldet, daß die irakische Regierung nicht geneigt ist, sich an der vom Arabischen Obersten Komitee organisierten Konferenz zu beteiligen. Die Regierung hat keine Lust, noch weitere Summen zugunsten der Palästina -Araber auszugeben, nachdem sie bereits beträchtliche Beträge im Zusammenhang mit Jen Unruhen hat zahlen müssen; ferner ist mit den internenAngelegenheiten Iraks zu sehr beschäftigt, um sich aktiv für Palästinas Probleme zu interessieren. Überfälle auf luden Jerusalem, 20. Dezember. Auf jüdische Arbeiter, die von der Arbeit in Kfar Saba nach Meshek Haotzar zurückkehrten, wurden von Arabern Schüsse abgegeben; glücklicherweise wurde niemand getroffen. Jüdische Arbeiter, die zum ersten Male seit den Unruhen in einer Pflanzung im Bezirke Hedera arbeiteten, wurden von bewaffneten Arabern überfallen und ausgeraubt. Schlägereien zwischen Arabern Zu blutigen Schlägereien kam es in dem Dorfe Tireh bei Ramleh, wo eine Gruppe von Aufwieglern einen Dorfbewohner beschuldigte, Bodenkäufe für Juden vermittelt zu haben. Die gesamte Einwohnerschaft des Dorfes nahm teils für und teils gegen den Beschuldigten Stellung, und es kam zu einem wilden Handgemenge, wobei Gewehre und Dolche benutzt wurden. Vier Dorfbewohner wurden schwer und zahlreiche Personen leicht verletzt. Der Polizei gelang es schließlich, die Menge auseinanderzutreiben, wobei 20 Personen verhaftet wurden. In Jaffa kam es zu Streitigkeiten zwischen mohammedanischen und christlichen Arabern, die von der Polizei rasch auseinandergetrieben wurden. Bibliotheks-Gebäude in Tel-Aviv Tel-Aviv, 17. Dezember. (JTA.) In Anwesenheit de« Bürgermeisters Rokach fand in Tel-Aviv die Einweihung des neuen Gebäudes für die Städtische Bibliothek statt. Das Bibliotheksgebäude wurde der Stadt von dem Gründer der Gesellschaft „Mermcha wenachla“ und ehemaligen Direktor der Weinkellerei in Riscbon le Zion, Wolf Gluskin, zur Verfügung gestellt. Die Stadt ließ auf da« Gebäude, das ursprünglich Olutskins Wohnhaus war, zwei Stockwerke aufsetzen, so daß genügend Raum zur Unterbringung der 30.000 Bände geschaffen wurde, die die Bibliothek heute besitzt. Nur noch britische Pollzelkommissäre Jerusalem, 20. Dezember. (JTA.) Zum Neuen Jahr «ollen sämtliche Polizeistellen in den l.an lbezirken Palästinas der Leitung britischer Polizeikotumi««Ure unterstellt werden. Bisher wurden diese Polizeiposten in der Regel von jüdischen oder arabischen Kommissären geleitet. Der bekannte Polizeihauptmann Rice, der schon «eit vielen Jahren in der Palästinapolizei Dienst tut und zuletzt die politische und Kriminalabtellmig leitete, ist auf einen Posten in einer englischen Kolonie in Afrika abberufen worden. Toscanini und Huberman in Palästina Jerusalem, 20. Dezember. (JTA.). Arturo T o s c a n i n i, der die ersten Konzerte des neuen Palästiria-Syinphonieorchester« dirigieren wird, und der Gründer des Orchesters, ßronislav Huberman, «ind am 17. Dezember im Flugzeug in Palllßtina eingetroffen. Chanukkah in Erez Israel Am 14. Dezember abends fand in Tel- Aviv die bereit« zur Tradition gewordene Ohanukkah-Feier «tatt. Tausende singender Schulkinder, angeführt von Pfadfindern mit brennenden Fackeln und von Manschuiutsik, bildeten zwei Pp •" < unieu, von denen eine den nördlichen, die andero den südlichen —y Tel-Aviv, Ende November. Das Phänomen dieser Stadt mahnt zur Vorsicht. Sie ist enthusiastisch gepriesen und leidenschaftlich verdammt worden. Sie war vor 20 Jahren noch kaum mehr als ein Dorf, sie ist heute noch im Wachsen und wird morgen ihren besten Kennern Neues noch Unbekannte« bieten. Aber was «ich stets fragt, ist: Welche Funktion hat Tel Aviv im Aufbau des jüdischen Landes? Ist es mehr als eine Demonstration der stadtbildenden Fähigkeit der Juden, ihrer Reife zur Selbstverwaltung? Tel-Aviv ist jüdisch an und für sich. Es hat derzeit 180.000 Einwohner, reicht von der Nordgrenze Jaffas bis an den Jarkon einen Fluß, dessen hebräischen Namen die englische Verwaltung bis heute noch nicht zur Kenntnis genommen hat, sie nennt ihn weiter Audscha. Eine Wallmauer, von einem Leuchtturm gekrönt, im Sechestern, ist das Wappen der Stadt, ein fliegendes Kamel ihr Zeichen. So ist auch die Stadt eine feste Stütze des Aufbaues, ein Zentrum des Willens und Strebens; beides aber nicht im ausschließlichen und bestimmenden Sinn Die Kolonien sind ihr an Zukunftsbedeutung überlegen, als Stadt des Handels und als Verkehrsstraße ist Haifa wichtiger. Vom Standpunkt der städtischen Architektur versagt Tel-Aviv .vollkommen. Die Straßen die von brausendem Leben erfüllt sind haben keine Persönlichkeit. Man hat manchmal den Eindruck, als habe jemand den Steinbaukasten zu Rate gezogen. Die Häuser stehen für sich allein, sind reine Zweckbauten; umlaufende, vorspringende Baikone flache Dächer, das ganze rein auf den Zweck der rasch notwendigen Unterkünfte' gestellt. Gewiß hat hier das Klima sein Wort sprechen müssen. Aber die Verwendung von Kunststein und Beton, statt des sicherlich viel teueren Kalksteins, den zum Beispiel Haifa verwendet, hat ganzen Straßenzügen den Charakter des Improvisierten gegeben. Zur Entschuldigung mag das Tempo des Wachstums gelten, da-s ein methodisches Vorgehen nicht duldete. Jetzt, wo eine Atempause eingetreten ist, beginnt auch der planende Architekt zu Worte zu kommen. Aber solche Erwägungen treten beiseite, wenn man die Stadt1 als Ganzes Auf sich wirken läßt, wenn man die Allenby-, die HerzI-, die Ben-Jehuda-Straße durchwandert, sich durch das flutende Treiben bei der Moghrabi-Oper mit ihrer orgelähnlichen Front windet oder aufatmend vor dem stillen Bialik-Haus beim Rathaus sich wiederfindet. In dieser Stadt haben Achad Haam, Bialik und Dizengoff gelebt, Former des jüdischen Antlitzes von heute; in dieser Stadt strömt alles eigenwillige, in die Zukunft weisende geistige und kulturelle Sinnen zusammen, hier kulminiert der Trotz, einer Welt von Feinden entgegen Neues und Dauerndes zu schaffen. An den Strand von Tel-Aviv schlagen die Wellen des Mittelmeers; nach Norden zu schließen sich ganze Ketten von jüdischen Siedlungen bis zur Scharon-Ebene; nach Osten bis zur Eisenbahn, nach Süden bis zur Schefela Senke immer wieder jüdische Dörfer, Siedlungen, Gehöfte — und alle diese holen sich und empfangen ihre Energie von Tel-Aviv, Sie ist, diese Stadt, eine Zusammenballung menschlicher Geisteskraft, deren Ausstrahlung weit hinaus wirkt ins Land. Bibliotheken, Museen, Zeitungen, Schulen, Kurse — alles dient einem Zweck und ordnet sich alles unter, was bauen will. Und am Anfang jeder Tat. «tollt Tel-Aviv, auf dessen „altem“ Friedhof das Brüdergrab liegt mit den 1921 Gefallenen, unter ihnen Josef Brenner; daneben die Toten von 1929, weiter Mäx Nordau und Astosoroff. Welche Geschichte, welche Erinnerungen! In einem Gemeinwesen, das kaum 20 Jahre alt ist. Und heute ist dieso Stadt, wie in einem Fieber. Sio sieht auf den Hafen und feiert jeden neuen Motor Bau, jeden neuen Schritt nach vorn als Ereignis. Und wahrlich mit Recht. Denn dieser Bau, dessen Fortschritt ganz Palästina mit Fanatismus ersehnt, ist aus dem Willen Tel-Aviv geboren. Er befreit das jüdische Land von Jaffa, diesem Brutnest des wahnsinnigsten Hasse«. Man fährt mit dem 4cr-Autobus hinaus zum Messegelände, geht an dem belgischen, tschechischen, polnischen und französischen Ausstellungspavillon vorbei, passiert eine Militärunterkunft,, tritt durch eine hölzerne Zauntüre und steckt plötzlich und unversehens zwischen einer Kamelkarawane, die kein bebarteter Schelk führt, sondern ein junger jüdischer Arbeiter mit dem Gesicht eines Universitätsstudenfcen. (Er war es auch wirklich früher in Rußland.) Der Erdboden ist lehmig; weite Schlammpfübzen stehen da, durchzogen von Rohr¬ und Kabelleitungen. Ein weites Bassin öffnet sich, aus dem Baggerkörbe Erdreich ausheben, das auf Lastautos weggeführt wird. Schutzwände ziehen im Viereck um das Bassin, nach dem modernsten französischen System aufgestellt. Die Steine sind von Drahtnetzen eingehüllt und fest zusammengebunden, so daß der Kalk mit der Zeit versintert und zu einer steinharten Masse wird, viel fester, aber auch billiger als Beton. Der Hafenbau ist derzeit nur als vorläufig gedacht. Er soll zunächst den Citrustrausport von Jaffa unabhängig machen und für etwa 200 Kähne von 15 bis 20 t Belastung Schutz bieten. Diesem Zweck entspricht die Form des Beckens, welches mit Staumauern umgeben ist. An einen Personenverkehr wird einstweilen noch nicht gedacht; der Ladeverkehr wird noch dieser Tage aufgenomiuen; die Arbeiter haben es geschworen. Neben dem Hafen bauen und hämmern sie an einer Halle, die in Eisenkonstruktion, 120 m lang und 20 m tief, die Orangenkisten aufnehmen wird, die in Lastautos von der Straße her herangebracht werden. Die Arbeiten, die zirka 160.000 Pfund erfordern, werden von 300 Arbeitern Tag und Nacht durchgeführt. Geleitet werden sie von einem Konsortium, an dessen Spitze Ingenieur G r ü n b 1 a 11, der Erbauer des Hafens von Mersina (nebenbei der Schwiegersohn Max Nordaus), steht. Die Aufsicht führt der Stadtingenieur Schiffmann. Die Unterwasserbauten leitet der Wiener Ing. Panefch. Die modernsten Hebemaschinen und Kräne stehen in Verwendung bei diesem Werk jüdischen Ernstes. Drei Brandanschläge sind von Arabern bereits versucht worden, aber die Wachsamkeit der jüdischen Arbeiter bat größeren Schaden verhütet und sie wird in etwa sechs Monaten das Problem zur endgültigen Erfüllung bringen. m’OBEL-UI'NTER für Gelegenheltsklufe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei Lerdienfelderstraße Telephon: A 21-5-31 Kurze Palästina-Nachrichten Die hebräische Presse protestiert gegen die Weglassung von wichtigen Gesetzen aus der soeben veröffentlichten Palästina-Gesetzessammlung. So fehlt ln dem Band zum Beispiel das 1920 erlassene Gesetz, wodurch die drei offiziellen Sprachen Palästinas anerkannt wurden, sowie das Abkommen zwischen England und den Vereinigten Staaten, mit welchem letztere das Mandat anerkannten. Der Leichter-Hafen von Tel-Aviv Ist nunmehr fertiggestellt worden. Am 22. Dezember wird man mit der Verladung von Orangen ah Tel- Avlv beginnen. * „Haaretz“ bringt eine unbestätigte Meldung, wonach die Regierung Ihre sämtlichen Abteilungen instruiert haben soll, keine Hauraner bei öffentlichen Arbeiten zu beschäftigen und für die Abschiebung von Hauranern über die Landesgrenzen £orge zu tragen. Diese Maßnahme soll angesichts der Aufrollung der Frage der illegalen Einwanderung von Hauranern vor der Königlichen Kommission beschlossen worden sein. Auch die Regierung von Transjordanien hat die Einwanderung von Hauranern nach Trans» j ordanlen verboten. # Die Tageszeitungen „El Liwaa“, das offl«. ziello Organ des Mufti, und „El Jamea el Isla« mia“, das Organ dnr istiklar-Partei, sind für drei Wochen verboten worden. Die „Adifaa“, das Blatt der Arabischen Verteidigungspartel, wurde für drei Tage verboten,