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Die Stimme · 1936-12-24 · Heft 606 (24.12.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 606 (24.12.1936)
Date
1936-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 606 Wien, Donnerstag, 14* Dezsmbar 1936 SO« Towotfi S697 SO. Jahrgang ‘‘Stimme Bruno Heilig: Friede den Mensehen FraneoiiolciPolen und Rumänien Nächste Abfahrt: 5.1.1937. Rückfahrt: 7.1.1937 Sonderzug BERLIN 7.1.1937 S 80*— tour-retour Poln. Verkehrsbüro „Francopol** III., Sohwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4*90 „tedok**, I., Kärntnerstraße 32, Tel. R 23-4*88 Gerngroß, VII., Mariahilferstr. 42, Tel. B 38*2-68 Weizmann wieder vor der Kommission Jerusalem, 20. Dezember. Dr. Weizmann sagte heute wiederum in einer geschlossenen Sitzung der Königlichen Kommission aus. Seine Aussagen, die den ganzen Vormittag in. Anspruch nahmen, sind noch nicht abgeschlossen und werden nächste Woche 'fortgesetzt werden. Am Montag werden Vertreter der Agudath Israel vor der Kommission erscheinen; später folgen dann die Aussagen von Revisionisten. Königliehe Kommission bis Ende Jänner Wie die Palcor erfährt, wird die Königliche Kommission Ende Jänner ihre Arbeit beenden und Palästina verlassen. Besonders billige Sonderfahrt »PoleiUzemitz Abfahrt: 5. Jänner 1937, mit der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung“ Anmeldungen ausschließlich: ReisetiUro „Marlenbrttcke“, I., Rotentunnstr. 26, Telephon R 24-2-86/87 Emir Abdullah und die Kommission Jerusalem, 16. Dezember. (Palcor.) Das Arabische Oberste Komitee hat den Emir Abdullah ersucht, nicht die Königliche Kommission nach Amman einzuladen, da deren Besuch geeignet sei, die Boykott-Entschlossenheit der Araber zu schwächen. Der Emir wies in seiner Antwort darauf hin, daß er gegen den Boykott der Kommission sei, und daß er den Kommissionsmitgliedem, die Trans Jordanien besuchen wollen, nicht die Aufnahme verweigern könne. Judenstaatspartei will vor die Kommission Warschau, 20. Dezember. (JTA.). In einer offiziellen Mitteilung der Judenstaatspartei wird bekanntgegeben, daß entsprechend dem Beschluß der Weltexekutive, von ihrer in oiuiiiiiiuiiuiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuiiiiinuiuiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiuiiiiuiiiiiiiiiiii' VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTBASSE 6 Wien präzisierten Stellung zur Kgl. Kommission abzugehen, das Exekutiv-MitgJied Baritch W o i n e t e i n aus Warschau nach Palästina abgereist ist. Weinstein hat an der Festlegung dor Stellung der Judenstaatspartei zu allen zionistischen Problemen, wie sie vor der Kgl. Kommission bohandelt wer* don sollen, mitgearboitet. llllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!llllllllllllllll(|llllll!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII erscheint auch nächste Woche wegen der Weihnachten und des Neujahrstages e i n m a L in verstärktem Umfang. Sie wird wieder Donnerstag früh per Post nugcstclH und ist Mittwoch nachmittags im Einzelverkauf zu haben. i>ie christliche Welt feiert eines ihrer größten Feste: Weihnachten. Es ist nicht unser Fest, wir nehmen nicht daran teil, aber .wir nehmen es zur Kenntnis und wir sehen uns veranlaßt, einmal aus dem Geist dieses Festes heraus zu denen zu sprechen, die es feiern. Die Christen singen an diesem Tag ein Lied, in dem die schönen Worte Vorkommen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Mensehen auf Erden.“ Hätte ein Jude diese Gedanken formuliert, er hätte es wohl klarer in dem Sinn getan, daß er zum Ausdruck gebracht hätte, es sei die schönste Ehrung Gottes, wenn alle Menschen auf Erden in Frieden leben. Der Jude handelt gottgefällig, wenn er gut ist zu den anderen Menschen, und die ga/nze jüdische Religion, die identisch ist mit der jüdischen Lebensauffassung, beruht auf dem Grundsatz, daß Gott von den Menschen nichts anderes verlangt als sittliches, menschliches Verhalten zueinander. Eine sittliche Ordnung, in der jedes Menschen Menschentum geachtet ist, eine Ordnung, in der jedem Menschen sein ihm von Gott gegebenes Recht wird, ist eine Gott gefällige Ordnung. * Friede den Menschen auf Erden... Die schönen Worte klingen heute wie ein Holm. Völker stehen gegen Völker, Rassen gegen Rassen, Klassen gegen Klassen, Menschen gegen Menschen. Es herrscht Unfriede in allen Beziehungen der menschlichen Ge-* Seilschaft, angefangen vom Unfrieden im weltpolitischen Maßstab bis zum Unfrieden zwischen den kleinsten Gruppierungen. So gotteslästerlich hat die Welt kaum noch je ausgesehen, wie sie heute aussieht. Gott in der Höhe wird von der heutigen Menschheit wahrhaftig nicht geehrt. Diese Welt leitet das Recht von der Macht ab. Darum kennt sie nur Unrecht. Darum ist es eine gotteslästerliche Welt. Wer schwach ist, wird als schlecht erklärt, sein Denken und Fühlen als verbrecherisch, und es wird ihm sein Lebensrecht genommen. Militärische und wirtschaftliche Macht herrschen, nicht aber die Sitte. An die Stelle der gottgewollten sittlichen Verpflichtung dem Mitmenschen und den menschlichen Gemeinschaften gegenüber hat die Welt das Recht auf brutale Durchsetzung des Interesses gesetzt. Wir sind'die Schwächsten in dieser Welt. Darum wütet die Gewalt hemmungslos gegen uns, darum ist unser Schicksal die schwerste Anklage gegen diese Welt und der bitterste und schärfste Hohn auf den schönen Weihnachtsvere. Das Schicksal der Juden ist jederzeit der Prüfstein für die sittliche Verfassung der Welt. Wir können der Gewalt auch nicht eine Spur von Gegengewält entgegensetzen, bei der Verfolgung der Juden muß man nicht Angst haben, daß man einen Gegenschlag erleiden könnte. Man kann mit den Juden tun, was man will. Und man tut, was man will. Aus ihrer Ratlosigkeit, aus ihrem Unvermögen, ihre eigenen Dinge richtig zu ordnen, flüchtet die Welt in den Antisemitismus. Von den sechzehn Millionen Juden der Welt sind allein in zwei Ländern, in Deutschland und in Polen, vier Millionen einer Verfolgung ausgesetzt, die unverhtillt die physiche Ausrottung anstrebt.. Weitere Millionen von Juden werden in Rußland geistig und seelisch unterdrückt. In andern Ländern Mittel- und Osteuropas ist die indirekte Vernichtung der Juden durch wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck im Gange. Über die Hälfte des Judentums der Erde lebt in arger Not und Bedrängnis. Wir können nicht verschweigen, daß zu den Ländern, in denen es den Juden schlecht geht, auch Österreich gehört. Sie werden planmäßig aus verschiedenen Gebieten der Erwerbstätigkeit verdrängt. Es gibt sogar ein großes Unternehmen, das schon praktisch den Numerus clausus eingeführt hat (und hunderte kleinere, die den Numerus nullus eingeführt haben). In den Uriruhemonaten: 6’A Millionen Uberschuß! Jerusalem, 23. Dezember. Der Finanzbericht der Palästina-Regierung für das am 31. Oktober 1936 abgeschlossene Halbjahr weist einen Überschuß von WA Millionen Pfund auf, das bedeutet gegenüber dem im April vor Beginn der Unruhen abgeschlossenen Halbjahr einen Rückgang von nur 14.195 Pfund. Nichts kann die gesunde Struktur des Jischuw besser beweisen als diese Tatsache. Mit dem Streik wollten die Araber das Wirtschaftsleben Palästinas lahmlegen, mit dem Terror die Juden entmutigen. Die Palästina- Regierung hatte in den Unruhen höhere Ausgaben als sonst. Trotzdem ist die Bilanz ihrer Gebarung nur um 14.000 Pfund schlechter als in den vorangegangenen ruhigen Monaten! Die Paritätsformel Jerusalem» 16. Dezember (Palcor).' Die von einer Nachrichtenagentur verbreitete Meldung, wonach das Kleine Aktions-Komitee eine „politische Paritätformel“ angenommen haben soll, entbehrt jeder Grundlage. Das Kleine Aktionskomitee konnte eine solche Formel nicht angenommen haben, da über einen diesbezüglichen Antrag gar nicht abgestimmt wurde. Die politische Formel, die tatsächlich angenommen wurde, war bereits anläßlich des 17. Kongresses von Nahum Sokolow vorgeschlagen worden und stellt fest, daß die Juden weder zu herrschen, noch beherrscht zu werden wünschen. (Diese Meldung bestätigt die von der „Stimme“ in ihrer Nummer vom 4. Dezember gebrachte Nachricht.) Jeden Samstag, Sonn-u. Feiertag Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Kapelle ISY GEIGER (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Beginn 8Uhr abends Burgerl. Preise Cafe Weghuber Sechzehn Millionen Menschen bedrückt von einer hundertfachen Übermacht: Es gibt keine schwerere Anklage gegen den Zustand dieser Welt. Die Juden werden die Anklagen, die man gegen eie richtet, nie anerkennen. Sie wissen* daß sie Menschen sind wie alle anderen Menschen und sie wehren sich gegen jede Entrechtung, denen sie unter den Völkern ausgesetzt sind. Sie kämpfen für ihre Gleichberechtigung in den Galuth, arbeiten an ihrer Umschichtung in der Galuth und arbeiten an der Wiedererrichtung ihrer nationalen Heimstätte im Lande ihrer Väter. Die Welt hat ihnen dieses Land als ihr Land feierlich zugesichert. Die Juden haben bewiesen, daß sie zur Verwirklichung ihres Zieles alles zu tun bereit und aiuch zu tun imstande sind, was an ihnen liegt. Die vierhunderttausend Juden, denen es gelungen ist, in Palästina eigenes jüdisches Leben zu beginnen, haben nationale und gesellschaftliche Tugenden entwickelt, durch die sie ihr Anrecht auf das eigene Land und auf das eigene Leben nochmals erworben haben. Die Welt sieht das, die Welt hat es gerade in den vergangenen Monaten einer schweren Krise wieder zur Kenntnis nehmen müssen. Heiliges Recht steht hinter uns, wenn wir die Welt immer und immer von neuem mahnen, daß sie ihr Versprechen erfülle. In Versammlungen englischer und nordamerikanischer Christen wurden Reden gehalten, die jeder Jude und jeder Zionist freudig bestätigen kann und die die gesamte christliche Welt in ihr Gewissen aufnehmen müßte. Die Welt müsse, so sagen amerikanische Christen, ihre moralische Qualität an der Erfüllung des den Juden gegebenen Versprechens erweisen. Palästina sei auch durchaus keine einseitige Angelegenheit Englands, alle Kulturvölker hätten den Juden gegenüber Verpflichtungen übernommen, denen sie nicht entrinnen können. Das waren Weihnachteworte, und die Menschen, die solche Worte gesprochen haben, dürfen mit Recht von der Ehre Gottes singen. Friede den Menschen auf Erden... Eine uralte jüdisohe Forderung. Eine Forderung, in der der ganze Geist der jüdischen Religion und der jüdischen Weltanschauung enthalten ist. Was wir gedacht und was wir geschrieben haben, war immer nur: Friede. Seit es Juden gibt, grüßen sie einander mit dem Wort Schalom, Friede. Es ist das Losungswort der neuen jüdischen Nationalbewegung. Wir wollen auf dieser Welt nichts anderes als Frieden, Frieden für alle und Frieden für uns. Das haben wir unseren christlichen Mitmenschen zu ihrem großen Fest zu sagen, 410.000 Juden in Palästina Tel-Aviv, 18. Dezember. (JTA.) Auf einer Massenkundgebung der Histadruth in Tel- Aviv wurde mitgeteilt, daß über 410.000 Juden in Palästina wohnen, davon sind etwa 100.000 Mitglieder der Histadruth. Im Verlauf von 1936 haben die Juden in Palästina mehr als 6 Millionen Pfund in die Palästina- Wirtschaft investiert, davon S}4 Millionen Pfund in die Landwirtschaft. Rn gleichen Jahre wurden weitere 10.000 jüdische Arbeiter in die jüdische Wirtschaft eingestellt* Gegenüber der Lage Ende 1935 hat rieh die allgemeine Ökonomische Situation, ebenso die Situation auf dem Aribeitsmarkt bedeutend verbessert.

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