Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 605 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«tlt# 4 Oll 8TIMMI Wien, Freitag, 18. Dezember 1936. — Nr. 605 gen, die gleichen Diskriminierungen mit gleichen Waffen wehren zu können.“ Treffend waren auch die Ausführungen des Redners über Patriotismus: „Wir lehnen es ab, über etwas zu sprechen und etwas zu beweisen, was für uns "üb selbstverständlich ist! Vaterlandsliebe uni | Vaterlandstreue ist wenigstens für unsj kein Disk ussionst hem a! Nicht der ist. ein Patriot, der von seiner Vaterlands liebe spricht und die Vaterlandsliebe schreiend verkündet, sondern der, der sie still durch Taten beweist) So haben wir es in der Vergangenheit gehalten, so halten wir es jetzt, und so wollen wir es auch in der Zukunft halten!“ Mit einem Appell zur Einigkeit schloß Hauptmann v. Friedmann die Rede, die wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen wurde, indem er sagte: „Juda Makkabi hat uns den Weg gewiesen, den .auch wir gehen müssen, wenn wir unseren Kindern ein menschenwürdiges Dasein sichern wollen. So wie Juda Makkabi müssen auch wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen und durch dag Gemeinschaftsgefühl beeinflußen. Unsere Arbeit kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir als Gesamtheit fühlen und als Gesamtheit arbeiten!“ Denkt an die jüdische Zukunft i Denkt an die Zukunft eurer Kinder f ik irr FÜR DEN AIFAL IIMAMI Medizinern 974 Juden; insgesamt entfallen | ken, daß ein erheblicher Prozentsatz der auf 9675 Hörer der Wiener Universität jüdischen Studenten aus dem Ausland ge- 1641 Juden, also 17 Prozent. Dieser hohe kommen ist, der eigentliche Prozentsatz der Prozentsatz der jüdischen Hochschüler ist österreichischen jüdischen Studenten ist, ein zum größten Teil auf die E i n s c h n ü Restaurant Billet "ws Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs a S 1*90 u. 2*60 H.,Hammerpurg$tal!gasse3 (nächst Sa’ztorbröcke) rung der Erwerb saussichten der jungen jüdischen Generation zurückzuführen, gibt aber dennoch1 der antisemitischen Presse Anlaß, die Ein-1 führuncr des Numerus clausus an den Hoch-j schulen zu verlangen. Hiebei ist zu bemer-1 erheblich geringerer. Von den österreichischen Universitäten ist die Innsbrucker Universität f a st j u d e n f r e i, dort sind nur sechs jüdische Studenten inskribiert. An der tierärztlichen Hochschule in Wien sind zwei Juden inskribiert. Die christlichen Araber In Palästina mehren sich die Zeichen einer Spannung zwischen christlichen und nur Nach dem Urteil in Chur Die Winterhilfsaktion der Kultusgemeinde Anläßlich der Eröffnung von zehn Ausspeisungsküchen im Rahmen der jüdischen Winterhilfeaktion der Jüdischen Kultusgemeinde Wien wurde der JTA-Korrespondenfc eingeladen, auf einer Rundreise durch alle Wiener Bezirke sich persönlich von der j Prozeßthemas Rücksicht genommen, nqph Großzügigkeit und Organisation der Winterj auf <üe Würde des Gerichtes und am aller- J1,~ T_ -1,‘_ wenigsten auf die im Verlaufe der Verhänd- Das Gericht in Chur hat den Angeklagten David Frankfurter zu 18 Jahren Kerker verurteilt. Es ist nicht anzunehmen, daß Frankfurter, der an Knochenfraß (Tuberkulose) leidet, noch la.nge leben wird. Die reichsdenitsche Presse, die vor dem Prozeß und zu Beginn desselben noch den Amtskläger riicksichts-los angriff und beschimpfte, machte im späteren Verlauf des Prozesses wie auf ein Signal hin eine entschiedene Schwenkung, lobte den Staatsanwalt und beschimpfte dafür den medizinischen Experten und den Verteidiger. Auch von dem Gerichtsvorsitzenden Dr. Ga nz o n i, der anfänglich von der reichsdeutsc-hen Presse als ein „verdatterter Greis“ geschildert wurde, erwartete die gleiche Presse einige Tage später ein „unbefangenes ' und gerechtes“ Urteil. Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt von böswilliger, absichtlich tendenziöser und falscher Berichterstattung, die kommandiert sei. Diese habe weder auf den Ernst des hilfsaktlon zu überzeugen. In allen zehn großen Ausspeisehallen drängten sich die Bedürftigen massenhaft, um das warme Mittagmahl teils in den Küchen selbst zu verzehren, teils es nach Hause für sich und die Familie mitzunehmen. Die Kostproben zeigten, daß die Speisen tadellos zubereitet werden. Täglich werden durch diese Aktion 1600 Personen unentgeltlich verköstigt. Im Rahmen der Winterhilfsaktion werden außer lung sich herauskristallisierenden Ereignisse. Man habe es in der Schweiz noch niemals bisher erlebt, daß über einen1 vor einem schweizerischen Gerichte zur Verhandlung kommenden Streitfall Hunderttausende von ausländischen Zeitungslesern vollständig falsch unterrichtet worden Seien. Nach dem Urteil veröffentlichten die deutdieser Ausspeisungsaktion folgende Wohl- , . ,, fahrtseinrichtungen den ganzen Winter hin-; sehen Blatter folgende Feststellung:. durch durchgeführt: Eine Kohlenaktion, eine1 d^s?1m,Urt®ll11lst f!er knmine 'Pr0' Lebensmittelpaketaktion, Tagesheimstätten zessuaie Teil des Falles Frankfurter abgefür schulpflichtige Kinder, eine Bekleidungsschlossen. Verschiedene wichtige Fragen aktion, eine Aktion „Jugend in Not“, Zinsmußten ungeklärt bleiben, ohne daß dies ein zahlungsausbilfe, Bargeldaushilfe für den Verschulden des Schweizer Gerichts wäre, geistigein Mittelstand, sowie Wärmestuben in Einer anderen Stelle muß es überlassen bleiallen Bezirken Wiens. Neben dieser Winterk®11* diese Fragen zu klären. W e nn je tz t der Angelegenheit annimmt, so kann niemand ihm den Vorwurf machen, daß es in ein schwebeudes Verfahren eingreift.1 In Deutschland wird die Theorie von einem jüdischen Mordkomplott unentwegt aufrecht, erhalten. Das offizielle Organ der NSDAP., der „Völkische Beobachter“, kündigt an, daß der Kampf für die völlige Hinaus stoßung der Juden ausDeutsch- 1 a n d rücksichtslos zu Ende geführt wer den wird. Millionen judenlietzerische Flugblätter werden jetzt von der Propagandazelle der NSDAP, überall in Deutschland verbreitet. .Der „Völkische Beobachter“ fordert, daß diese Flugblätter in jedes deutsche Haus dringen. Eines dieser Flugblätter zeigt die Karikatur David Frankfurters an der Leiche Gustloffs, darunetr den Text: „Ich habe ihn getötet, weil ich ein Jude bin.“ Darunter in Riesenlettern die Losung: „Reißt die Maske vom jüdischen Moidsystem herunter!“ Wie die JTA. meldet, gibt man in Berliner Diplomatenkreisen der starken Verwunderung Ausdruck, daß die deutschen regierenden Kreise den Prozeß in Chur zum Ausgangspunkt. einer Kampagne genommen haben, die in keinem Verhältnis zu der Dimension dieser ganzen Angelegenheit steht. Man muß schon an die Zeit zurückdenken, da Hitler Reichskanzler wurde oder da die deutschen Regimenter ins Rheinland einmarsehiert waren, um sich ähnlicher Presse- Orgien zu erinnern. In den diplomatischen Kreisen befürchtet man, daß diese einheitlich geleitete Pressekampagne den Boden zu einem neuen antijüdischen Kreuzzug in Deutschland bereiten soll. Die jüdische Presse in Deutschland bringt keine Zeile über den Prozeß in Chur. Wir stehen also offenbar vor einem neuen antihiifsaktion läuft gleichzeitig die normale Fürsorgetätigkeit der Kultusgemeinde. Alle diese Aktionen werden fast ausschließlich aus den Mitteln der Kultusgemeinde durchgeführt, da aus der allgemeinen Winterhilfsaktion, für die auch zum großen Teil jüdische Spenden einlaufen, nur ein Betrag von etwa S 10.000 der jüdischen Kultusgemeinde für ihre Winterhilfsaktion zugewieeen wird. Die Winterhilfsaktion der Kultusgemeinde wird mit S 150.000 präliminiert. Deutschland sich dieser Seite jüdischen Kreuzzug in Deutschland. flVÖBEL-PNTER für Gelegenhettsklufe WIm, VW* Stadthahnviadukt 23 bei lerdienfelderstrafle Telephon: A 21-5-31 Zwölf Prozent Juden an den Hochschulen Österreichs Wien, 10. Dezember. (JTA.) Nach der soeben erschienenen Statistik über die Frequenz der österreichischen Hochschulen im Sommersemester 1936 sind von den 18.095 Hörern aller zehn österreichischen Hochschulen (die Salzburger theologische Fakultät nicht mitgerechnet) 2043 Juden. Hievon entfallen auf die drei Universitäten 1688 Juden bei 14.091 Hörern, auf die technischen Hochschulen 222 Juden von 2590 Hörern und auf die sonstigen Hochschulen 133 Juden bei 1414 Hörern. Der Prozentsatz der Juden an allen Hochschulen Österreichs macht zwölf Prozent aus. An der Wiener Universität entfallen auf 2300 Juristen 251 Juden, auf 3580 Philoeojlben 416 Juden und auf 8596 Demonstiat on für Dr. Löwi In Stockholm Stockholm, 16. Dezember. (JTA.) Im Stockholmer Konzerthaussaal fand die feierliche Überreichung der Diplome für die Nobelpreise an die diesjährigen Nobelpreisträger durch den König Gustav V. von Schweden statt. Als der König dem diesjährigen Nobelpreisträger für Medizin, Prof. Dr. Otto Löwi aus Graz, das Diplom und die goldene Nobel-Medaille überreichte und dazu dem jüdischen Gelehrten den persönlichen Glückwunsch aussprach, erhob sich das Publikum und applaudierte stürmisch dem Forscher. Die Begrüßung Prof. Löwis durch die anwesenden Gäste unterschied sich von der Begrüßung der übrigen Nobel- Preisträger durch eine besondcreHerzlichkeit, was allgemein als Demonstration gegen den nationalsozialistischen Rassenwahn empfunden wurde. Der Preisverteilung wohnte auch der schwedische Oberrabbiner Dr. Marcus Ehrenpreis bei. Der Vorsitzende des Nobel-Komitees, Regierungspräsident Hammerskjöid, erinnerte in einer Rede an die Worte in Nobels Testament, daß bei Verteilung der Preise keine RassenundVölker unterschiede gelten sollen. Der Lohn für Olympiajuden Basel, 13. Dezember. (JTA.) Während der Berliner Olympiade hatte Herr von Tschamraer-Osten angekündigt, daß alle olympi- ^vollzogen. sehen Sieger zum ewigen Angedenken dadurch geehrt werden, daß ihre Namen in das deutsche olympische Stadion eingemeißelt werden. Jetzt meldet die Basler „National- Zeitung“, daß die zwei ungarischen Olympioniken Kab o s und Kdrpäti, weil sie Juden sind, nicht berücksichtigt werden. Die „National-Zeitung“ bemerkt, daß dies „einer Fälschung der neuzeitlichen Geschichte“ gleichkomrat. Es ist anzunehmen, daß auch die übrigen jüdischen Olympiasieger nicht berücksichtigt wurden. * Man braucht sich nicht zu sorgen: Tat trägt in sich ihren Lohn... mohammedanischen Arabern. Die nach den Unruhen durch die mohammedanischen Araber begonnene, gegen die Juden gerichtete Boykottbewegung wird auf die christlichen Araber ausgedehnt. Jugendliche mohammedanische Araber bemühen sich, ihre Glaubensgenossen vom Betreten christlich-arabischer Geschäfte abzuhalten und fordern die Kauflustigen auf, nur bei Mohammedanern zu kaufen. In don letzten Tagen wurde ein von mohammedanischen Chauffeuren Unterzeichneter Aufruf an die Mohammedaner, die von christlichen Arabern geleitete Nationalo Autobus-Gesellschaft zu boykottieren, in Jerusalem verbreitet. Es handelt sich um eines der größten arabischen Unternehmen im Lande. Es handelt, sich hier um Auswirkungen des Christenmassakers in Beirut. Unter den mohammedanischen Arabern Palästina« zirkuliert ein neues Sprichwort: „Nach dem Samstag kommt, der Sonntag.“ Das will sagen: „Erst, vernichten wir die Juden und dann die Christen.“ Das ist der Dank der Mohammedaner für die Schützenhilfe der christlichen Araber, besonders für die in den Tagen der Unruhen. Die christlichen Araber werden gut daran tun, ihre bisherige verfehlte Politik einer Revision zu unterziehen. Ihre natürlichen Verbündeten sind die Juden, die ihre religiösen und bürgerlichen Rechte respektieren. Das Massaker in Beirut ist eine deutliche Warnung für die Christen in Palüstina. Nach den amtlichen Schätzungen betrug die Bevölkerung Palästina« am 30. September 1936 ohne das Militär und ohne die Beduinen 1,279.410 Menschen. Davon waren 784.711 Mohammedaner, 376.786 Juden, 106.595 Christen und 11.258 Angehörige anderer Bekenntnisse. Im dritten Quartal 1936 betrug die schätzungsweise Bevölkerungszunahmo der Mohammedaner 2982, die der Juden 6303 und die der Christen 121. GROSSFLEfSCHHAUERE t SIEGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 rELEPHONNUMMEIV A 17-3-99 und A lfi-9-34 Lieferant tür Heilanstalten Abteilungen t. n^j-Fleiidi untei Aufsicht das Ehrwürdigen Rabbinatsder Israelitischen Kultusgemeinde Wien Autosustollung kostenlos IX.,Berggas8e 15, XVIII.,Währingerstraße 71 Jede Goerings Bruder in der österreichischen Filmproduktion Ingenieur G o e r i n g, ein Bruder des Ministerpräsidenten Goering, wird in der österreichischen Firma Tohie-Sasoha künftig die Stellung eines leitenden Direktors bekleiden. Ing. Goering ist seit vielen Jahren Chef der Einkaufsabteilung der Tobis- Sasoha-A. -G. in Wien. Die Generalversaimmlung, die am 14. Jänner stattflndet, wird seine Ernennung zum Generaldirektor beschließen. Mit der Einsetzung Goerings und dem Ausscheiden des letzten jüdischen Verwaltungsrats und Geschäftsführers Doktor V i d o r, der bereits seinen Kündigungsbrief in Händen hat, ist die Gleichschaltung des größten österreichischen Filmkonzerns Die Schönheit der Rasse „Der Atmungsunterschied zwischen Ein- und Ausatmung betrug bis zu 75 Prozent zwischen zwei bis vier Zentimeter, während er sich normalerweise zwischen acht und neun Zentimeter bewegen soll. Bis zu 75 Prozent war die Rückenbildung schlecht und die Wirbelsäule in irgend einer Form verkrümmt. Vom Zustand der Füße konnte festgestellt werden, daß bis zu 90 Prozent verbildete Füße hatten. Hiervon waren 60 Prozent Senkfüße, 10 Prozent Spreizfüße, 5 Prozent Plattfüße und 2 Prozent Hohlfüße. Bei einem Gau wurden sogar 70 Prozent Plattfüße festgestellt.“ Dieses Ergebnis der Untersuchung von Jugendlichen in Deutschland verkündete beim Reichsbaueratag in Breslau der Reichsbauernführer Darrö. Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei festgestellt, daß Darre nicht über die jüdische, sondern über deutscharische Jugend referierte. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.190, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Redaktion und Administration: Wien, I„ Marc* Aurel-Straße 5. Tel.: U 22-3-91. RedaktionsschluQ Montag und Mittwoch vormittags. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, 1., Marc-Aurel-Straße 5. — Verantwortlicher Redakteur: Alfred Oswald Rosegg, Wien, I., Maro-Aurel-Straße ö. — Druck: Veroay A. G., Wien, IX.. Canisiusgasse 8—10. Die Winterhilfe der Kultusgemeinde hat begonnen, spendet reichlich I Postsparkassen-Konto: B 29.659