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Die Stimme · 1936-12-15 · Heft 604 (15.12.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 604 (15.12.1936)
Date
1936-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIB STIMME Nr. 604 — Wien, Dienstag, 15. Dezember 1036 Ztonistentagung in London „Wir besitzen das Wort aller Kulturvölker!" London, 13. Dezember (JTA.). In der Shoreditch Town Hall ver* anstaltete die Zionist Federation for Great Britain and Ireland gemeinsam mit der britischen Abteilung der Jewish Agency for Falestine eine Massenkundgebung, in der dem Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, das feste Vertrauen in seine Führung und die Anerkennung für seine Darlegung der Jüdischen Sache vor der Königlichen Kommission ausgesprochen wurde. 75.000 Pfund für Mifai Bizzaron Lady Reading erklärte, diese Versammlung finde in einer Zeit ernster Sorge und außerordentlicher Bedeutung für das jüdische Volk statt. Für den Palästina-Notfonds müsse in England eine Quote von 75.000 Pfund aufgebracht werden. Rev. M. L. P e r 1 z w e i g wies auf das Anwachsen der Judenfeindschaft in Ländern bin, denen eine solche Stimmung früher unbekannt war. Deshalb werde es immer wichtiger, daß die Juden ein Land besitzen, in das eie kraft Rechts, auf Grund alter Hoffnungen und gehorsam einer hohen Bestimmung kommen können. England braucht die Juden I Lord M e 1 c h e 11 befaßte sich mit der Ansicht, daß freundlich gesinnte arabische Staaten und eine wohlwollende mohammedanische öffentliche Meinung im ganzen Reich für dieses einen Machtzuwachs bedeuten würden. Dem sei entgegenzuhalten, daß wir Juden nicht mit leeren Händen kommen. Mit unserer Energie, unserem Enthusiasmus und unserer Loyalität, sagte Lord Melchett, sind wir imstande, im nahen Osten einen Staat zu gründen, ein Land, das für die künftige Entwicklung des Reiches von unschätzbarem Wert sein wird. Eine neue millionenstarke Bevölkerung britischer Bürger an einem lebenswichtigen Punkt der Welt wird eine wirkliche Rolle spielen können in der Entwicklung des Reiches, seiner Kultur und beim Schutz der Reichsinteressen, falls dies notwendig werden sollte. Allzu häufig, fuhr Lord Melchett fort, ist j in letzter Zeit von einem Bruch des gegebe-; nen Wortes der Nationen die Rede. Die Entwicklung des jüdischen Nationalheims' ist ein Versprechen nicht nur Englands und j des Reiches, sondern aller Kulturstaaten an I anbaufähige Bodenfläche Palästinas) für ihre Existenz braucht., könnte von 1,500.000 Dunarn bewässertem Boden leben. Ferner erklärte Dr. Ruppin das System der Kwuzoth. Diese kollektiven Siedlungen hätten im Jahre 1035 einen Nutzen von 25.000 Pfund abgeworfen, woraus die Zinsen für die von den nationalen Fonds gewährten Darlehen gezahlt werden konnten. In den jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen sei der Prozentsatz der Kindersterblichkeit der niedrigste der Weit. werden kann" | Wie immer die Antwort auf die gegen- Araber gehen vor die wärtigen Schwierigkeiten sein wird, wir ® werden unsere Arbeit fortsetzen in der Überzeugung, daß wir unserem Schicksal gemäß handeln und daß die ganze Judenheit hinter uns steht. die Juden. Ich kann nicht glauben, daß die Kulturmenschheit an dem jüdischen Volk Wortbruch begehen will. Ich kann dies nicht glauben, weil es mir unmöglich ist, zu glauben, daß im Verkehr der Menschen jede sittliche Grundlage geschwunden ist und; die Gerechtigkeit unserer Sache mißachtet' Unser RechtsarSpruch Prof. Brodetsky schilderte die Notlage der Juden und die ihnen drohenden Gefahren. Die Lösung des Problems liege in Palästina. Von Freunden und Feinden werde dieses Land als dasjenige angesehen, mit dem das künftige Schicksal des jüdischen Volkes verknüpft ist. Unser Anspruch auf Palästina ist der Rechtsanspruch einer Nation, die in Palästina gelebt hat, deren Geschichte mit dem Lande verknüpft ist und die niemals den Glauben aufgegeben hat, daß auch ihre Zukunft an Palästina gebunden ist. Dieser Anspruch sei die wirkliche Basis von Balfour-Deklaration und Mandat. Jerusalem, 13. Dezember. (Palcor.) Das Arabische Oberste Komitee hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Boykott der Königlichen Kommission aufzugeben. Der Beschluß wurde von den Radikalen bekämpft, jedoch von der Mehrheit durchgesetzt. Die Araber werden mit ihren Aussagen vermutlich in einer Woche, nach Schluß des Ramadan, beginnen. Eine aus vier prominenten Arabern bestehende und von Auni Abdul Hadi angeführte Delegation tritt heute die Reise nach Irak und dem Hedjas an, wo sie sich mit den arabischen Herrschern über die Art der arabischen Aussagen vor der Königlichen Kommission beraten wird. Palästinaresierung fördert — Arabersiedlung Aufklärung der Oeffentlichkeit Englands London, 13. Dezember. (JTA.) In fast allen größeren Städten Englande haben in letzter Zeit Versammlungen und Vorträge stattgefunden, in denen Vertreter der Jewish Agency vor Juden und Nichtjuden über das Palästina-Problem sprachen und insbesondere die Haltlosigkeit der Behauptung nachwiesen, daß Araber durch die jüdische Kolonisation verdrängt worden seien. Vielfach fanden diese Versammlungen im Rahmen der Ortsgruppen der englischen Völkerbundliga und in Diskussions-Klubs statt, die einflußreiche Intelligenzkreiso Englands umfassen. Eg sprachen u. a. Lady Reading in einer Versammlung des Rotary-Klubs in Breadford, der auch der Bischof von Breadford, Dr. A. W. F. Blunt, beiwohnte, Dr. Brodetsky in der literarischen Diskussionsvereinigung von Bridlington, Rev. M. L. P e r 1 z w e i g in der Völkerbund Vereinigung der Universität Manchester und J. Solomon in der Völkerbundvereinigung für Castle Ton und Suddem. mO'BEL-UJiNTER für Qelegenheltskäufe Wien, VIII., Stadtbahmrladukt 23 bei Lerdienfelderstraße Telephon: A 21*5*31 Nur 590 Zertifikate für Polen Warschau, 13. Dezember. (JTA.) Daß Zentrale Palästina-Amt in Warschau ist von der Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem telegraphisch verständigt worden, daß aus der neuen Schedule 590 Zertifikate auf Polen entfallen. Im Gegensatz zu der Verteilung der früheren Schedulen sind diesmal Angehörige von Palästina-Einwohnern und in der zionistischen Arbeit aktiv tätige Personen nicht berücksichtigt worden. Da Zehntausende in Polen auf Zertifikate warten, wird die Zuteilung einer so geringen Zahl von Zertifikaten in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung als schwerer Schlag empfunden. Insbesondere die Angehörigen bereits Ausgewanderter, die seit Monaten vergeblich auf Zertifikate warten, sind schwer betroffen. Rekorde'nnahme des K. K. L. Die Einnahmen des Keren Kajemeth im Jahre 5696 (bis 31. Oktober 1936) betrugen 405.000 Pfund. Diese Summe stellt einen Rekord in der Geschichte des KKL. dar. Unter den beitragenden Ländern etehen die Vereinigten Staaten mit ill.000 Pfund an erster Stelle, gefolgt von England, Palästina, Südafrika und Deutschland. ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKTION LANDSTRASSE Der Ausschuß gibt den Mitgliedern und Freunden der Sektion die traurige Nachricht, daß HERR STUDIENRAT PROF. DR. EMMERICH KOHN am Mittwoch, den 9. d. M. nach langem, schwerem Leiden im Alter von 58 Jahren verschieden ist. Der Verstorbene hat durch viele Jahre unserer Sektion angehört und ist zu wiederholten Malen am Vortragstisch erschienen. Ein Meister des Wortes, ein Gelehrter von umfassendem Wissen, hat er bei diesen Gelegenheiten eine zahlreiche Zuhörerschaft angezogen und es verstanden, sie durch die vollendete Form und den interessanten Inhalt der Darstellung zu fesseln. Eine starke Persönlichkeit, ein dem Judentum treu ergebener Sohn, ein Mensch voll tiefer Religiosität ist mit ihm dahingegangen, wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung hat Sonntag, den 13. d. M., auf dem Zentralfriedhofe stattgefunden. Wien, im Dezember 1936. Einwanderungsfragen Jerusalem, 8. Dezember. S h e r 10 k formulierte vor der Königlichen Kommission die folgenden hauptsächlichen Beschwerden der Juden in bezug auf Einwanderung: 1. Daß die Arbeiter-Scnedules ungenügend sind und den jüdischen Arbeitsbedürfnissen nicht entsprechen; 2. daß die Bestimmungen über die Einwanderung von Familienangehörigen allzu streng sind; 3. daß die Abschaffung der Einwanderungskategorie Handwerker und Fachleute mit 250 Pfund, beziehungsweise 500 Pfund Kapital nicht gerechtfertigt ist; 4. daß Zertifikate für Jugendliche im Rahmen der allgemeinen Einwanderungs-Sohedule gewährt werden; -5. daß illegale arabische Einwanderung die Absorptionsfähigkeit Palästinas reduziert. Er stellte den Antrag’, daß im Auslande lebenden Familienangehörigen von Juden in Palästina, die von diesen erhalten werden, die Einwanderungserlaubnis erteilt werde; ferner, daß die Kategorie der Handwerker und Fachleute mit 250 Pfund, beziehungsweise 500 Pfund wiederhergestellt werde; und daß Zertifikate für Jugendliche wieder, wie vor Einführung der neuen Praxis, außerhalb der Schedule gewährt werden. Lord Peel fragte, ob diio Jewish Agency der Ansicht sei, daß Punkt 6 dos Mandats die Einwanderung nach Palästina auf Juden beschränke. Herr Shertok bejahte diese Frage und wies darauf hin, daß die arabische Einwanderung nach Palästina nur der jüdischen Aufbauarbeit zu verdanken sei. Herr Epstein sagte aus, daß die aus den Nachbarländern eingewanderten arabischen Arbeiter 70 Mil Tageslohn erhalten, wovon sie nur 30 Mil ausgeben; dies sei die Erklärung für die unhygienisohen Bedingungen, in denen sie leben. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmer, die Regierungiskontrakte ausführen, . beschäftigen Hauraner bei öffentlichen Arbeiten und fördern auf diese Weise die illegalo Einwandevor der Kommission rang von Araberin. Der palästinensische Bauer habe entdeckt, daß es für ihn vorteilhaft sei, Hauraner als Lohnarbeiter anzustellen, während er selbst besser bezahlte Beschäftigung in jüdischen Plantagen findet. Ruppin über die jüdische Landwirtschaft Dr. Arthur Ruppin, der gleichfalls als Zeuge vor die Königliche Kommission trat, wies zunächst auf die Bedeutung landwirtschaftlicher Ansiedlung hin. 45 Prozent der von den Juden seit dem Kriege in Palästina investierten Gelder seien für Bodenkäufe und landwirtschaftliche Entwicklung verwendet worden. Er stellte fest, daß vor dem Jahre 1919 die Zahl der jüdischen Siedlungen 43 war, die nunmehr auf 180, mit einer Bevölkerung von 55.000, angewachsen sei. Die jüdischen nationalen Fonds haben, bis jetzt für Landwirtsohaft 4,900.000 Pfund ausgegoben, wobei die von der PICA und von Privaten angelegten Gelder nicht berücksichtigt seien. Die in Zitruspflauzunge 11 von Privatpersonen investierten Gelder erreichen die Gesamhhüho von über 10 Millionen Pfund. Die aus Deutschland oingewanderten Juden halben in letzter Zeit mehrere Millionen Pfund in der Landwirtschaft investiert. Die Ansiodlungskosten für eine Familie, die früher 200 Pfund betragen haben, seien bedeutend verringert worden. Auch wenn man den Bezirk Beersheba nicht berücksichtigt, gebe es in Palästina noch anderthalb Millionen Dunarn Boden, der bewässert werden könnte, außer den bereits bewässerten 3,500.000 Dunam; auf diese Weise könne Palästina innerhalb seiner bestehenden Grenzen erweitert werden. Die Bevölkerung, die jetzt 7,500.000 Dunam unbewässerten Boden (die gesamte London, 11. Dezember. (JTA.) In der Unterhaussitzung gab Kolonienminister Ormeby Gore in Beantwortung von Anfragen des Abgeordneten Morgan Jones eine Erklärung über die den arabischen Kleinbauern in Palästina von der Regierung gewährte Unterstützung ab. Die Palästinaanleihe, zu deren Garantierung das Schatzamt vom Parlament ermächtigt worden ist, betrug zwei Millionen Pfund, von denen 200.000 Pfund für landwirtschaftliche Kredite bestimmt waren. Von dieser Summe sind von der Palästinaregierung 50.000 Pfund für langfristige Entwicklungsdarlehen an Landwirte im Bergland bestimmt worden. Außer dem in der Anfrage erwähnten Siedlungsplan sind Vorkehrungen getroffen worden zur Ansiedhmg von 95 Familien von Arabern aus dem nördlichen Teil des Wadi Hawarit, und zwar im Gebiet Bassat Scheikh Mohammed; 100 Familien von Arabern aus dem südlichen Wadi Hawarit wurde Lagergebiet zur Verfügung gestellt. Arabischer Terror Jerusalem, 10. Dezember. Sechs bewaffn nete Araber hielten am 8. Dezember auf der Nablus—Jenin-Ohaussee sechs Autos an, deren Insassen ihrer Barschaft und Wertgegenstände beraubt wurden. Als ein Auto mit einer Polizeipatrouille herankam, wurde diesem von den Banditen beschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer mit Maschinengewehren, woraufhin die Bande die Flucht ergriff. Ihre Spuren wurden unter Zuhilfenahme von Polizeihunden verfolgt; vier arabische Bauern wurden festgenommen. Auf einen Personenzug, der an einem arabischen Städtchen im Bezirke Beisan vorbeifuhr, wurden Schüsse abgefeuert. Zwei Araber wurden verwundet. Neue Palästina-Karte Jerusalem, 13. Dezember. (JTA.) Die Gesellschaft „Ilachscharat Hajischuw Beere« Jisrael“ (Palostino Land Development Company) gibt jetzt eine neue Landkarte Palästinas im Maßstab von 1:250.000 heraus. Die Kartographio Palästinas beruhte bis vor wenigen Jahren ausschließlich auf der in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts auf Grund von Vermessungen, die im Auftrag des englischen Kriegsministers Lord Kitohener durengefUhrt worden waren, von dem „Palestine Exkloration Fund“ hergestelten Karto, Die neue Karte, die jetzt von der Haohseharat Hajischuw Beerea '/Israel herausgegeben wird, beruht auf den Vermessungsarbeitcn, die die Palästinaregierung seit 1921 vornehmen ließ. Die Grenzen allor Verwaltungseinheiten, nicht nur die der Kreise und Distrikte, sondern auch dio der einzelnen Dörfer, Bind genau eingezeichnet. Sämtliche jüdischen und niehtjiulischon Siedlungen sind auf der Karto mit den Verbindungswegen zu finden. Es wird auch ein vollständige« hydrographisches Bild dos Landes geboten. Der jüdische Bodenbesitz von Privateigentümern und Keren Kajemeth ist durch besondere Farben gekennzeichnet. Samstag, 23. Jänner 1937: Karten im Zionistischen Landesverband, I., Maro-Aurel-Straßeff Vortrag Dr. Josef Kasteln, Haifa, Palästina: Palästina — das jüdische Schicksal

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