Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 603 (10.12.1936)
- Date
- 1936-12-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite IV DIB STIMMI Nr. 608. — Wien, Donnerstag, 10. Dez. 1906 Beduinenlager, in dem jetzt wieder wie toll die Hunde bellen... Vier Stunden dauert ihre Wache. Vier Stunden der schärfsten Nerven- und Sinnesanspannung. Es kann sein, daß diese Anspannung ganz unnütz ist, daß die da drüben in den beiden arabischen Dörfern und dem Beduinenlager beschlossen haben, heute nachts zu schnarchen statt zu schießen. Jedenfalls ist es ganz sinnlos, in dieser dunklen, mondlosen Nacht das Glas immer wieder auf den tiefen Schatten der Hügelkette zu richten, aus dem die Angreifer kommen müssen. Selbst bei Vollmond wäre es fast unmöglich, sie zu erkennen ... Es ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Die Wache auf dem Turm soll am Mündungsfeuer der arabischen Gewehre feststellen, wie viele Angreifer es sind, wo sie liegen und ob sie sich der Kwuzah nähern ... Rahel sitzt in ihrem Drehsessel, der Wind pfeift, die Sterne wandern über ihrem Haupt... die Zeit verrinnt. Sie ertappt sich dabei, daß sie für einen Augenblick die Augen geschlossen hat. Erschrocken greift sie zur Thermosflasche, der starke Kaffee wird sie munter machen. In diesem Augenblick krachen die ersten Schüsse... Im Nu ist Rahel ganz wach. Und während unter ihr der Lärm der alarmierten Kwuzah losbricht, und die Gewehre der auf Posten befindlichen Chawerim schon antworten, starrt sie in das Dunkel nach aufblitzenden hellen Pünktchen, die die arabischen Schüsse begleiten. Der Summer schnarrt. Rahel spricht in das Telephon: „Zehn oder zwölf Gewehre noch weit jenseits der Landstraße, etwa je vier immer in einer Gruppe, die Gruppen ungefähr fünfzig Meter Abstand, die Mittelgruppe gegenüber dem Geräteschuppen.“ „Gut. Paß auf, ob es mehr werden und ob sie näher kommen.“ Aber die Araber haben nach den ersten Salven das Feuer zunächst einmal wieder eingestellt. Für einige Minuten hört Rahel deutlich all die vertrauten Geräusche, die von unten zu ihr herauf dringen: das Schlagen von Türen, den Laufschritt von Chawerim, die sich auf ihre Posten begeben ..., einen Augenblick glaubt sie sogar Schlomohs tiefe Stimme zu hören, der jetzt im Stall an der kleinen Schießscharte steht und beruhigend zu den Pferden spricht. Ein Kind weint... eins von den Kindern, das die Kindergärtnerin Sarah aus den Baracken in den Schutz des Kinderhauses trägt. Vielleicht ist es... Riwkele. „Gott sei Dank, jetzt schießen sie nicht“, denkt Rahel... da kracht es von neuem. Eine halbe Stunde lang sitzt sie nun in ihrem Stuhl, bohrt den Blick in das Dunkel und spricht in die Muschel, die auf ihrer Brust hängt. Die. Angreifer vermehren sich, es sind nun schon etwa fünfzig, die Kwuzah hat nur achtzehn Waffen, davon nur elf gute Gewehre. Es ist ein wildes Geschieße von Seiten der Alaber. Die Kwuzah antwortet mit spärlichem Feuer, und von Rahels guten Augen und ruhiger Schätzung hängt es ab, ob ihre Schüsse Wirkung haben. Lange Zeit verändert der Feind seine Stellung nicht, und ob Rahel will oder nicht, ihr Herz und ihre Gedanken fliegen hinunter zu Riwkele, zu Schlomoh, zu den Kameraden. Wie steht es da unten? Ist niemand verwundet? Sind alle Kinder glücklich im Kinderhaus? Ist Riwkele... Es kracht wieder, und es kracht näher. Von unten tönt ein verworrenes Stimmengeräusch ... ist jemand getroffen? Hier sitzt sie, nuT sechzig Meter über dieser kleinen Welt, der sie mit allen Fasern ihres Herzens gehört, die all ihr Glück, ihren Stolz, den Sinn ihres Lebens umschließt... und wenn dort unten jetzt einer stirbt, weiß sie nichts davon. Ein unwiderstehlicher Zwang überkommt sie, in die Muschel zu schreien: „Wie steht es? Wie geht es Schlomoh? Hat Riwkele keine Angst? Ist niemand verletzt?“ ... Aber sie ist nicht auf den Turm geschickt, um solche Fragen zu stellen. Sie hat zu melden, daß der Feind seine Kräfte zusammenzieht, daß er näher kommt, daß er offenbar einen Sturm auf die Kwuzah plant. Und während sie immer dringender ihre Meldungen in das Telephon ruft, denkt sie: „Warum gibt Mosche noch immer nicht den Befehl ...?“ Endlich hört sie seine Stimme im Hörer: „Gib zweimal Rotfeuer.“ Sie hebt die schwere, doppelläufige' Leuchtpistole mit beiden Händen gegen den Himmel, drückt ab... der Rückstoß der Rakete wirft sie beinahe zu Boden, ihr Zischen betäubt sie. Dann birst sie oben am Himmel in einem Regen purpurner Sterne. Und schon zischt auch die zweite Rakete empor. Die Araber wissen gut, was das bedeutet. Jetzt schrillt in dem sieben Meilen entfernten Militärlager die Alarmpfeife, springen Soldaten in Automobile mit Scheinwerfern und Maschinengewehren, eilen der Kwuzah zu Hilfe, In efeir. ^Viertelstunde sind sie. hier. Und die Männer aus den beiden Dörfern, die Wüstensöhue aus dem Beduinenlager springen auf und stürmen heran. Die Schüsse peitschen aus nächster Nähe. Und plötzlich sieht. Rahel an drei, vier Punkten kleine, düstere Flammen auftauchen, die gleich darauf durch die Luft fliegen ... gegen die Gebäude. Brandfackeln. Sie möchte hinuntereilen, diese tückischen Flammen auslöschen, die die Baracke in Brand setzen können, in der Riwkele sich ängstigt. Sie möchte ein Gewehr haben und schießen ... schießen ... schießen ... Sie gibt der nun nutzlosen Leuchtpistole einen verächtlichen Stoß mit dem Fuß. Sie hat nichts mehr zu melden, die da unten wissen ohnedies, wie nah der Feind ist... Und dann schreit sie ins Telephon: „Sie kommen... sie sind da!“ Hinter der Hügelkette, über die die Chaussee führt, ist plötzlich eine kalte, blauleuchtende Sonne aufgegangen, einen Augenblick steht der Wasser türm, steht Rahel selbst in dem blendenden Licht des Scheinwerfers, dann senkt sich der Strahl und überflutet die Szene des Kampfes. Zwei Maschinengewehre beginnen zu hämmern ... * „Riwkele war sehr brav!“, sagt die Kindergärtnerin Sarah. „Sie. hat gar nicht geweint. Und jetzt schläft sie fest.“ Zwei Soldaten haben Rahel auf dem Turm abgelöst, und sie ist hinübergerannt ins Kinderhaus. Nun geht sie zum Stall. Schlomoh kommt ihr entgegen, seine Hände voller Blut. „Um Gotteswillen, Schlomoh...!“ — „Keine Angst, Rahel, es ist mir nichts geschehen. Aber der Schimmel hat eins abgekriegt... das arme Vieh. Ich hole was zum Verbinden ... Rahel geht in den Stall. Der Schimmel steht gleich bei der Tür. Aus einer Schulterwunde quillt dunkles Blut. Er dreht ihr den Kopf zu, seine Augen scheinen zu fragen: Warum das alles?“ Rahel sinxt auf eine umgestürzte Krippe, die Glieder sind wie Blei, die Augen fallen ihr zu... „Und morgen wieder Wache!“ ist ihr letzter Gedanke... Sonderbericht der „Stimme" aus Erez Israel: Durch den arabischen Karst —y. Tel-Aviv, 26. November. Wir fuhren von Haifa Mittwoch mittags nach Tel-Aviv ab. Es goß in Strömen. Überall jubelte man über den Regen und die Meldungen, daß in der Kolonie 80 mm, in jener 100, ja 120 mm Regen gefallen war, wurden im Radio verlautbart, in den Zeitungen an auffallender Stelle veröffentlicht. Aber als wir aus dem Weichbild Haifas heraus waren, Klar Atta, Motzkin. Bialik hinter uns hatten und auf der breiten, harten Autostraße von Nahalal, das freundlich in Grün gebettet uns von der linken Seite her grüßt, gegen Afuleh einbogen, lag dicker, grauer Nebel über dem Emek. Man konnte nur sekundenlang einen Blick tun in die weite Ebene. Vor Afuleh hatte das Wasser die Straßendecke unterwaschen und ein englisches Militärlastauto war abgerutscht. Die Mannschaft trafen wir im Wirtshaus von Afuleh, dessen Umgebung eich in ein Meer von Kotlachen verwandelt hatte. Am König-George-, Maearyk-, König-Peter- und Balfour-Wald waren wir vorbeigekommen, Sie machten einen normalen Eindruck, die Verwüstungen sind nur abseits von der Straße vorgekommen. Hin und wieder tauchen zwischen Eukalyptus* Siedlungen auf, auf dem höchsten Haus optische Telegraphen. Weite Strecken sind von spanischen Reitern und Stacheldrahtzäunen gesperrt. Wir fahren durch Balfouria und Merohawjah. Über Berg und Tal windet sich südwärts die Straße. Sie zieht meistens durch tief eingeschnittenes Terrain, manchmal wie durch einen Canon. Wo keine jüdischen Siedlungen stehen, ist alles wie in Erstarrung. Die Berghänge ohne Baum und Gras; verkarstete Gegend, in der zwischen ausgebrannten Feuerstellen weiße Felstürmmer liegen. Wäscht der Regen den Boden weg, dann sausen die Steine zu Tal und verlegen die Straße. Hier ist noch viel für den Forstmann zu tun. Gegen den Himmel heben sich arabische Häuser ab, rohgefügte Steinhaufen, eins mit der kargen Landschaft, aus ihr entstanden. Manchmal sind sie blau getüncht, schwarze, magere Kälber, Schafherden treiben sich herum, bewacht von räudigen, hungrigen Kötern. Längst sind wir im rein arabischen Land Wie fern ist doch Europa! Ein steil abfallender Abhang, eine Wegbiegung, wir kommen nach Nazareth. Links oben ein vom Kreuz überhöhtes Kloster, ein Friedhof folgt, und dann regellos aneinandergereiht kleine, bunt angestrichene, aber verfallene. Häuschen. Männer in dunklen Kleidern, die weiße Abbaje mit schwarzen Reifen über dem Kopf, selten ein Tarbusch oder roter Fez — die Frauen und Mädchen, im christlichen Nazareth verschleiert. Die Straße senkt sich wieder, steigt wieder an, läuft in Serpentinen, einsam, still und drohend ist das Land. Irgendwo links liegt En Dor, wo die Hexe Saul die Niederlage und den Tod verkündete. Selten kommt ein Wagen entgegen. Drückend ist das Bild, feindlich die Stimmung rings um uns. Ein englischer Militärposten taucht auf, ein Soldat steht mit aufgepflanztem Bajonett an dem Rain. Wir fahren langsam zwischen frischen Sobotterhaufen — ach nein, es sind menschliche Wohnungen — in einen großen Ort ein. Die Straßen sind voll von Menschen. Es ist wie im Orient überall. Die Männer stehen in Gruppen beisammen, di« Frauen sitzen vor den dunkeln, verrußten Hauseingängen und arbeiten an irgend etwas. Kinder jagen herum, klettern auf Bäume oder raufen um ein ne-tiee Fahrrad. Felsenfest steht ein englischer Poliizeireiiter i im Getriebe. Man mustert uns neugierig, aber nicht feindlich. Dschenin heißt dieser Ort. Hier, am Ende des Emek, eingefaßt von den Bergen von Gilboa, hat Saul seine letzte Schlacht geschlagen. Heute ist En Ganim ein Räubernest, das Zentrum der arabischen Terroristen. Hier war in einer Höhle das Quartier Fauzi Beys, jedermann bekannt, nur nicht den Engländern. Hier kamen alle paar Tage Autos mit der Hakenkreuzflagge an und hier wurde beschlossen, den Terror fortzusetzen. Aber England wollte jetzt endlich Ruhe, und was England will, geschieht. Wünscht es Kampf gegen die Juden, so ist er da; will es Frieden, so fügen sieh diese merkwürdigen Rebellen. Au« Europa kam übrigens auch kein Geld mehr via Kairo und die hochgemuten Söhne Mohammeds hatten keine Patronen mehr. Es ist also wie der Frieden und wir fühlen das. Kein unfreundlicher Blick trifft uns. Der Wagen fährt langsam durch „die Straße“. Wieder in Serpentinen nach Süden, wieder durch diese tötlich-starre Leere, links von der Eisenbahn nach Tel-Aviv. Von Zeit zu Zeit tauchen Dorfruinen oder Trümmer arabischer Raubb’urgen auf. Wir fahren unter einem Eisenbahnviadukt durch, der während der Un ruhen gesprengt worden war. Rings liegen die Bruchstücke ' des Bogens, an dessen Stelle jetzt ein eiserner Balken liegt, über den die Schienen genagelt wurden. Wir passieren die Straßenkreuzung nach Sichern und wenden uns nach Westen. Eine Herde verkümmerter Schafe zockelt über den Weg, der Hirte sieht uns starr nach. Wüste, Wüste, so weit man sieht, und die Telegraphenlinie betont noch den Kontrast. Wieder eine. Wegkreuzung. Hier wurden Mitte April die zwei sephardischen Juden ermordet aufgefunden; bei dem Leichenbegängnis in Tel-Aviv kam es dann zu den Demonstrationen, die den arabischen Führern den willkommenen Anlaß gaben, die fleißig gesammelten Waffen in Tätigkeit au setzen. Auf dem alten Friedhof von Tel-Aviv 6tanden wir heute an dem Grab der 92 Toten... Sie werden nicht vergessen werden, sie sind für die jüdische Freiheit gestorben. Wieder Serpentinen. Die Gegend wird be lebter. An einer Stelle steht ein grüner Autobus auf der Straße. Die Insassen, Araber mit rotem Fez oder schwarzer Baskenmütze, stehen quer über den Weg und halten uns an. Einer spricht in fließendem Hebräisch zum Wagenfenster hinein: „Wir bitten um Benzin, gegen Bezahlung natürlich.“ Der Chauffeur ist kameradschaftlich bereit. Die Leute bekommen d.en Betriebsstoff, und da Bezahlung abgelehnt wird, verabschieden sie sich freundlich und höflich mit „Toda rabba!“ und „Saida!“ Wieder einen Berg hinauf, rechts und links Häuser in europäischem Stil. Da« weiträumige Gelände ist mit Gärten bepflanzt, rot und blau sind die Wände. Wir sind in Tulkarm, der aus jüdischem Geld gestifteten arabischon LandwirtsehaftsBchule. Bei Tulkarm biegt die Straße wieder nach Süden ab. Sie läuft zwischen dem Gebirgsland von Schomron und der Ebene von Scharon. Wundervoll ist der Blick in das weite, schöne Land rechts von uns. Grün ist es, die Bäume kommen dicht an den Weg heran, eind saftig und glänzend vom Regen geworden. Noch ein arabisches Dorf, Kilkilieh, und dann sind wir wieder im jüdischen Land. Orangengärten, im dunkeln Laub glühen die goldenen Früchte; zwischen dichten Alleen Scharen von jungen, singenden, lachenden Menschen. Sic sind barhäuptig oder tragen Hüte t~> wir sind unter Juden. Eine Kolonie schließt an die andere an. Kfar Saba ist die erste, dann später kommt Petach, Tikwah. Gärten, Häuser, Fabriken fliegen vorbei! Es ist dunkel geworden. Überall elektrisches Licht, Ruthenbergs Gabe an die jüdische Arbeit. Häuser zu beiden Seiten, dichte, ununterbrochene Siedlung. Und dann ist ein Lichtermeer um uns. Tel-Aviv, die stolze Metropole de« Küstengebietes, nimmt uns auf. Das Meer rauscht, vor uns glüht hoch oben am nächtlichen Himmel die Menorah auf dem Dach der großen Synagoge, der Gruß des Lichtes aus dem Orient. De» ÜUdetecbauw mh JeeUUo (Der verfluchte Meister) Von Armand Kaminka. Im Ersten Buch der Könige, Kapitel 16, Vers 33, wird berichtet: „Zu jener Zeit baute Ghiel aus Beth-El die Stadt Jericho wieder auf; um den Preis seines Erstgeborenen A b i r a m legte er ihren Grund, um den Preis seines jüngsten Sohnes Segub setzte er ihre Tore ein, nach dem Worte Gottes, das er durch Josua, den Sohn Nuns, geredet hatte.“ Das hebräische Original dieses Gedichtes ist in Kaminkas Dichtungen „Rase Oläm“, Wien, 1927, gedruckt. Auch die Türen werd‘ ich in die Angeln hängen! Mag der Fluch mein Heim veröden und zersprengen, Meinen ganzen Stamm dem Untergänge weih'n. Unerforschlich ringt der Fluch mit meinem Fleiße, Daß der Tod mir grimmig Kind um Kind entreiße, Schuldlos fallen sie für meine Tat allein. Unerträglich war's, im schönen Land gebiete, Trümmer nur zu seh’n und alten Schutt, statt Blüte; Leben zu erneuern, faßte ich den Mut. Doch der Grundstein schon macht’ wahr des, Fluches Sage, Ach, mein Erstgeborner starb am selben Tage, Preis des Werkes war mein eigen Fleisch und Blut. Doch mich schreckte nicht der Schlag und nicht das Trauem, Weiter baute ich, errichtet’ Türm* und Mauern — Giftig folgt1 der Fluch dem Fortschritt, meines Bau’s, Einer Natter gleich, die meine Fers’ erfaßte; Ein Kind nach dem andern welkte und erblaßte, Öde blieb mein Heim, von Kindern leer das Haus. Eins ist noch gesund. Willst, Schicksal, dies auch nehmend Meinen Schaffenstrieb kannst dennoch Du nicht zähmen, Ob auch abgrundtief in Herzensqual ick tauch\ Werk, das ich erdacht’, mit heißem Drang mir wähle, Dich verlass* ich nicht, du Felsen meiner Seelel Dir, Kunst, bleibt geweiht mein letzter Lebenshauch. Küss* dies Kind, mein Weib, du hast nur noch das eine, Drück* es an dein Herz, liebkose es und weine, Ihm auch droht der Tod, ich ahn* dein Schmerzgefühl. Herzlos bin ich nicht, ich bin kein Ungeheuer, Letztes, einziges Kind! Bist mir unsagbar teuer — Teurer ist jedoch mein höchstes Lebensziel! Jeder Hammerschlag ist grauenvolle Sünde. Jeder Spatenstich bringt Untergang dem Kinde., Düster wächst der Bau in grenzenloser Trauer. Starr und stumpf mein Sinn, mein Lebensnerv gebrochen, Mensch bin ich nicht mehr — ein Tier, gestreckt, erstochen. Herzblut widmet dir, Jericho, dein Erbauer! Als mich niederbrach das Leid, das mich getroffen, Stärkte mich ein Traum, gab Trost ein frohes Hoffen: Kennen wird die Welt die Frucht der T rauer saat. Rufe jeder Stein: ein Frevel war's, ein dreister, Doch das Werk vollbracht hat der verfluchte Meister, Venkmal hohen Simm, bleibt die. Holze Tat,