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Die Stimme · 1936-12-04 · Heft 602 (4.12.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 602 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 602. — Wien, Freitag, 4. Dezember 1936. 0II STtMMI Salt« 3 H. E. Bowman zurikkgetreten Jerusalem, 2. Dezember. (JTA.) Zu Ehren des von seinem Amte zurücktretenden Leiters des Erziehungs-Departements der Palästina-Regierung, H. E. Bowman, und seiner Gattin veranstaltete der Waad Leumi im Saale des Keren-Hajessod-Hauptgebäudes einen Empfang. Die Veranstaltung wurde von dem Vorsitzenden des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, geleitet. Ansprachen hielten Rabbi Meir Berlin, Rabbi Bermann im Namen der Erziehungsabteilung des Waad Leumi und Dr. A. Katzneison im Namen des Direktoriums des Waad Leumi. Ben Zw] Überreichte den Gästen eine Bibel in einem in der Kunstgewerbeschule Bezalel hergestellten künstlerischen Silbereinband. Mr. Bowman sprach Worte des Dankes für die ihm zuteil gewordene Ehrung und gab Erinnerungen aus seiner Arbeit in Palästina wieder. KAFFEE PALACE Wien, VI., MerlahllferstraBe 89, Tal. A-37-5-58, A-37-S-61 Empfiehlt seine eleganten großen Hüumlichhelten für Hochzeiten, Bar-Mizwoth, Bankette etc. zu müßigen Preisen. Nqua Leitung: J. LUSTBADER, Bailtxar des Kaffee Wastbahnhof. Palästinas Außenhandel Jerusalem, 2. Dezember. (JTA.) Im Monat August 1936 sind laut der Novemberausgabe des amtlichen Commercial Bulletin Waren im Werte von 868.616 Pfund nach Palästina eingeführt worden. Im gleichen Monat des vorangegangenen Jahres betrug der Wert der Einfuhr 1,527.402 Pfund. In den ersten acht Monaten des Jahres, vom 1. Jänner bis zum 31. August, machte der Wert des Imports 8,596.587 Pfund gegenüber 11,597.040 Pfund in demselben Zeitraum des vorangegangenen Jahres aus. Die Ausfuhr hatte im August einen Wert von 63.860 Pfund. Sie weist somit gegenüber dem August 1935, in dem sie 58.968 Pfund betrug, eine Steigerung auf. Vom 1. Jänner bis Ende August sind aus Palästina für 2,392.732 Pfund Waren ausgeführt worden (in demselben Zeitraum des vorangegangenen Jahres für 3,358.252 Pfund). Anspruchsvolle, Starkbärtige, Empfindliche, Eilige, nehmen nur die sanft-scharfe Zweigstelle des Marine-Departments der Jewish Agency Jerusalem, 2. Dezember. (JTA.) Die Jewish Agency hat auf Wunsch des Marinekomitees der Handelskammer und anderer interessierter Kreise eine Zweigstelle ihres Marine-Departements in Haifa errichtet. Die Zweigstelle ist dem Büro der jüdischen Handelskammer in Haifa angegliedert und steht unter der Leitung des Sekretärs Doktor Wydra. Deutsch-hebräisches Nachrichtenblatt in Tel-Aviv Jerusalem, 2. Dezember. (JTA.) Laut der „Officlal Gazette“ ist die Erlaubnis zur Herausgabe eines zweisprachigen „Deutsch-hebräischen Nachrichtenbulletims“ in Tel-Aviv erteilt worden. Im Gegensatz zu einigen hektographierten Nachriohtenblättern, die in letzter Zeit ohne Erlaubnis erschienen sind und jetzt behördlich eingestellt wurden, soll das neue Blatt gedruckt herausgegeben werden.1 Mitteilungen des Palästina- Amtes Die Sprechstunde des Leiters der Wirtschaftsstelle des Palästinaamtes wird ab 1. Dezember 1936 auf Sonntag zwischen 10 und 12 Uhr vormittags verlegt. Die übrigen Sprechstunden der Wirtschaftsstelle, die bisher am Montag, Mittwoch und Freitag abgehalten wurden, entfallen bis auf weiteres aus praktischen Gründen. Bei Anfragen, die keine mündliche Durelibesprechung erfordern, wolle der schriftliche Weg gewählt werden. Derartige Anfragen sind unter Beischluß des Rückportos an die Wirtschaft8stello des Palästinaamtes, Wien, I., Marc-Aurel-Straße B, zu richten und worden in kürzester Zeit -erledigt. * Wichtig fiir Palästina-Touristen Auf mehrfache Anfragen teilt das Palästinaamt mit, daß Personen, die länger als drei Monate ohne Erlaubnis in Erez Israel bleiben (Touristen), ihre Kaution verlieren, wenn sie nicht glaubhaft nachweisen können, daß sie durch ganz besondere Umatände (Krankheit und dergleichen) genötigt waren, länger im Lande zu bleiben. 4 Wiener Talmud-Thora-Schulvereln. Dienstag, den 8. Dezember, um 7 Uhr abends, großes Obanukkahfest mit vorzüglichem Programm. Der Reinertrag wird ausschließlich zugunsten der Scüülerausspcisung an der jüdischen Volks- und Hauptschule verwendet, „Judden, serr fein!// Sonderbericht der „Stimme" aus Erez Israel —y, Haifa, 25. November. Andreas Kateropulos, seines Zeichens Allesverkäufer, Alleswisser und Alleshändler, Levantiner also, sagt mir im Hafen von Famagusta: „Oh, Judden, Palestein, serr fein, serr fein!“ Wieso? frag« ich; die Freundschaft dieses braungebrannten, zusammengeflickten Cyprien fällt mir auf. „Ja“, sagt er und zeigt auf die Warenballenberge, die zur Verladung bereit gemacht werden, — „das alles for Palestein.“ Da liegen Kartoffeln in Körben, Militärzelte, Preßheu, Masohinenbestandteile, Radioapparate, Möbel, Überai edl ungsg ut. Aus aller Herren Länder, auch aus Österreich. Das meiste kommt — mit Ausnahme der Cypem-Erdäpfel — aus England, dann folgt leider Deutschland. Die Unruhen in Palästina hatten auch natürlicherweise eine Unterbrechung des Warenverkehre mit sich gebracht. Seit ihrem Ende ist das Bild wieder das alte geworden, aber in rapidem Tempo. In den letzten vier Wochen ist, wie mir in Tel-Aviv Dr. Eckstein, der Sekretär der austro-palästinensißohen Handelskammer sagt, der Bezug stärker gewesen als in den vergangenen sechs Monaten. Als die Araber mit ihrem Aufstand begannen, trat in Cypem Arbeitslosigkeit ein; nun ist das vorbei und Andreas Kateropulos, Vater von fünf Kindern, die essen wollen, wischt sich seinen ausgefransten Schnurrbart und verkündet: „Judden, serr fein!“ Jawohl, und wir »sehern und hören dasselbe Lied von dien Hamals in Haifa, die in ihren schwarzen Sergeanzügen, mit aufgetrennten Jutesäcken als Rüokenschutz, barfüßig und in straffer Ordnung im Hafen arbeiten. Es regnet sehr stark — im Gebiete von Syrien bis zur arabischen Grenze hat die Regenzeit eingesetzt —, trotzdem aber sind die Hamals, die arabischen wie die jüdischen, lustig und guter Dinge. Es gibt wieder Arbeit; Fremde, Einwanderer, Touristen sind wieder da und mit ihnen Koffer und Kisten und Waren. Die Hafenschuppen sind überfüllt, auf dem Vorkai stehen lange lange Reihen, von. Lastautos, die zur Stadt eilen.. Es ist eine jüdische Stadt und hier in Haifa, an der Pforte des Landes, sieht inan, daß diese jüdische Stadt Europa ist. Das jämmerliche arabische Dorf, das Haifa einmal war, ist in einen kleinen Bezirk der großen Stadt abgewandert, ist dort eingesohlossen vom jüdischen Leben. Schöne, breite, saubere Straßen ziehen sich dahin, halsbrecherisch sausen die Riesenautobusse, weiß, grau mit rotem Streifen, grün, über die jäh ansteigende oder abfallende Fahrbahn; weite Ausblicke öffnen sich auf das Meer, das ungeheure Hafenbassin und auf die Höhen des Karmel, der in einem riesigen Rund von Akko her bis Haifa die Gegend beherrscht. Hebräisch, englisch, arabisch die Straßentafeln und die amtlichen Aufschriften. Ansonsten tritt Arabisch vollständig zurück. Die hebräische Sprache dominiert. Milc-h, Sodawasser, Würsteln, Maroni, Zeitungen werden hebräisch ausgerufen. Die Plakate, die doch den ersten Eindruck vom Leben einer Stadt vermitteln, sind ausschließlich hebräisch. Nur je näher man zum Karmel kommt, wird das deutsche Idiom mehr und mehr hörbar. Wahrscheinlich nur für diese Generation. Die nächste wird schon hebräisch sprechen. Schmutzig und eng sind die Gassen des arabischen Viertels. Die Menschen sind zerlumpt, die Kinder, die fast nur ein zerrissenes Hemd oder eine Hose tragen und niemals Schuhe besitzen, sind schmalwangig. Mit brennenden schwarzen Augen, die vielfach von einem Verband bedeckt sind, bestaunen sie den Fremden, der sich in den Schuk wagt, den vielberühmten und besungenen Bazar. Aber die sagenhaften Schätze an Gold und Elfenbein, an köstlichem Geschmeide und Seide sind nicht da. Elender Schund, wie ihn früher die Bosniaken in Wiener Restaurants feilboten, ist ausgebreitet auf der Erde, neben blutigem, von Fliegen strotzendem Fleisch; Trödelplunder, verschlissene Bettmatratzen und — als letzter Errungenschaft der neuen Zeit — ausgewetzte Rasiermesser. Das ganze hastige, lärmende Treiben betäubt, und den entsetzlichen Miasmen halten nur Araber und ihre verschleierten Frauen stand, die wie schwarze Schatten durch das Gewühl huschen, während ihre Beduinensohwestern ohne Schleier, aber mit blauer Tätowierung über der Nase und am Kinn frei und unbebefangen einberkommen. 100.000 Einwohner zählt die Stadt, 60.000 davon sind Juden. Von den Arabern sind etwa 25.000 Moslims, der Rest Christen, die die ganze Aufstandsbewegung nur sehr ungern mitgemacht haben. Ein geringer Teil von ihnen hatte den Streikbefehl befolgt und hat infolgedessen schweren Schaden gelitten. Jetzt ist wieder Handel und Wandel, Aillah-sei-gepriesen, aber die Frage, die alle stellen, beschäftigt auch die Araber: Ist die Zeit der Unruhen für immer vorbei? Man •sieht, ein wenig schadenfreudig, auf Jaffa, dessen Hafen von den Schiffen des Triester Lloyd, die fast den ganzen Fraohtenverkehr besorgen, nicht mehr angelaufen wird. Davon profitiert Haifa, infolge der Hafen von Tel,Aviv noch nicht fertig ist, und die reichen arabischen Kaufleute und Unternehmer haben begonnen, ein neues arabisches Viertel an den Hängen des Karmel zu bauen. Schöne, große Steinhäuser (die jüdischen sind zumeist Betonbauten), die deutlich den Einfluß der jüdischen Architekten verraten, aber wieder enge und winklige Straßen und im Innern kalt und eng. . . *v WtiUnadds -SoMUcueckauß 200 emailliert« Reich-Öfen zu ti«f herabgesetzten Preisen ÖfenscUwemnt IV.f Preßgasse Nr. 28?8 v1 Judenboykott in Danzig j Danzig, 80. November. (JTA.) Die Danziger Nationalsozialisten haben die Propaganda für Boykott der Juden erheblich verschärft. Die kleinen Landwirte und Arbeiter werden durch Terrormittel daran gehindert, bei Juden zu kaufen oder Juden etwas zu verkaufen. Den Arbeitern, Minderbeschäftigten und Arbeitslosen wird gedroht, daß man ihnen die Winterhilfe entziehen wird, falls sie bei Juden kaufen. In den Schulen übernahmen die Lehrer die Aufgabe, den Kindern das Betreten jüdischer Geschäfte, wie überhaupt jeden Verkehr mit Juden zu verbieten. Die polnischen Bürger in Danzig haben die Möglichkeit, sich wegen Unterdrückung an das polnische Generalsekretariat in Danzig zu wenden; die Danziger Juden hingegen sind vollkommen hilflos, weil der Hochkommissär des Völkerbundes Lester unter den heute herrschenden Bedingungen nicht das Geringste für sie tun kann. Arierparagraph in der Lubliner Advokatenkammer Warschau, 2. Dezember. (JTA.) Während die Advokatenkammem in Warschau und Krakau den Ausschluß von Juden abgelohnt haben, nahm die Lubliner Advokatenkammer mit 104 gegen 56 Stimmen den Arierparagraphen an. Repräsentative Makkabäer-Feier des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, der WfeZO und der Zionistischen Bexlrkssektlonen am 8. Dezember JÜDISCHES FEST _ JÜDISCHER BRAUCH Mit zahlreichen Bildern und Notenbeilagen. 482 Seiten. Lexikonformat. Ganzleinen . . S 27*20 JOSEF KASTEIN .■ Jerusalem, Die Geschichte eines Landes. 417 Seiten. Ganzleinen nur-.S 12*96 JOACHIM PRINZ: Illustrierte Jüdische Geschichte Großformat. Ganzleinen S 13*17 ADOLF BÖHM: Die Zionistische Bewegung bis zum Ende des Weltkriegs. 2.. Auflage. 732 Seiten. Ganzleinen S 21*60 CH. N. BIALIK: Ausgewählte Gedichte. Geschenkausgabe. Querformat, Ganzleinen nur.S 10*38 Buchhandlung R.Löwit Wien, I., Wollzeile 6-8 Die jüdischen Studenten in Ungarn Budapest, 30. November. (JTA.) Der Verband jüdischer Universitätshörer teilt mit: Im Hochschuljahr 1932/33 gab es an den ungarischen Universitäten 1970, jetzt nur 1180 jüdische Hörer. Von 538 Eretinskribierten haben nur 356 das vierte Studienjahr erreicht; dies eine Erscheinung jüdischer Not. Ajalah und Dr.Chaim Tartakowcr danken herzliehst für die ihnen anläßlich des Heimganges ihrer Mutter resp. Schwiegermutter Frau Gusta Balaban erwiesene Teilnahme. Arierparagraph — aber nicht gegen jüdisches Geld Zwischen Österreich und Deutschland ist, der JTA. zufolge, ein Abkommen getroffen worden, das eine gewisse Änderung der bisherigen Praxis in der Handhabung der Filmkontingente zum Inhalt hat. Gemäß dem neuen Abkommen werden nach Deutschland alle in Österreich hergestellten Filme zugelassen, in denen die Künstler vor der Kamera, wie auch die Filmleitung rein arischer Abstammung sind. Hingegen wird die absolute Erfordernis reinarischer Abstammung bei allen anderen Mitwirkenden, Erzeugern und dergleichen. Personen nicht mehr notwendig sein. Dieses neue Abkommen war unter Mitwirkung von prominenten jüdischen Vertretern der österreichischen Filmbranohe zustande gekommen. * Unter Mitwirkung von „prominenten jüdischen Vertretern...“ Das sind nämlich die Leute, die an arischen Filmen verdienen wollen. Sie haben mitgewirkt an einem Abkommen, das die Ausschaltung der Juden aus der österreichischen Filmproduktion bestätigt und bekräftigt — aber ihr Geschäft nicht stört. Die Nationalsozialisten ihrerseits lassen sich natürlich die „Mitwirkung“ des jüdischen Geldes gern gefallen — nach dem neronischen Prinzip: non ölet — Geld hat keinen Geruch. Hochkommissar Neill Malcolm in Prag Prag, 2. Dezember. (JTA.) Der Hochkommissar des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, Sir Neill Malcolm, traf am Mittwoch, 2. Dezember, in Prag ein. Hauptzweck seines Besuches ist, bei'der tschechoslowakischen Regierung zu erwirken, daß sie dem Genfer Flüchtlingsstatut vom 26. Juni 1936 beitrete. Ferner will Sir Neill Malcolm erfahren, wie sich die Tschechoslowakei zu der Annahme eines sozialen Statuts für Flüchtlinge stellt. Sir Neill Malcolm sprach im Außenministerium vor, besuchte die Leiter der Prager Hicem, Frau Marie Schmolka, und trat auch mit den übrigen Leitern der Flüchtlmgsfttrsorge in der Tschechoslowakei in Fühlung. Von Prag wird sich Sir Neill Malcolm wahrscheinlich nach Warschau begeben. Konzert J. Segal-Rosenbach in Graz. Samstag, den 5. Dezember 1936, im Festsaale des Hotel „Leeb“, im Rahmen einer 15jährigen Bestandesfeier des Vereines „Bikur Chalim“. Programm: Neuhebräisohe und jiddische Kunstlieder, Opernarien, neupalästinensische Lieder und II ov ras, ostjiklisehe Volkslieder. Aut' Klavier: Chordirektor Lehmann.

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