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Die Stimme · 1936-12-04 · Heft 602 (4.12.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 602 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 Dtl STIMM« Wien, Freitag, 4. Dezember 1936. — Nr. 602» Unruhe bei den Nadibarn Von M. Y. Ben-gavrifii. Die Durchführung des französisch-syrischen Vertrags, die eine Beruhigung der Verhältnisse zumindest im syrischen Teil des vorderorientalischen Lebensraums versprach. scheint wieder auf Schwierigkeiten zu stoßen. Diese Schwierigkeiten hängen wie alle Beunruhigungen der politischen Lage in dieser Zeit des gestaltwandclnden Orients nicht allein mit den inneren Verhältnissen dieser Länder, sondern natürlich auch mit der Weltlage und daher mit gewissen, von außen hereingebrachten Einflüssen zusammen. Würden, um beim syrischen Beispiel zu bleiben, die jüngsten Geschehnisse in Palästina und im Irak nicht gewisse Hoffnungen auf Hilfe von außen erwecken, dann wäre die Ruhe in Syrien und im Libanon schon längst gefestigt und Gewalttaten, wie sie die letzten Tage in Beyruth und in Tripoli brachten, würden ein schnell vorbeigeh ende© Ereignis lokaler Natur bilden. So aber, da weder im benachbarten Palästina, noch auch im Irak die Situation geklärt ist und die — vornehmlich mohammedanische — arabische Propafanda in diesen Ländern Hilfsquellen und tützpunkte zu finden hofft, ist mit einer gänzlichen Liquidation der Erregung in diesem — nun bald ehemaligen — Mandatland nicht zu rechnen, solange nicht der gesamte Vordere Orient in ein wieder friedlich aufbauendes Stadium zurückkehrt. Daß dies aber für die nächste Zeit nicht zu erwarten ist, beweisen die täglichen Meldungen aus den unabhängigen arabischen Staaten, deren recht beträchtliche Gärung nicht zuletzt auf das Widerspiel der im Vorderen Osten besonders interessierten europäischen Staaten zurückzuführen ist. Der Yemen, wo seit einigen Jahren ein starker englisch-itaüenfeoher Konkurrenzkampf im Gange ist, steht vermutlich vor großen Umwälzungen, die einem immer klarer werdenden Gegensatz zwischen dem alten, mehrmals totgesagten Autokraten Yahya und seinem ältesten Sohn folgen dürften. Daß dies den Gegner der yemenischen Unabhängigkeit, den Freund Englands, König Ibn ßsaud, zu erhöhter Aufmerksamkeit zwingt, ist ebenso selbstverständlich, wie etwa die Tatsache, daß England die transjordanische Grenze gegen den Irak und gegen Syrien zu befestigen und eine Eisenbahn von Palästina nach dem sehr wichtigen Akabah am Roten Meer zu bauen gedenkt. Alle diese Dinge sind keineswegs Vorzeichen neuen konstruktiven Aufbaus, sondern hängen sehr innig mit der Unübersichtlichkeit der Situation in Europa zusammen. * Es ist demnach selbstverständlich^ daß auch die Türkei ihre Existenz im arabischen Orient mit Nachdruck bemerkbar zu machen sucht Abgesehen von den nicht wiederlegten Gerüchten, daß der Türke Hekmet Pascha und der Kurde Bekr Zidky, die die irakische Revolution machten, von Ankara irgendwie unterstützt wurden, hat sich die Türkei für manche Bestrebungen Ibn esauds sehr interessiert gezeigt, und wendet nun auch dem Yemen erhöhtes Interesse zu. Ein Gesandter der a-religiösen Türkei wird sehr bald — neben dem russischen Vertreter — an jedem Freitag in der Moschee des orthodox-religiösen Imam von Yemen zu sehen sein. Aber aueh in Syrien beginnt die Türkei Einfluß zu nehmen, der sich, nicht wie bisher auf rein kommerziellem Gebiet, nun auch in der mit der Aufhebung des Mandats zusammenhängenden Innenpolitik bemerkbar macht und bereits den Charakter eines diplomatischen Konflikts anzunehmen droht. Der Sandjak (Provinz) Alexandrette mit der Hauptstadt gleichen Namens, gelegen am Nordende Syriens, also unweit der türkischen Grenze, ist seit jeher ein Brennpunkt türkischen Interesses, da die Bevölkerung dieses Gebietes zum Großteil aus Türken besteht. Die Türkei setzte es, als eine. Angliederung des Sandjake an die Türkei auf den Widerstand der Mächte stieß, schließlich durch, daß das Gebiet ein eigenes Statut erhielt und im Rahmen des Mandatslandes mehrweniger autonom wurde. Der in Ankara im März resp. Oktober 1921 geschlossene türkisch-französische Vertrag, dem zwischen 1926 und 1932 einige Zusätze beigefügt wurden, sieht vor, daß in dieser Provinz, in der unter 300.000 Einwohner eine Viortelmillion Türken leben, türkische Beamte eingesetzt werden und die türkische Sprache als offizielle Amtssprache — neben Französisch und Arabisch — anerkannt werde. Als nun der syrisch-französische Vertrag geschlossen wurde, verlangte Ankara, daß nicht Syrien allein für die Schicksale der Türken in Alexandrette verantwortlich zu sein habe, sondern daß eine franzöeißoh-türkisch-syrische Kommission ein neues Statut auszuarbeiten habe.. Ein ACHTUNG! Die für 12. Dez. d. J. im Festsaale des Hotels „Bayrlsoher Hof“ angesetzte CHANUKKAHFEIER des Jüdischen Pfadfinderbundes „Haschomer-Haialr1' ist wegen technischer Schwierigkeiten auf den IO. Desamber I* I« vorver« legt worden. Die bereits gelösten Karten behalteu ihre Gültigkeit. Großteil der türkischen Presse fordert sogar die Abtretung des Gebietes an die Türkei. Die Syrier sind natürlich dagegen und erklären dies als einen Eingriff in ihre Souveränität. An eine Abtretung von Alexandrette kann nicht gedacht werden, schon deswegen nicht, weil der Hafen von Alexandrette, von drei Seiten durch Berge glänzend geschützt, der natürliche Hafen für Syrien ist, insbesondere da Beyruth nicht syrisch, sondern libanesisch ist. Im Übrigen, erklärt die Regierung von Damaskus, befrage das türkische Element nur ein Drittel der Gesamtbevölkerung von Alexandrette und werde, wie jede andere Minorität, wie Christen, Juden, Armenier und Drusen, ohne äußere Einmischung von Syrien selbst geschützt werden. Es ist klar, daß die Zähigkeit der Türkei in dieser Frage mit irgendwelcher Rückendeckung zusammenhängt. Welch europäische Macht diese Haltung stützt, ist ungewiß, sicher aber ist, daß die allgemeine Unruhe, iu der sich die weetasiatischen Lebensräume befinden, eine Situation schafft, die die Türkei natürlich ebenso wenig ungenützt Vorbeigehen lassen will, wie etwa der Irak oder der Mufti von Jerusalem oder der gekrönte oder der noch nicht gekrönte Herr der Arabia feldx, des Yemen. DEN BESTEN KAFFEE IM Alle In« and ausländischen Zeitungen 6 moderne Seifert Stahl Billards Separate Spielzimmer, Bridgestube AM SCHWEDENPLATZ Zionisten Amerikas an Weizmann und die Kommission New York, 2. Dezember. (JTA.) 300 führende Persönlichkeiten des amerikanischen Zionismus huldigten auf der am 29. November in New York eröffneten Tagung des National Council of Palestine dem Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Ohaim Weizmann, für seine kraftvolle Vertretung der jüdischen Sache vor der Königlichen Kommission. Dem Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Louis D. Brandeis, der vor kurzem seinen 80. Geburtstag feierte, sprach die Tagung herzliche Glückwünsche aus. Der Vorsitzende der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothenberg, entwickelte die Forderun- Hausverwaltungen übernimmt seriöse Persönlichkeit. Auskunft: SPELMANN, I.,Wollzeile 27 R 21-M1 B gen,, die von jüdischer Seite gegenüber der Königlichen Kommission erhoben werden müssen. Die Darlegung der jüdischen Sache vor der Kommission gliedere sich in drei Teile: Der erste Teil betreffe die historische Verknüpfung der Jur* -heit mit Palästina, der zweite Teil habe sich mit der Heimatlosigkeit der Juden und dem Druck zu befassen, dem sie ausgesetzt sind, der dritte Teil beziehe sich auf die jüdischen Leistungen lind Errungenschaften in Palästina. In einem Bjericht wurde darauf hingewiesen, daß seit dem Ende des Weltkrieges durch Juden 80 Millionen Pfund nach Palästina gebracht worden sind. Der Council beschloß, eine Palästina-Landeskonferenz im Jänner nach Washington einzuberufen, und faßte eine Resolution, in der das Interesse der amerikanischen ’Judenheit an dem Heiligen Land hervorgehoben wird. In der Resolution wird zum Ausdruck gebracht, daß die amerikanische Judenheit rieh verpflichtet fühle, für jene hilflosen Juden aufzutreten, die keinen anderen Protektor hätten. Die Resolution wurde der in Palästina tagenden Königlichen Kommission zugesandt. Weizmanns große Redet Zustimmung, Mißverständnis, Ablehnung Jerusalem, 30. November. Aus allen Teilen des Landes, sowie auch aus dem Ausland, empfängt Dr. Weizmann Gratulationen zu seiner glänzenden Verteidigung des Zionismus vor der Königlichen Kommission. M. M. Uesischkin stattete Dr. Weizmann einen Besuch ab, um ihm persönlich zu gratulieren. Die Meldung, daß Dr. Weizmann in seiner Rede vor der Kommission die Erklärung des polnischen Außenministers Beck, der behauptet hat, daß es zwei Millionen überflüssiger Juden in Polen gäbe, gebilligt habe, entbehrt jeder Grundlage. Wahr ist vielmehr, daß Dt. Weizmann eine solche Behauptung scharf zurückgewiesen und, wie bereits von Palcor berichtet, erklärt hat, daß kein Grund vorhanden sei, warum Juden, die tausend I Jahre in Polen gelebt und dem Lande große Dienste erwiesen haben, als überflüssig hingestellt werden sollten. Die arabische Presse äußert sich voller Zorn über Dr. Weizmanns Aussagen vor der Kommission und bemerkt dazu, daß die Araber sich niemals damit einverstanden erklären werden, daß 6 Millionen, heimatloser Juden aus Europa nach Palästina kommen, und daß „Palästina jüdisch ist, so wie England englisch ist“. Wieder Terror in Palästina Jerusalem, 30. November. Heute morgen wurde ln der Nähe der Klagemauer der 45jährtge Joseph Hamburger angeschossen und schwer verletzt. Fast gleichzeitig wurden auf einen alten Juden, der sich auf dem Heimwege aus der Synagoge befand, im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt Schüsse abgegeben, die glüchlicherweise fehlgingen. In Haifa gaben Araber auf den aus Polen eingewandorten 60jährigen Beer Bernhard Schüsse ab und vorletzten ihn schwer. Die Angreifer entkamen unerkannt. Der Überfall wurde bei der in der Nähe des Hafens gelegenen Hühner-Qnarantänestation verübt. Bei Tulkarem sind zehn Autos, die mit Juden und Arabern besetzt wären, von einer bewaffneten Araberbande angehalten worden. Die Passagiere wurden ausgeranbt. Die Araber gaben Schreckschüsse in die Luft ab. Verletzt wurde niemand. Angriff auf ein Gefängnis Jerusalem, 1. Dezember. (JTA.) Eine Araberbande, die sich in den Bergen bei Tulkärem verborgen gehalten hatte, unternahm am Sonntag einen Angriff auf das Gefängnis in Nur el Sehemsch in der Absicht, dort festgehaltene Terroristen zu befreien. Die Bande stieß auf heftigen Widerstand der Polizei und mußte schließlich den Angriff abbrechen. Gleichzeitig wurde zwischen Lydda und Migdal Zedek von einer zweiten Bande ein Angriff auf Polizei durchgeführt. Der Kampf dauerte über edne halbe Stunde. Die Araber wurden vertrieben. Die Verfolgungsaktion steht unter der Leitung des jüdischen Polizeioffiziers Schiff. Bei Ramalla wurde ein Militäriastwagen von einer bewaffneten Bande angehalten. Die Polizisten wurden mißhandelt und ihrer Gewehre beraubt. Im arabischen Dorf Akrassa bei Nablus wurde ein Fellache erschossen, ein Dorfbewohner wurde als des Mordes verdächtig verhaftet. Be| Petaoh Tikwa wurde ein arabischer Wäch'ter angeschossen. Bei Ajn-Charod wurden einige jüdische Hilfspolizisten von Arabern aus dem Hinterhalt angegriffen. Niemand wurde durch die Schüsse verletzt. mtlBEL-tVlNTER für Gelegenheltsklufe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei Lerdienfelderstraße Telephon: A 21-3-31 KBRHnnSER HfllTEHLEDTGEBEH ft. G. CHEFARZT PROF DR ALOIS STRASSER Sämtliohe Kuren und Diäten. Idealer Aulenthalt för Kranke und Erholungsbedürftige. Auskünfte' Kaltenleutgeben. Tel. Nr. 8, nachmittags! Stadtbüro. Tel Nr U 45-4-34 Nashashibi „privat“ vor der Kommission Jerusalem, 30. November. Nach einer stürmischen Debatte beschloß das Arabische Oberste Komitee, Nashashibi die Erlaubnis zu erteilen, inoffiziell vor der Königlichen Kommission zu erscheinen, und zwar in Amman, das die Kommission in 14 Tagen besuchen wird und wo Nashashibi dann als Privatperson die arabischen Forderungen Vorbringen ©oll. Illegale Einwanderer verhaftet Jerusalem, 1. Dezember. (JTA.) Sieben Juden, unter ihnen drei Mädchen, die versucht hatten, die Grenze nach Palästina vom Norden her m überschreiten, wurden verhaftet. 34.000 Pfund für Wintersaatgut Jerusalem, 30. November. (JTA.) Der High Commissioner ließ mit Rücksicht auf die Dürre, die im vergangenen Jahr in verschiedenen Landesteilen herrschte, unter den armen Fellachen 34.000 Pfund als Darlehen zum Einkauf von Winter-Saatgut verteilen. Landwirtschaftliche Versuchsstation für Transjordanien Jerusalem, 30. November. (JTA.) Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat persönlich der transjordanieohen Regierung die Mittel zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Versuchestation zut Verfügung gestellt. Die Versuchsstation wird 100 Dimam Boden umfassen. Kommunisten mit Nashashibi! Jerusalem, 30. November. Einem Bericht ans arabischer Quelle zufolge bat sich die kommunistische Partei in Palästina entsprechend Weisungen aus Moskau an den radikalen Flügel des Arabischen Obersten Komitees, u. a. an Fakhri Nashashibi, Hassan Sidky Dajani und Izzat Darwaza, mit dem Vorschlag gewandt, gemeinsame Maßnahmen zu ergreifen, um die antijüdische und antibritische Bewegung zu stärken. 15.000 Pfund für notleidende Fellachen Jerusalem, 1. Dezember. (JTA.) Wie die JTA. erfährt, hat die Paiästinaregierung der Regierung von Transjordanien ein Darlehen von 15.000 Pfund zur Unterstützung notleidender Fellachen gewährt. JUpcäsewtatin ttUdUuMu-feiec du Zionistischen Landesverbandes für Österreich, der WIZO und der Zionistischen Bezirkssektionen am 8§ Dezember

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