Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 600 (27.11.1936)
- Date
- 1936-11-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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!•!(• 4 Oll ITIMMI Nr. 600. — Wien, Freite#, 27. November 1936. Die Landeskonferenz des Keren Kajemeth Am Sonntag, den 22. November, wurtte in Gegenwart von rund 200 Delegierten und Gästen die Landeekonferens des Keren Kajemeth durch den Vizepräsidenten Doktor Leou Freie eröffnet. An der Konferenz nahm a!e Delegierter des Hauptbüros Prof Julian Silberbusch teil. Dr. Chajra Tartakower erstattet« den Rechenschaftsbericht über die Arbeit des letzten Jahres und den Arbeitsplan dec neuen Jahre*. Er führte au*: Die Eingänge de* laufenden Jahres be trugen 241.000 Schilling gegenüber 109.000 Schilling dee vorigen Jahre*. Unter den Ein gängeo befindet eich ein Legat von Johann K r e m e n e z k y von 50.000 Schilling unt eine Keren-Kajemeth-Stiftung in der Höhe von 50.000 Schilling, die zu den ersten ihrer Art gehört. Das Kapitol erhält der Keren Kajemeth (fegen die Verpflichtung, für den Stiftungszweck dauernd Zinsen m entrichten. Im letzten Jahre wurde eine neue Spende „Trumath R e g e w“ — die „Schollen spende“ als Ablose für Blumen und sonstige kleine Geschenke eingeführt. Rund 490 e r wachsene Selbstkontingentler haben etwa 39.000 Schilling aufgebracht. Der Plan der Arbeit des neuen Jahre* ^ieht an regulären Eingängen 150.000 Sehil ling vor. Tn den Mittelpunkt der neuen Arbeit wird in noch verstärktem Maße als bisher die Selbstkontingentierungsi d e ö gestellt werden, die vom österreichischen Keren Kajemeth im Jahre 1922 einge* führt wurde und jetzt ihren Siegeszug über die übrige zionistische Welt anzutreten beginnt. Die Pflege der Tempelspende erfordere die Ausbildung des Vertrauensmännersystems in den Tempeln, welches bereit» im neuen Jahre im Gegensatz zu den übrigen Jahren sehr gute Anfangsresultate erbrachte. Die Pessach-Aktion werde viel gründlicher vorbereitet werden können als im vergangenen Jahre. Eine Neuerung werde auf dem Gebiete des „Sefer Hajeled“, des Goldenen Buches, und der Gärten dadurch eingeftthxt werden, daß den zionistisclen Gruppen bestimmte Aufbringung^ onfcmgen.te werden auferlegt werden. Das „Sefer Hajeled“ wird Gegenstand einer besonderen Propaganda sein. Die Büchse werde reorganisiert werden. Den Büchseninhabern, die ihre Büchse besonder* pflegen, werden wertvolle Buch preise gegeben werden. Ferner werde die Jugend allmonatlich Buchpreise erhalten Der Referent betonte, daß der Keren Kaje meth nicht bloß ein Geldsammel f o n d s sei, sondern ein volks- und jugend erzieherischer Faktor ersten Ranges, der daher die geistige Seite nicht genug pfle gen kann. Im neuen Jahr werde zum enstenmal nach dem Muster von Erez Israel der „Degel Kälteren Bakafemeth“ (Fahne des Keren Kajemeth), und zwar der besten erwachsenen Gruppe sowie der besten Jugendgruppe für die Dauer eines Jahres verliehen werden. In den Propagamdadienst de* Keren Kajemeth werde der Lichtbilddienet gestellt werden in der Form der Palästina Monatsschau, deren Zustandekommen das Hauptbüro des Keren Kajemeth ermöglicht hat. Sodann übernahm den Vorsitz der Präsi dent des österreichischen Keren Kajemeth, Adolf Böhm, und hielt sein Referat über Bodenkaufsmöglichkeltev in Erez Israel Die dem Bodenerwerb durch Juden und speziell durch den Keren Kajemeth feindliche Stimmung im Lande könne sich n i c h t f ü r die Dauer halten. In Erez Israel hat es sich gezeigt, daß der Felach nicht nur existieren, sondern auch sich wirtschaftlich nur dann weiterentwickeln kann, wenn er einen Teil seines Bodens an die Juden veräußert und zur Intensivierung seines verbliebenen Besitzes übergehe. Die Juden waren es, die durch Einführung der Bewässerung die landwirtschaftliche Kapazität des Landes ganz besonders erweitert haben. Aus diesen Gründen ist es nur natürlich, daß die Bodenkaufsmöglichkeiten in Erez Isiraed trotz der Unruhen nicht abgenommen haben. Auch die Königliche Kommission werde schwerlich zu anderen Resultaten kommen können, well der wirtschaftliche Fortschritt der Araber unzertrennlich mit der Entwicklung des jüdischen Volkes in Palästina verbunden ist. Hierauf erteilte Gg. Adolf Böhm Hofrat der im anderer Dr. Ludwig Werner das Wort, eigenen Namen wie auch in dem ältester Zionisten die Konferenz an die großen Verdienste erinnerte, welche sich Dr. E. M. Zweig um den österreichischen Zionismus seit seinen Anfängen erworben habe. Daher sei es den österreichischen Zionisten unverständlich, wie man auf die Dienste des Zweig beim Hauptbüro verzichten könne, der atts reinstem Idealismus seine ausgezeichnete Stellung als Wiener Rechtsanwalt und Führer des österreichischen Zionismus aufgegeben habe, um sich dem Keren Kajemeth sie Beamter zur Verfügung zu stellen. Er schlug folgende Resolution vor, die ohne Debatte einhellig angenommen wurde: „Dl« Landeskonferenz des Keren Kajemeth Österreichs spricht ihr tiefes Bedauern darüber au*, daß das Hauptbüro des Keren Kajemeth beabsichtigt, den aus der Zeit H e r z I s für die Bewegung hervorragend tätigen, hochverdienten Gg. Dr. E. M. Zweig nicht mehr zu beschäftigen. Die Landeskonferenz richtet an das Direktorium das dringende Ersuchen, den verdienten, fähigen und hoebangesehenen Gg. Dr. Zweig weiter für den von ihm raitgesebaffenen Keren Kajemeth zu verwenden. Wir zweifeln nicht, daß die Ausschaltung des Gg. Dr. Zweig in der ganzen Bewegung denselben deprimierenden Eindruck machen wird, wie es hier in starkem Maße der Fall ist. Das Präsidium wird ersucht, neuerlich an das Hauptbüro in dieser Sache her-j anzutreten. Bei dieser Gelegenheit richtet die Lan-I deskonferenz an das Direktorium das1, dringende Ersuchen, im Interesse des An Sehens des Keren Kajemeth und seiner Angestellten endlich an die Schaffung einer Dienstordnung, einer Disziplinarvor Schrift und eines Pensionsstatuts zu schreiten, wie dies auf verschiedenen Kongressen bereits verlangt wurde.“ Adolf Böhm würdigte sodann die Leistungen des Dr. Zweig für den österreichischem Zionismus seit seinen Anfängen, für die Eroberung der Kultusgemeinde, für die Neuorganisierung de« Keren Kajemeth, als das Hauptbüro desselben von Wien nach Köln verlegt wurde, usw., und schlug seinerseits folgende Resolution vor, die ebenfalls ohne Debatte einhellig angenommen wurde: „Die am 22. November tagende Landeskonferenz des Keren Kajemeth begrüßt Dr. Egon Michael Zweig und spricht ihn für seine jahrzehntelange aufopfernde und erfolgreiche Tätigkeit auf allen Gebieten des Zionismus seit seinem ersten Auftreten und speziell auf dem des Keren Kaje meth von seiner ersten Gründung an den herzlichsten Dank aus. Die Konferenz spricht die Erwartung aus, daß Dr. Zweig ein Arbeitsgebiet zugewlesen erhalten wird." Hierauf erstattete der Delegierte des Hauptbüros des Keren Kajemeth in Jerusalem, Herr Prof. Julian Silberbusch, sein Referat über „Die Au f g abe n de s Keren Kajemeth LejIsrael in Erez Israel und in der Ga lut A“. Er führte aus: Die Bodenpolitik des Keren Kajemeth ist durch die Lehren, die wir aus der Zeit der Unruhen gezogen haben, stark beeinflußt. Die Entwicklung unseres . gesamten SAedlungswerkes gerade in dieser schweren Zeit hat gezeigt, wie unerschütterlich im großen und ganzen das ist, wa» wir bisher in Palästina goselaffen haben, wie sehr aber auch die Unerschütterliclikeit gerade a.uf den nationalen landwirtschaftlichen Sektor unseres Aufbauwerkes zurückzufüliren ist, Ja, wir haben es den Keren-Kajemeth-Siedlangen zum allergrößten Teile zu danken, daß wir überhaupt aushielten, daß wir eine Art Autarkie schufen und die ganze Zedt nicht nur ohne große Schädigungen überdauerten, sondern uns sogar an vielen Stellen trotz Unruhen und Unsicherheit viel stärker verankern connton. Aber gerade während der Unruhen haben wir auoh feststellen können, wo die schwachen Stellen unseres Siedlung*- Werkes sind, und so wird die weitere Tätigkeit des Keren Kajemeth darauf gerichtet sein, planmäßignicht nur diese schwächeren Teile zu stärken, sondern auoh in Zukunft unsere landwirtschaftliche Basis noch unangreifbarer zu machen. Die Tätigkeit des Keren Kajemeth Lojisrael wird sich somit in der nächsten Zeit ln der Hauptsache nach zwei Richtungen erstrecken: Vor allem werden wir versuchen müssen, das Bestehende stärker auszubauen, schwache Siedlungspunkte zu erweitern, isolierte Punkte fester mit unserem ganzen Siedlungswerk zu verbinden und so unserem ganzen nationalen Besitz eine viel bessere innere Geschlossenheit zu geben. Aber darüber hinaus wird die vorausblickende Politik de? Keren Kajemeth darauf gerieitet sein müssen, neue, große Siedlungszentren zu erschließen. Im zweiten Teile seines Referates sprach der Referent über die große Diskrepanz zwischen den bestehenden Bodenkaufsmöglichkeiten und den Geldmitteln, welche das jüdische Volk seinem Bodenfonds zur Verfügung stellte, betonte, daß die Geldaufbringungsarbeit auf neue lagen gesteht werden müsse, und zwar so, daß sich Zionisten und Palästina-Freunde individuell für (l;iis aufzubringende Budget, verantwortlich fühlen und es durch kontinuierliche Ihre Leihbücherei ist dir t. E I H B C C H F. R K I Jüdische Volhshochsdiuie- JUdlsdicKulturstelle,;^;,1^^ Hmrsdninwp'n s 1.20 monatlich Jndaiu im letzten Jahre eingetragenen Gruppen und Selbstkontingentler. An der Debatte nahmen teil: Fritz F i s e li 1, Kassiel G 1 a s b e r g, Max B a n d- 1 e r, Moritz Fleischmann, Simon Saß und Tsidor Schächter. Schließlich schlug Dr. Tartakower die Liste der neu zu wählenden Mitglieder der La.mleftkommieeion vor, die einhellig angenommen wurde. Die Konferenz wählte Adolf Böhm neuerlich zum Präeidenten dee österreichischen Keren Kajemeth, ferner die Mitglieder .Josef Alt.mann, Max Bandler, Elias Berger, Dr. Kopel Blum, Arnold David, Dr. Hermann Ebner, Moritz Fleischmann, Arjeh Fränkel, Georg Freilich, Frau Malvine Frey, Simon Gaepard, Kaßriel Gla-sberg, David Kotier, Alfred Kolben, Grete Kollek, Roealie Leser, Dr. Ilona Löwy, Beno Mandel, Frau Dr. R. Ofner, Israel Pieper. Frau Lotte Plaschkes, Doktor | Siegfried Pla.schkes, Dr. Leon Preis, Doktor Grund-; David Rothblum, Simon Saß, Mauryce jSogal, Gustav Schiemann, Salo Schmerler, Leon Schräge, David Stahl, Dr. Mos cts Stöckel, Dr. Chaim Tartakower, Bürsenrat Josef H. Walltuch, Frau Sabine Weiner, Abraham Zahler. Mitarbeit sichern helfen. Er entwickelte schließlich den Plan der „Liga der Keren-Kajemeth-Freundc deren Schaffung nicht nur das einzige Mittel darstellt, wirkliche, grundlegende zionistische Arbeit zu leisten, sondern auch die Eingänge des Keren Kajemeth so zu steigern, daß er seine großen Aufgaben erfüllen könne. Hierauf schlug er unter allgemeiner Zustimmung der Konferenz nachfolgende Resolution vor: „Mit Rücksicht darauf, daß nur ein großer und starker Keren Kajemeth die ungesunden Entwicklungstendenzen des jüdischen Heimes zu kompensieren und die entsprechende Garantie für einen normalen Aufbau zu geben vermag, fordert die KKL-Landeskonferenz alle Zionisten auf, der praktischen Arbeit für den Keren Kajemeth ihr besonderes Augenmerk zuzuwendeu und sie in das Zentrum ihrer zionistischen Arbeit zu stellen. Diese praktische Arbeit besteht vor! allem in der Verpflichtung, bei Bekannten und Freunden durch ständige Forderung, Mahnung und Erziehung alljährlich einen bestimmten Betrag für den Keren Kajemeth aufzubriugen (Selbstkontingentie- Restaurant Rillet 'r: i altrenommierte Küche 'w Reichhaltige Menüs ä $ 1*90 u. 2*60 fl., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Werfels »Landder Verheißung« in New York Prag, 24. November. (JTA.) Franz Werfel ißt unlängst aus Now York zurückgekehrt, wo die Uraufführung seines von Max Reinhardt inezenierten biblischen Dramas „Das Land der Verheißung“ durchberaten wurde. Die Dichtung wird mit ganz besonderem Aufwand in der Manhattan-Oper uraufgeflihrt werden. Auf Reinhardts ausdrücklichen Wunsch sind, um eine Einheitlichkeit des Raumes zu ermöglichen, kostspielige bauliche Veränderungen vorgenommen worden. Unter anderem hat man die das geschlossene Bild störenden Logen entfernt; auoh eine Erhöhung der veralteten Opembühue wurde rung) und so durch Beispiel"und Leistung i duroligeführt, was Felssprengungen erforscht nur das Budget des Keren Kajemeth derte. Von deutschen Künstlern werden ‘ * ’ auch einige in englischer Sprache mitwirken, darunter die Gattin Reinhardts, Helene T h i m i g. Das Zustandekommen dieser Uraufführung ist in erster Linie wieder der Initiative Max Reinhardts zu danken, der es verstanden die für den Umbau und die Ausstatnotwendigen Gelder bei New-Yorker sicherstellen zu helfen, sondern auch zu wahren Trägern und unermüdlichen Verfechtern der Bodenauslösung zu werden. Die KKL-Landeskonferenz ersucht die Leitungen der zionistischen Verbände im Einvernehmen mit der Keren-Kajemeth- Sammelstelle, durch eine besondere Prohat, kiamation die Selbstkontingentung tierung allen Zionisten zur Pflicht zu machen. Die Konferenz verlangt, daß die Voraussetzung zur Behaben Kleidung von Ehrenstellen in den zionistischen Körperschaften sowie das passive Wahlrecht zum Kongreß neben der Keren-Hajes8od-Zahlung auch die Übernahme und Erfüllung eines Selbstkontingents für den Keren Kajemeth sein soi I." Frau Lotte Plaschkes referierte über die Frauenarbeit im Keren Kajemeth und schlug folgende Resolution vor: „Jede Zionistin solle im Rahmen ihres Selbstkontingenls zumindest eine „Sefer- Hajeled-Eintragung“ aufbringen, ein Patronat über mindestens fünf bis höchstens zehn Büchsen übernehmen und schließlich für die Heranziehung von Nichtzionisten zur Mitarbeit für den Keren Kajemeth durch Veranstaltung von Zirkeln sorgen.“ Die Resolution wurde angenommen. Kunstfreunden zu beschaffen. Die früheren Nachrichten, die das Scheitern dieses Reinhardtschen Iiißzenierungeplanes meldeten, sich nicht bewahrheitet. Dann verlas Herr Dr. Tartakower die in den Pinkaß des Keren Kajemeth wegen ihrer Verdienste um den Keren Kajemeth SlonlillMh« BuirkaMklloii Mariahilf-Neubau, VI., Königseggasse 10 (Gewerkschaftshaus) Dienstag, 1. Dezember 1936, 739 Uhr abends, Prof. Julian Silberbusch: „Jahre der Entscheidung" Franz Kafka: »Beschreibung eines Kampfes« Untor diesem Titel erscheint nuu der fünfte Band der Gesamtausgabe der Werke Franz Kafkas im Verlag Heinr. Mercy Sohn, Prag. Auch die bisher erschienenen vier Bände sind aus dem Verlag Schocken in den Verlag Heinr. Mercy Sohn üborgegangen. — Der fünfte Band ist durch zahlreiche bisher unveröffentlichte Stücke aus dem Nachlaß bedeutsam. So enthält er die 66 Seiten umfassende, erst jetzt aufgefundene Titelnovello „Boschroibung oines Kampfes“, die dadurch besonders interessant ist, daß sie die oinzigo große Arbeit ist, die im Nachlaß vollendet vorlag (dio Romano eind bekanntlich alle unvollendet), und daß sie das früheste Werk Kafkas ist, auch das einzige mit deutlichem Lokalkolorit seiner Heimatstadt Prag, deren Gassen und Plätze hier nicht im Dämmerlicht der Phantasie, sondern mit realen Namen erscheinen. Ferner sind in dem Band vereinigt: dor komplette erste Akt des einzigen Dramas, das Kafka schrieb, zwölf bisher unpublizierte kleine Erzählungen und das umfangreiche Fragment „Blumfeld, ein älterer Junggeselle“, endlich die in dem früheren Band „Beim Bau der chinesischen Mauer“ enthaltenen Erzählungen und Aphorismen. Zionist I Bist Du schon Selbstkontingentler des Keren Kajemeth 1