Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-11-27 · Heft 600 (27.11.1936) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 600 (27.11.1936)
Date
1936-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054338-3054356--6306-3062142
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 600. — Wien, Freliag, 27. November 1936. Ofl STIMM! Seit« 3 Erklärung Der „Völkische Beobachter“ (Nr. 324 vom 19. November) schreibt Aber die Führertagung der N. Z. 0. in Wien u. a.: „So erstattete der Leiter der sogenannten Informationsabteilung der Wiener Zionisten, der Wiener Rechtsanwalt Dr. Grünbaum, ein Referat über den Fall Frankfurter.“ Diese Meldung ist frei erfunden. Es gibt keine „sogenannte Informationsabteilung der Wiener Zionisten“, deren Leiter ich bin. Ich bin nicht Revisionist, habe an der Tagung der N. Z. 0. nicht teilgenommen und habe über den Fall Frankfurter nirgends referiert. Dr« Oskar Griinbaum KAFFEE PALACE Wien, 7f, Mariah'lfeutrafle 83, Tal. A-37-5-53, A-37-.-6I Empfiehlt seine eleganten großen Räumlichkeiten für Hochzeiten, Bar-Mizwoth, Bankette etc. zu mäßigen Preisen. Neu« L Itung: I. LUSTBADE R, Basltzar das Kaffee Westbahnhof. Solche.. n Auf einer Kundgebung des Wiener Gewerbes haben die führenden Persönlichkeiten der Stadt Wien Reden gehalten, die durch ihre unsubstanzierten Angriffe auf Juden in scharfem Gegensatz zu den von der Regierung Österreichs wiederholt betonten Grundsätzen standen und auch zu einer Rede, die Bundeskanzler Dr. Schuschnigg bei derselben Gelegenheit hielt. Der Kanzler batte als das Problem Österreichs das Zusammenhalten und die Zusammenarbeit aller hervorgehoben, wobei er keine einzige Gruppe von Österreichern irgenwie ausschloß. Die beiden Bürgermeister dagegen machten einen Trennungsstrich zwischen nichtjüdischen und jüdischen Österreichern, in diesem besonderen Fall zwischen nichtjüdisohen und jüdischen Gewerbetreibenden. Bürgermeister Schmitz tat dies bei der Besprechung des Problems der Warenhäuser. Man kann verschiedener Meinung über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit der Warenhäuser sein. Es gibt wirtschaftliche Autoritäten, die der Ansicht sind, daß die allgemeine Belebung des Konsums, die durch die besondere Aktivität der Warenhäuser hervorgerufen wird, sich günstig auf die gesamte Wirtschaft und sogar auch auf die kleinen Gewerbetreibenden auswirke, ja, Berliner Statistiken besagen, daß sich selbst in der Umgebung der Warenhäuser der Umsatz im Kleingewerbe erhöht habe. Aber diese prinzipielle Frage steht hier nicht zur Diskussion, weil Bürgermeister Schmitz selbst sie beiseite schob und die ganze Angelegenheit vom Gesichtspunkt „jüdisches“ und „nichtjüdisches“ Gewerbe behandelte. Er verlange, so sagte er, die Verhinderung der Neuerstebung und der Erweiterung von Warenhäusern „um so mehr, als ja dahinter zumeist nicht Leute stehen, die wir von jung auf kennen, sondern solche...“ Noch ehe er den Satz beendet hatte, konnte sich der Bürgermeister davon überzeugen, daß schon diese bloßen Anspielungen gezündet hatten. Tosender Beifall der verständnisvollen Menge unterbrach ihn. Er aber setzte fort, den Beifall bestätigend: „...deren Heimatschein und Gewerbeschein verhältnismäßig sehr jungen Datums ist, allerdings älteren Datums als meine Bürgermeistersohaft.“ Bürgermeister Kresse nannte die jüdischen Gewerbetreibenden „unerwünschten Import“. Auf den gleichen Ton waren auch andere mehr oder weniger deutliche Anspielungen auf die Juden abgestellt. Es müßte sich doch endlich die volkswirtschaftliche Erkenntnis durohringen, daß mit der Ausschaltung von Menschengruppen aus der wirtschaftlichen Betätigung noch nie etwas erreicht worden ist. Wenn dem einen seine freie Betätigung genomimon wird, bedeutet das noch lange nicht, daß nun für einen Angehörigen einer anderen Gruppe von Bürgern ein größerer Anteil an den Lebensgütern der Gemeinschaft frei wird. Die Gesamtmenge der Lebensgüter wird J kleiner durch die Ausschaltung produktiver und beleoender Kräfte, also fehlt normalerweise mit dem Fortfall produktiver Individuen auch vom Gesamtprodukt ein entsprechender Teil. Die Gewerbetreibenden, die den Bürgermeister bei dem Wort „solche“ mit begeistertem Applaus unterbrochen haben, können sicher sein, daß kein einziger von ihnen auch nur um einen Groschen reicher wird, wenn es im österreichischen Wirtschaftsleben überhaupt keine ,solchen“ mehr gäbe, Probleme der Wiener jüdischen Aerzteschaft Mittwoch abends hielt die Vereinigung der jüdischen Ärzte in Anwesenheit von mehreren hundert Mitgliedern ihre Jahresversammlung ab. Sie wurde eingeleitet durch die Neuwahl des Präsidenten an Stelle des verstorbenen Umversitäbsprofessors Doktor Ludwig Braun. Die Wahl fiel einstimmig auf Universitätsprofessor Dr. Herbert Elias, der stürmisch begrüßt, in einer programmatischen Antrittsrede nach einem warmen Nachruf auf seinem Vorgänger im Präsidium über Gegenwart und Zukunft der jüdischen Ärzte in Wien sprach. Den Wiener jüdischen Ärzten geht es nicht gut, denen auf dem Lande noch viel schlechter, und die Zukunft zeige trübe Aussichten. Durch unser eigenes Verhalten können wir das Verhalten unserer Gegner kaum entscheidend beeinflussen, weil ihre Gegnerschaft von ganz anderen Faktoren abbängt als von unserem eigenen Wohlverhalten. Besonders traurig scheint uns die Lage des ärztlichen Nachwuchses, weil ihm jede Möglichkeit der Ausbildung entzogen wird, insbesondere die Ausbildung zum Facharzt. Man kann an den Fingern Dr. Petko, konnte in der letzten Vorstandssitzung diese Zusage wiederum nicht verwirklicht werden, weil ein Vorstandsmitglied widersprach. WiT haben aber ein Reoht, unsere Dienste im Rahmen der Wirtschaftsorganisation dem Staate zu widmen und an der Gestaltung der ärztlichen Standesangelegenheiten mitzuwirken, so wie es uns die Vertreter der Vaterländischen Front zugesagt haben und wie es auch den Grundsätzen der Staatsführung entspricht. Diese Mitteilungen weckten eine lebhafte Debatte, und es wurde beschlossen, neuerlich in einem Memorandum die gleiche Forderung zu wiederholen. Einige hundert Mitglieder der Wirtschaftsorganisation werden sie mit ihrer Unterschrift bekräftigen. Oie Pflichten des Jüdischen Arztes Unter dem Titel „Hodegetik des jüdischen Arztes“ grab sodann Vizepräsident Doktor Plaschkes eine eingehende Erörterung über „die Pflichten des jüdischen Arztes in dieser Zeit“, insbesondere hinsichtlich einer möglichst guten Ausbileiner Hand die Anstalten abzählen, die noch düng, peinliche Beobachtung der ärztlichen für die Ausbildung unserer jüdischen Jung- Ethik im Interesse der Gesamtheit, «•»•aß*«« ärzte offen stehen. Um so wichtiger ist unter solchen Umständen die Erweiterung des Rothschild-Spitals. Es ist eine ungeheure und verantwortungsvolle Aufgabe, hier die allertüohtigsten zur Ausbildung zuzulassen, und andere, wenn sie auch sicherlich geeignet sind, abzuweisen. Mit dem größten Eifer wolle er sich dieser Aufgabe unterziehen, wenn auch die Schwierigkeiten sehr groß sind. Keine Vertreter g in der Standesorganisation Große Bewegung weckte in der Versammlung die von dem Vizepräsidenten Dr. Gustav J e 11 i n e k in seinem Jahresbericht gemachte Mitteilung, daß die wiederholt gemachte Zusage, einen Vertreter der Vereinigung in den Vorstand der Wirt-1 schaftsorganisation der Ärzte Wiens trotz mehrfacher Urgenzen nicht eingehalten wurde. Entgegen dem Antrag des Präsidenten der Wirtschaftsorganisation, Medizinalrates im Interesse aer wesamtneiü, größtes Entgegenkommen gegenüber den Patienten, soziales Pflichtgefühl, Wohlwollen gegenüber der Kollegenschaft. Zurückhaltung in politischer Be iehung und Teilnahme an den Fragen der Volksgesundheit und der notwendigen sozialen Umschichtung innerhalb der jüdischen Jugend. Er betonte schließlich die ungeheure Bedeutung der Sorge für den ärztlichen Nachwuchs. Alle jüdischen Ärzte müssen gemeinsam das Rothschild-Spital zu einer Stätte höchster ärztlicher Kultur machen, was auch für die Wiener ärztliche Schule im allgemeinen und für die Wirtschaft der Stadt Wien von großer Wichtigkeit ist, weil die Kollegen aus dem Norden, Polen, Litauen und den anderen Randstaaten, die jetzt nicht mehr nach Berlin gehen können, ihre Ausbildung in Wien vollenden werden. Die Versammlung beschloß dann den korporativen Beitritt zum Weltverband jüdischer Ärzte. Achtung, Cafetiers! Abonn;eren Sie Ihren Bedarf sämtlicher in- und ausländischer Zeitschriften beim Zettunssbetrieb Maria Doubek, Wien, l.f Wollxcllc 5 (Im Durchhaus) Die Zustellung erfolgt rasch und pünktlich, auch an Sonn- und Feiertagen. Rufen Sie die Nummer R 21-1-96 Z und Sie erhalten jede gewünschte Auskunft. Der neue Stadtkibbuz des Snif Österreich des Hechaluz Haklai Zion! in der Rueppgasse geht seiner Vollendung entgegen. Es werden dringend Einrichtungsgegenstände, insbesondere Tische, Bänke und Sessel, benötigt, ebenso Küchengeschirr, Kleider, Schuhe und Wäsche, Decken, Bettzeug und Lebensmittel. Helft den Chaluzim, die sich ihr Heim einrichten! Gebt den Chaluzim Arbeit! Sie stehen für jede Arbeit zur Verfügung. Glaser, Kürschner, Kappenmacher, Masseur, Maler, Elektriker, Bäcker, Maurer, Schuster, Anstreicher, Tapezierer, Hilfsarbeiter suchen Arbeit. Wendet euch bei Arbeitsvergebung und wegen Abholung von Geld- und Naturalspenden telephonisch an den Zionistischen Landesverband, Wien, I., Marc-Aurel-Straße Nr. 5, Tel. U 22-2-11. Lehrfarm für deutsche Auswanderer in Schweden Stockholm, 24. November. (JTA.) Ein anonymer Spender stellte die Summe von 80.000 Schwedenkronen zur Gründung einer landwirtschaftlichen Lehrfarm für j ü d isohe Jugendliche aus Deutschland, die sich für das Leben in Palästina vorbereiten wollen, zur Verfügung. Es wurde bereits in Svartingtorp, Südschweden, ein Grundstück zur Errichtung der Farm, die unter der Leitung eines Fachmaneue stehen wird, erworben. Salman Epstein gestorben Jerusalem, 24. November. (JTA) Im Alter von 76 Jahren verstarb in Ramat Gan der Nestor der hebräischen und jiddischen Journalisten Salman Epstein, Kurze Palästina-Nachrichlen Es gibt heute in 79 ländlichen Siedlungen 18.500 jüdische Arbeiter, wobei die noch nicht angesiedelten Arbeiter-Kibbuzim, deren Mitglieder als Taglöhner arbeiten, nicht miteingerechnet sind. Ab 23. November amtiert in TeJ-Äviv ein eigener Polizeirichter. * Aus Hebron geflüchteten Juden wurde von Arabern der „freundschaftliche Rat“ erteilt, nicht zurückzukehren, da sie ihres Lebens nicht sicher sein würden. In Tiberias sind die Verhältnisse wieder normal. Ein Teil des dem Scheich Muni gehörenden Landbesitzes nordöstlich des Jarkon ist in die Grenzen von Tel-Aviv einbezogen worden. * Der unter dem Namen Sohlomo Haalkushi bekannte Schriftsteller Salman Epstein starb heute in Ramat Gan. * Auf Grund von Zertifikaten aus der früheren Schedule treffen in dieser Woche in Palästina 800 Flüchtlinge aus Rußland und Buchara ein, die sich bisher in Afghanistan aufgehalten haben. Scheich El Kassaib, der Vertreter von König Ibn Saud, traf in Jerusalem ein, wo er mit Araberführern zusammentraf. Hausverwaltungen übernimmt seriöse Persönlichkeit. Auskunft: SPIELMANN, I.,WolIzei!e 27 R 21-1-11 B Histadruth Ivrith. Samstag, den 28. November, 8 Uhr 15 abends, spricht im Heim, II„ Kleine Mohrengasse 3, Sohlome Auerbach über „Smolenßkyn wedoro“. — Seminare der Histadruth werden unter Leitung Dr. J. Schächters und 8. Auerbachs eröffnet. Die Generalversammlung des jüdisch-akademischen Vereines Theologia vom 16. November' 1986 wählte folgende Kollegen für das Wintersemester 1986/87 in den Ausschuß; Präses: Jgn. Seidenfeld, Vizepräses: Josef Weidenfeld, Abraham Badier, Georg Vadnai, Nachum Müller, Jona*.Stahl, Karl LübJ, EütZ ytdittyGHt iudiscUe Bibliothek durch den Jüdischen Biichklnb Nur S 8‘- vierteljährlich Verfangen Sie Prospektei Der JÜDISCHE BUCHKLUB WIEN, FLEISCHMARKT 1 TELEPHON R 21-4-25 Die Juden in Persien Der neue Generalkonsul des Iran (Persien) in Schanghai, A. R. Mirfendereski, äußerte sich in einem Gespräch mit dem JTA.-Vertreter über die Lage der Juden in Persien. Der Iran,, erklärte der Generalkonsul, steht den. jüdisch-nationalen Aspirationen freundlich gegenüber. Seine sittlichen Auffassungen enthalten nichts, was ihn zum Gegner des jüdischen Volkes in seinem Streben nach nationaler Befreiung machen könnte. Den jüngsten arabischen Unruhen und * Gewalttaten im Heil’gen Land hat sich der Iran fern gehalten und in diesem Kampf nicht Partei ergriffen. Die wohlwollende Neutralität des Iran wird nicht verfehlen, Eindruck auf die Juden zu machen. Die im Iran lebenden 500.000 Juden erfreuen sich gleicher Bürgerrechte und völliger Freiheit. Auf die Frage, ob Juden im Iran Regierungsstellen bekleiden, antwortete der Generalkonsul, es gebe ihrer eine ganze Reihe in den Diensten der Mini? s t e r i e n für Verkehr, Landwirtschaft, Handel und Finanzen. Im allgemeinen zögen die Juden jedoch selbständige Berufe dem Regierungsdienst vor. . Gibt es, fragte der Interviewer weiter, für die Juden Beschränkungen bei der Sammlung von Mitteln für den Palästina- Aufbau? Durchaus neralkonsul. nicht, erwiderte der Geist es den Juden im Iran erlaubt, öffentliche .Versammlungen abzuhalten und zionistische Vereinigungen zu bilden? Gewiß; sie unterliegen keiner Beschränkungen. Generalkonsul Mirfendereski teilte weiters mit, daß es eine jüdische Einwanderung nach dem Iran gebe. In den letzten Jahren hat der Iran seine Tore jüdischen Flüchtlingen und Auswanderern aus Afghanistan, Rußland nnd Deutschland geöffnet. Auch die Auswanderung nach Palästina wurde von der Regierung unterstützt. Die Juden werden von der Iranischen Regierung als patriotische und loyale Bürger geschätzt Das jetzt hernschende fortschrittliche Regime wurde vor fünfzehn Jahren von Kaiser Phalavi eingeführt Wanderer aus Deutschland haben Arbeit beim Erziehungsminlsfcerium, einige auch in Krankenhäusern gefunden. Für jüdische Einwanderer bestehen im Iran keine Beschränkungen, falls sie einen Beruf und eigenes Vermögen haben. Die 50.000 Juden im Iran sind wirtschaftlich selbständig und es kann damit gerechnet werden, daß sie ihren leidenden Brüdern zu Hilfe kommen. In den Krankenhäusern sind auch jüdische Ärzte tätig, die von iranischen Hochschulen graduiert wurden. Im iranischen Parlament gibt es auch einen jüdischen Abgeordneten, Dr. L o n g h a ra, ctel sich allgemeiner. Beliebtheit erfreut,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.