Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 599 (24.11.1936)
- Date
- 1936-11-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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«eite 2 Dlf 8TIMMI Kt. 809, —* Wien, Dienstag, 84. November 1980. mjssoon Ihre Untersuchungen eben erst begönnen ha.t, von zionistischer Seite irvtt dem Vorschlag der Paritütsformel hcrauszurtikken? 2. Ist, diese Formel — vom englischen Standpunkt aus gesehen — so elastisch, daß sie von England angenommen wird? 3. Verrammelt sie nioht den Weg zur Er* Teichting des zionistischen Endziels oder bedeutet sie nioht sogar von vornehereln eben Verzicht auf das zionistische Endziel? Andere Fragen, die sich auf drängen, sollen Wer einstweilen nioht gestellt werden. Einstweilen soll nur festgestellt werden: Gewiß gibt es in unserer raschlebigen Zelt keine politische Formel, die für die Ewigkeit eindeutig bleibt. Es ist auch richtig, daß in der Politik letzten Ende» alles eine Maohtfrage Ist. Niemand kann daher sagen, welche Auslegung Weizmanns Formel in der Zukunft erfahren kann und wie weit uns Englands Beschlüsse, die es auf Grand des Gutachtens der Königlichem Kommission fassen wird, die Hände binden werden. Der Text der Balfour-Deklaration, der klar zu unseren Gunsten spricht, ist da ein lehrreiches Beispiel. Wae hat alles Pasafield aus ihm herausgelesem,, was Chancellor, was Wauohope und was droht uns jetzt! Es ist also kein Wunder, wenn die Paritätsformeä im zionistischen Lager auf Ablehnung stößt, wie »ich das auch aius dem Beschlüssen der Leibung des Weltverbamdes der Allgemeinen Zionisten ergibt, Dde Krakauer Leitung das Weltverbamdes hat festgestellt, „daß die Paritätsparoie i m Widerspruch mit den Grundzielen der zionistischen Bewegung und mit den durch das Mandat anerkannten Hechten des jüdischen Volke« steht, und daß die Exekutive nicht berechtigt sei, aus den Beschlüssen des XVH. Kongresses die Paritätsformel zu konstruieren.“ Palästina vor dem Unterhaus London, 20. November. (JTA.) Im Unterhaus sagte Minister 0 r m 8 b y - G o r e auf eine Anfrage, die Palästina-Regierung' habe im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen besondere Vereinbarungen mit der Jewish Agency for Palestine getroffen, wonach die laufenden Ausgaben für die zur besserem Verteidigung der jüdischen Siedlungen und Verstärkung des Polizeidienstes in Tel-Aviv angeworbenen Hilfspolizisten zwischen der Regierung und den in Betracht kommenden Gemeinschaften geteilt werden sollen. Pie Kapitalisten, z. B. die Auslagen für Uniformen, Ausrüstung, Waffen und Munition, werden von der Palästina-Regierung vollständig getragen. 93 arabische Häuser demoliert G a 11 a o h e r (Kommunist) fragte, ob der Kolonienminteter wisse, daß während der Unruhen Dörfer auch durch Flugzeuge mit Bomben belegt und einzelne Häuser mit Dynamit gesprengt wurdon. Wie viele Tote und Verwundete gab ee infolge Bombardierung und Sprengung? Minister Ormsby-Gore: Die Behauptung, Dörfer seien von Flugzeugen aus bombardiert worden, ist vollkommen unwahr. 98 Häuser wurden gemäß den Bestimmungen der Notverordnungen des High Commissioner auf Grund der Palestine (Defenoe) Order in Counoll demoliert. Menschliches Leben und Gesundheit hat durch diese Demolierungen nicht gelitten. Der Minister für die Koordinierung der britischen Verteidigung, Sir Thomas Ineklp, wurdo vom Abgeordneten Wedgwood gefragt, ob Palästina Im britiechen Verteidigungssystem jetzt au dio Stelle Ägyptens traten werde, und ob die Regierung etwas unternommen habe, um den englanafreundlichon Teil der Bevölkerung zu stärken- In schriftlicher Beantwortung der Frage erklärte der Minister, daß das britische Verteidigungssystora durch den anglo-ägyptischen Vortrag keine Schwächung erfahre. Es erübrige sich daher die Beantwortung des zweiten Telle der Frage. Der Abgeordnete Wedgwood fragte den Kolonfonministor, ob ihm bekannt «ei, daß ee der Kommission auf Grund ihres ArbeitsprogTamros verwehrt Ist, eine Unfcereuchung über das Versagen der Palästina- Verwaltung bei der Unterdrückung der Unruhen durohzuführen, und ob der Minister Schritte unternehmen wolle, um dies zu ändern. Der Minister antwortete, beide Teile der Frage seien zu verneinen. FÜR DIE SICHERHEIT UND FESTIGUNG DES JÜDISCHEN AUFBAUWERKES IN PALÄSTINA vl/ERBET FUR MIFAL BIZZARON! Kundgebung der Zionistischen L'ste Am Montag, den 16. November, fand im Hotel Continental eine Kundgebung der Zionistischen Liste statt, an der die Wiener Judenschaft ln großen Maasen teilnahm. Die führenden Persönlichkeiten des Wiener Zionismus hielten Beden, in denen die Bedeutung des zionistischen Wahlsiege« dargelegt wurde. Der Präsident der Kultuegemeinde Staats, rat Dr. Desider Priedmann führte u. a. aue: Die Zionisten werden niemal« die Unterscheidung von bodenständig und nichtbodenständig anerkennen. Für eie gibt ee nur eiii Kriterium, und zwar, ob einer eich zum Judentumbekenntoder nicht. Wir lassen uns in unserem österreichischen Patriotismus nicht verdächtigen, Für uns gedeutet Patriotismus B e Währung, nicht Wahlschlager. Wir waren immer treu unserem Volketum, tre« dem Staate. Die 88 öeterreichlschen Juden, die in die Kultuegemeinde gewählt wurden, sind Iro Patriotismus völlig gleich, weil da» Judentum in Österreich treu zum Staate eteht. Österreich ist ein Staatebegriff, ößterreichertura bedeutet, Staatsvolk. Neben dem Staatebegriff aber gibt ee eine national-religiöse Gemeinschaft, die umechrieben ist mit „christlich-deutsch“, Wir Juden sind nicht christlich-deutsch, wir sind Juden. Gleichberechtigung kann nur den Sipn haben, daß wir Juden innerhalb de« christlich-deutschen Staates das gleiche Recht alt* Bürger in Anspruch nehmen. Darin besteht unsere. jüdische Politik. In eelner Rede wiee Dr, Friedmann auch die Behauptung der Union, ale hätten die Zionisten nur mit Hilfe der „ausländischen“ Juden ihren Wablrerfolg errungen, mit statistischen Ziffern zurück. Die Leitung des Weltverbandee hat weitere von der Zionistischen Exekutive verlangt, „daß diese vor der politischen Kommission neuerdings das zionistische Problem vom Standpunkte der historischen Rechte des jüdischen Volkes, deB Mandates und der gegenwärtigen Lage des Judentums in der Welt aufroile.“ Die Krakauer Resolution hat schließlich der Palästina-Zentrale dee Weltverbandee der Allgemeine® Zionisten aufgetragen „i m Interesse der Koalition die Unterhandlungen fortzusetzen, um die Exekutive von der Aufstellung der Paritäteformel abzubringen.“ Wir stehen also vor einer ernsten innerzionistteohe® Situation, zumal die von der Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zioniate® vertretene Meinung auch von anderen zionistischen Gruppen geteilt wird. Man wird es sicher allenthalben würdigen, daß der Weltverband der Allgemeinen Zionisten Schritte Im „Interesse der Koalition“ unternimmt. Wir brauchen die Einigkeit heute mehr denn je. Aus diesem Grunde darf einerseits nichts unversucht bleiben, um die Koalitions-Exekutive zu erhalten. Anderseits aber muß den obersten Instanzen der Organisation — und zu diesen zählt nicht das kleine A. C. in Jerusalem, das ein Notbehelf ist — die Möglichkeit gegeben werden, über die Paritäteformel zu entscheiden, die an die Wurzeln der zionistischen Bewegung rührt. So lange das Aktionskomitee und der Kongreß nicht entschieden haben, drückt dio Paritäteformel uioht die offizielle Meinung der zionistischen Organisation aus. Soll wieder einmal die Probe auf da« Exempei gemacht werden, ob die „Extremisten“ Recht behalten werden? Soll der innerzionistische Kampf aufs neue entbrennen? Jeder Zionist muß hoffe®, daß die legalen Instanzen der Bewegung den richtigen Weg finden werden, ittniiituiiimniiiiiniiimnnitnmiiiiniiiiiimniiuiimiintNitinnimninnwmmmmnnntinnntiRn Einziger Rezitationsabend, Jehuda Ehrenkranz: „Tod und Liebe.“ Dienstag, 84, November, Mittlerer Konzertbaussaal, 8 Uhr abend». Karten ab 1 Schilling bei Lanyi, Gronner und Jüdische Kulturstelle. Hebräische Kurie der zionistischen Bezirkssektion LeopohUtadt, IL, Praterstraße 18, Tel. R 42*407. Der Unterricht in hebräischer Sprache hat begonnen. Anfängerkurs: Montag und Donnerstag von H& bis J49 Uhr abends. Fortgeschrittener Kurs: Dienstag vo® HS bis HS Uhr, Donnerstag von HS bl« MIO Uhr. Kurslelfcer: Lehrer I. Herzberg. Der Unterricht ist für Mitglieder der Bezirkssektion unentgeltlich. Anmeldungen täglich von 6 bte 10 Uhr, Zwei Reden zur Tagesgeschichte In der Budgetdebatte im Budget-Ausschuß führte Universitäteprofossor Dr. Arzt aus: „Die Behauptung, Österreich, insbesondere Wtens Ärzte hätten Weltruf, ist keineswegs eine leere Phrase. Hat schon ein Staat das Glück Über einen durch seine Kenntnisse derart prominenten Stand zu verfügen, so ist dies ein Kulturgut, und der Staat hat die Pflicht, alles daranzusetzen, um dieses kostbare Gut zu erhalten und zu mehren. Aufgabe der UnterrichtsverwaUung ist es, dafür zu sorgen, daß an den Hochschulen die ärztlichen Disziplinen in einer Welse vorgetragen werden, die dem hohen Niveau entspricht,“ Man wird diesen Feststellungen sicherlich beipfliohten, anderseits aber lassen sie eine Schlußfolgerung vermisse®: Es muß den tüchtigsten Ärzten freie Bahn geboten werden. Rassische und konfessionelle Vorurteile dürfen jüdischou Ärzten nicht die Möglichkeit versperren, Sekundarärzte, Assistenten, Dozenten und Professoren zu werde®. Genialität ist nicht das Vorrecht eines Volkes oder einer Rasse. Die Namen Zuckerkandl, Ehrmann, Oser, Neumann, Baranyi und Löwi — um nur einige zu nennen — beweisen, daß viele Juden zu dem internationalen Ruhm der Wiener medizinischen Schule beigefcragon habe®. * Am 20. November hielt der anderikaruisohe Gesandte in Wie®, Mr. George S. Mossersmith, im Industriehaus im Bund für Internationale Freundsohaftsbezlehunge® einen Ertrag über das Thema „Einige grundlegende Faktoren für internationale Verständigung und Freundschaft“, bei welchem er u. a. ausfüihrte: „Die Art und Weise, in welcher die kulturelle Tradition Österreichs während der schwersten Zeiten unter den ungewöhnlichsten Umständen gewahrt wurde, habe die lebhafteste Bewunde, mg in den Vereinigten Staaten und in andern ländern erweckt. Indem Österreich seine Traditionen bewahrte, habe es der Sache wirklicher Kultur und Zivilisation überall Dienste geleistet. Wir müssen in allen ländern zu der wahren Kulturmffasmng zurückkehren, die unabänderlich und unstreitig eine Würdigung des Besten, welches das nationale leben eines jeden V olkes in der Vergangenheit hervor gebracht hat und noch hervorbringt, sowie dessen Eingliederung in das Leben des Landes in sich schließt. Das kulturelle Leben eines Volkes ist nie statisch, es sei denn, daß dieses Volk tot wäre. Wahre Kultur sei eine blühende Pflanze, welche fortwährend neue Blüten treibe, Daher kann sich keine Nation, die leben und kraftvoll bleiben will, von ihren Nachbarn abschließen oder sich ihr e Stärke bloß durch eine überlegene Haltung bewahren.“ Diese Rede des amerikanischen Gesandten bildet die notwendige Ergänzung zur Rede des Universitätsprofessors Dr. Arct, Es wird — um nur ei® Gebiet zu erwähne® — Österreichs internationales Anseihe® nur fördern, wenn administrativ ndoh/ts gfctan wird,-was die jüdischem Ärzte in Österreich daran hindert, das ihrige zur Erhaltung und Vermehrung des Ansehen« der Wiener medizinischen Schule 1® der Welt belzufcragen. möBEHÜINTER fflr delegenhflltskäufe Wien, VIII,, Stadtbahnvladukt 23?ei LerdienfelderstraBe felaphon: A 21*5*31 Der neue Stadfkibbuz des Snif Österreich des Hechaluz Haklal Zioni in der Rueppgasse gebt seiner Vollendung entgegen. Es werden dringend Einrichtungsgegenstände, insbesondere Tische, Bänke und Sessel benötigt, ebenso Küchengeschirr, Kleider, Schuhe und Wäsche, Decken, Bettzeug und Lebensmittel. Helft den Chaluzim, die sich ihr Heim einrichten! Geht den Chaluzim Arbeit! Sie stehen für jede Arbeit zur Verfügung. Glaser, Kürschner, Kappenmacher, Masseur, Maler, Elektriker, Bäcker, Maurer, Schuster, Anstreicher, Tapezierer, Hilfsarbeiter suchen Arbeit. Wendet euch hei Arbeitsvergebung und wegen Abholung von Geld- und Naturalspenden telephonisch an den Zionistischen Landesverband, Wien, I,, Marc-Aurel- Straße 5, Tel. U 22-2-11. Sektion VI/VJI. Freitag, 87. November 1986, Onegg Sabbatb, Sektion VI/VH, Loqualplatz tt, Ansprache: Rabbiner Dr. Mehrer. Sonntag-Nachmittag freihalten I Laut der letzten Volkszählung im März 1934 seien in ganz Wien insgesamt 129.654 Ausländer, von denen nur 6 Prozent Juden sind, so daß bei einer Wählerschaft von 45.000 höchstens 1800 nichtösterreichische Juden das Wahlrecht ausgeübt haben können. Wir sind damit zu frieden, daß wir als vollberechtigte Bürger dieses Landes frei als Juden leben können. Es ist mit Genungtuung feetzustellen, daß auch in den maßgebenden nichtjüdischen Stellen in diesem Staate der Grundsatz anerkannt werde, daß man gleichzeitig sich zu dem eigenen Volkstum bekennen utid dabei treu und ergeben als Bürger dem Staate dienen könne. In der Kultußgeraelnde — sagte Dr. Friedman® weiter —- werden wir, gestützt auf da» neubestätigte Vertrauen der jüdischen Wählerschaft Wiens, unsere Tätigkeit zum Wohl aller Juden unentwegt und mit allen Energien fortsetzen. Wir haben eine klare Mehrheit, denn die einfache Mathematik «agt, daß 10, 20 und 23 mehr eind als 18, Zur Frage der Zusammenarbeit in der Kultusgemeindo kann ich "nur sagen, daß man unmöglich mit einer Gruppe kooperieren kann, deren Kampfmittel nach wie vor darin besteht, die Zionisten ln ihrer staatsbürgerlichen Treu« zu verdächtigen. Zum Schluß der imposanten Versammlung, in der auch Oberbaurat Stricker, Dr. Rosenberg, Dr. Plascbkes und ein Vertreter der Revisionisten «prachen, forderte der Vorsitzende Dr, Grünbaum alle zionistischen Gruppen auf, für eine Verstärkung Ihrer Organisationen zu arbeiten. Da« werde die beete Antwort auf das Denunziantentum der Union sein und die beete Gewähr für die endgültige Zionielerung der Wiener Juden sein. wwwwwwwwwwwwwww Makka&äecfuec 8. Vezctn&ee ppnnaaaaagaaanan Nach den Wahlen In der Vortragsreihe der Zion. Organisation Klagenßurt sprach am 18. d. Herr Fritz Richte r-Wien über das auch die Provlnajudensohaft «ehr interessierende Thema „Die Wiener Kultuswahlen und ihre Bedeutung ’ür den Ziohißimiß“ vor einem ©ehr großen Auditorium. Seine ausgezeichnet formulierte Rede wurde mit Begeisterung aufgenommen« Die ausgezeichnete Polemik aee Redners hat es zuwege gebracht, daß auch Niohtjfioni« sten, welche anwesend waren, für die zionistische Idee gewonnen werden konnten.