Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 598 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 OIE STIMM! Nr. 508. — Wien. Freilag, 20. November 1036« Die zionistischen Ku!tu$vorstände im Ring der Alten Herren Dienstag abends veranstaltete der Ring der Aite-Herrcn-Verbände der zionistischen Verbindungen in seinem Heim einen Empfang für die zionistischen Kultusvorstäude. Fast alle zionistischen, Mandatare waren erschienen. Die Mitglieder de3 Rings nahmen in seiir großer Zahl an der Veranstaltung teil. Der Präsident des Rings, Dr. H a v n i k, begrüßte die zionistischen Mandatare und sagte, nach dem Wahlerfolg dürfe die zionistische Arbeit auch nicht für einen Augenblick erlab men. Die Kultusgemeinde ist zionistisch und sie wird zionistisch bleiben. Namens der Mandatare sprach, von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall begrüßt, der President der Kultusgemeinde Staatsrat Doktor Desider F r i o d m a n n. Er führte aus: Einer der großen Erfolge dieser Wahl ist. d!aß eine zionistische Einheitsliste gebildet wurde. Unsere Aufgabe ist es, an dieser Einheit feshzuJuilten. Was die zionistische Arbeit in den Organisationen anlangt, muß festgestellt werden, daß uns leicht Menschen verloren gehen, wenn sie nicht ganze zionistische Arbeit, sondern nur eine gewisse mittelbare zionistische Arbeit leisten. .Wir werden darauf bedacht sein, die Kräfte ausschließlich in der zionistischen Arbeit zu sammeln und im zionistischen Lager zu sammenzuhalten. Mit dem Wahlausgang sind wir zufrieden Wir hatten einen Widerstand zu bekämpfen wie er noch nie geleistet worden ist, und wir haben unsere Position in der Kultusgemeinde gehalten uad verbessert. Wir werden in der Kultusgemeinde weiter für das Judentum arbeiten. Der Wert unserer Arbeit wird ausschließlich danach zu beurteilen sein, was sie für das gesamte Judentum bedeutet, und nicht danach, ob das oder jenes dem einzelne n nützt. Waß wir hier in Wien leisten, ist in der Richtung und im Ziel dasselbe, was im großen in Eres Israel geleistet wird. Wie Palästina heute, nicht mehr Sache einer Partei oder einer Gruppe ist sondern Sache dee ganzen jüdischen Volkes, so fühlen wir uns In Wien als Sachwalter der gesamten Judenbeit, deren Rechte wir vertreten wollen. Zionismus heißt Aufbau, Zionismus heißt, das Bewußtsein des Judentums in die Massen tragen, Zionismus heißt, sich in erlern und jedem von den höchsten jüdischen .Gesichtspunkten leiten zu lassen. Wir brauchen ihre Hilfe und Ihre Unterstützung. Wenn die großen Anstrengungen, die wir in den letzten Wochen gemacht haben, nachhaltige Wirkung haben sollen, wenn dieser Wahlsieg mehr sein soll als ein ephemerer Erfolg, der Erfolg eiues Tages, dann gibt es nur eines: Zurück zur Quelle unserer Kraft! Das sind die zionistischen Organisationen. Jeder einzelne hat sich in den Dienst der zionistischen Idee zu stellen, geführt, geleitet und angefeuert von der zionistischen 0 r g a nUation. Das soll die Lehre sein, die wir aus den Ereignissen ziehen, dann wird unser Sieg unbestritten bleiben. Wir wollen diese Gemeinde führen im Interesse aller Juden, auch derjenigen, die heute den Zionismus noch bekämpfen, die ihn nicht verstehen können oder nicht verstehen wollen. Wir wären schlechte Zionisten, wenn wir nicht den Glauben hätten an den Anbruch jenes Tage*, da daa ganze jüdische Volk Nach den Unruhen: Um 4000 Juden mehr in den Plantagen Der Landwirtschafts-Rat der Histadruth trat am 16. November zu einer Sitzung zusammen, der Vertreter sämtlicher Siedlungen beiwohnten. In dem einleitenden Referat wurde festgestellt, daß 8000 jüdische und 1500 arabische Arbeiter gegenwärtig in de.u,Pf.iU':li8ol<l.eu, ^'t^siedlungen Bej genommen, während 25 neue SiedlungsschaftJgung finden. Seit^ Ausbruch der Un-, pUUkte demnächst auf Boden ruhen hat moh die Zahl der m den Plantagen beschäftigten Juden um 4000 erhöht-: die Mehrzahl der jüdischen Arbeiter in den Siedlungen haben außer ihrer Tagesarbeit auch Wachtdienst. Während der Dauer des arabischen Streikes ist die Gemüseanbaufläche um Judaica in deutscher Sprache, LEI das Dreifache vergrößert worden; die Milchproduktion der Siedlungen hat ausgereicht, um den gesamten Jischuw mit Milch zu versorgen. Die Jewish Agency hat die Arbeiten zur I Ist. So werden wir Bewässerung von 30 Siedlungen in Angriff inen, während 2i punkte demnächst auf Boden dos Keren Kajometh im Bezirke Botean sonne in den Zebulun- und Jordan-Ebenen cutstehen wor den. Vor Beginn der Verhandlungen wurde der 33 landwirtschaftlichen Arbeiter gedacht, die in den Unruhen den Tod gefunden haben. der Neuerscheinungen CHERII Jüdlidi« Volkshoditdiul« - Jttdiidi« KultuuUll«. I., Kal 3 S t.to monatlich I Tal. tfl-S-36 S 1.30 monatlich | H B Ö Zionistische BezirhssekHon Leopolds*««» II., PraterstraOe 13 Di« Zionistische Bezirkssektion Leopoldatadt veranstaltet ln ihrem Heime. II., Pruterstrnße til, Donnerstag, den ZU. November 1936, um 8 Uhr abends, dem verstorbenen Führer des Judentums in Polen OBER RABBINER DR. JEHOSCHUAH THON, KRAKAU eine TRAUERKUNDGEBUNG Gedenkreden: Dr. Z. F. FINKELSTEIN Kantorale Funktion: Oberkantor GEKSON MARGOHES Ehrungen für Brandeis Tel-Aviv, 18. November. Der Stadtrat von Tel-Aviv hat Louis B r a n d e i s zum Ehrenbürger der Stadt erklärt. ¥ New York, 16. November. (JTA.) Der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosovelt, hat. an Richter Brandeis ein in herzlichen Worten gehaltenes Glückwunschschreiben gerichtet. Vizepräsident John N. Garner, die Mitglieder dee amerikanischen Kabinette und die Gouver neuro der amerikanischen Bundesstaaten brachten Richter Brandeis ihre Huldigung und die Anerkennung für die hervorragen den Dienste dar, die er in jahrzehntelanger Arbeit der Nation geleistet, hat. Die gesamte Presse beschäftigt sich eingehend mit. dem Jubiläum und rühmt Brandete als ..großen Amerikaner und großen Juden“. Der American Jewish Congress hat anläßlich des 80. Geburtstages von Louis D. Brandete öffentliche Feiern im ganzen Lande veraaetaltet. Jerusalem, 16. November Der 80. Geburtstag von Louis D. Brandeis wurde vom Jischuw feierlich begangen, Die Jewish Agency hielt in Jerusalem eine Fest Versammlung hei Teilnahme hervorragender Persönlichkeiten aus dem ganzen Lande ab AUe hebräischen Zeitungen bringen Brandeis Festartikel, Die amerikanische Frayen-Organisatlon Hadassa beschloß, das Ambulatorium der neuen Universitätsklinik auf dem Skopus- Berg nach Brandeis zu benennen. sieh im Lager des einigt haben wird. Zionismus ge- JÜDISCHER MlfTSISCHW LEHRER erteilt Nachhilfeunterricht und Maturavorbereitung tn Mathematik, Physik. Tel. R 12-701 Jüdische BiUuiflt Un Frater« straf!« DD Gastspiel dee Warecbauer Kuneteneemblee. Freitag, den 30 d. M, findet die Aufführung der seneationeUen Operette „Der Roman ln Palästina* statt. Täglich Beginn Uhr abends. Sonntag, den 33. d. M., tun tf4 Uhr nachmittag« „Der Roman in Palästina“ bei vollkommener Abendbesetzung zu ermäßigten Preisen. GR0SSFIEI8CHHAUHRE» IIEGM. KORNHEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 T6LEPHONMUMM6« A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f. n^-Fleisch untei Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinateder Israelitischen Kt^ltusgemeind© Wien Autoauateiluns kostenlos IX., Berggasse IQ, XVIII., Währingerstroße 71 Abzug von Truppen aus Palästina London, 18. November. (JTA.) Kriegsminister Duff Cooper erklärte gestern im Unter hause, daß aus Palästina die dorthin anläßlich der letzten Unruhen entsandte fünfte englische Division abberufen werden wird. Die weitere Zurückberufung des britischen Militärs aus Palästina wird von der Entwicklung der Situation abhängig gemacht werden. Jüdischer Arbeiter tot aufge« funden Jerusalem, 16. November. (JTA.) In einer Plantage bei Herzlia wurde der aus Deutschland eingewanderte 25jährige Arbeiter Siegfried Oppenheimer tot aufgefunden. Die Polizei untersucht den rätselhaften Vorfall, Hinrichtungstermin verschoben Jerusalem, 18. November, (Paloor.) Die für den 17, November festgesetzte Hinrichtung der beiden «um Tode verurteilten Araber ist auf Grund eines Gnadengesuches an den Privy Council (Kronrat ln London) verschoben worden. Neues Palästma-Informationsbuch Da«; Palästina-Amt in Wien hat durch die Herausgabe seines „Neuen Informationsbuches'- einem seit langem bestehenden Wunsch Rechnung getragen. Die verschiedenen, auf Grund von privater Initiative erschienenen Palästinaführar haben auf diesem Gebiete vorbildlich vorgearbeitet. Es galt, den vielen Freunden deö Aufbauwerkes uiul vor allem den Olim eine Übersicht über das Land, seine klimatischen, wirtschaftlichen mul juristischen Beziehungen aa die Uaud zu geben. Das Palästina-Amt iu Wien ist hier einen Schritt weiter gegangen. Es zeigt, indem es seine eigene Entwiokhmgßgesohichte darsfcellt, daß alles im Zionismus erkämpft werden muß und daß der Kreis derjenigen, die im Kampfe auch »uszuharren vermögen, kein zu großer zu den ersten Anfängen nach Beendigung des Krieges zurückgeführfe. Wir lesen von den Schwierigkeiten, die sich dem damals einzigen Palästina-Amt in Europa von den verschiedensten Stellen, aber auch von der Zionistischen Exekutive in London entgegenstellten. Es wird uns die mühevolle Arbeit unserer zionistischen Pioniere auf dem Gebiete der Regelung der Aiijahfragen wieder in Erinnerung gerufen. Die sachliche Darstellung dieser Bemühungen erweckt ein Gefühl des Dankes für alle Männer und Frauen, die hier mitgewirkt haben und die auch bei Besprechung der vorliegenden neuesten Schöpfung des Wiener Palästina- Amtes nicht unerwähnt bleiben sollen: Doktor E. M. Zweig, M. R o s o n b 1 ii h, N. Blauer, L. Goldhammer, Chaim Tartakower, Simon Horowitz, Alois Rothenberg’ und die niemals verzagende, unter Aufopferung ihrer selbst arbeitende Sekretärin Frl. Frieda H u d e s. Nicht nur geschichtlich ist dieses Inlovmationsbuch eine Fundgrube, auch wirtschaftlich, geographisch und klimatisch kann .sieh der Leser orientieren. Das alles iu knapper über-, sichtlicher Form. Dieses Buch soll von allen P a I ii s t. i n af re unden g-eleeen, aber von den Olim ohne Unterschied, ob Cha.hr/im, Handwerker oder „Kapitalisten“ studiert werden. Es werden dann dadurch unliebsame Enttäuschungen erspart bleiben. Zum Schluß wäre noch des Redakteurs dieses Informationsbuehes Dr. Tibor Sperling e v und «seiner Mitarbeiter dankbar zu gedenken und noch der Wunsch auszusprecheu, daß das Palästina-Amt das Informationsbuch durch Neuauflagen immer neu erhalte. e. r. Englische Unterstützung für Araber Jerusalem, 13. November. (Palcor.) Aue einer Meldung in der arabischen Zeitung „Al-Liwa“ geht hervor, daß eine Gruppe proarabisch eingestellter englischer Aristokraten, unter anderem Lord W i n t e rton, Lord Lloyd und Lord Beaverbrook, beabsichtigen, mit einem Kapital von 250.000 Kund eine Bank unter dem Namen „Pan-Arab Corporation“ zu gründen, Gemäß, den Statuten diese« Unternehmens, als dessen geistiger Urheber der englische Kanzler genannt wird, sollen J uden sich daran nicht beteiligen d ü r f e n. Diese Meldung miuß jedoch mit Vorsicht atifgenommen werden. 55 Tote bei Kämpfen in Beirut Jerusalem, 18, November. Aus Beamt wird gemeldet, daß os zwischen Christen und Moluinimodanem zu einem ernsten Konflikt kam, in dessen Verlauf 55 Personen ums Leben kamen. Der Zusammenstoß ereignete sich nach tagelangor Spannung und Agitation, welche nach dom Unterzeichnen des Abkommens zwischen Frankreich und dom Libanon ihren Höhepunkt erreichte, da es sich horausstallte, daß die Forderung der Mohammedaner nach Einschluß von Tyrus und S i d o n in das Gebiet Syriens anstatt in das der libanesischen Republik nicht erfüllt worden war. Die Unruhen dauerten die ganze Nacht. Ddie Militärbehörden, clie die Situation bereits in der Hanud haben, errichteten zwischen clon mohammedanischen. und den christlichen Vierteln Barrikaden. Die libanesische Republik wird, wie bekannt, vo n C U r i s t o n b e h e r r s c h t; in der Hauptstadt Beirut bilden jedoch die Mohammedaner die Mehrheit. Die Meldungen aus Beirut haben unter den christlichen Arabern in Paktetina große Beunruhigung hervorgernfen. Die Vernichtung der deutschen Juden Berlin, 16. November. (JTA.) Auf Schloß Vogelfang begann am 14. November eine Beratung der Gauleiter und höheren Parteibeamten zwecks Beratung dee Arbeitsplanes für die nächsten Monate. Der Reichsärzteführer Dr. W a g n o r forderte, daß alle Parteifunktionäre in ihren Arbeitegebieten die R assenfr age voransteilen «ollen. Er forderte weiter, daß nicht allein jüdischen Ärzten verboten werden solle, „Volksgenoesen“ zu behandeln, eon dern daß nur jene Ärzte. Ule mit der NSDAP, verbunden sind, die ärztliche Praxis sollen ausüben dürfen, Pie automatische Anwendung der Nürnberger Gesetze sei nicht genug) die Reinheit der Rasse muß verwirklicht werden als Erfüllung ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKT ON BRIGITTEHAU, XX., JlfiERSTRASSE 30 SAHSTAQ, DAM 31. NOVRMBGR, </,• IIHA AB1NOS POL OSKAR ÜUÜNBAUbJ, FrNsldeat des ZiouUUsobe» Lundöikonjitae« fUr üsk«rroloH, sprfulti Ube?; „Oer Sieg bei </en Kultusgemelndewahlen und stint Bedeutung" des Willens des deutschen Volkes, In diesem Sinne müssen die Volksgenossen bis auf den letzten Mann gründlich belehrt werden. Eine zweite, gegenwärtig in Weimar tagende Konferenz hat dio Eliminierung der Juden aus der deutschen Wirtschaft zum Gegenstand. Es handelt eich um den Reichskongreß der „WirtschafteprüEer'V denen bei der Durchführung des Viorjahresplana oine besondere Aufgabe zugeteift wird. Nicht mehr durch spezielle antijUdisoho Verordnungen, sondern durch „W1 r tßchaft«prUfung“ soll den jüdtechen Handels- und Industriebetrieben der „gesetzliche“ Boden für ihre Arbeit entzogen und sie zur Liquidierung gezwungen werden. Wie die nationalsozialistische Presse mitteilt, werden die „Prüfungen“ jüdischer Betriebe noch vor Weihnachten beginnen. Zuerst werden dio jüdischen Textil- und Konfektionsfirmon an die Reihe kommeU) da die Bekleidungsindustrie heute für Deutschland fast von der gleichen Wichtigkeit sei wie die Nahrungsmittelindustrie, aus der dio Juden bereits ausgesehaltet sind.