Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 598 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50?.— Wien, Freitag, 20. November 1936. 016 STIMM! Satte 3 Jehuda Ehrenkranz Jehuda Ehrenkranz ist nach längerer Abwesenheit wieder einmal in Wien und gibt hier Dienstag, den 24. d., im Mittleren Konzerthaussaal einen einzigen Rezitatiomsabend. Das vollständig neue Programm bringt unter dem Titel „Tod und Liebe“ Bilder aus verschiedenen Zeit- und Kulturräumen. In einem außerordentlich interessant und spannend aufgebautem Programm werden diese ewigen Menschheitserlebnisso und Menßchheitsprobleme in ernster und heiterer Form erörtert. Tiefsinnige Gedanken .ei Plato, ekstatische Sehnsucht nach dem Sterben in Gott bei Perez, Pogrom, den ewigen Refrain des jüdischen Lebens, in einem Gedicht von Ernst Waldinger, und heiter-grotesk bei Tßchechow, so wird das Thema des Todes abgewandelt. Liebe als abstraktes Gefühl bei Kafka, als verzehrende Leidenschaft bei Jacobsen und Jan Cep, heiter-melancholisch bei Altenberg, und ganz humoresk bei Auernheimer, bildet den zweiten Grundakkord des Abends. Immer wieder rühmt die Kritik Ehrenkranz’ außerordentlich modulationefähiges Organ, das es ihm ermöglicht, biß zu zehn verschiedene Stimmen auseinanderzuhalten, sein tiefes Einfühlungsvermögen in die von ihm vorgetragenen Dichtungen und den geistigen Gehalt im Aufbau seiner Programme. Seine Abende bilden nicht eine Aufeinanderfolge van Vortragsnummern, sondern sind ein Ganzes, inhaltlich aufeinander abgeßtimmter Werke. Von Wien aus setzt Jehuda Ehrenkranz seine Tournee fort, die ihn zuerst nach Ost- und dann nach Westeuropa führt. Im Frühjahr fährt er wieder nach Palästina, wo er jetzt seinen ständigen Wohnsitz hat. Anspruchsvolle, StarkbUrtlge, Empfindliche, Eilige, nehmen nur die sanft-scharfe fl Eine unbekannte Herzl-Novelle in der „Kinder-Stimme" In der letzten Nummer der „Kincler-Stimme“ haben wir die Veröffentlichung oiner jüdische^ Sage begonnen, die den Titel „Die Richtern“ hat. Diese Sage wurde von der Redakteurin der „Kiader-Stimme“, Frau Lilian Grünwald, in einem Band hebräischer Erzählungen gefunden. Ihr hebräischer Titel lautet: D’worah mittacliat Hattomar, „Deborah unter der Dattelpalme“. Frau Grünwald ging an die Übersetzung und merkte, da das Inhaltsverzeichnis des Bandes sehr unübersichtlich ist, erst bei der weiteren Arbeit, daß Dr. Herzl als Autor angegeben ißit. Sie war erstaunt, denn nie hatte sie in irgend einer Herzl-Ausgabe jüdische Sagenstoffe gefunden. Sie zog Erkundigungen ei», die zunächst negativ blieben. Es lagdie Vermutung nahe, daß ein Irrtum odor ein Mißbrauch miit Herzls Namen. vorliege. Schließlich bestätigte aber der Herzl-Forscher Dr. Tulo Nussenblatt, daß es doch zwei Novellen Herzls gäbe, die nur hebräisch erschienen sind. Es ist wahrscheinlich, daß er diese Novellen auf dem Sterbebett geschrieben hat. Die Erzählung von Deborah ist in einer hebräische« Ausgabe der Omanuitli unter dem Titel „Megillotlh Nr. 47“ enthalten Diese Ausgabo der Omanuth erschien im Aufträge des Erziehungsdepartements der Jewish Agency in Jerusalem. Herzl hat sie deutsch geschrieben, übersetzt wurde sie von Gordon. Offenbar hatte sie Herzl unmittelbar für eine hebräische Zeitung geschrieben. Es ist uns eine Genugtuung, daß wir diese unbekannto Schrift Horzls nunmehr in der Übersetzung von Frau Lilian Grünwald für das deutsohlesondo jüdische Publikum veröffentlichen können. Die neue Situation in Palästina Von M. Y. Ben-gavrlel, Jerusalem Biß vor einigen Tagen war man in Palästina der ziemlich allgemeinen Ansicht, daß die Liquidation der Unruhen in den seit jeher bei uns üblichen Bahnen vor eich gehen werde. Es wird der Untersuchungsausschuß kommen, die Regierung wird, zumindest zeitweiße, die Einwanderung entstellen und der große Kuhhandel wird anheben. Die Araber, daß heißt die Mufti- Leute, setzten dies als selbstverständlich voraus. Wenn es ihnen auch nicht versprochen wurde, so wurde es ihnen doch, dies ist als ßicher anzunehmen, von araberfreundlicher Seite in London angedeutet, und der unter militärißchem Druck erfolgte bedingungslose Abbruch von Streik und Terror sollte, ßo nahm die arabische Presse an und so wurden die Massen beruhigt, denen man ein halbes keinem Menschen verwehren könnte, als Privatmann vor der Kommiseion zu erscheinen. Das heißt aber weiter, daß, wie ein arabische« Blatt bemerkt,- die Araber die Untereuchungsergebniree a nnehme n würden, wenn sie für sie günstig ausfallen und sie a b 1 e h n e n, wenn eie u n g ti ns t i g sein werden. Da nun diese Königliche Kommission kein Schlichtungsausschuß ist, dem sich die Parteien im voraus bindend unterwerfen, ist das Ergebnis durch den Boykottbeschluß letzten Endes nicht berührt, denn die Araber würden ja auch ohne Boykott nicht andere handeln. * England aber hat wieder einmal bewiesen, daß es von seiner Politik der Mitte, die weder nach rechts noch nach links dauernd verbindlich ist, An die Vereine* Sichern Sie sich das heitere Chanukah-Stüde »DasLiedvomÜditj (vom Autor der »Grenze«) im Jüdischen Kulturtheater 1. Bezirk, Franz-Josefs-Kai 3 Jahr bedingungslosen Sieg ver-; nicht abgeht. Ee hat in dem Augenblick, da sprochen hatte, auf diese Weise belohnt sich die Kommission einschiffte, den Juden werden. Die Streikleitung, die eich wieder ■ 1800 Zertifikate gegeben, das heißt, es hat in eine politische Institution verwandelt den Mittelweg zwischen den Forderungen hatte, begann fieberhaft mit den Vorberei-1 tungen für ihr Erscheinen vor der Königlichen Kommission. Da kam der erste unerwartete Schlag: der dramatische Staatsstreich in Bagdad, der das sich sehr aktiv für die palästinensischen Dinge interessierende Ministerium stürzte, erzeugte Unsicherheit im arabischen Palästina, die auch der glänzende Empfang des Rebellenführers Fauzi beg durch König und Minister in Bagdad und auch nicht gewisse Erklärungen der neuen Regierung vertreiben konnten. Schon deswegen nicht, weil die politische Situation im Zweiströmeland viel zu ungeklärt und unsicher ist, als daß mit einer gewichtigen Unterstützung von dieser Seite her gerechnet werden könnte. Die Vorgänge im Irak aber machen es selbstverständlich, daß auch der andere Fürsprecher, König I b n S a u d, in dieser Zeit ganz andere politische Sorgenhat, alg sich allzu intensiv für die ihm ferner liegenden Palästina-Dinge zu engagieren. * Dann aber, ehe noch die Erregung über den Szenenwechsel in Bagdad abgeflaut war, kam die Erklärung Ormeby Gore’s und es kamen die 1800 Zertifikate. Wenn nun auch diese Zahl absolut und im Verhältnis zu den früheren Einwandererquoten sehr gering ist, löste sie dennoch ungeheure Erregung in Palästina aus. Die Juden atmeten auf: der über ein halbes Jahr auf ihnen lastende Druck der drohenden Einwanderungssperre war über Nacht hinweggenommen und ließ eine hoffnungsvollere Beurteilung der Situation zu. Im Lager der arabischen Intransigenten aber, besonders bei den Mufti- Leuten, hatte die Erklärung unbeschreibliche Konsternation zur Folge. Mit einem Schlag war die Lage eine polar entgegengesetzte geworden, so daß im ersten Augenblick jede Möglichkeit einer Orientierung fehlte, HaJe über Kopf wurde dann der Beschluß gefaßt, die Königliche Kommission zu boykottieren. Der Beschluß war nicht originell, denn er hielt sich an die Taktik der Zaghlul-Leute in Ägypten, als 1920 die Millner-Kommission nach Kairo kam. Wenn es nun auch kaum wahrscheinlich ist, daß die Radikalen eine neue bewaffnete Aktion in Gang setzen können, ist die Situation dennoch wieder unübersichtlich. Dies will aber nicht sagen, daß der Boykottbeschluß eine prinzipielle Änderung der Ergebnisse der Untersuchung hervorrufen wird. Es ist heute schon erkennbar, daß der Beschluß der Radikalen in erster Linie eine Geste für die Straße besonders in Nablus ist, denn trotz dem Beschlüsse wird weiter Material der Araber nach gänzlicher Schließung der Einwanderung und denen der Juden, die weit mehr Zertifikate forderten, gewählt. Trotzdem ist die nächste Zukunft u nsicher. Der Boykott, der wohl an den Arbeiten der Kommission nichts ändern wird, wird die politische Stellung der Juden ein wenig stärken. Die Hoffnung aber, daß endlich die radikale, beide Völker einander iiähernde Lösung gefunden wird, ist minimal. Die Araber setzen ihre Hoffnungen auf die Schwierigkeiten Englands im Mittelmeer und werden, so lange die Weltsituation nicht geklärt ist, einer pax Britanica stets mit größtem Widerstreben gegenüberstehen. Der Optimismus mancher Leute, daß die Kommission die so notwendige Round- Table-Konferenz ermöglichen wird, scheinteitel zu sein, denn dem jüdischen Vorschlag nach einer solchen folgt kein arabisches Echo. Heute weniger als je. SfA&fatfLcfc für die WINTERHILFSAKTION DER KULTUSGEMEINDE Konferenz der Allgemeinen Zionisten In Krakau Gegen Paritätsformel Vorige Woche fand in Krakau unter Vorsitz Dr. Schwarzbarts eine Sitzung der Leitung des Weltverbandes der Europa- Zentrale der Allgemeinen Zionisten statt. An der Sitzung nahmen die Vizevorsitzenden Dr* Schmorak und Leon Lewite teil. Insgesamt waren elf stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Die Beratungen waren hauptsächlich der gegenwärtigen politischen Situation der zionistischen Bewegung im Zusammenhang mit der Königlichen Kommission gewidmet. Im Einklang mit den Beschlüssen der Palästina-Zentrale des Verbandes wurde einhellig beschlossen, daß die Paritätsparole im Widerspruch mit den Grundzielen der zionistischen Bewegung und mit den durch das Mandat anerkannten Rechten des jüdischen Volkes steht, und daß die Exekutive nicht berechtigt sei, aus den Beschlüssen des XVII. Kongresses konstruieren. die Paritätsformel zu Der Palästina-Zentrale wurde aufgetragen, im Interesse der Koalition die Unterhandlungen fortzusetzen, um die Exekutive von der Aufstellung der Paritätsformel abzubringen. Dem Präsidium der Leitung wurde aufgetragen, ein entsprechendes Memorandum über die politische Situation auszuarbeiten und von der Exekutive zu verlangen, daß diese vor der politischen Kommission neuerdings das zionistische Problem vom Standpunkte der historischen Rechte des jüdischen Volkes, des Mandates und der gegenwärtigen Lage des Judentums in der Welt aufrolle. Dem Präsidium wurde sprechende Schritte bei unternehmen. aufgetragen, entder Exekutive au Um den Bürgermeisterposten von Tel-Aviv Israel R o k a c h, der vom High Commissioner zum Bürgermeister von Tel-Aviv ernannt wurde, erklärte in einer gestern abgehaltenen Sitzung des Stadtrates, daß er die Ernennung vorbehaltlos annehme. Die Arbeitergruppe sowie Felix Rosenblüth und der gewählte Bürgermeister Chelouche erklärten daraufhin, daß sie nicht imstande seien, ihm Vertrauen entgegenzubringen, da seine Ernennung durch die Regierung die Autonojmie der Stadt Tel-Aviv gefährde. Es I wurde vorgeschlagen, daß das Recht der flnanj ziellen Unterschrift im Namen der Stadtver- , waltung Herrn Rokach entzogen, und daß er gesammelt! seines Amtes als Vorsitzender des Ausschusses und es heißt bereits, daß man natürlich1 für die Entwicklung des Tel-Avlver Hafens enthoben werde. Diese Vorschläge werden der nächsten Sitzung des Stadtrates zur Debatte vorliegen. Reisebüro City, Dr. I. H. Körner, Wien, I., Kohlmarkt 8, Tel. U 26-4-29, teilt mit, daß die verschärften Einreisebestimmungen für Palästina aufgehoben wurden und die Verkehre Verhältnisse im Lande wieder vollkommen normal sind. Fahrkarten für alle Schiffahrtslinien und Bahnen, sowie Visabesorgungen uew, durch ReisebüroCity! E Der Waffenstillstandstag in Jerusalem Links*. Die Veteranen der Jüdischen Legion. — Rechts: Der Aufmarsch der Musik .ii r.i « #n.«i ippi »fP