Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 597 (17.11.1936)
- Date
- 1936-11-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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OIE STIMME Nr. BOT. — Wien, Dienstag, 17. November 1330 % Beendigung der Unruhen auf 3000 gesunken. Diese erfreulichen Momente dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Jiiseliuw gelitten hat, daß ausgerodete Obst- Pflanzungen wieder herg erteilt, Häuser wieder erbaut und verwüstete Wähler wieder auf geforstet werden müssen. Aus strategischen Gründen müssen neue Straßen angelegt und sonstige Sioherheitsvorkehrungen getroffen werden. Die besonderen Aufwendungen der Exekutive erfordern ebenfalls bedeutende Mittel. Daran muß jeder Jude denken und keiner darf sich ausschließen. Unsere tapferen Brüder und Schwestern haben in der Verteidigung de« Aufbauwerkes Gesundheit und Leben geopfert. Von une verlangt der neue Fonds, 'der Keren Bizzaron uwitachon nur Geld. ankerten Mindorheitenrecht wird in den jüdischen Kreisen Österreichs ein gutes Echo linden. Die Kroaten im Burgenland genießen als Minderheit staatliche Förderung auf dem Gebiete des Schulwesens und ihrer Kultur. Der bestehende, durch die Verfass u n g g e w ä h r 1 o i s t e t e R echtszustand bezieht sich in gleicher Weise auf die jüdische Minderheit ia Österreich, gleichgültig, ob man sie als nationale oder religiöse M i n d c r h e i t. ansieht. Auch die jüdische Minderheit hat .Anspruch auf die staatliche Förderung Ihrer Institutionen. Spital, Krankenhaus, Schulen usw., und auf Repräsentative Makkabäer-Feier des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, der WIZO und der Zionistischen fiezlrkssektlonen am 8. Dezember eine staatliche B e i t r a g s 1 e i s t, u n g zu den Bezügen der Rabbiner und Religionslehrer. Was für die Kroaten recht ist, sollte zwangsläufig auch der jüdischen Minderheit zukommen. Dio in dieser Richtung laufenden Bemühungen des Kult.usvorstandes werden, wie wir hoffen wollen, zum Ziele f ii li r o n. 1 Million Pfund für die deutschen Juden . Wer darf es da wagen, sich ane- .snieebldeßen? Wer müßte sich da nicht vor .den toten Märtyrern und ihren Witwen und Waisen schämen? Nicht nur die Ziowißten geht es an. Jeder Jude muß sein Opfer bringen. Niemand darf in den Fehler der deutschen Juden verfallen und sagen: «Mich geht das nichts an.“ Das Schicksal der deutschen Juden ist cla ein flammendes Memento, Aber es geht ja nicht nur um Gutmaehung der Unruheschäden und um Sicherheit. Die Königliche Kommission amtiert in Jerusalem, Niemand weiß, was sie der englischen Regierung empfehlen wird und niemand woiß, was die englische Regierung beschließen wird. Es wäre gefährlich, sich Illusionen hinzugeben und zu sagen: „Wir haben schon andere Kommissionen besiegt.“ Es müssen alle Mittel eingesetzt werden, um unsere gerechte Sache zum Siege zu führen, denn wir stehen einem Ansturm auf daa Paläetmamandat gegenüber, wie wir ihn noch London, 15. November. (JTA.) In einem soeben veröffentlichten Zwischenbericht der englischen Abteilung de« Council for German Jewry wird mitgeteilt, daß durch diese Abteilung bis zum 30. Oktober 1936 719.512 Pfund für konstruktive Aufgaben zum besten der deutschen Juden aufgebracht worden sind. 314.640 Pfund wurden vom Council bereits für die Durchführung einer Reihe von Projekten verausgabt. Unter den Auewanderungs- und Berufsumschichtungsplänen, die vom Council gefördert werden, befindet sich zunächst ein Plan der Jewish Agency, 1500 Jugendliche aus Deutschland mit einem Kostepaufwand vou 150,000 Pfund in bestehenden Siedlungen i n P a 1 ä s t i n a unterzubringen. Weitere tausend Auswanderer sollen in Palästina landwirtschaftlich ausgehilctet und angesiedelt werden. Vierhundert F am i 1 i e n sollen mit einem Kostenaufwand von 100.000 Pfund als Handwerker angesiedelt werden. Zur Verwirklichung dieser Projekte trägt der Council 175.000 Pfund bei. In dem Bericht wird festgestellt, daß im ersten Halbjahr 1936 etwa 5000 Juden aus Deutschland sich in Palästina niedergelassen haben. Ein. zweiter Plan betrifft die direkte Auswanderung von Juden aus Deutschland in üb erseeieohe Länder, die Rückwanderung in Deutschland ansässiger ausländischer Juden in ihre Heimat und die Schulung und Umschulung in handwerklichen Berufezweigen, im Hinblick, auf künftige Auswanderung, Die Bern f s s c h u 1 u n g und U m s c h ti 1 u n g soll eich auf 5000 junge Leute im Alter von 18 bis 35 Jahren und auf 50Q0 schulentlassene Knaben, und Mädchen erstrecken. Der Council will im Einvernehmen mit dem Joint Distribution Comini.ttee die in den letzten Jahren, für diese Zwecke geleisteten Zuschüsse aufrechterhalten und außerdem weitere 30.000 Pfund für den Ausbau dieser Arbeit aufbringen, Die Gesamtkosten des Auswanderungfeplans betragen eine halbe Million Pfund. Mit dieser Summe glaubt man, im Jahre 1936 die Auswanderung von insgesamt 25.000 Personen teils utv* mittelbar aus Deutschland, teils aus den zu vorübergehender Niederlassung gewählten Nachbarländern bewerkstelligen zu können, 40.000 Pfund sollen zur Unterstützung aus Deutschland auegowandertor Juden verwendet werden, die sich in England aufhalten. Die IOA. (Jewish Colonisation Association) leistet, wie in dem Bericht weiter mitgeteilt wird, zu diesen Arbeiten einen Beitrag' von 65,000 Pfund. Vom Joint Distribution Committee erwartet man einen Betrag von 200.000 Pfund; 40.000 Pfund davon sollen für Hilfeleistung, an Auswandererin Amerika verwendet werden. Zum Schluß wird betont, daß ee dringend notwendig erscheint, das Ziel der Sammelaktion zu erreichen, das in der Aufbringung von einer Million Pfund in England und anderen europäischen Ländern besteht. nie erlebt haben. Die Exekutive ist an der Arbeit. Aber alle Arbeit wäre vergeblich, wenn hinter der Exekutive ein luftleerer Raum wäre. Unsere Exekutive muß wissen, daß das jüdische Volk hinter ihr steht und bereit ist, wie ein Mann aufzi^teile«, wenn nur ein Versuch gemacht werden sollte, unser ewiges. Recht auf ein unteilbares Erez Israel anzutasten. Wir stehen im Kampf, überall, in der Galuth und in Erez Israel. Niemand darf die Hände in den Schoß legen, Wir können auf keinen Juden verzichten, und jeder Jude wird einmal zu uns kommen müssen. Wir Zionisten müssen aber mit dem guten Beispiel vorangehen. Auf uns lastet die größte Verantwortung. Nichts, was den einzelnen Juden, nichts, was eine jüdische Gemeinde, nichts, was unser Volk betrifft, darf uns gleichgültig lassen, Allee muß von uns erwogen, alles mit unseren Ideen erfüllt-, alles unserer Idee dienstbar gemacht werden. Gerade Zeiten der Not und der Gefahr rütteln das Volk auf. Wir erleben eine schicksalsschwere Stunde. Jetzt müssen wir das letzte aus uns heraushoJen. Jetzt erst recht! flVÖBEL-UJlNTER für Grfegenbeitsklufe Wien, YI1L Stadtbaboviadukt 23 bei LerdienfeldentraBe Telephon: A 21-5-31 Der Bundeskanzler über Minderheitenrecht Gelegentlich des Jubiläums der fünfzehnjährigen Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich hielt- Bundeskanzler Dr. Kurt von Schuschnigg 1n Eisenstadt eine bemerkenswerte Rede, in der er sieh auch mit dem Minoritäten recht befaßte. Anlaß hiezu bot der Umstand, daß es im Burgenland bekanntlich eine kroatische Minderheit gibt. Der Bundeskanzler führte unter anderem aus: „Die burgenländlsche Landesvertrelung Mt stets Ihren Ehrgeiz dar eingesetzt, unter Beweis zu stellen, daß man in Österreich ein gesundes, v or bildlich es und den Ansprüchen des Hechtes voll entsprechendes Mhipritätenrecht haben kann. Ich sage Ihnen herzlichen Bank dafür, well Ich die Überzeugung habe, daß unser Volk, das deutsche Volk durch eine gerechte M Inoritlltenpolitik nur gewinnen kann“ Diese.- Bekenntnis des Bunde«- kanzlera zu dein in der .Verfassung vor- ‘ Pogrom in Lodz Lodz, 12. November. (JTA) Im Verlauf der antijüdischen Ausschreitungen vor dem Gebäude der Zuckerfabrik Jossel Berkowicz, gaben Huligans aus Revolvern mehrere Schüsse ab, durch die Berkowicz der Uljährige Mosche Weissand, der 30jährige Israel Wendel und der 19jährige Mendel Rubiusteiu lebensgefährlich verletzt wurden. Der 43jährige Berkpwicz und Wendel erjagen sofort im Krankenhaus ihren Verletzung e*ft. Weissand ringt mit dem Tode. Einzig Mendel Ruhinstein wird wahrscheinlich mit dem Leben davonkammen- Die beiden Getöteten hinterlassen Frau und Kinder. Ihre Bestattung gestaltete sich zu einer großen Trauerkundgehung der Lodzer Judenheit. Einigen jüdischen jungen Leuten gelang es, die Mörder, die flüchteten, doch z u s t e 11 e n. Bei einem von ihnen, dem 18jährigen Taddeusz Szaniewski, wurde eine Legitime tion der nationaldemokratisehen Partei ge Kunden. Einziger Rezitationsabend. Jehuda Ehrenkranz: .,Tod und Liebe“. Dienstag, 24. November, Mittlerer Konzerthaussaal, 8 Uhr abends. Karten ah 1 Schilling bei Lanyi, Gronner und Jüdische Kulturstelle. Weitere Terrorakte Wilna, 13, November, (JTA.) An der Wilnaer Universität wiederholten sich am Donnerstag* den 12. November, die antijüdischen Ausschreitungen, Sie nahmen Insbesondere an der medizinischen Fakultät und dem chemischen Laboratorium einen sehr ernsten Charakter an. Zahlreiche jüdische Hochschüier wurden blutig mißhandelt. Der Rektor der Wilnaer Universität hat sich genötigt gesehen, die Vorlesungen bis auf Widerruf e i n z u s t e 11 en. Im Eisenbahnzug Krakau—Lemberg terrorisierte eine Bande Huligans die jüdischen Passagiere nnd warf mehrere yon Ihnen aus den Coupdshlnaus. Andere Passagiere wurden blutig mlQhandelt, einige von diesen wurden erheblich verletzt ins Hospital elngellefert, Dem Lemberger Juden Jlzchak Ger hackten die Huligans alle Finger einer Hand ab, Im Städtchen Czechanowlec herrscht ein antijüdischer Terror wie seinerzeit in Przytik. Die Eingänge ln alle jüdischen Geschäfte werden von mit Messern bewaffneten Streikposten blockiert. Die wirtschaftliche Not der jüdischen Bevölkerung steigt Ins Unermeßliche. Warschau, 15, November. (JTA.) In Wilna haben sich am Freitag die antisemitischen Exzesse der nationalistischen Hochschiiler wiederholl, Größere Gruppen Nationalisten durchzogen die Straßen der Stadt, schlugen in vielen jüdlsohen Geschäftshäusern die Auslageschelben ein und mißhandelten jüdische Straßenpassanten, Die Exzedenten drangen in die Räumlichkeiten der Redaktion und der Druckerei der jiddischen Tageszeitung „Wllner Tog“ ein und demolierten die Räume und die Einrichtung, In der Druckerei wurden von den Exzeüenlen mehrere Setzer und Druckereiarbeiter mißhandelt. An der Universität wurden von den nationalistischen Hoch schäle-o 20 jüdische Studenten verletzt, davon neun schwer» Auch in Zagreb Zagreb, Xb. November. (JTA,) Ein Konzert jüdischer Kammermusik, welches abends im Saale des Kroatischen Musikinsdtutes veranstaltet wurde, wurde durch Antisemiten gestört, die zu Beginn des Konzertes die Fenster des Saales einschlugen und Steine in das Innere warfen. Unter dem Publikum entstand Panik. Die Polizei verhaftete einige junge Leute, die die Urheber der Demonstration waren. Die Früchte der Union- Hetze Die in Klagenfurt erscheinende. „A1 p e n- 1 ä n cl i s e h e Runds o li a u“ schrieb am 8. November über den Kultusgcmeindewalilkampf u. a.: „Die Unioniöten haben eine eigene Wochenschrift ,Die Wahrheit4, die sieh in dieser Zeit vor Antisemitismus oder wenigstens vor Haß gegen die Austroziouisteu tiberschlägt. Die Uuionisten werfen ihren Rassen genossen ,schäbigen Wuehor4, .schmachvollen Handel mit Ehrenämtern4, ,Bereicherung aus öffentlichen Mitteln4, .Korruption und rücksichtslose Profitgier’ vor, sie sprechen vou ,Kübeln des jüdisch-nationalen Unrates' und erinnern daran, daß die Jüdischnationalen mit 5Ü0.0ÜÜ Schilling auf dev Liste der Phönix standen, in dieser Weise schreibt seit Wochen ,Die Wahrheit4 über eigene Raßsegeriosson, dio sie schließlich kennen muß. Diese Charakterisierung von Juden ans jüdischem Munde wird man sieh merken müssen, denn hior handelt es sich schließlich um die fachkundigste Quelle, Nur dürfen sich die Wiener Juden nicht darüber wundorn, wenn der Antisemitismus in Österreich anwäehst, Er braucht eich nur auf das eigene Urteil dor Unionisten zu berufen,“ Das ist nur eine von den viole.n antisemitischen Pressestimmen, dio der unverantwortlichen und hemmungslosen Wahlpropaganda der „Union" zu danken sind. Bisher, beriefen sich dio Antisemiten immer auf das I Handbuch dos Antisemitismus . von1 Fritsch, auf UoHouborg u«w. Jetzt werden sio «Ich auf die Äußerungen dor vou don Hemm Dr, Oppenhoim und Dr, T i o h o geführten „Union“ berufen. Dio Juden Wiens haben dadurch, daß ihre Majorität »loniatitföh wählte, bereite zu erkennen gegeben, daß sie sich von den Uuionisten distanzieren und mit Union nicht« gemein haben wollen. Eö wird Aufgabe aller aufrechten Juden «ein, einen dicken und deutlichen Tremnuig-Hstrioh zwischen «ich und dor „Union" zu ziehen, Rosl Löw Fr Hz Reinemund Wien Nürnberg 11., Vorgartenslr. 150 Bahnhofstr! 23 Verlobte Jerusalem, November 1936, c/o Orendo Ben Yehuda Street WIZO-Gruppe IX, Montag, den tö, November, 8 Uhr abends, tm WIZO-Helm, I„ Sehottenring 25, Generalversammlung mit vorangehendem Vortrag des Dr. Viktor P o r d e hi „Volk o h n o ff, a u m", Erscheine» , der Mitglieder ist Pflicht! J Generalleutnant Dill Gatt der Legionäre Jerusalem, 18. November. (JTA.) Der Klub der ehemaligen jüdischen Legionäre „Menora“ in Jerusalem veranstaltete anläßlich des Waffenstillstandtaaes einen Kameradschaft«- abend, an dem der Oberkommaudierende der englischen Truppen in Palästina, Generalleutnant J. G, Dill, nfit seinem Adjutanten sowie Abordnungen aller in Jerusalem stationierten Truppengattungen teilnahinen. Der Leiter der politischen Abteilung der Jewish Agency, Mosche S h e r t o k, hielt eine Ansprache, in der er die Bedeutung des WaifenstiUstandstages darlegte. Bej dein anschließenden kameradschaftlichen Beisammensein wurden yon den englischen Soldaten und den ehemaligen jüdischen Legionären gemeinsam Kriegslieder gesungen. „Die schwarze Hand" Jerusalem, 13. November. (JTA.) Ans Bagdad soeben eiugetroffenc Nachrichten besagen, daß unbeschadet der Versicherung d«r neuen Irak-Regierung, daß sie antisemitische Ausschreitungen zu verhindern wissen werde» die antijüdische Propaganda in den Städten des Irak andauert. In Bagdad wurden Flugblätter einer Organisation „Die Schwarze Hand“ massenhaft verbreitet, in denen die Massen zur Ermordung der Juden aufgerufen werden. In den Flugblättern wird mitgeteilt, daß die „Schwarze Hand“ mit ihren (jQO Mitgliedern sich als Pionier der Idee der Ausrottung der Juden betrachtet. Die neue Regierung hat bis jetzt nichts unternommen, um die Führer der „Schwarzen Hand“ ln ihrer Bluthetze gegen die Juden zu hindern. Bestätigtes Todesurteil Jerusalem, 11. November, (Paleor.) Der High Commissloner bestätigte das Todesurteil gegen zwei Araber, die auf britische Soldaten geschossen hatten. Die Hinrichtung findet am lf. November stutt. Grabmal fiir Polizeisergeanten Rosenfeld Jerusalem, 13. November. (JTA,) In Kfu? Haehugim im Emok Jesrool ist ein Grab* «toiq für eleu im vergangenen Jahr iTO Kampf mit don Bunden des Scheichs Ktts- «em boi Rot Alpha gefallenen jüdischen PoUzeksergeuntmi Mos oho. R o e o n f e 1 d enthüllt worden. Viele hunderte Sledlm aus allen Kolonien dc*a Emok und dor Polizolkommiseur dos Kreise« nahmen an der Feier teilt. Vertreter der Siedlungen spnn chem Worte de« Gedenken«.