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Die Stimme · 1936-11-13 · Heft 596 (13.11.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 596 (13.11.1936)
Date
1936-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 696 — Wien, Freitag, 13. November 1936 Dil STIMM! Seite 3 Der Staatsstreich im Irak Von M. Y. Ben-gavriel Der höchst dramatische Szenenwechsel in Bagdad, der vom Anfang bis zum Ende durchaus nach dem Muster einer modernen südamerikani.sohen Militärrevolution durohgeführt wurde, ist geeignet, das europäische Interesse zu erregen, weil die Gefahr einer neuerlichen Komplikation der Mittelmeerfrage naheliegt. Besonderes Interesse aber muß diese politische Veränderung in Palästina finden. Wer sind die aktiven und die passiven Träger der Hauptrollen in diesem Drama in der Kalifenstadt? Vor allem der bisherige Ministerpräsident Y as s i n Pascha, eine unter jeder Bedingung überaus interessante Persönlichkeit. Dieser alte Politiker, der schon unter dem Vater des jetzigen Königs eine sehr bedeutende Rolle spielte, ist einer der stärksten und eigenwilligsten Männer des Irak, wie überhaupt der arabischen Po litik. Diese Eigenschaft führte zu dauernden , Zerwürfnissen mit Faisal und nachher mit dem gegenwärtigen König Ghazi, da er alles dazu tat, die Rechte des Königs zu beschneiden und angeblich davon träumte, ein irakischer Mussolini zu werden. Sein Freund, der von dem revoltierendem Militär erschossene Verteidigungsminister Dschafar Pascha, war ursprünglich ein Gegner der Engländer und kämpfte auf Seiten der Türken, bis er 1916 gefangen wurde. Er entschied sich dann für die Englänier und spielte gemeinsam mit Lawrence eine sehr bedeutende Rolle im Aufstand dos Seherif von Mekka gegen die Türken. Diesen beiden Männern und ihrem Anhang stand die parlamentarische Opposition gegenüber, die, im Gegensatz zu Yassin Pascha, den anglo-irakischen Vertrag bekämpfte. Ihr Wortführer, der neue Ministerpräsident Hekmet beg Suliman, ein Bruder des Führers der jungtürkischen Revolution von 1908, Mahmud Schewket Pascha, ist ein Türke und war wiederholt Minister während der dreiundzwanzig Kabinette, die den jungen Staat bis nun regierten. Sein Schrittmacher, der Führer der Militärputschisten, der Generalleutnant Bekr Sidky Pascha, ein Kurdie, ist bekannt durch seine grausame Niederwerfung der assyrischen Aufstände und durch seinen Sieg über die revoltierenden schiitischen Stämme bei Diwaniye im Mai 1935. Was sind nun dde Hintergründe der Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Gruppen? Sie sind, dies sei vorausgosohic-kfc, in Dunkel gehüllt, und auf alle Fälle äußerst kompliziert. Es lassen sich aber Vermutungen aufstellen, die sehr große Wahrscheinlichkeit für sich haben. Vor allem war es der latente Kampf zwischen der proenglischen Regierung und der den Vertrag mit England bekämpfenden Opposition. Neben diesem außenpolitischen Gegensatz gibt es einen innenpolitischen Zwiespalt typisch-orientaler Art, der sich im Könirvspalast von Bagdad konzentriert, und der schon unter der Regierung Faisals vorhanden war. Yassin Pascha, eine allzu starke Persönlichkeit, um auf die Dauer auch nur der Zweite im Staat sein zu können, suchte seit jeher dio Rechte des Königtums zu vermindern. Die Hasch,imiden, das Königshaus also, sind Landesfremde: dio Rechte der eingeborenen Iraker müssen ihnen vorangehen. Dies war das Motto des ungekrönten Herrschers von Mesopotamien. Kein Wunder also, wenn der schwache junge, König sich um Hilfe umsah und sie bei den j alten Feinden des mit der Diktatur lieb-; äugelnden Paschas fand. König Ghazi stützte sich insgeheim auf die Fremden in seiner Umgebung, auf den Türken Hekmet und auf den kurdischen General Bekr Sidky. Auf dieser Grundlage entwickelten sich die aktuellen Geschehnisse, die in dem Augenblick zum Umsturz führen mußten, da es klar wurde, daß die Regierung eino für die Ambitionen der militärischen Führung untragbaro Innenpolitik einschlug. Yassin Pascha und mit ihm Tsehafar wollten dio seit mehr als achtzehn Monaten revoltierenden Nomadonstämmo versöhnen, indem sie die allgemeine Dienstpflicht auf sie nicht ausdehnten, wie es schon unter den Türken war. Dies führte zu dauernden Zerwürfnissen mit dem Militär. Als nun der Hauptteil der Truppen sich auf Manöver im Norden des Landes, fern der Hauptstadt, befand, benutzten die Unzufriedenen die Gelegenheit und marschierten mit dem in Bagdad befindlichen Bataillonen gegen die Regierung. Neben diesem Hauptgrund gibt es noch einige, nicht offiziell erwähnte Triebfedern der Bewegung gegen Yassin. So zum Beispiel das Gerücht, daß er die Absicht hatte, den König zu stürzen und die Republik auszu- «rufen, oder die sehr glaubhafte Tatsache wenn es sich um eine antienglische Regierung handelt, keine allzu freundliche sein wird. Natürlich kann auch in dieser Frage keine sichere Prognose gestellt werden. Im neuen Ministerium gibt e6 ein paar Schiiten. Trotzdom aber ist es mehr als fraglich, ob die Stämme im Euphrat-Tal sich beruhigen werden. Meldungen aus der syrischen Wüste wissen von sehr bedeutenden Waffentransporten für die schiitischen Nomaden und für die Reste der Aseyrer, und es ist klar, daß der Versuch , Bekr Sidkyis, die Nomaden zur Militärdienstungeheuer blutipflicht zu bekehren, einen fs&tz Stamme ’Jd taupte&otaUch Sobilten, lo inufl. Ein Aufrtand der Jeicht vom BohUtisohen pLien her sehr leikt Z, setzt die große Gefahr für die ohnehin labile Ruhe im Vorderen Orient ein. I b n Saud, beeinflussen.) Dazu kommen noch Vorwürfe: gegen Yassin Pascha, daß er und sein Kabinett private Interessen vertreten hätten und immer wieder, wenn diese es erforderten, Nomadenrevolutionen anzettelten. Aus diesem Wust von Intrigen 'Quertreibereien hebt sich scharf konturiert die Gestalt des Assyrerschlächtere Bekr .Sidky vor dem etwas verschwommenen königlichen Hintergrund ab. Er ist ein Mann der Tat, grausam und zielbewußt. Es erhebt sich aber die Frage, ob alle Grausamkeit und Zielbewußtheit ein Kabinett halten kann, wenn dieses Kabinett schon deswegen nicht populärer ist, weil es zum Großteil aus Landesfremden besteht und wenn im Hintergrund England mit Bataillonen in Palästina und Ägypten steht der Herr der Wuhhabi, der ewige Gegner der Haschimiden-Dynastie, wird kaum die Gelegenheit Vorbeigehen lassen, seine Exiuncj ’ stenz wieder in Erinnerung zu bringen und 'Persien wird alte Meinungsverschiedenheiten, besonders bezüglich gewisser Grenzstrecken im Süden, neuerlich aufs Tapet bringen. Der aber in den letzten Wochen besonders von Nuri Pascha, dem Außenminister des abgesetzten und teilweise ausgerotteten Kabinetts Yassin«, betriebene Plan der Vereinigung Palästinas mit und Tr an s j o r d an i e ns mit dem Irak, dürfte wohl für die nächste Zeit von mnrqehhPTsltPn’ der Tagesordnung verschwinden, denn, wenn roten Seht;nächfc alleß trÜ£rt’ werden viele Wa*er im Man kennt die englische Haltung zu den Din- Euphrat num Peraschen Meer Wnabfließen, gen noch nicht, aber e8 ist sicher, daß sie,' dl? Verhhltmeee m der KaWcnatadt ö ’ ’ wieder konsolidiert sein werden. Wir aber, die Juden Palästinas, haben die Dinge mit äußerster Aufmerksamkeit zu beobachten, denn die Fäden zwischen dem Palästina der Mufti-Partei und Bagdad sind stark. Was aber nicht heißt, daß sie nicht eines Tages abreißen können, denn, wie der Imam von Yemen den Mufti schließlich enttäuschte, kann es auch der neue Herr in Bagdad eines Tages tun, besonders wenn 5hm die Dinge im eigenen Land über den Kopf zu wachsen beginnen. Rechtsanwalt * Dr. Karl Jellinek Carola Jellinek geh. Eckstein empfehlen sich, als Vermählte Wien, 10. November 1936 „Ich habe viel Lebensgeschichten von Menschen gelesen, aber kaum eine war so lebendig uni menschlich geschrieben, wie diese Geschichte eines Landes. Ich glaube, es sollte sie ein jeder lesen, der gerne wissen will, wie es um unsere jüdische Gegenwart steht, und vor allem, wie es dazukam, daß es so um sie steht", schreibt TciedücU lAzkecq. über das neue Buch von JOSEF KASTEIN Jecusatetn Die Geschichte eines Landes Ganzleinen S 12'96 Früher erschienen von JOSEF KASTEIN tiesades Die Geschichte eines fremden Königs Ganzleinen S 12'96 Sad&atai Zewi Der Messias von Ismir Ganzleinen S 12'96 Uäd da Casio- Die Tragödie der Gesinnung Ganzleinen S 12*96 BUCHHANDLUNG R. LOW IT WIEN, I., W 0 l L Z E I L E 6*8 „Die Tore Palästinas bleiben geöffnet“ London, 9. November. (JTA.) Chaim Weizmann erklärte n, a.; „Es Sir Herbert Samuel, der erste High Comi ist unmöglich, zu glauben, daß unsere Arbeit missioner für Palästina, und der Präsident der, in Palästina eingestellt werden sollte. Wir Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann,; haben einen schweren Kampf zu führen, einen haben zu der nunmehr geschaffenen Lage Stelj Kampf, der uns nicht schreckt Wir freuen uns, king genommen. Anläßlich einer in London abdaß die Tore Palästinas nicht geschlos gehaltenen Versammlung des Verbandes der Freunde der Hebräischen Universität erklärte Sir Herbert Samuel: „Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem, was im Weltkrieg einerseits den Juden und dem, was anderseits den Arabern versprochen worden ist. Es ist unrichtig, daß diese Zusagen sich nicht miteinander vereinbaren und in Einklang bringen lassen.“ sen wurden, sondern für Juden weiter geöffnet bleiben, obwohl viel geschehen ist, um uns diese Tore zu verriegeln. Wohl ist es richtig, daß wir eine nur kleine Zahl von Zertifikaten erhalten haben, aber von Wichtigkeit ist: die Tore Palästinas bleiben weiter offen. Es gibt keinen Grund, optimistisch zu sein, aber es gibt auch keinen Grund zu Pessimismus.“ Brodetsky über Palästina London, 11. November. Auf einem Bankett des Verbandes zionistischer Frauen Großbritanniens und Irlands erklärte der Leiter des politischen Departements der Jewish Agency in London, Prof. Dr. Selig Brodetsky, u. a.: „Wir haben durchaus den Wunsch, mit den Arabern in Frieden und gemeinsamer Arbeit zu leben; von Anfang an und während seiner ganzen Geschichte hat der Zionismus dies betont. Weizmann hat es gesagt, die Araber haben es verstanden, Feisal hat es verstanden. Dr. Weizmann hat abermals erklärt, er eei bereit, mit den arabischem Führern zu einer Beratung zusammenzukommen; aber dieser Wunsch darf nicht so gedeutet werden, als seien wir bereit, dio Grundprinzipien aufzugeben, ohne die es kein Nationalheim geben kann. Wir sind nach Palästina gegangen, um Juden dort in so großer Zahl als hineingohen anzusiedeln und ein großes jüdisches Leben aufzubauon, um das Leben des gesamten jüdischen Volkes überall in der Kulturwelt zu sichern. Kommission eingetroffen Jerusalem, 12. November. Die Königliche Kommission ist gestern in Palästina eingetroffon. Die Haltung der Araber Es verlautet, daß unbeschadet der vom Obersten Arabischen Ausschuß ausgegebenen Losung der „Non-cooperation“ mehrere arabische Persönlichkeiten private Erklärungen vor der Kommission abgeben werden. Die Araber setzen auch die Sammlung von Materialien für die Kommission fort. „Haboker“ teilt mit, daß Fürst Thallal, der Sohn des Emirs Abdulla von Transjordanien, sich bereit erklärt hat, vor der Kommission zu erscheinen. Der Emir selbst billigt diesen Schritt seines Sohnes nicht. Das Mufti-Organ „Al Liwaa“ beriohtet, daß die Palästina-Regierung der Kommission einen Plan breiter jüdischer Kolonisation im Kreis Beer-Scheba unterbreiten wolle. Zu diesem Zweck soll den Juden ein großes Bodenareal gegeben werden, wogegen die Araber de« Kreises veranlaßt werden sollen, ihren Bodenbesitz auf höchstens 150 Dunam pro Familie zu begrenzen. Das Organ der arabischen Unabhängigkeitspartei „A Difaa“ entwickelt den Plan eines arabischen Wirtschaftsboykotts gegen die Juden in der Weise, daß im Verlauf von vier Jahren 200.000 Juden eich gezwungen sehen sollen, aus Palästina auszuwandorn. Die Zeitung erklärt, falls die Araber den Boykott restlos durchführen, könne dieser „Vierjahrsplan“ ohne Schwierigkeiten verwirklicht werden. Die Realisierung der Boykottaktion müßte eino wirtschaftliche Körperschaft mit 60.000 Pfund Kapital in die Hand nehmen. Aus dem Konzentrationslager Sarafend sind die letzten internierten arabischen Agitatoren entlassen worden. Die der Stadt Hebron am 11. Oktober auferlegte Kollektivstrafe von 1000 Pfund wurde erlassen. Das Gericht in Safed hat zwei Araber von der Anklage des Mordes an dem Thoraschreiber Unger und seinen drei kleinen Kindern freigesprochen. 6761 Juden in acht M>naten natural siert Jerusalem, 10. November (JTA.) Während der letzten acht Monate des laufendem Jahres haben 6176 Juden die Staatsbürgerschaft in Palästina erworben. Den größten Prozentsatz nehmen Juden aus Polen, Deutschland und Rumänien ein. Unter den Naturalisierten befinden sich 73 ehemalige tschechoslowakische Staatsbürger. Besorgnisse der Christen in Syrien Prag, 10. November. (JTA.) Dem Tschechoslowakischen Preß-Büro wird aus Tel-Aviv gemeldet: In Libanon, Syrien und an der Westgrenze des Irak hat ein lebhafter Waffenhandel eingesetzt. Die christlichen Minderheiten in diesen mohammedanischen Gegenden befürchten, das Schicksal der Armenier in der Türkei während des Weltkrieges zu teilen, und sind daher bestrebt, sich so weit als möglich mit Waffen zu versorgen. Neue Studentenkrawalle in Budapest Budapest, 11. November. (JTA.) Die antisemitischen Studentenkrawalle in Budapest wiederholten sich am Dienstag. Unter den demonstrierenden Studenten befanden sich auch nichtstudentische Elemente, die sich am lautesten gebärdeten. Besonders tumultuöse Szenen spielten sich vor dem verschlossenen Hörsaal des Professors N o 11 e r ab. Die Demonstranten schlugen ein Loch in die Tür und schrien in die Öffnung „Juden raus!“ Auf die Frage des Professors an seine Hörer, ob er die Vorlesung unterbrechen solle, riefen alle — es waren Studenten des ersten Semesters „Bitte fortzufahren, wir wollen lernen!“ Nach der Vorlesung wurden die Studenten von den Demonstranten aufgefordert, sich zu „legitimieren“. Die jüdischen Studenten wurden aus ihrer gefährlichen Lage nur durch das Dazwischentreten der Pedellen befreit. Auch an der Technischen Hochschu’e und der Wirtschaftswissenschaftlichen Universität wurden die Juden in lärmenden Kundgebungen aufgefordert, die Gebäude zu verlassen. An der Philosophischen Fakultät wurde strenger Legitimationszwang eingeführt GROSSE KUNDGEBUNG DER ZIONISTISCHEN LISTE ..uimmiimiiiiimiimiimmmmumii...ummiüiuimuiiumimumuiiiummiinmmiimmmmimiiimmmiiiimu Montag, den 16. November, V.9 Uhr abends, findet im Hotel Continental, II., TaborstraLe 4, anläßlich des Sieges bei den Kultusgemeindewahlen eine große Kundgebung der Zionistischen Liste der kultusgemeinde, Dr. Oskar Grfinbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Vizepräsident der Kultusgemeinde, Dr. Leopold Plaschkes, Siegfried Graubart, Dr. Mendel Rosenberg

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