Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 595 (10.11.1936)
- Date
- 1936-11-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Oll STIMM! Seite 3 Nr. 595 — Wien, Dienstag, 10. November 1936 Gegenseitiger Respekt! Welzmann an die Araber London, 5. November. (JTA.) Das englische Zentralorgan der Zionistischen Organisation „New Juden“ veröffentlicht eine Äußerung des Präsidenten der 'Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Cheim Weizmann, zu aktuellen zionistischen Problemen. Weizmann schildert die Stimmungen und Verhältnisse der Jahre 1917/18, vor und nach Verkündung der Balfour-Deklaration. Es habe damals die Tendenz bestanden, die Rechte der kleinen unterdrückten Völker'anzuerkennen und damit auch eine Lö&ung für die dringende und schmerzliche Judenfrage zu finden. Die gleichen Gründe, aus denen man das Recht der Juden auf Palästina 1917 und 1918 anerkannt hat, haben noch mehr Gewicht in der heutigen Zeit. „Sollte irgend ein Versuch gemacht werden, diese Gründe zu revidieren, sei es durch die Königliche ‘Kommission oder irgend ein anderes Tribunal, so werden wir erklären: Wenn ihr 1917 die Gründe anerkannt habt, um derentwillen ihr uns die Balfour-Deklaration gegeben habt, dannmtißtihrsie 1936 bestimmt noch besser würdigen.“ Dr. Weizmann geht daun zu einer Analyse der a r a b i*s c h e m Beschwerd e n über und sagt: „Mehrheiten entstehen nicht, um Minderheiten zu unterdrücken, und Minderheiten werden nicht geschaffen, um von Mehrheiten unterdrückt zu werden. Wir erklären den Arabern unter voller Verantwortung für unsere Worte: Heute sind wird eine Minderheit, morgen können wir eine Mehrheit werden. Heute seid ihr eine Mehrheit und morgen könnt ihr eine Minderheit werden. Was immer aber in; Palästina geschehen mag, wirwol’len nicht herrschen und nicht beherrscht werden, wir wollen Gleichgestellte bleiben. Wir stehen mit höchstem Respekt eurer Sprache, eurer Religion, euren heiligen Stätten gegenüber. Wir fordern aber von euch, daß ihr unsere Religion, unsere Sprache, unsere Arbeit und unser Leben respektiert. Es gibt in Palästina Platz für beidcVölker, und auf dieser Grundlage können wir in Frieden leben. Euch und uns hat das Schicksal bestimmt, Die Aufgaben der London, 8. November. (JTA.) Die Mitglieder der Königlichen Kommission für Palästina sind Donnerstag mittags von London nach Palästina abgereiet. Kolonienminister Ormsby-Gore und viele höhere «Staatsbeamte nahmen von den ‘Kommissionsmitgliedern Abschied. Der Vorsitzende der Kommission Lord Peel gab bei dieser Gelegenheit folgende Erklärung ab: Es ist mir wohl bewußt, daß uns sehr schwere und komplizierte Aufgaben anvertraut worden sind. Es wäre unklug, schon in dem jetzigen Augenblick eine Meinungsäußerung über diese Probleme zu formulieren. Ich bin aber von dem tiefsten Glauben beseelt, daß meine Kollegen in der Königlichen Kommission zeigen werden, daß sie diese schwere und heikle Frage in der besten Weise auffassen und behandeln. Die Aufgaben der Kommission werden in demselben kleinen Land zusanimenzuieben. Es gibt, in dem Lande Raum für uns, für unsere Kinder und Enkel, ebenso wie für eure Kinder und Enkel. Wir sind bereit, das Land gcmcfneain mit euch aufzubauen, wir können die Aufnahmefähigkeit des Lande« sechs-, sieben- und zehnfach vergrößern. Das ist d i e einzige Antwort, die wir euch geben können und die die Welt verstehen wird, besonders die britische Welt. Wir müssen unsere eigene Lösung finden, und ich hoffe, daß wir in den nächsten zehn Jahren eine solche Lösung finden werden. Dann wird in Palästina Friede herrschen.“ » Kgl. Kommission entsprechend der Erklärung, die Kolonienminlster Ormsby-Gore am 29. Juli im Unterhaus abgegeben hat, folgende sein: Die tieferen Ursachen der Unruhen festzustellen, die Mitte April d. J. in Palästina ausbrachen; die Art der Durchführung des Palästinamandats in bezug auf die Verpflichtung der Mandatarniacht gegenüber Arabern und Juden zu untersuchen; festzustellen, ob auf Grund richtiger Auslegung der Mandatsbestimmungen Araber und Juden gerechtfertigte Beschwerden wegen der Art haben, in der das Mandat durchgeführt wurde oder wird; und, falls die Kommission der Überzeugung ist, daß irgend welche derartige Beschwerden begründet sind, Vorschläge für ihre Beseitigung und die Verhinderung ihrer Wiederholung zu machen. Prof. Julian Silberbusch in Wien Prof. Julian Silberbusch, der dem Wiener zionistischen Publikum durch seine Vorträge in den letzten Jahren in Wien bekannt ißt, weilt gegenwärtig im Aufträge des Hauptbüros des Keren Kajemeth in Wien. Silberbusch hat in den letzten Jahren er-, folgreich als Bevollmächtigter des Keren Kajemeth in einer* Reihe von Ländern gearbeitet und dabei nicht nur die praktische K. K. L.- Arbeit organisiert, sondern auch viel zur Vertiefung des zionistischen Gedankens beigetragen. In der letzten Zeit erstrockt ßicli ein wesentlicher Teil seiner Tätigkeit darauf, in einer Reihe von Ländern die regelmäßige K. K. L.-Arbeit auf der Grundlage der Selbstkontingentierung zu organisieren. Prof. Silberbusch hat sich im letzten Jahre namentlich in Ungarn, Jugoslawien und Polen mit großem Erfolg um die Heranziehung weiterer Kreise zur K. K. L.-Arbeit bemüht. Es gelang ihm, auch solche Perßonen zu gewiunen, die bisher der. zionistischen Ideologie überhaupt ferngestanden waren. Diese Mitarbeiter, deren Tätigkeit sich in der Regel auch auf das Patronat über eine gewisse Zahl von j Büchsen erstreckte, hat Prof. Silberbusch zu „Ligen der K. IC. L.-Freunde“ zusammengefaßt. Prof. Silberbusch wind auch die österreichische Sammelstelle auf diesem Gebiete unterstützen. Er hat bereits mit Dr. Tartakower, dem Leiter des österreichischen Keren Kajemeth, eine Reihe von Jugendbünden aufgesucht und in denselben die erwachsenen Mitglieder als S e 1 b s t k o n t i n g e n 11 e r für dio K. K. L.- Arbeit organisiert. Nach den Wahleu weiden die beiden Herren die Selbsbkontingentierung in den Bezirkssektionen, WIZO-Gruppen und bei den Föderationen systematisch durchführen. Sie werden sich weiters bemühen, neue, bisher allseits gostaudeno Kreise zur verantwortlichen Arboit heranzuziehen, 4iß Zahl der Selbstkontingentier mindestens zu verdoppeln versuchen und so auch hier die Grundlagen für eine „Liga der IC K. L.-Freunde“ legen. Hofmeister, Hauslehrer für alle Mittelschultypen mit Kenntnissen fremder Sprachen, Übersetzer für Hebräisch, Englisch, Französisch, Russisch und Polnisch vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Hochsonulpusschuß, IX., Alserstraße 36, Tel. A 25-2-38, von iß bis 17 Uhr. Chug Iwri, Zionistische Bezlrkssektion VIII bis IX (Eingang IX., Hörlgaese 2). Leitung Prof. Kestenbaum, erste Besprechung Dienstag, den 10. November 1930, pünktlich & Uhr abends, im Heim. Die neue Irak-Regierung London, 5. November. (JTA.) Im Unterhaus gab Minister Eden eine Erklärung über den militärischen Staatsstreich im Irak ab und sagte dabei: Als ich von den Ereignissen des 29. Oktober erfuhr, habe ich unserem Gesandten sofort Instruktionen gegeben, den neuen Ministerpräsidenten darauf aufmerksam zu machen, daß eines der Hauptprinzipien, nach denen die neue Regierung außerhalb des Irak werde beurteilt werden, die vom Irak seinen Minderheiten gegenüber bekundete Humanität sein werde. Minister Eden fügte hinzu: Gegenwärtig sind keine Anzeichen vorhanden, daß die Sicherheit der irakischen Juden, der Assyrier oder irgend einer anderen .irakischen Minderheit bedroht sei. Jerusalem, 4. November. (Palcor.) Die arabische Presse berichtet, daß der neue Ministerpräsidentder Regierung vom Irak eine Erklärung abgegeben hat, wonach er .ßich an das Manifest des Königs Ghazi an die Araber Palästinas halten werde, wonach er den Arabern jede mögliche Hilfe leisten wird. Die Zeitungen berichten ferner, daß die Regierung des Irak einen Vertreter naeh Palästina senden wird, um an den Diskussionen mit den Vertretern der anderen Staaten in der Angelegenheit der Vertretung der palästinensischen Araber vor der Untersuchungskommission teilzunehmen. Im Gegensatz hiezu veröffentlicht' die „Adifaa“ einen Artikel, der Zweifel daran ausdrückt, ob dies wirklich in den Intentionen der Regierung des Irak liegt. Neue Judenpolitik in Italien? Rom, 6. November. (JTA.) Der ’ Unterrichtsminister Dev.ec’chi hat das Ersuchen des Verbandes jüdischer Gemeinden Italiens, auf eigene Kosten Textbücher für jüdische Schulen herzustellen, aus denen die in den Lehr- und Lesebüchern der Staatssehulen enthaltenen katholisch-religiösen Hinweise eliminiert sind, abschlägig besehieden. Seit Beginn des faschistischen Regimes wurden solche Gesuche jederzeit anstandslos bewilligt. Der abschlägige Bescheid in diesem Jahre wird von den italienischen Juden als eine DurchbrechungdesPrinzips der religiösen Gleichheit angesehen. Über den Entscheid des Unterrichtsministers herrscht in den jüdischen Gemeinden Bestürzung. Es wird eine Petition der Führer des Verbandes der jüdischen Gemeinden gemeinsam mit den Rabbinern an den Regierungschef Mussolini erwogen. Diese neuartige Stellungnahme der italie-; nischcn Regierung wird als ein Symptom einer neuen Orientierung in der J u d e n f r a ge angesehen, die von ausländischen antisemitisch-faschistischen Kreisen beeinflußt wird. Seit einigen Monaten nimmt eine Reihe großer faschistischer Zeitungen bei Erörterung der Judeufrage eine eindeutig antisemitische Stellung ein. Als vor mehreren Wochen der deutsche Reichspropagandaminister Doktor Goebbels in Rom und Venedig geweilt hat, nahmen Zeitungen, wie „II Fascisto“ und „Giornale d’Italia“, zum erstenmal einen scharfen Richtungswechsel in der Beurteilung der Juden vor. Diese Zeitungen erhoben gegen die Juden in Italien die Beschuldigung, daß sie gegenüber dem faschistischen Regime unaufrichtig seien und mit ihren Brüdern in den übrigen Ländern sympathisieren, die angeblich den Bolschewismus unterstützen. Vor einigen Tagen meldete eich auch der britische Faschißtenführer Sir Oswald Moe- 1 e y in Italien zu Worte und gab der dem römischen Auswärtigen Amt nahestehenden „Gkmialo clTtalia“ ein Interview, in welchem er die englischen Juden denunziert, -sie seien es gewesen, die während de« iibessinischen Krieges die öffent- liehe Meinung in England gegen Italien beeinflußt hätten. Pogromhetze in polnischen Schulen Krakau, 6. November. (JTA.) Der i „fremden Ideologie“ an, die genährt wird Krakauer Metropolit Fürst Adam Sa-■durch „eine Rasse, deren Tendenz pieha, der unlängst in einem Hirtenbrief es sei, die Völker, unter denen die Gläubigen zuin Boykott jUdi- 'sie lebt, zu demoralisieren und scher Geschäfte aufgefordert hatte, \ a u s z u n u t z e n“. hat soeben im Zusammenhang mit clen Erj Die Hirtenbriefe haben ihre Wirkung naeignisseu in Spanien einen zweiten 1 mentlich auf die Schulen nicht verfehlt, wo Hirtenbrief veröffentlicht, in welchem ge-1 katholische Lehrer uud Lehrerinnen die sagt wird, viele Christen hängen einer! , christlichen Kinder in Gegenwart ihrer jüdischen Mitschüler iin Sinne dieser Hirtenbriefe „aufklären“, ln Rziradow wandte sich die Lehrerin Cibuiska an die jüdischen Schulkinder mit den Worten: „Wozu lebt ihr auf der Welt? Ich hätte Lust, euch zu zerstückeln, die einzelnen Stücke mit Salz zu bestreuen und vor die Hunde zu werfen!“ Infolge dieser Drohungen haben die jüdischen Kinder Angst, in die Schule zu gehen. Die Eltern der Kinder entsandten eine Abordnung an das staatliche Sohulkuratorium, um Abhilfe zu erbitten. Prof. Alexander R c i e h m a n n. der Mathematiker der Warschauer Universität, veröffentlicht eine Erklärung, in der er Professoren und liberal gesinnte Studenten dazu aufruft, sich den bestialischen Attacken der Nationaldemokratcn gegen die jüdischen Studenten entgegenzustellen. Dabei richtet Prof. Reiehmann heftige Anklagen gegen die Regierung, der er vorwirft, nicht dio Pogromagitation, sondern umgekehrt die Antipogromagitation der liberalen Jugend zu unterdrücken. .igSNäO IliSiiM Stfeif/Äw® Schon am Dienstag den 10.November beginnt die neue Klassenlotterie. Für m: w r den Verkauf geöffnet von 8 Uhr früh bis 6Uhr abends ist das HAUPTTREFFERBANKHAUS SCHELHAIH1ER&5CHATTERA Wien.1.Stefansplatz 11 Fit. 13.Hadikgasse60a Vortrag Kurt Blumenfeld Am Bonnerstag, den 12. d., findet im Offenbach-Saal ein Vortrag des Herrn Kurt Bitumen f e Id über das Thema: „Schicksal und Gestaltung, eine Rede über das Judentum unserer Zeit“, statt. Blumenfeld der früher zu den führenden Zionisten Deutschlands gehörte, ist gegenwärtig Mitglied des Direktoriums des Keren IIajessod. Er wird' während seiner Anwesenheit in Wien die Arbeiten des Komitees für den Mifal Bizar on unterstützen. Dieses Komitee steht unter der Leitung des Rechtsanwaltes Dr. Herbert Schutzmann und zählt zu seinen Mitgliedern eine Reihe von führenden Persönlichkeiten, ‘Wie Kommerzialrat Bernhard Alt man n, Richard B e er- II ofma n n, Adolf B öh m, Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlic h, Univ.-Prof. Dr. Mag Eisier, Rechtsanwalt Dr. Fritz Eckstein, Univ.-Prof. Dr. Herbert Elias, Bundeskulhirrat Hof rat Dr. S. Fra n kfurter, Univ.-Prof. Dr. Sigmund Freu d, Staatsrat Dr. Desider F rie dm a n n, Univ.-Prof. Dr. Bernhard? Gottlieb, Rechtsanwalt Dr. Oskar G r ü nb a u >n, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Kantor, Univ.-Prof. Dr. Hans Königst ei n, Oberingenieur Otto Kraß n y, Rechtsanwalt Dr. Leopold Plaschkes, Rechtsamcalt Dr. Saul S o k a l, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Oberrabbiner Dr. Israel T a glicht, Hof rat Dr. Ludwig Werner und viele andere. Es geht uni Ihr kostbarstes Gut, „Ihre Augen!“ Lassen Sie sich fachmännisch unverbindlich beraten von Optiker Karl Seiduer, I., Franz-Josefs-Kai 38, und II., Hollandstraße Nr. 7. (Siehe Inserat.) Holz will die Juden ausrotten Nürnberg, 6. November. (JTA.) Die „Fränkische Tageszeitung“ berichtet über eine Veranstaltung in der Marktgemeinde Feucht in Nürnberg, in der der stellvertretende Gauleiter und Chefredakteur des „Stürmer“, Karl Holz, sprach. Er erklärte, „die Lösung der Judenfrage heiße Ausrottung des jüdischen Verbrechervolkes“. Der Jüdische Pfadfinderbuud Österreichs schreibt uns: Dev .Jüdische IMVUiwiorbund Österreichs hat seinen Austritt aus dem Weltverband des Makkabi Hazair beschlossen und gleichzeitigseinen Namen in Jüdischer Pfadfinderbund, Österreichs „Akiba‘; erweitert.