Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 594 (6.11.1936)
- Date
- 1936-11-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 894 — Wien, Fred tag, 6. November 1986 Seit« 3 IRENE PAUL RÜBESON ALLAN JON E5 GLANZLEISTUNG OER REGIE UND DARSTE LLU N G! REXJI^JAMErWHALE MUSIK JERDME KERN EIN' UNIVERJAL-FIIM BUIfc"IMPERIAL1 SIAM«VOTIVPARK >- Frontsoldaten, Achtung! In einigen Bezirken gehen bezahlte Agenten herum und werben bei Mitgliedern des Bundes Jüdischer Frontsoldaten unter Berufung auf den Bundesführer Hauptmann von Friedmann. Es handelt sich hier um einen groben Mißbrauch, der sich würdig den anderen Praktiken der Union anreiht. Das Organ des Bundes Jüdischer Frontsoldaten, die „Jüdische Front", schreibt in seiner Ausgabe vom 1. November: Die Bundesführung stellt es jedem Mitglied frei, das Wahlrecht zu der am 8. November stattfindenden Kultuswahl in dem ihm genehm erscheinenden Sinne auszuüben. Jedes Mitglied des Bundes, welches — unter Berufungaul seine Mitgliedschaft im Bunde — die Kameraden beeinflussen will, ihre Stimme für die eine oder die andere Partei abzugeben, handelt in gröblichster Weise gegen die Interessen und Intentionen des Bundes und gegen ergangene diesbezügliche Befehle. Ein solches Vorgehen wird von der Bundesführung auf das entschiedenste geahndet werden. Warum wurde Dr. Friedmann in den Siaatsrat und Dr. Ehrlich in den Rat der Stadt Wien berufen? Weil sie uneigennützige, bewährte, langjährige und verdiente Vertreter jüdischer Rechte sind, und weil sich an die Makellosigkeit ihres Rufes bisher niemand, außer der „Union1*, herangewagt hat. Eine Fälschung der „Union" Ein Flugblatt der „Union“ behauptet, daß diie Jüdisohnationalen zum Boykott der „Union“-Juden aufgefordert haben. Diese Behauptung der „Union“ ist eine freche Lüge. Niemals ist von jüdischnationaler Seite ein Aufruf „Kauft nicht bei Union-Juden!“ außgegeben worden, niemals iöt auch nur mit einem Wort eine solche Aufforderung ausgesprochen worden. Die mit den Antisemiten kooperierende „Union“ nimmt langsam alle Methoden des antisemitischen Kampfes an. Ihr Flugblatt ist vom Anfang bis zum Ende im ganzen und in den Einzelheiten erlogen! Optiker RUDOLF HAAS & COMP. WIEN, II., PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK Rücktritt des stellvertretenden Chefsekretärs Nurok? Jerusalem, 3. November. (JTA.) Arabische Zeitungen melden, daß Max Nurok, der jüdische Stellvertreter des Chefsekretiirs der Palüstinaregierung, der sich auf Urlaub In London befindet, auf seinen Posten nicht mehr zurückkehren werde. Die Einwanderung Im Oktober Jerusalem, 8. November. (Palcor.) Wie aus den von der Jewish Agency veröffentlichten Ziffern hervorgeht, sind während des Monats Oktober 1153 jüdische Einwanderer, darunter 217 Kapitalisten, nach Palästina gekommen. Die Königliche Kommission Von M. y. Ben Gavriel Mäntel Eine offizielle Erklärung der englischen Regierung besagt, daß die Königliche Kommission am 5. November sieb nach Palästina begeben wird. Damit beginnt der zweite Teil der Tragödie, die im April begann. Diese aue Beamten des Kolonialdienetes bestehende Kommission soll die Gründe der Unruhen untersuchen und dann der Regierung Vorschläge für eine neue Politik in der Verwaltung des Landes machen, die geeignet ist, in Hinkunft blutige Auseinandersetzungen zwischen den beiden Völkern unmöglich zu machen. Die Entsendung von Untereuchungskomjraissionen nach größeren Unruhen in überseeischen Gebieten entspricht einer alten Kolonialtechnik Englands, die auch in Palästina schon gehandihabfc wurde. Nach den Kämpfen des Jahres 1929 kam die Shaw- Kommission, deren Untersuchungen später durch den sogenannten Simpson- Bericht ergänzt wurden. Wenn nun der Untersuchungsausschuß, der in den nächsten Tagen mit seinen Arbeiten beginnt, einen gleichen Erfolg haben wird, wie der von 1929, dem ein Jahr 1936 folgte, dann darf ihm mit wenig Hoffnung entgegengesehen werden. Das heißt: wenn diese Kommission sich gleichfalls darauf beschränken wird, nur die politischen und die ökonomischen Voraussetzungen des Aufstandes zu untersuchen, um politische und ökonomische Ratschläge zu geben, dann istnicht zu erwarten, daß das Generalproblem des Landes einer endgültigen Lösung näherkornmt. Denn wichtiger als alle Politik und Ökonomie sind die Gegensätze im Lebensstil, die kulturellen Verschiedenheiten der beiden Völker und das gegenseitige Mißtrauen des Nichtvdrstehens, das sich daraus ergibt. Das heißt weiter: wenn die Kommission nicht in der Lage sein wird, Mittel zu finden, um das kulturelle Niveau der beiden Völker einander zu nähern und ein dominierendes g emeinsames palästinensisches Raumgefühl zu wecken, wird bei aller Objektivität der Untersuchenden wieder nur . eine Arbeit geleistet werden, deren Wert zeitlich begrenzt ißt. Wenn auch beinahe alle Mitglieder der Kommission aus dem Kolonialdienst kommen, also, wenn auch nicht gerade arabophil, so doch dem arabischen Element näher als dem ihnen völlig unbekannten jüdischen, darf doch Objektivität vorausgesetzt werden, soweit eine solche menschenmöglich und den natürlich über allem stehenden britischen Reichisinteresisen entsprechend ist. In diesem Augenblick höchster Spannung im Mittelmeer handelt es sich ja nicht nur um die Befriedung zweier Völker mit gegensätzlichen Ansichten über gewisse Dinge, sondern gleichzeitig auch um die Sicherung der englischen Position im östlichen Msittelmeer und um die Siobei^mg der durch Arabien führenden britischen Reichsstraße. Dies darf niemals übersehen werden, weder von der Kommission noch von den Juden oder von den Arabern. Die Araber, die sich sechs Monate lang, zweifellos gut organisiert, geschlagen haben, mußten ihre Aktionen abbrechen, nicht nur weil der militärische Druck der Engländer zu stärk wurde, sondern auch, weil die wirtschaftliöhen Folgen des' Streiks für sie katastrophal wurden^ während der jüdische Wirtschaftakörper, wie es sich schließlich zeigte, nicht zu erschüttern war, ebensowenig etwa wie die militärischen Verteidigungspositonen der Juden. Sie setzen nun ihre Hoffnungen auf die Kommission. Das will heißen: jener Teil der arabischen Führung, so besonders der Mufti von Jerusalem und seine Leute, die noch kurz vor Abbruch des Streiks den Juden und den Engländern ihre Bedingungen diktieren zu können glaubten, wollen jetzt, nach der in Wirklichkeit bedingungslosen Beendigung der revolutionären Aktion, einen konzentrischen diplomatischen Angriff durchführen. Sie bereiten fieberhaft das Material vor, aber es zeigt sich Schon jetzt, daß d i e uralten Gegensätze zwischen d en Na sh asb ib is und den Husseinis des Mufti unüberbrückbar sind. Während der Mufti vor allem die restlose Durchführung „der den Arabern gegebenen Versprechungen" verlangen will, wollen die Nashashibis — denen es vor allem um das Parlament gebt Detaflfordernngea in den Vordergrund schieben und bemühen sich, ihren Gönner, den Emir Abdallah von Transjordanien, zu veranlassen, vor die Kommission zu kommen. Dies veranlaßt natürlich den Mufti, den Königen von Arabien zu raten, Gesandte zur Kommission zu entsenden. Der Grund hiezu -ist ein naheliegender: Abdallah träumt noch immer davon, im Einverständnis mit den Engländern und den Juden Sultan östlich und westlich des Jordan zu werden, was nicht nur den Wabhabikönig Ibn Saud, der eine derartige Stärkung des Hasohimiden fürchten muß, sondern auch den Mufti zu Gegenaktionen veranlassen muß. Der Mufti weiß natürlich genau, daß in dem Augenblick, da Abdallah (und mit ihm die Nashaehibis) in Palästina zur Herrschaft käme, seine Rolle ausgespielt wäre, denn die Nashashibis und die Juden sind seine Feinde und England entledigt sich mitunter eines Ballastes, wenn dieser politisch untragbar ■wird. In einer Forderung aber sind beide arabischen Parteien einig: der neue Hafen von Tel-Aviv, den die Juden während des Streiks errichteten, soll verschwinden, denn wenn er erhalten bleibt, geht Jaffa zugrunde und beide Parteien verlieren an ""SSsssJ#1, Bet toeldjer jeijt jmn brüten SWale bet SRiDiimettteeffer her fllaffenlolterU gemannt* mürbe. — 1. ßlaffe faa* Sieitftaa, 10. WoüemBer. ©efteilen ©ie nodj fjeuie §f>re Äfaffenlofe per Sßoftfarte. Äaffafcfjalter non 8 Uljr früh big 6 Uhr abeitbg geöffnet. Zel U*21«5=45 (Serie, SUIel tauft ttlaffenlofe Bei ber „GHiitfftelle <S t e i n“, 2Ö t e tt, I.üöipplingerftr.21 an»er„$<>heit8rßite“ filialen: l.ftggtttnerftr.34 / II. £a&orfjtr.20 l.M«rt«bUfecftr.l05 / X.^anorÜenfte.lOl Einfluß, da die Hafenarbeiter von Jaffa die Avantgarde aller Bewegungen im arabischen Palästina darstellen. Es scheint aber wenig Aussicht zu bestehen, daß sie mit dieser Forderung durchdringen, da nicht nur bindende Versprechungen von englischer Seite vorliegen, sondern auch, weil vierhunderttausend, mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen liefernde Bürger, die Juden also, in ökonomischen Dingen eine viel zu gewichtige Rolle spielen. Natürlich schreiten auch auf Seiten der Juden die Vorbereitungen für den diplomatischen Endkampf fort und es äst zu erwarten, daß von dieser Seite größeres Gewicht auf die Darstellung der positiven Ergebnisse des jüdischen Landaufbaues und auf eine endgültige Zerstörung der arabischen Befürchtungen, einer Majorisierang durch die Juden gelegt wird, als auf die letzten Endes unfruchtbaren und nichts ungeschehen machenden Besprechungen der blutigen Tatsachen während der Unruhen. Es kann natürlich für die Juden keine Diskussionen der Grundlagen des Aufbaues des Nationalheims geben, aber in anderen Fragen, die nicht diese Grundlagen gefährden, wird man in jeder Fasson M N MiOri y hl 11 (.H ln jeder Größe; . im grünten Mantelspexialhaus JULIUS KRUPNIK nur VII., Kaisers*. 115 wohl Konzessionen machen, nicht anders wie die Araber. Die Juden aber sind, wenn nicht die Kommission mit einer schon in London festgelegten politischen Leitlinie kommt, um so mehr im Vorteil, als sie a I s geschlossene Gruppe auf treten, während die arabischen Vertreter nicht nur die Sache ihres Volkes, sondern jeder einzelne auch die Sache seiner Partei vertritt. Die Zukunft unseres Landes ißt durchaus undurchsichtig. Man weiß nicht, was die Kommission Vorschlägen wird, ob sie den Antrag auf Umwandlung des Mandats in eine Kronkolonie, in ein Dominion oder aber die Teilung des Landes in jüdische und arabische Kantone Vorschlägen wird, oder aber, ob die Ergebnisse ihrer Arbeit wieder nur eine Erleichterung der Situation für ein paar Jahre mit sich bringen werden. Ein restloses Nachgeben auf der einen oder der anderen Seite ist nicht zu erwarten, schon deswegen nicht, weil dies nicht der englischen Koloniialpo-litik entsprechen würde, diie einen revoltierenden Mufti von Jerusalem wohl nur deshalb in Amt und Würden läßt, weil er ein Gegengewicht gegen andere, sonst zu stark werdende Parteien im arabischen Lager bildet. Und der Begriff Gegengewicht ist das Zauberwort, das alle Kolonialpolitik erklärt. Touristen wieder frei nach Palästina Die wegen der Unruhen in Palästina verhängte Sperre gegen Touristeneinreisen ist nunmehr aufgehoben worden. Neue Anleihe für Tel-Aviv Jerusalem, 3. November. (Palcor). Barclays Bank in London, die vor kurzem der Stadtverwaltung Tel-Aviv eine Anleihe von 100.000 Pfund Sterling gewährt hat, erwägt gegenwärtig den Vorschlag einer weiteren Anleihe, die für Wasserversorgung und Kanalisation verwendet werden würde. Höre Belisha — Mitglied des englischen Kabinetts London, 3. November. (JTA.) Verkehrsminister Höre Belisha ist in den Rang eines Kabinettsministers erhoben worden. Er ist der einzige Jude, der gegenwärtig dem englischen Kabinett angehört. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt Freitag, den 6. November 1936, um 8 Uhr abends, findet im Heime, II., Praterstr. 13, ein ONEG-SABBATH statt. Redner. DR. LEOPOLD PLASCHKES Gesänge: Konzertu. Radiosänger I. Segall-Rosenbach Sind die Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten in die österreichische Verfassung deshalb auf genommen worden, um Irgend* einen Teil der österreichischen Bevölkerung unter ein minderes Recht oder gar unter Fremdenrecht zu stellen? Nein, sie sind als ein verfassungsmäßig von Willkür der Mehrheit unabhängiger Schutz für alle religiösen und ethnischen Minderheiten Oesterrctehi gesehaff en worden* 9