Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 592 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 693 — Wien, Freitag, 30. Oktober 1086 Oll IT1MMI Sott« 5 Weltkongreß und jüdische Not Von Professor Georg Bernhard (Paris) Professor Georg Bernhard maohfc ale Leiter der Wirtachaftsabteilung des Jüdischen Weltkongresses folgende Ausführungen über den Plan «einer Arbeit. Die wirtschaftliche Abteilung des Jüdischen Weltkongresses soll su einem wich* feigen Instrument für die Durchsetzung der SraktisQheo Ziele werden, ,die aiob der JU* ische Weltkongreß für seine Arbeit gesetzt hat. Der wirtschaftlichen Not, von der ein großer Teil des jüdischen Volkes ln der Diaspora bedrückt wird, nach Möglichkeit au steuern, ist diie unabwetsliohe Pflicht einer jeden Repräsentanz des Weltjuden' tums, die diesen Namen wirklich verdienen soll. Weniger unbestritten jedoch Ist die Be* aotwortung auf welche Weise dieser Not wirksam gesteuert werden kann. Es wird leicht sein, schmerzhafte Symptome mit zu behandeln. Ärzte, die so verfahren, verdienen sich gewiß oft bei ihren Patienten Dank und enthusiastische Empfehlung, aber schließlich stirbt der Patient doch an dem schweren Leiden. Auch in der Behandlung der jüdischen Not ließen sich kurzlebige, wenn auch für eine gewisse Zeit sehr einträgliche demagogische Erfolge erzielen, wollte man (wozu allerdings viel Geld gehörte) sich auf die momentane Linderung der Übelstände beschränken. Aber nach der Auffassung, die sich in Genf allgemein durchgesetzt hat, soll der Jüdische Weltkongreß dem wirtschaftlichen Problem der jüdischen Notlage radikaler zu Leibe gehen. Es soll versucht werden, es an den Wurzeln zu packen. Dazu ist vor allem eine sorgfältige Diagnose notwendig. Denn auch der Antisemitismus selbst ist ja eine überaus komplexe Erscheinung. Jüdische Not und allgemeine Not Die besondere Eigenart der spezifisch jüdischen Wirtschaft, die vor allem in denjenigen Ländern des europäischen Ostens besteht, in denen Juden in größeren Anhäufungen vorhanden sind, mag gewiß dazu beitragen, auch eine ganz spezifische wirtschaftliche jüdische Notlage zu schaffen. Aber gerade auch in diesen Ländern wird am deutlichste® die Tatsache sichtbar, wie eng die jüdische Not —- mag sie auch ein noch so besonderes jüdisches Profil haben — mit der gesamten nationalen wirtschaftlichen Situation in den betreffenden Staaten Zusammenhänge, Und auch diese nationale Situation wiederum existiert nicht isoliert, Sie ist ihrerseits wieder durch die gesamte europäische Wirtschaftslage bedingt. Es wird die Aufgabe der Wirtsohaftsabteilung des Jüdischen Weltkongresses zunächst einmal darin bestehon müssen, auf der Grundlage einer weltwirtschaftlichen Orientierung ein klares Bild von den Ursachen der jüdischen Wirtschaftsnot zu geben. wo immer sie auch existiert. Das bedeutet eine Forschungsarbeit, die gewiß ihrer Methode nach wissenschaftlich sein muß, wenn sie zu brauchbaren Resultaten kommen will, die aber niemals da« Ziel außer Auge lassen darf, das erreicht werden sollnämlich so schnell und so wiiksam wie möglich der jüdischen Notlage zu steuern und insbesondere die jüdischen Massen des europäischen Ostens aus dem Elend herauszuführen, das, wenn man es fortdauern läßt, mit Sicherheit die Grundlagen diesee für die jüdische Zukunftaeiuwicklung wertvollsten Menschenreservoirs zerstören wird, Eine jüdische EentwUcreditbank Eine wirksame Hilfe kann auf keinen Fall — das ist beute bereits, ohne das Ergebnis von Untersuchungen abzuwarten, zu sagen — darin bestehen, daß man sich damit begnügt, möglichst viel Geld zu verteilen. Gewiß wird man unter gar keinen Umständen ohne Geld helfen können. Und es ist schon jetzt sicher, daß vor allem eine wesentliche Erweiterung und Stärkung des jüdischen Kreditapparates gesichert werden muß, um für die großen Erfordernisse der Zukunft gerüstet zu sein. Man wird dabei auf dem bereits vorhandenen Netz jüdischer Leihkasseu' und Kreditgenossenschaften auf* bauen können- Die vom Jüdischen Weltkongreß propagierte Idee der Gründung einer jüdischen Zentralbank soll ja auch ganz besonders dem Zwecke dienen, die vor» handtmen jüdischen Kreditorganisationen zu stützen und zu vereinheitlichen, und solche neue Kredltlnstitufcionen zu schaffen helfen, deren Notwendigkeit sich nach eingehender Prüfung der Lage der Juden und der Möglichkeiten der Hilfe ergeben sollten. Aber es wird ganz wesentlich darauf ankommen, die Zwooke nachzuprüfen, zu welchen ln Zukunft finanziell Hilfe in Form von Zuschüssen oder von Krediten wirklich wirksam gewährt werden kaun. Vielleicht wird es ln vielen Ländern genügen, einfach für bestimmte Berufsklassen die Summe der Kreditzuweisunen zu erhöben, weil es sich hier lediglich arum handelt, daß durch die antisemitischen Tendenzen oder die Verschärfung der allgemeinen Notlage die jüdische Geschäftstätigkeit erschwert ist. In anderen Ländern und für andere Berufe aber wird sich ergeben, daß als Folge einer umfassenden Veränderung in der Struktur der allgemeinen Volkswirtschaft auf die Dauer gewisse wirtschaftliche Tätigkeiten für die Juden mit Aussicht auf Erfolg überhaupt nioht mehr ausgeübt werden können, so daß es ganz unsinnig wäre, hierfür nach wie vor finanzielle Unterstützung zu gewähren. In solchen Fällen wird neben die grundsätzliche materielle Hilfsbereitschaft aie wirtschaftlich« Beratung und Aufklärung der jüdischen Massen und Individuen treten müssen, um sie %u veranlassen, sich anderen Berufen zuzuwenden. Wirtschaftliche Revolution überall Überhaupt wird ja das, was man als „Umstellung“ bezeichnet, in Zukunft eine außerordentlich große Rolle spielen. Aber was ist eigentlich „Umstellung“? Dieser Frage die richtige Antwort zu suchen, ist besonders nötig, da man heute überall dieses Wort ziemlich gedankenlos nachspricht una glaubt, damit auch schon ein Problem gelöst zu haben. Man hat von Umstellung zunächst im Zusammenhang mit den schrecklichen Ereignissen in Deutschland gesprochen, da insbesondere die deutsche Jugend, die keine Möglichkeit mehr findet, in Deutschland Anstellungen (und nicht einmal Lehrstellen) zu finden, gezwungen ist, sich für die Auswanderung vorzubereiten. Ebenso wie eine große Zahl der deutschen Emigranten, um in der Fremde aufs neue festen Fuß zu fassen, genötigt war, andere als die bisher gewohnten Berufe zu ergreifen. Es ist nur allzu begreiflich, daß hier oft ohne viel Überlegung und ebenso radikal wie primitiv verfahren werden mußte. Die große Losung war; Landwirt und Handwerker werden! Damals erwachte begreiflicherweise bei allen deut* sehen Juden, auch bei denjenigen, die bis dahin heftige -— sagen wir es einmal milde — Nichtzio.uisten gewesen waren, die heiße Sehnsucht nach Palästina. Dort aber brauchte man in erster Linie Landwirte und Handwerker. Inzwischen weiß man lange, daß soweit überhaupt jüdische Auswanderung notwendig werden wird, sie sicher nicht allein von Palästina absorbiert werden kann. Und ferner hat man auch in der Zwischenzeit die Erfahrung gewonnen, daß auch vielfach ln solchen Ländern die ökonomischen Existenzbedingungen sieh grundlegend verändert haben, in denen die dort geborenen Juden bleiben können und wollen. Aber auch sie werden größtenteils zu einer Berufs« Umstellung gezwungen sein. Dazu kommt, was leider der Gesamtheit der Juden noch immer nicht ganz klar geworden ist, daß in der ganzen Welt gewisse Tendenzen ztm Durchbruch kommen, die auf die Dauer der gesamten Wirtschaft aller Länder einen völlig veränderten Charakter geben werden. Wir leben in einer Epoche, die der Nachwelt einmal in den Geschichtsbüchern als Übergang von der rein kapitalistischen freien Wirtschaft zu völlig anderen Formen einer mehr gebundenen Wirtschaft geschildert werden wird. Unseren Zeitgenossen aber schwebt heute noch vielfach das Bild glücklicher früherer Zelten vor, und sie halten alles, was neute geschieht, nur für eine gewöhnliche Krisenperiode, nach deren Ablauf alles wiedei so sein wird, wie es früher einmal war. In Wirklichkeit aber leben wir inmitten einer ungeheuren Revolution, aus der es keinen Rückweg zu den Zuständen von gestern mehr geben kann, sondern aus der etwas ganz Neues entstehen muß, wenn nicht das Chaos kommen soll. Es wird die Aufgabe des Jüdischen Weltkongresses sein, bei Zeiten zu erkennen, wohin diese Entwicklung geht und dafür zu sorgen, daß die Juden sich rechtzeitig wirtschaftlich den kommenden Verhältnissen anpassen. Auf diese Weise erst können in wirklich produktiver Weise Kreditmittel zur Unterstützung und zum Neuaufbau jüdischer Wirtschaft verwandt werden. Was der jüdische Auswanderer mitbringen muß Eine der umstrittensten Fragen ist heute die der jüdischen Emigration. Es ist die allgemeine Überzeugung, daß bei der zunehmenden Verarmung Europas dort Millionen von Menschen (durchaus nicht nur jüdische) zu viel sind. Handelt es sich liier tatsächlich um eine unabänderliche Gegebenheit? Ich bin persönlich der völlig entgegengesetzten Meinung. Eine andere Organisation der europäischen Wirtschaft, insbesondere die Beseitigung der viel zu vielen Zollgrenzen, erst recht aber die Bildung eines einheitlichen europäischen Wirtsohaftskontinents würde meines Erachtens die europäischen Verhältnisse grundlegend zum Besseren ändern. Es würde sich mit einem Schlage zeigen, daß die scheinbar hoffnungslose Übervölkerung Europas nur ein Orgatiisationsfebler ist. Würde hier eine Änderung eintreten, so wäre selbstverständlich auch das jüdische Wirtschaftsschicksal ganz anders zu beurteilen, als man das ganz allgemein heute tut. Aber da man vorläufig die Verhältnisse noch nicht meistern kann, sondern mit der Notwendigkeit der Emigration aus bestimmten Ländern für eine gewisse Anzahl von Juden rechnen muß, so wird es erst recht notwendig sein, diese Emigration in Zukunft ganz anders vorzubereiten, als das bisher geschehen ist, Dazu bedarf es der gründlichen Untersuchung der wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Länder. Man muß vor allem wissen, was für Menschen sie brauchen können und welche Art von wirtschaftlicher Tätigkeit bisher diesen Ländern fehlt. Denn es muß unsere Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß der ein wandernde Jude überall als der Bringer neuer Entwicklungsmöglichkeiten, mindestens aber als der Befrieder lange gefühlter Bedürfnisse begrüßt wird, nicht aber als Parasit erscheint, der die schon vorhandene Konkurrenz noch vermehrt und damit den Boden für das Wachsen oder gar für das Neuerstehen von Antisemitismus bereitet. Bei Untersuchungen solcher Art wird sich auch ergeben, In welchen Formen in Zukunft Emigrationsbanken errichtet werden müssen, und welches die beste Art ihrer Kreditgewährung sein kann. Mitarbeit aller ist notwendig Ich habe im Vorstehenden nur in großen Umrissen versucht, die ungeheuer vielfachen Aufgaben der Wirtscfmftsabtelluog zu skizzieren. Sie soll möglichst bald dazu kommen, Faktische Anregungen auf alle den oben erührten Gebieten zu geben. Aber damit sie das kann, muß sie zunächst die wirklichen Verhältnisse untersuchen. Damit diese Untersuchungen schnell und so wenig kostspielig wie möglich geführt werden können, ist es meines Erachtens notwendig, unnötige Doppelarbeit zu vermelden. Ich nabe deshalb meine Tätigkeit als Leiter der neuen Wirt- Gramgebeugt geben wir biemit Kenntnis vom Ableben unseres unvergeßlichen Vaters, Herrn / M. H« 1/Ao.diATUi der knapp vor Vollendung des 88. Lebensjahres nach kurzer Krankheit verstorben ist. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 39, Oktober, statt. Eva Herson (London) Marin Börner (Berlin) Jakob Landau (New York) Br, Ipnett Landau (Wien) Joaaf Landau (New York) Fannl Landau (Wien) aumiir MANTEL allerletzte Modelle- MANTEL aut feinsten Stoffen- MANTEL mit edelsten Pelzen- und doch zu orschwlngllchen Praleen bringt Österreichs größtes Haus für Damen u. Kindermoden TTfPTjrnii Mth KÄISERSTRÄSSE 115 Schaftsabteilung damit begonnen, durch Umfrage bei der großen Reihe von Persönlichkeiten und Institutionen aller Länder mich darüber zu vergewissern, welches Material über die einschlägigen Fragen bereits vorhanden int, und wo etwa schon Arbeiten zur Erförschung der Verhältnisse, die wir kennenlernen wollen, eingeleitet sind. Wir wollen alles bereits Vorhandene benützen. Wir wollen aueh keine etwa irgendwo eingeleitete Forschungsarbeit stören, sondern im Gegenteil fördern. Wir kennen für unsere Arbeit, die dem gesamten jüdischen Volke dienen soll, keiuen Unterschied der Richtungen und der Parteien. Und wir haben daher auch den sehnlichen Wunsch, daß uns alle helfen mögen, denen die jüdische Zukunft am Herzen liegt. SONDERVORSTELLUNG DER „STIMME“ „DER SÄNGER SEINER TRAUER" im Jüdischen Kulturtheater l.T Kai 3 Montag, 9, November 1936, 20 Uhr Karton zum Einheitspreis von je 3 *■- gegen Vorweisung Oes Abonnement- Scheines der „SSEmme*1 OS« Misrachi-Jugend Die Leitung des Misrachi-Jugendbundes fühlt sich bemüßigt, hiernU festzustellen, daß sie gemäß dem Abkommen des Misrachi-Landesverbändes mit der Zionistischen Liste (Llstenführer: Staatsrat Dr. Desider Friedmann) geschlossen hinter der zionistischen Einheitsfront steht und alle Anstrengungen macht, um dieser Liste zu einem grandiosen Wahlsiege zu verhelfen. jeder Versuch, ln diesem Zusammenhang Gerüchte oder Falschmeldungen zu verbreiten, entspringt einer böswilligen Phantasie und ist ausschließlich darauf berechnet, um das Ansehen der Misrachi-Jugend In Österreich vor der Öffentlichkeit herabzusetzen, Misrachi-Jugenäbunä, _Wien, II., Praterstraße 60. FLIEGER - KINO Wien, IX„ Liechtensteingtraße 37 Sonntag, 1, November, um tl Uhr vorm,, Worte: Dr. O.GrUnbaum Regiebeitrag: 30g Gegen Vorweisung dieser Einladung, nach Maßgabe der vorhandenen Flätse Gin Interessantes Preisausschreiben Weit über den Rahmen einer normalen Zeitungsinsertion hdnauBgehend, findet das Preisaussohreiben der TUNGSRAM für die österreichische Jugend lebhafte Beachtung und. stärkste Aufmerksamkeit. Technische Neuerungen wecken immer gespanntes Interesse der «lugend. . Ab die Jugend wendet sieh auch das groQe TUNOSRAM» Preisausschreiben, bei dem ee wertvolle Radioapparat®, Steyrer*Waffenräder un4 erstklassige Kodak-Photoapparate im Gesamtwert von 8QQ0 Schilling *n gewinnen gibt. Dabei ist da» gestellte Thema hoch aktuell, für Erwachsene nicht weniger als für die Jugend. Oie eene RopstrgkUon, der TUNUSRAM*B’Umne, mit ..irer wunderbaren Doppelwende», der es vor allem au» ^schreiben ist, daö die TUNU8RAM-lM<amne den elektrischen ötrpra viel besser ausnütit, alm viel mehr und Wlllgeree Weht liefert. Die beiden Frauen des Prelsans» Schreibens, die schon in den nächsten lagen üj der AB» leige 4 auch tu unseren» Blatt varlautbart werden, stelle® Krade diese wertvollen Bleansohaften der TUNGSRAM* npolwende) Dampe mr Behandlung. Es gibt aueh eine kleine Rechnung dabei, die den Nachweis Dringt, wieviel dk TUNUSKAfl.D.Lampe Geld sparen hilft. Wie Pr«fu werden die glücklichen Gewinner unter dem Weihnacht«, kaum vorfinden. Ins Silberne Buch des Keren Kaiemeth wird jeder Freund des Keren Kajemeth eingetragen/der im Jahr« S 36*— duroh seine Büchse abfühjf