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Die Stimme · 1936-10-27 · Heft 590 (27.10.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 590 (27.10.1936)
Date
1936-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 590. — Wien, Dienstag, 27. Oktober 1996 Oll STIMM! Salto 3 m FUW OIE JÜDISCHE EINHEIT I FÜR OIE JÜDISCHE EHREI EKB DIE GESUNDUNG OES JÜDISCHEN VOLKES I FÜR DIE JÜDISCHE ZUKUNFT! Wählet die zionistische Liste! Der neue Bürgermeister von Tel-Aviv % rv?&•: - v ( ■ - 'y - - „ V < * 7i;; -V,. 'V X4M' ** Plumper Wählerfang Ein Leser schreibt uns: Tch habe an die Union österreichischer Juden den folgenden Brief gerichtet: „Ich bringe Ihnen hiemit zur Kenntnis, daß mir heute (am 22. Oktober) unter dem Titel einer E m p f a n g sb e s t ä t i g u n g für erhaltenes Propagandamaterial von einem Ihrer Organe eine Unterschrift abverlangt wurde, welche ich auch daraufhin gab. Da ich von einigen Seiten kurz darauf aufmerksam gemacht wurde, daß dieser Unterschrift eine Erklärung vorangeht, welche eine Verpflichtung Ihrer Partei gegenüber enthält, diese Erklärung mir jedoch von dem oben erwähnten Herrn offenbar absichtlich vorenthalten wurde* ersuche ich Sie* folgendes zur Kenntnis zu nehmen. Ich habe als organisierter Zionist mit Ihrer Sache nie etwas zu tun gehabt und das wird auch in Zukunft so bleiben. Es ist mir bis jetzt unbekannt gewesen, daß eine politische Partei vor einer Wahl, welche geheimgehalfen wird, Zugehörigkeitserklärungen von Wählern abverlangt. Diese Vorgänge mit Ihrem Gewissen zu vereinbaren, bleibt Ihre Sache. Meine Unterschrift, die ich unter oben erwähnten Umständen abgegeben habe, ziehe ich hiemit zurück und untersage, von ihr in der Folge irgend welchen Gebrauch zu machen." * Auch von vielen anderen jüdischen Wählern wird uns mitgeteilt, daß Angestellte der Union, vielfach ad hoc aufgenommene Arbeitslose, in die Wohnungen von Wählern kommen und dort derartige Unterschriften erschleichen. Natürlich hat eine solche Unterschrift nicht den geringsten verpflichtenden Wert. Die Wahl ist geheim. Aber es empfiehlt sich, diese Organe sofort abzuweisen. Für alle Fälle wird es gut sein, ihre eventuelle Legitimation einzusehen, ihre Namen zu notieren und dem jüdischen Zentralwahlkomitee mitzuteilen. Judith Varber — Istanbul Isidor Silber stein — Paris Vermählte — 25. X. 1936 Die Juden Osteuropas in den Minderheitsverträgen Der Titel dieses im Verlag Joseph Jastrow (Berlin) erschienenen Buches von Dr. Kurt Stillschweig sagt zu wenig. Wenn Stülschweig auch im besovieren die Verhältnisse der Juden in Osteuropa in Ansehung der Minderheitenverträge Gehandelt, so ist doch dieses Leo Motzkins Andenken gewidmete Buch eine w ahr e Fundgrube für jeden, der sich mit den Fragen der Minderheiten befaßt. Stülschweig behandelt in seinem 200 Seiten starken Buche die Grundlagen des jüdischen Minderheitenrechtes, die Juden als Minderheit, die Minoritätenposition der Juden im Böhmen der Minderheitenabkommen und die Rechtsgarantie der Minderheitenabkommen. Ein reichhaltiges Literaturverzeichnis und der Text des polnischen Minderheitenvertrages bilden den Schluß des Buches. Eine eingehende Besprechung dieses Buches ist uns atis Raummangel leider nicht möglich. Wir müssen ms auf die Feststellung beschränken, daß Stülschweig eine wertvolle Arbeit geliefert hat, an der niemand achtlos wird vorbeisehen dürfen, der sich mit den Problemen des Minderheitenrechtes befaßt. Gerade in unserer Zeit, in der Versuche zu einer Reform des Völkerbundes in Angriff genommen werden, ist Stillschwelgs Buch besonders aktuell. Es geht um Ihr kostbarstes Gut, „Ihre Augen!“ Lassen Sie sich fachmännisch unverbindlich beraten von Optiker Karl S e i dne’, I., Franz-Josefs-Kai 33, und II., Hollandfitraäe Nr. 7. (Siehe Inserat.) Dieses Bild wurde uns liebenswürdigerweise von Frau Dr. Anny Großkopf, der Gattin des Wiener Arztes Dr. Marcell Großkopf, zur Verfügung gestellt. Es zeigt den neuen Bürgermeister von Tel-Aviv Mosche Cholouche (sprich S1 lisch) gelegentlich eines Besuches in Wien. Die zweite Figur (von linke) ist Frau Dr. Großkopf, die dritte Fräulein Lea louche, die Tochter des Bürgermeisters. Die Aufnahme wurde im September dieses Jahres in einem Zimmer in Schönbrunn gemacht. Mosche Chelouche ist 47 Jahre alt. Er war ein Freund Dizengoffs, auf dessen Liste er auch in den Stadtrat von Tel-Aviv gewählt wurde. Dort bekleidete er bekanntlich zuletzt die Stelle eines zweiten Bürgermeisters. Chelouche stammt aus Algier und ist ebenso wie sein Bruder in der Industrie Erez Israels tätig. Er bekleidet eine Anzahl von Ehrenstellen, ist bulgarischer Honorar-Generalkonsul, Präsident Weltverzeichnis arischer Anwälte Die Berliner „Juristische Wochenschrift“ berichtet, daß bereits seit längerer Zeit von ihr ein Weltverzeichnis arischer Anwälte angelegt worden sei. Dies sei notwendig geworden, weil die deutschen Anwälte bei Auslandsaufträgen wissen müssen, welche Anwälte durch ihre Abstammung und ihre politische Einstellung dazu berufen sind, deutsche Interessen im Ausland zu vertreten. Wir haben vor kurzem den Brief eines holländischen Rechtsanwalts an den Doktor Tschad es oh, den Vorsitzenden der arischen Anwälte in Wien, abgedruckt, der eine klare und begründete Ablehnung aussprach, sich an seiner solchen Boykottliste zu beteiligen. Es ist auch sehr zu bezweifeln, ob französische oder italienische oder englische Anwälte ein solches Unternehmen mitmachen würden. Teils aus Gründen der Anständigkeit, teils aus Gründen der Gegenseitigkeit. Denn selbstverständlich würden auch die jüdischen Anwälte auf der ganzen Welt, insbesondere jene in Palästina und im Orient, von einem solchen Verzeichnis gerne und ausgiebig Gebrauch machen. Die Unruhen in Prag An der juristischen Fakultät der Prager deutschen Universität ist *es zu antisemitischen Exzessen der deutschen Studentenschaft gekommen. Der Vorwand war diesmal die Antrittsvorlesung des Professors Kelsen. Der Verlauf war der übliche. Unter dem Schutz der Autonomie der Hochschule haben sich 400 deutsche Studenten auf 50 jüdische gestürzt. Die Szenen waren derartig, daß der Dekan selbst den Lehrbetrieb sistieren mußte. Wir kennen diese Sorte deutscher Studenten von der Wiener Aula her und wir wissen, welcher Roheit sie fähig ist. An den Prager Exzessen war nur das neue Moment, daß die neue Parole von den kommunistischen Juden dort der Schlachtruf war, und daß die tschechische Öffentlichkeit diesmal doch aufmerksamer geworden ist. Denn die Art dieses Tobens gegen die jüdische Minderheit zeigte den Tschechen genau an, was ihr Schicksal sein würde, wenn... Und so wie die Tschechen, so sehen es auch die anderen europäischen Völker. Sie merken, daß der Vorstoß gegen die Juden nur der Anfang tot* Ledder wird der polnisch-palästinensischen Handelskammer und der Emigrafcionsbank. Er gehört zu den eifrigsten Förderern des Museums in Tel-Aviv, des Jüdischen Konzertvereines und der anderen kulturellen Institutionen von Erez Israel. sich diese Erkenntnis noch lange nicht in aktives politisches Handeln umsetzen . . . Von den polnischen Hochschulen Die Berichte über die Ausschreitungen an den Hochschulen Polens, insbesondere in Warschau und in Lemberg, sind nachgerade eine ständige Rubrik m der jüdischen Presse geworden. Sooft die Nationaldemokraten eigens einen Streit mit der Regierung haben, lassen sie ihre studierende und auch die nichtstudierende Jugend gegen die Juden los. Wenn dann die Regierung oder die akademischen Behörden sich ungehalten zeigen, so ist wieder ein Konflikt geschaffen und das ist ein Anlaß zu neuen Exzessen, bei denen eine riesige Übermacht die wenigen noch zugelassenen jüdischen Studenten — in Polen besteht ein inoffizieller Numerus clauses — auf das schwerste mißhandeln. So ist es in den letzten Tagen nacheinander an der Handelshochschule und an der Technik in Warschau, dann an der Lemberger Universität zu Szenen gekommen, die der jüdischen Minderheit die Ansprüche der polnischen Mehrheit recht brüsk zu Bewußtsein brachten. Das eine Mal geht es um die Ghettobänke, das ist um die räumliche Absonderung der jüdischen Hörer, das andere Mal einfach um MANTEL allerletzte Modelle- MANTEL aus feinsten Stoffen- MANTEL mit edelsten Pelzen« und doch zu erschwing* liehen Preisen bringt Österreichs größtes Haue für Damen u. Klndermoden imfR: 11 u nuA KAI SERSTRASSE 115 die Existenz der Juden. In Lemberg wurde am letzten Freitag der jüdische Student Trester durch einen Messerstich schwer verwundet. Der polnische Student Gronowicz, der ihm Beistand leisten wollte, wurde ebenfalls mit dem Messer über die Pflichten eines Polen belehrt. In einem uns zur Verfügung gestellten Brief heißt es: „... Man ist des Lebens nicht sicher. Jeder, der an unsere Hochschulen kommt, muß auf das Schlimmste gefaßt sein.“ Das beweist, wie weit der Mordfanatismus bereits vorgedrungen ist. Die Behörden zeigen wenig Willen, Leben und Sicherheit der jüdischen Studenten zu schützen. Während die polnische Regierung für ihre Minderheit auf dem Gebiete der Tschechoslowakei alle politischen Mittel anwendet, duldet sie, daß im Bereich ihrer Macht die jüdische Bevölkerung einfach zum Freiwild gemacht wird. Spezial verkehr nach Palästina Ullmann, Rink & Co. Wien, L, Judenplatz 5 Telephon-Nr. U 22-2-54 Billigste Übernahme f. Übersiedlungen u. Gütertransporte Falsche Gerüchte über Rabbiner Joachim Prinz Berlin, 22. Oktober (JTA). Die Korrespondenz „United Press“ verbreitete im Ausland die Meldung, daß der bekannte Berliner Rabbiner und zionistische Führer Joachim Prinz mit Familie aus Deutschland vor Verfolgungen durch die Gestapo geflüchtet ist. Die Meldung hat sich als vollkommen grundlos he<rausge6tellt. Rabbiner Prinz weilt mit Familie in Berlin. Der Geldumlauf ln Palästina Im Juli Jerusalem, 22. Oktober (JTA.). Der Geldumlauf in Palästina betrug im Monat Juli 6,066.134 Pfund, und zwar 5,494.734 Pfund in Banknoten und 501.400 Pfund in Hartgeld. Stimmzettel Für die Wahl des Kultusvorstancfles i Zionistische Liste Listenführer: Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich AmallDII If IPlPt 10- Bezirk, Laxenburgerstraße 8 Donnerstag, 29. Oktober 1936, 9 Uhr abends PaIästina - Film „Das ist das Land" ■ Einleitende Worte Dr. Oskar Grunbaum .- -t- U

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