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Die Stimme · 1936-10-27 · Heft 590 (27.10.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 590 (27.10.1936)
Date
1936-10-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite Z 0» STIMME Nr. 590, — Wien, Dienstag, 27. Oktober 1930 I OPTIKER (KARL SEIDNER 0 I., Frani-Josefs-Kai 33 II., Hoüandstraße 7 0 Fachmännischer Rat 0 Reiche Auswahl 0 Beste Qualität 0 Preiswert Der Gipfel Die abscheulichen Denunziationen der „Union“ haben bei allen anständigen Juden ohne Unterschied ihrer Richtung Empörung hervorgerufen. Das hier wiedergegebene Flugblatt aber schlägt dem Faß den Boden aus. Sein Inhalt lautet: Juden Wiens! Das Martyrium der Juden-Kinder in Deutschland Ein Aitikel Norman Angells Sir Norman Angell schreibt an die „Times": „Während des Krieges war unsere Presse voll von Greuelmärchen, die den Deutschen Grausamkeiten andichteten. Damals gab es Männer unter uns (der Unterzeichnete gehörte zu ihnen), die gegen diese Greuelmärchen protestierten. Was uns heute aber die Zeitungsberichte über Deutschland erzählen, das sind keine Erfindungen der Feinde Deutschlands, das sind Vorgänge, zu denen sich die Führer des neuen Deutschlands selbst bekennen. Ein Augenzeuge hat erzählt, wie jüdische Kinder, die von der Lebensmittel' und Milcbverteilung in den Schulen ausgeschlossen sind, nichtsdestoweniger gezwungen werden, auf das Katheder zu gehen und den Lehrer um Nahrungsmittel und Milch zu ersuchen, damit ihre öffentliche Abweisung vor der versammelten Schulklasse für die Schüler eine ‘Lektion darstelle, wie Juden zu behandeln seien. Monat um Monat, Jahr um Jahr wird dieser Kampf gegen eine wehrlose Minderheit geführt. Es handelt sich hierbei nicht um „innere deutsche Angelegenheiten". Das Christentum hat, wenn auch nicht eine kollektive Verantwortung für den Juden, so doch eine kollektive Schuld an das Judentum. Können wir vergessen, daß die religiöse Literatur, in die wir uns tiefer als in jedes andere Geistesprodukt versenkt haben, eine jüdische Literatur war? Heutzutage besteht die Gefahr nicht darin, daß wir vielleicht die deutschen Vorgänge übertreiben, sondern vielmehr darin, daß wir durch Ihre Verschleierung und Bagatellisierung den Unterschied zwischen Gut und Böse verwischen und so dazu beitragen könnten, einer solchen Politik Eingang in unser Land zu verschaffen." Denken Sie einmal nach: Wieso kommt es, daß die Unionisten keine Jugend haben? Wieso kommt es, daß die ganz0 jüdische Jugend im zionistischen Lager steht? Die Antwort ist einfach: Die Unionisten haben politisch abgewirtschaftet. Sie haben kein Ideal, keine Weltanschauung. Sie sind politisch zum Tod verurteilt. Die Zionisten haben eine Weltbewegung hinter sich. Sie bauen Palästina. Sie führen die entjudeten Juden außerhalb Palästinas zum Judentum zurück. Sie haben eine Weltanschauung. Habt ihr Lust, politisch Sterbende und politisch Tote zu Wahrem eurer Interessen zu machen? Dann wählt „Union“. Wollt ihr eine kraftvolle, unparteiische Vertretung euerer Interessen und den Ausbau der jüdischen Institutionen, wollt ihr, daß euere Gemeinde Rat, Trost und Hilfe für jeden Juden bietet? Dann 'wählet die Wofür treten die Kandidat ten der jüdisch-nationalen Liste (getarnt als zionistische Liste) ein? Für eine national-betonte Kultur, die die kulturelle Gemeinschaft mit den andersgläubigen Bürgern unseres Landes ablehnt. Für eine national-betonte Volksgemeinde, d. h. eine Gemeinde in der Gemeinde, einen Staat im Staate. Für eine national-betonte Existenz Eurer K uder in Palästina und nicht in Österreich. Für die Fiktion eines nur vorübergehenden Aufenthaltes In Wien unter steter national-betonter Wiederholun g des Auswanderungswiilens, was alle Jüdischen Erwerbstätigen Wiens auf die Dauer in eine unhaltbare Situation bringen muß. Auf national-betonter „Ebene“ finden sich die großen ludenfreunde und Judenfeinde: Robert Stricker, Julius Streicher, Dr. Desider Friedmann, Dr. Walter Riehl, Dr. Oskar Grünbaum, Leopold Kunschak, Dr. Jakob Ehrlich, Franz Schattenfroh, die „Stimme“, der „Völkische Beobachter“, die „Neue Wett“, der „Angriff“, der „Jüdische Weg“, das „Deutsche Volksblatt“. Darum Wählt die Liste der „Union österreichischer Juden" Listenführer: Reg.-Bat Dr. Hermann OPPENHEIM. Für den Inhalt verantwortlich: Kedakteur Oskar Hirschfeld, Wien, II., Praterstraüe 29, — Druck: Michael Urünwald, Wien, I., Flei&chmarkt 16. ★ Kein waschechter Nationalist hätte in so wenigen Zeilen soviel antisemitische Gemeinheiten von sich geben können, wie es hier ein pathologischer, antizionistischer Haß getan hat. Der Gipfel der Schamlosigkeit aber ist die Gegenüberstellung von selbstlosen, um die österreichischen Juden hochverdienten Zionisten mit dem Nürnberger Pogromhetzer Streicher und anderen Nationalsozialisten. Dieses infame, von den Wiener Naumann- Juden veröffentlichte Pamphlet verbietet es jedem Juden, der noch einen Funken Selbstachtung hat, weiter der „Union“ anzugehören oder ihr die Stimme zu geben. Juden Wiens! Distanziert euch offen von dbn pathologischen Union-Antisemiten und gebt Herrn Oppenheim und seinen Trabanten die Antwort. Wählet einhellig am 8. November die .,Zionistische Liste“, Listenführer Dr. Depilier. Friedmam. Agitationslokale der ,,Ziomsfisdien Laste" Zentral-Wahl-Komiteo: Zionistischer Landesverband, Wien, I., Marc- Aurel-Straße 5 (U-22-2-11). 1. Bezirk: Jüdischer Klub der Jungen, I., Goldschmidgasse 9. 2. B e z i'i k: Bezirkssektion, II., Pratenstr.-13 (R-42-4-07). Prater: Sektionsheim, II., Stuweretraße 1 (R-40-1-86-L). 3. Bezirk: Caf6 Lovrana HI., Löwengasse Nr. 36 OU 16-5-05). 4. /5. Bezirk: Sektionsbeim, IV., Hauslabgaese 2 (R-29-3-09). 6./7. Bezirk: Sektionsheim, VI., Loquaiplatz 11 (B-25-1-84-Z). 8. Bezirk: Sektionsheim, IX., Währingerstraße 6—8 (Eingang Hörig. 2) (R-52-0-12). 9. Bezirk: Sektionsheim, IX., Währingerstraße 6—8 (Eingang Hörig. 2) (R-52-0-12). 10. Bezirk: Sektionsheim, X., Pernerstorfergaese 25 (A-30-1-77, R-14-4-63). 12. Bezirk: Cafe Mariensäle, XIV., Sechshauserstraße 52 (R-31-4-90). 13. B e z i r k: Caf6 Hietzinger-Hof, XIII., Hietzinger Hauptstraße 22 (R-33-4-84). 14. /15. Bezirk: Sektionsbeim, Herklotzgat-se 21. 16./17. Bezirk: Sektionsheim, Fraueng. 9 (A-29-8-68). 18. Bezirk: Sektionsheim, XVIII., Weimarerstraße 7. 19. Bezirk: Casino Zögernitz, Hauptstraße 76, Telephon B 13-0-54 (Anmeldungen bei Dr. Leser, Telephon. B 16-8-32). Täglich 6 bis 9 Uhr außer Freitag; Sonntag“ 11 bis 12 Uhr. 20. Bezirk: Sektionsheim, XX., Jägerstraße 30. Zwischenbrücken: Universumstraße Nr. 62 (A 46-7-15). Floridsdorf: Dir. Leopold Glaser, XXI., Hejmann-Bahr-Gasse 6. # Alle Gesinnungsgenossen und Freunde werden aufgefordert, sich ungesäumt bei den vorgenannten Stellen zur Wahlarbeit zu melden. Dort liegen auch die-Wählerlisten auf und werden alle Auskünfte und Instruktionen erteilt. An die Arbeit! „Zionistische Liste" Listenführer StaatsratDr. Desider Friedmann. Vollständig renoviert und vergrößert Cafe Buchsbaum Die Sehenswürdigkeit in der Leopoldstadt Die österreichische Presse« kämmet Anläßlich der Konstituierung der österreichischen Pressekammer wurde aus den Mitgliedern des Vorstandes ein Hauptausschuß gewählt, dem neben dem Vorsitzenden Gesandten Ludwig Arbeitgeber und Arbeitnehmer angehören. Juden wurden in den Ausschuß nicht gewählt. In die gesamte Pressekammer wurden zwei Juden nominiert: der Präsident des Journalistenverbandes Leopold L.lpschütz und der Herausgeber des „Interessanten Blattes“ Dr. Fleischer. Die nationalsozialistische Propaganda in Paris Wie uns aus Paris geschrieben wird, sind dort seit einigen Wochen deutsche Agitatoren in Massen tätig, die als Touristen, Studenten usw. auftreten, und, wo sie nur können, gegen die Regierung Blum hetzen. Gleichzeitig sind in unglaublich hohen Auflagen französische Übersetzungen der „Weisen von Zion“ aus Deutschland teils über Straßburg, teils über Belgien eingeschmuggelt worden, die um wenige Centimes, meistens Sogar gratis, abgegeben werden. Agenten der Gestapo bereisen als angebliche Angestellte des „Feuer k reu zes“ das flache Land und halten überall „oppositionelle“ und antisemitische Reden. Einziger Rezitationsabend. Jehuda Ehrenkranz: „Tod und Liebe“. Dienstag, 24. November, Mittlerer Konzerthauseaal, 8 Uhr abends. Karten ab 70 Groschen bei Lanyi, Gronner und Jüdische Kulturstelle. Dankeskarte für die Fliegerspende «1 «Sil eit m*istit,nu tut uROKvtereistaUMo iHH Jeder, der mehr als einen Schilling spendet, erkält diese Karte mit eigenhändiger Widmung des Staatssekretärs für Landesverteidigung. Ehrenzeichen für FUegerspenden Für Spenden von S aufwärts wird dieses Ehrenzeichen verliehen, und zwar: in Eisen . . . , von S 5 bis 50 in Silber . . , > » S 50 „ 300 Mä*- ■ ■ * ‘ c tApc' * Franklin Roosevelt, Präsident der U.S.A., sagt: „Ich bewundere das großartige Aufbauwerk der Juden in Palästina . . . ” Hermann Oppenheim, Präsident der Union österreichischer Juden, meint: Palästina sei - ein Blufft Die Universitätsklinik in Jerusalem Jerusalem, 22. Oktober (JTA.). Auf dem Skopus-Berg ln Jerusalem wurde mit der Errich tung der Gebäude für die neue Universitäts klimk begonnen. Aus diesem Anlaß fand eine eindrucksvolle Feier statt Der Präsident der Hebräischen Universität, Dr. Judah L. Magnes, sprach das „Schechejanu". Das erste Gebäude, mit dessen Errichtung jetzt begonnen wird, wird ein Schwesternheim beherbergen, das den Namen von Miß Henrietta Szold tragen wird. Nach dem Bauplan soll das Gebäude in 20 Mo naten fertiggestellt sein. Ausrüstung für Jeden Sport CFIADTT r IX., LleohtenstointtraBs 27 SlUli I -Jr iv^lV »t, Wlednar HauptotraBe 8 67 Schiffe in Tei-Aviv Laut Bericht des Tel-Aviver Hafenkomitees haben ln den fünf Monaten seit Bestehen der Anlegestelle am Strande von Tel-Aviv 67 Schiffe, davon 47 Dampfer und 20 Segler, dort angelegt, um Waren ab- und aufzuladeu. Abgeladen wurden 16.994 Tonnen, anfgeladen 641 Tonnen Ware. Der Verkehr im Hafen steigert sich fortschreitend. Rohölexport über Haifa Haifa, 22. Oktober (JTA.). In der letzten Ausgabe des amtlichen Commcrcial Bulletin wird mitgeteilt, daß in Haifa im ersten IM MM Xmea ßoMi tm Irak-Petroleumleitung im Werte von 800.033 Pfund verschifft wurden. Davon gingen 736.179 Tonnen nach Frankreich, 171.347 Tonnen nach England, 92.515 Tonnen in andere Länder. Jüdischer Kapitän für den Dampfer „Tel-Aviv“ Jerusalem, 22. Oktober (JTA). Vom 15. Jänner 1937 an wird der jetzige erste Offizier des Dampfers „Tel-Aviv“, A. Rose n t h a 1, die Führung des Schiffes übernehmen, das bisher unter, dem Kommando eines nichtjüdisehen Kapitäns ßtand. Neue Industrieschutzzölle Die Mandateregierung wird mit Wirkung vom 1. Jänner 1937 einer Reihe neuer In dustrieuntemehmungen Schutzzölle gewäh ren und gleichzeitig die Roh Stoff ein fuhr dieser Fabriken von den staatlicher Abgaben befreien. Die Königliche Kommission London, 26. Oktober. Reuter meldet: Die unter Führung Lord Peels stehende Kommission ftl- Palästina wird sieh am 6. November in Marseille ednsohiffen. Angesichts der unbeugsamen Haltung der Juden und der Araber in Palästina wird die Aufgabe der Kommission, die beiderseitigen Beschwerden auszugleicben, eine

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