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Die Stimme · 1936-10-27 · Heft 590 (27.10.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 590 (27.10.1936)
Date
1936-10-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DU STIMME Nr. 590. — Wien, Dienstag, 97. Oktober 1085 ES GIBT NUR EINE ZIONISTISCHE LISTE KEINE STIMME d«r Uberflüislgan und aunlditsleitn Kandidatur des „ADOLF-STAND-KLUBS" ALLE STIMMEN DER ZIONISTISCHEN LISTE Listenführer: Staatsrat Dr. DESIDER FRIEDMANN Judentum auf dem Balkan Ereignisse und Persönlichkeiten Gespräch mit Dr# Pijade, Präsident der Großloge Bne Brlth Destrlkt Jugoslawien und Präsident der Sephardlsehen Gemeinde Belgrad Unser Mitarbeiter Alfred Joachim Fischer, dessen Interview mit Oberhand esrabbiner Dr Alkakty wir kürzlieh veröffentlichten, läßt jetzt den weltlichen Führer der Judenheit in Jugoslawien, Dr. BtikiC Pijade, zu Wort kommen. Wenn man soeben eine Reiße durch Albanien unternommen hat und in diesem Lande bitterer Anmut einem sterbenden, zusammenhanglosen Judentum begegnete, dann sind die Belgrader Impressionen um so erfreulicher. Bier, wohin die Immigration vom 14. biß zum 17. Jahrhundert Juden aus Spanien, aber auch aus Ungarn, Griechenland und Deutschland verschlug, ist das Verhältnis der israelitischen Minderheit zur serbischen Bevölkerung seit mehr als 150 Jahren eng und sohiokealßverbunden. Diese Stadt, in der Rabbi Judi Lerma und Rabbiner Dr. Bärenfeld wirkten, gehört zu dem traditionellen Zentren jüdischer Literatur und jüdischen Geteteelebens. Gleidibercditigte Staatsbürger Sohon der berühmte serbische Fredheitsheld MiloS erhob mit Kapellmeister Sohlen singer einen Juden-, in d«n Ofüziersetand. Wenn nach seinem Tode auch jahrzehntelange Reaktion die Judenheit zurüekwarf, 60 blieb ihre Stellung zur Nation und zum Lande doch unverändert. Mit König Peter I. flüchteten auch mehrere angesehene Juden ins Ausland, um sein Schicksal zu teilen. Späterhin hat ihnen der Monarch diese Treue durch viele Gunstbeweise gedankt. Er legte sogar den Grundstein zur sephardlsehen Synagoge. Im Balkankrieg (1912) lagen von 5000 jüdischen Einwohnern 600 im Schützengraben. Aber auch in dem großen Weltringen (1914 bis 1918) zeichneten sich viele Juden aus und erkämpften hohe militärische Chargen. So war es vergoltene Liebe, wenn König A1 e x a nder an denen, die sein Königstum einigen und befreien halfen, mit Zuneigung und auch persönlicher Freundschaft hing. Diesem Monarchen haben es Jugoslawiens Juden zu verdanken, daß sie in voller Freiheit als gleichberechtigte Staatsbürger die feste Säule des balkanesischen Judentums sind. Eine bedeutungsvolle Position, von der aus vielleicht die Bestrebungen, die Balkanstaaten zu einem festen, unlösbaren Block znsammenzusohweißen, realisiert werden können. Eine Persönlichkeit, der daß jugoslawische Judentum die im Gememdebund vollzogene Einigung der sich einst mit viel Unverständnis gegenüberetehenden Aschkenasen und Sepharden an erster Stelle verdankt, ist Dr. Kito Pijade. Er hat es auch vorstanden, die jüdische Position politisch, gesetzlich, gesellschaftlich zu festigen und zu halten. Natürlich ißt zur Erfüllung einer solchen Aufgabe bedeutende Autorität im Innern und nach außen die unumgängliche Voraussetzung. Als Präsident der Großloge Bne Brlth und der eephardischen Gemeinde kt Dr. Pijade, der auch dem Exekutivausschuß des Savez (Gemeindebund) angehört, ein hervorragender weltlicher Führer von Jugoslawiens Judenheit. Seine Stellung in bedeutenden gemischtkonfessionellen Verbänden schlägt wertvolle Brücken. In dem von ihm gegründeten Ärztesyndikat ist er Präsident der Belgrader Sektion. Auch seine Verdienste um Voiksaufklärung und Volkshygieue im Vorstand der Gesellschaft zur Bekämpfung und Verhütung des Krebses werden voll anerkannt. Schließlich ist Dr. Pijade weiten Kreisen durch die medizinische Mitarbeit an der bedeutenden Belgrader Zeitung „Politika“ wohlbekannt. Unsere Unterredung kreist vor allem um d$e politische, staatsrechtliche und gesellschaftliche Stellung der Juden. Dr. Pijade sagt: Antisemitismus in Kroatien „Leider haben sich die früher sehr regen Beziehungen, die zwischen den Juden Jugoslawiens und ihren Mitbürgern bestanden, verschlechtert, was ich als Befürworter des brüderlichen Anschlusses nur bedauern kann. Eine rührige antisemitische Propaganda bat viel Unheil gestiftet, und Erscheinungen, welche bisher sporadisch auftraten, sind schon zum System geworden. In den Grenzen Alteerbiens ist alles fast unverändert geblieben. Bedingt durch Strömungen, die außerhalb des Judentums stehen, haben dagegen unsere kroatischen Glaubensbrüder — das gleiche gilt für die Woyevodlna — keine beneidenswerte Position. Nur der enge Zusammenschluß aller Juden bietet ihnen Möglichkeiten zur Behauptung ihrer Rechte und zur geschlossenen Abwehr.“ „Kann man in Jugoslawien von der Möglichkeit einer straffen Durchorganisation des Judentums sprechen?“ „Die Loge Bne Brith hat eine hohe Aufgabe und eine schöne Position. Vereinigt sie doch sohon dadurch, daß nur Gewählte an ihrer Arbeit teilnehmen dürfen, die einflußreichsten Männer der jugoslawischen Judenheit. loh habe 1911 die erste Loge, Srbja, in Belgrad miübegründet. Nach der Vereinigung erstrecken sich unsere Logen auch auf Zagreb, Subotica, Noviead, Ossijek und das traditionelle Sarajevo, in dem eine große jüdische Geschichte und Kultur Im lebendigon Heute sinnvolle Fortsetzung findet. Die Aufgaben der Logen ist es, ihre rogulatorlsohe Macht nach den Prinzipien ,Eintracht und Brüderlichkeit' auf alle kulturellen, sozialen, gemeinnützigen und humanitären Gebiete zu erstrecken. Ihnen ist der erfreuliche Ausgleich zwischen früher unüberbrückbar erscheinenden Gegensätzen im Judentum zu verdanken. Selbstverständlich wirken sie und damit jeder einzelne unter uns auch im nationalen Sinno, das heißt im Sinne der jüdischen Erneuerung. Proziomsfisdies Serbien Es hat hier niemals eine Disharmonie zwischen staatsbürgerlichem Bewußtsein und zionistischer Arbeit gegeben. Die Behörden brachten im Gegenteil dem Zionismus volles Verständnis entgegen. Um aus der Fülle der Beweise nur einen einzigen herauszugreifen: Serbien hat mit als erstes Land die Balfour-Deklaration in der Völkerliga unterschrieben. Es gibt heute in Jugoslawien nur sehr wenig Juden, die dem zionistischen Gedanken nicht mindestens sympathisch gegenübenstehen. Die Jugend ist absolut zionistisch orientiert. ' Zu den großen Aufgaben der von mir repräsentierten Gemeinde gehört nicht nur das rein religiöse Gebiet. Wir müssen uns auch mit dem Schulwesen beschäftigen, das heißt Sonderschulen für jüdische Religion und Geschichte erhalten. Ein wichtiges Gebiet für Jugoslawiens Judenheit ist heute leider die Organisierung des Wohltätigkeitswesens. Den allgemeinen ökonomischen Rückgang fühlen auch wir sehr empfindlich. Während es bis vor kurzem kaum eine fühlbare Verarmung gab, kann man heute die sogenannten reichen Männer an den Fingern abzählen, ja, viele einst gut Situierte sind fast an den Bettelstab gekommen. Wir haben eine durchgreifende Winterhilfe gegründet, die auf breiter Basis mit Zuziehung der Privatvereine arbeitet. So ist ea möglich, daß fast keine Familie Heizung und Lebensmittel zu entbehren braucht.“ (Eine solche Winterhilfe darf nicht mit westeuropäischen Maßstäben betrachtet werden, sie ißt für den Balkan eine große Tat.) „Neben der Sektion für Wohltätigkeit arbeiten im humanitären Sinn zahlreiche Organisationen, Priv;'Restitutionen und die sehr rührigen Fraie ine. Bis auf die Frauen vereine sind II Sepharden und Asohkenasen vereint. Im ganzen ist bedauerlicherwetee auch in unserem Judentum, daß ich gern noch straffer zusammengöfaßt wußte, eine zu starke Vereinszersplitterung feßtouetellen: es existieren beispielsweise nicht weniger als acht Jugendorganisationen. Für geßellschaftllohe Veranstaltungen und Kongresse steht das geräumige, ßehr repräsentative jüdische Baus zur Verfügung.“ „Sind die Juden im Parlament vertreten?“ „Noch vor wenigen Jahren hatten wir In jedem Parlament Altserbiens einen jüdischen Vertreter*, ich erinnere nur an den Abgeordneten Senajo de M a y o und. den berühmten Finanzmann Bencio B u 11 i. In der Skupschtina sitzt heute kein Jude. Dagegen wurde der Oberlandearabbiner vom König Alexander zum Senator ernannt. Während einer Audienz beim Prlnxregenten hat er warme Worte für die jüdische Kultur, das jüdische Geistesleben und unsere Verdienste um den Staat gefunden. Es ißt für uns eine frohe Genugtuung, daß der Prlnzregent betont, immer ein großer Judenfreund gewesen m sein.“ Alfred Joachim Fischer Beh. konz. Realbüro Ing. M. Mühlbauer Kauf und Verkau) von Realitäten, Hypotheken (., II. und III- Sätze, Bau- und Zwitthenkredlle Gebäudeverwaltung * Büro i Franz-Josefs-Kal 11 tel. R-25-0-44 Wohnung: lt„ Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Zwei Stimmzettel hat jeder Wähler am 8. November zu bekommen. Mit dem einen wählt er die Mitglieder des Kultusvorstandes, mit dem anderen die Mitglieder der Kommission seines Bezirkes. iiiiiiiitittiiitmnmmiuummiiimiiiiniinmiiimiiiiiimimnnimiinmimimmiiiniiisuniiuuinmiiiinmmtDmnnB jCacUUcU Von M. y. Ben Gavriel Professor Harry N. Torczyner, der Tel edduwdr zu Lachich machte, zum fünfzigsten Geburtstag (am 30. Oktober 1936) zugeeignet. Einundeinhalb Stunden nach Cinema, Radio, Geldsorgen, italienisch-englischer Spannung und allen Bequemlichkeiten der Neuzeit mit der Geschichte der alten Tage per Du werden, mit diesen eigenen Händen, die vor zehn Minuten noch den Volant eines Autos hielten, eine Vase aus dem Sand zweier Jahrtausende (ist gleich.* zwanzigmal hundert Jahre!) herausgreifen, Olivenherne vom Boden auf heben, die von jenen Bäumen fielen, welche assyrische Krieger herbeischleppten, um die Stadt auszuräuchem vor unfaßbar vielen Jahren, die Hand in einer Opfernische legen, in die zuletzt ein ägyptischer Priester zur Zeit des großen Moses seine Hand gelegt hatte — kein Mensch zwischen dir und ihm! — über Bastionen gehen, auf denen Hyksosschützen, von denen wir nicht viel mehr wissen, als daß sie einmal lebten — o großer Gott, wie ist dies alles zu fassen! — Scherben, geschriebene Briefe auf heben, die Freunde oder Feinde jener Propheten geschrieben haben zu Lebzeiten dieser Eiferer, deren Heiligkeit so groß ist, daß du ihr menschliches Leben nie zu begreifen auch nur versuchtest, und nun, da die Sonne an einem völlig unmystischen Tag zwischen einem Flieger- und Tankkrieg und dem nächsten, über dem Hügel steht, den man Teil ed-duwir nennt, da unten Engländer mit Sommersprossen und kurzen Hosen in der Erde herumbuddeln, bist du, Abkömmling der Leute, die diese Festung bauten, sie verteidigten, hier mit den Propheten und gegen die Propheten konspirierten, und schließlich im Palast oben verbrannten, bist du deiner Väter zur Zeit der großen Könige, Weggefährte der großen Eingeweihten, hebst die Schale empor, die sie niederstellten, bist ihr Nachfolger mit allen Pflichten ungebrochener Kontinuität und gleichzeitig identisch mit ihnen — dies alles in der Festung Lachisch, von einem Engländer ausgegraben, von einem Juden entziffert, die sie heute nennen Teil ed-uwer, bei einem Ort namens Beth djubtn auf dem Weg zwischen Nebuchadnezar und der Jerusalemer Autobushaltestelle „Zum lustigen Kreuzfahrer*\ Unser unvergeßlicher Gatte, Vater und Großvater b'i rbsm nabv -i SALOMON DUKLER s. A. ist nach langem, schwerem Leiden am 22. Oktober 1926 vom Allmächtigen In eine bessere Welt abberufen worden, Wer ihn gekannt, wird unseren 8ohmerz über seinen Heimgang ermessen können. Der Stolz unserer Familie Ist uns entrissen worden. Familien Dukler-Schwarz frason

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