Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 590 (27.10.1936)
- Date
- 1936-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SStimme y. t>.». 20 g So wählen Siet 1. Sie haben ausschließlich die „Zionistische Liste1*« Listen! iiltrer Dr. Oesider Friedmanny zu wählen und zu achten, daß Sie den richtigen Stimmzettel ins Kuvert legen. Nr. 590 //. JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienstag, 27* Oktober 1936 11. Chesehwan 5697 10. Jahrgang Für jüdische Gemeinschaft und jüdisches Hecht Wir werden am 8. November wählen, und dieser Akt der politischen Aktivität, zu dem das Wiener Judentum aufgerufen ist, hat für die gesamte Stellung der jüdischen Gemeinde im Staat und zu der nicht jüdischen Öffentlichkeit seine besondere Bedeutung. Die jüdische Wählerschaft hat die Möglichkeit, ihren Willen auszusprechen. Das ist in dieser Zeit ein sehr wertvolles Gut. Denn die jüdische Wählerschaft steht auf dem Boden der Autonomie ihrer Gemeinde; sie kann sich selbst verwalten, ihre Dinge selbst bestimmen, insoweit sie das Leben innerhalb des Judentums betreffen. Die jüdische Gemeinde ist berufen und legitimiert, eine Gemeinschaft von 180.000 Menschen gegenüber den Behörden zu vertreten, und als solche Vertretung anerkannt. Das ist ein politischer Titel. Er ergibt sich aus der Struktur der Zeitverhältnisse und es hat sich auch ergeben, daß das Auftreten der jüdischen Gemeinde bei allen Verhandlungspartnern um so stärker und günstiger wirkte, als sie den Eindruck erhielten, es mit selbstsicheren und der Sache ihres Volkes ergebenen Repräsentanten zu tun zu haben, mit einem Worte: mit Zionisten. Die Staatsprüfung hat dieser, vor allem moralischen. Tatsache Rechnung getragen und führende Persönlichkeiten in die leitenden Organe des Staates berufen, die in der Gemeinde tätig sind und in der zionistischen Organisation führend sind. Das war gewiß in erster Linie die Anerkennung des persönlichen Wirkens dieser Männer; daneben aber auch die Feststellung,, daß Männer, die ihre Treue bewährt haben, auch für den Staat nicht zu entbehren seien. muß dem Wähler sagen, daß dieses Recht, das ihn und sein Kind vor antisemitischen legislativen Angriffen schützt, ein von den Zionisten errungener Besitz ist, den keine Assimilation antasten wird, solange es Zionisten gibt. Die Wahlen werden dazu beitragen, daß sich diese Überzeugung festigt, daß sich das Gefühl der Sicherung bei uns vertieft, und daß auch die Umwelt dies erkennt. Wir stehen auf dem Standpunkt: Nur die Art, wie jemand seinem Erwerb nachgeht, wie er sich in das Ganze einordnet, dessen Wert und Wirtschaft erhöhen hilft, kann maßgebend und entscheidend sein. Wird von unionistischer Seite her eine Bresche in diese Auffassung geschlagen, so ist das schon in normalen Zeiten Hochverrat, um so mehr in Tagen, in denen das ganze jüdische Volk von Not erfaßt ist und einer in ihrer Intensität kaum verständlichen Feindschaft gegenübersteht, für die ja auch die Bodenständigkeit nur ein schäbiger Vorwand ist, um von einer schwachen Stelle aus alle anderen anzugreifen. Dieser lokale Judenhaß ist nur ein Teil des großen Vernichtungsplanes, und unser Widerstand kann auch nur so sich ordnen, daß wir als Teil des jüdischen Volkes das unsere tun in ster ter Verbindung mit allen anderen Teilefi» und in steter Berücksichtigung des großen, in Wien entstandenen Planes, die endliche und endgültige Sicherung jüdischen Lebens in jüdischem Land durchzuführen. Dieses Ziel, das heute jeder Jude kennt und in dem jeder Jude die Erlösung für sein Kind erkennt, beherrscht das ganze jüdische Leben. Seine ideologische Voraussetzung ist die Rückkehr zum Judentum, zum jüdischen Bewußtsein, zum jüdischen Willen, zu unserem geistigen Besitz. Nur Juden, vollbewußte Juden können das jüdische Problem seiner Lösung entgegenführen, nur Juden, die nichts anderes sein wollen als Juden, verstehen unsere Fragen, und nur nationale Juden werden die Grundlagen schaffen für ein gesundes und eindeutiges Verhältnis zwischen dem jüdischen Volk und den anderen Völkern. Nichts hat uns so geschadet wie der von Juden, die sich aus dem Zusammenhang lösten, unternommene Versuch, sich in die Angelegenheiten des deutschen Volkes oder der katholischen Kirche einzumengen. Es gibt nicht mehr viele von dieser Sorte, und der letzte Rest dieser fossilen Kategorie wird diesmal, hoffentlich für immer, ausgeschieden werden. Der Wahltag, der 8. November, muß die jüdische Atmosphäre reinigen. Der Zionismus muß siegen. . X. Der Wahltag ist Sonntag, der 8. November; Wahlzeit von 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags, ohne Unterbrechung. 3« Sie nehmen zur Wahl die Ihnen von der Kultusgemeinde zugeschickte Wahllegitimation mit, außerdem haben Sie aber auch ein Identitätspapier, womöglich mit Lichtbild, mitzubringen (Reisepaß, Straßenbahnzeitkarte, Heimatschein, Gewerbeschein, Erkennungskarte}. 4. Sie legen in das Wahlkuvert 2 Stimmzettelt einen mit der Liste der Mitglieder des Kultusvorstandes und einen mit der Liste der Mitglieder der Bezirkskommission des Bezirkes, in dem Sie wohnen. Achten Sie genau, besonders auf den Stimmzettel für die Bezirkskommission. Kontrollieren Sie, ob es die Liste Ihres Bezirkes ist! Auf der Liste eines anderen Bezirkes ginge Ihre Stimme verloren. Für die Wahl des Kultusvorstandes ist der Stimmzettel für alle Bezirke einheitlich. 5« Wählen Sie so früh wie möglich. Damit ersparen Sie der Wahlorganisation der Zionistischen Liste viel Arbeit und Mühe. 6. Lassen Sie sich nicht beeinflussen, es gibt nur eine offizielle Zionistische Liste. Ihr Listenführer ist Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Präsident der Kultusgemeinde. Vluc dee 2iofUemke bietet die (fdindiagefäe eine oUet iädieciten Jtcäfte! Denkt daean atn 8. Hmtem&ee! WäUtt die Menietieeke Mete! Normale Zustande in Jerusalem Jerusalem, 22. Oktober (Palcor). Die Juden, dde während der Unruhen die alte Stadt in Jerusalem hatten verlassen.müssen, sind alle nun in ihre Häuser zurück g e k e h r t. Ebenso hat eine Anzahl von Juden Geschäfte, die während der Unruhen in der alten Stadt schließen mußten, wieder geöffnet mit Ausnahme jener, die mitten in arabischen Straßen gelegen sind und zufolge arabischer Drohungen und arabischer Boykottposten nicht geöffnet werden können. Die Zahl der jetzt in Tel-Aviv lebenden, aus Jaffa geflüchteten Juden verringert sich von Tag zu Tag. Es halten sich gegenwärtig nur noch 1000 Flüchtlinge in Tel-Aviv auf, die ebenfalls im Laufe des Monate November in der Umgebung von Tel-Aviv Unterkunft finden werden. Erholung des Wirtschaftslebens Es ist natürlich unwahr, daß diese jüdischen Männer jemals, „augenzwinkernd den Wiener Antisemiten eine Evar kuierung der Juden zugesagt“ hätten und dafür mit der Berufung in die autoritären Korporationen belohnt worden wären.. Diese Vernaderung gegenüber der jüdischen Masse ist letzthin noch durch die Behauptung ergänzt worden, daß diese Stimmacht durch die nichtösterreichischen (lies polnischen) Juden herbeigeführt worden ist. Das ist wieder die Vernaderung gegenüber den Bodenständigkeitspolitikern, die seit eh und je die Ausrufung der nicht heimatberechtigten Ostjuden und auch die generelle Revision der Heimatsdokumente aller seit dem Krieg Eingewanderten anstreben. Diesen ungemein-gefährlichen Tendenzen steht der Minderheitenschutz im Wege. Er ist von der Gesamtheit der Völkerbundstaaten verbürgt und hat seine Wirkung bereits bei den Juden Oberschlesiens erwiesen. Daß dieses Gesetz als „minderes Recht“ verschrien wird, ist eine böswillige Spekulation auf die Nerven derer, die eine Änderung schwer treffen würde, gleichzeitig aber auch ein Signal der Union an die Bodenständigkeits-Antisemiten, denen angezeigt werden soll, daß sie bei einem eventuellen Vorstoß auch im jüdischen Lager Helfer finden würden. Dieses Minderheitenrecht, das einfach ausspricht, daß niemandem aus seiner konfessionellen oder nationalen Zugehörigkeit in seinem Beruf und Fortkommen ein Nachteil entstehen darf, ist in die österreichische Verfassung auf genommen worden und es ist ein starkes Stück der Gossendemagogie, dem Wähler vorzumachen, daß ihn ein Teil der Verfassung in seinen Rechten bedroht. Aber man Der „Prager Presse** wird aus Tel-Aviv gemeldet: Die Wirtschaftslage in Palästina wurde durch den Streik in keiner Weise erschüttert. Die palästinensischen Wertpapiere, die zu Beginn des Streikes allgemein rückläufig waren, konnten sich rasch erholen und haben bereits wieder das Kursniveau vor dem Streik erreicht. Man erwartet eine Belebung der Baubewegung, namentlich durch öffentliche Investitionen. Es werden umfangreiche Strafienbauten sowie Bauten von Gebäuden für die Flüchtlinge aus den gemischten Städten, deren Häuser während der Unruhen zerstört wurden, durchgeführt werden. In der Umgebung der jüdischen Kolonien haben die jüdischen Institutionen bereits mit den Bauarbeiten begonnen. Die führenden Banken haben den Kaufleuten Hilfe bei der Deckung fälliger Wechsel, namentlich solcher von ausländischen Firmen, zugesagt, damit der Außenhandel nicht leide. Warnung vor Irreführung Die „Zionistische Liste“ ist die vereinigte zionistische .Front. Sie. darf mit keiner anderen Liste verwechselt werden. Es gibt nur eine „Zionistische Liste“. Wer behauptet, daß zwischen der Zionistischen Liste und irgend einer anderen Liste ein geheimes Wahlabkommen oder eine Listenkopplung besteht, sagt die Unwahrheit. Daher: Keine Stimme den S p 1 i t t e r* Parteien. Alle Stimmen der „Zionistischen Liste" Einigung in der Frankfurter Gemeinde Frankfurt a. M., 22. Oktober (JTA.). Die seit Monaten geführten Verhandlungen über eine Umbildung der Gemeindekörperschaften haben zu einer Verständigung geführt. In den nächsten vier Jahren werden in der Gemeindevertretung 18 Liberale, 9 Konservative und 9 Zionisten sitzen. Der Gemeindevorstand wird aus 8 Liberalen, 5 Zionisten und 3 Konservativen bestehen. (In Frankfurt konnte der Wahlkampf vermieden werden, weil es dort keine Naumann- Juden gibt. Naumann-Juden gibt es nur mehr in Wien. Wegen der Wiener Naumann-Juden müssen wir einen Wahlkampf führen. Die Red.) Jüdische Umschichtung in Deutschland Wie die ITA. erfährt, finden gegenwärtig Verhandlungen zwischen den zionistischen Führern und Vertretern der deutschen Regierung, betreffend Aufrechterhaltung der heredfcs bestehenden landwirtschaftlichen Lehrgüter zur Ausbildung junger Juden für Palästina, sowie Errichtung neuer Ausbildungsstätten statt. Die deutschen Behörden haben bereite einem Plan zugestimmt, der die landwirtschaftliche Ausbildung von 3200 jungen Juden auf Gütern in Deutschland ronstöbii 6 H eben Achtung' gar» «***• 3. ~~***2Zk 3