Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 589 (23.10.1936)
- Date
- 1936-10-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054346--6227-3062053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Set!« 4 OIB STIMM! Nr. 589 — Wien, Freitag, 23. Oktober 1938 Heiteres im Wahlkampf ln der Wahrheit“ Nr. 43 kritisiert ein Am-Haarez die in der „Polnischen Schul' am „Simchath'-Thora“, wie schon im Vorjahr stattgefundene Ehrung des Präsidenten Dr. Friedmann als „Chathan-Bere schifh", Dabei hält-es der am-haarazische Skribent für notwendig, den Union-Ignoranten die Bedeutung des Simchath-T hora- Festes und der an diesem Festtag geübten gottesdienstlichen Gebräuche zu erklären, wiewohl dies allen Schülern der dritten Volksschulklasse schon aus den den Kindern vom Schulamte der Kultus gemeinde verteilten Kalenderblättern bekannt ist. Nun blamiert sich der Am-Haarez und alle Volksschulkinder lachen. Er schreibt: „...Nach der jüdischen Tradition gilt „Simchath-Thora“ nicht nur als Freudent a g der Thora, sondern bildet auch den Abschluß der „J a ti m i m (statt Jomim, Die Red.) nauroim“, . der „furchtbaren Tage“, Neujahrs- und Versöhnungstag; an diesem Tage, am Simchath-Thora (?! Die Red.) werden die Beschlüsse der Göttlichkeit vom Jaum Kippur endgiltig bestätigt und ratifiziert. Deswegen trägt auch der Vorbeter einen weißen Kittel (?! Die Red.) und deswegen werden auch die Gebete und das Vorlesen der Thora mit der gleichen Melodie (?J Die Red.) wie am Versöhnungetag vorgebracht.“. Der ignorante Skribent hat keine Ahnung vom Wesen der jüdischen Feiertage und der Bräuche, scheint noch niemals am „Simchath-Thora“ im Tempel gewesen zu sein und wagt es, die Polnische Schul und den Präsidenten der Kultusgemeinde icegen des feierlichen Gottesdienstes zu kritisieren. Der Tag, von dem er als Abschluß der „Jomim nauroim“ spricht und an dem nach der Tradition der Gemar-ha-Din bestätigt und ratifiziert, bezw. den Boten zur Vollstreckung übergeben wird (s. Sohar, Lev. f. 32 und Sefer Chassidim § 1544) und demzufolge der Vorbeter im weißen Kittel wie am Versöhnungstage die Gebete vorträgt, ist ja „H osc hana Ra bba“ (im Anschluß an die Mischna Rosch-ha-Schana /. 2, Ende, s. auch Sch. Ar. Orach Chajim § 664) und nicht „Simchath-Thora“. Der letztgenannte Festtag ist ja der Jom tow scheni schel Galujoth (der zweite Feiertag der Diaspora) von „Schemini Azereth“, der wohlals achter (bezw. neunter) Tag des Hüttenfestes gilt, der aber als „Regel bifnei azmo“, d. h. als besonderer Feiertag betrachtet wird (Traktat Roschha-Schana 3 b) und mit Jom Kippur und dem Gerichtstag nichts zu tun hat. Die Sitte, am „Simchath-Thora“ gleichzeitig mit dem Schluß auch den Anfang der Thora zu lesen und die zwei Erkorenen als Bräutigame der Thora (Chathan Thora und Chathan Bereschith) zu feiern, ist erst in der gaonäischen Zeit eingeführt xoorden. Seit dieser Zeit erst führte dieser Tag in der Literatur — nicht im Gebet — den besonderen Namen „Simchath-Thora“. Die „positiv-religiös eingestellten* Am Haarazim aus der „Wahrheit“ sollen erst lernen, in die Synagoge gehen und dann über Tradition und Gesetz reden. Palästinafilm-Vortührung „DAS IST DAS LAND“ lillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll» Sonntag, 25. Oktober, um '/212Uhr vormittags im OPERN-KINO, Wien, I., Operngasse Einleitende Worte: Dr. I. H. Körner Regiebeitras 30 u. 50 g Österreichs Handelsverkehr mit Palästina Von Rechtsanwalt Dr. Hugo Groß, Geschäftsführer der österreichisch-palästinensischen Wirtscliafts- und Handelskammer. Die Wirtschaftsbeziehungen Österreichs zu Palästina, welche bereits im Jahre 1934 und 1935 einen sehr erfreulichen Stand erreicht hatten, erlitten im ersten Halbjahr 1936 infolge der bekannten Ereignisse in Palästina eine arge Einbuße, indem die Ausfuhr Österreichs nach Palästina um fast 40%, gefallen, während die Einfuhr Palästinas nach Öster reich um ein Viertel zuriiekgegangen ist. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Aufschluß über den Wirtschaftsverkehr Österreichs mit Palästina im ersten Semester der Jahre 1934, 1935 und 1936: Österreich—Palästina I. Einfuhr: -VI. Daraus ist zu ersehen, daß die Einfuhr Österreichs aus Palästina im Halbjahr 1935 in der Kategorie der Nahrungsmittel (Orangen, Grape-fruit) eine Verfünffaohung, und in der Kategorie der Rohstoffe und Halbfabrikate fast eine Verdoppelung gegenüber demselben Zeitabschnitt des Jahres 1934 erfahren hat. Im ersten Semester 1936 betrug der Wert der Einfuhr von Nahrungsmitteln lind Getränken aus Palästina bloß 97.000 Schilling. Die Übersicht über die wichtigsten ' rungsmittel, die wir aus Palästina einführen, stellt sich folgendermaßen dar: Pomeranzen: Jänner bis April 1935 Jänner bis April 1936 ßeh konz. Realbüro Ing.M.Mühlbaiier Kau| und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwisdienkredite Gebäudeverwallung Büro: Franz-Josefs-Kai 11 lei. R-25-0-44 Wohnung: II.. Vorgarlenslr. 150, fei. R-41-8-88 Jüdische Volksbibliothek „Zion" II., Kleine Mohrengasse 3. Für 80 Groschen monatlich (Jugendliche 50 Groschen) können Sie die schönsten Bücher in hebräischer, jiddischer und deutscher Sprache entlehnen. Keine Bandgebühr. Bibliotheksstunden Montag bis Donnerstag von halb 7 bis halb 9 Uhr abends, Sonntags von halb 11 bis halb 1 Uhr vormittags. Bekleidung armer Kinder. Der Verein „Mathilde“, Wien, II., Große Sperlgasse 41, will auch heuer zirka 200 Kinder mit Wäsche, Schuhen und Kleidern betoilen. Di<> vorhandenen Geldmittel reichen nicht aus, um aweh nur einen Teil der einlaufenden Gesuche berücksichtigen zu können. Der Verein wendet sich daher an alle Kinderfreunde mit der Bitte um Spenden. Es wird gebeten, die Geldspenden auf das Postsparkassenkonto Nr. 110.720 zu überweisen. Gleichzeitig gibt der Verein bekannt, daß Gesuche um Bekleidung bis spätestens 8. November, ab 6 Uhr abends, einzureichen sind. Gesucbsformulare im Verelnslokal. Eröffnung des Wintersemesters .der Hlstadruth Ivritn. Samstag, den 24. Oktober, J49 Uhr abends, eröffnet der Rektor des Rabbinorseminars, Prof. Dr. S. Krauß, im Heim, IT., Kleine Mohrengasse 8, das Wintersemester der Hlstadruth Ivrith mit einem Vortrag über das Thema: „Jlschuw hajehudim bijeruschalaim t)ijmo g’&erath Adrianus“ Eröffnungsworte: Präsident Dr, D, iiothbluia, q 1000 S q 1000 S Total 144.616 4.848 146.551 5.043 Italien 125.385 4.257 110.911 4.055 Spanien 5.953 149 32.208 871 Palästina 9.701 315 2.168 60 Zedratfrüchte (Grape-fruit): Jänner bis April 1935 Jänner bis April 1936 q 1000 S q 1000 S Total 435 14 Total 1108 36 Italien 16 1 Italien 75 3 Palästina 412 13 Palästina 849 22 Amerika 166 10 Olivenöl Jänner bis April 1935 32 q 8000 S Jänner bis April 1936 21 q 5000 S Wein Jänner bis April 1935 52 hl 3000 S Jänner bis April 1936 119 hl 5000 S Blasen, Därme Jänner bis April 1936 87 q 104.000 S Die Einfuhr von Orangen im ersten Halbjahr 1936 aus Palästina ist also von 97 Waggon auf 21 Waggon zuriiekgegangen, vornehmlich eine Folge der geringeren Ernte in Palästina in der Saison 1935/36. Die Einfuhr von Grape-fruit ist im Jahre 1936 von 4 auf 8 Waggon gestiegen. Der Bedarf Österreichs an diesen Früchten wird nunmehr fast zur Gänze aus Palästina gedeckt. Die Einfuhr von Olivenöl hat im ersten Halbjahr 1936 eine Verringerung erfahren, die Einfuhr von Wein hat sich dagegen verdoppelt. In der Kategorie der Rohstoffe und Halbfabrikate haben wir eine stetige Erhöhung des Wortes der aus Palästina eingeführten Waren zu beobachten, so im ersten Halbjahr 1934 S 45.000,1935 S 72.000, 1936 S 175.000. Die Einfuhr fertiger Waren aus Palästina hat im Jahre 1936 eine bedeutende Erhöhung erfahren, was zwar ziffernmäßig nicht sehr stark ins Gewicht fällt, immerhin ein Zeugnis der erhöhten Leistungsfähigkeit Palästinas gibt. Die österreichische Ausfuhr nach Palästina zeigt in den wichtigsten Zollpositionen im ersten Semester 1935 und 1936 folgendes Bild: 1934 1935 1936 I. Semester Pos. Wert in 1000 S 217 Schokolade 33 20 26 318 Baumwollgewebe, gebleicht 13 23 5 320 Baumwollgewebe, bedruckt 405 Kammgarn, gebleicht, gefärbt, gedr. 408 Wollgarne für den 'Klein¬ 43 6 4 — 3 18 verkauf 418 Strick- und Wirkwaren 2 13 9 aus Wolle — 15 79 443 Strick- und Wirkwaren 73 101 140 471b Knabenu. Herrenkleider 25 15 6 472a Frauenu. Mädchenkleäder 472b Mäntel, Kostüme für Frauen und Kinder 107 270 114 13 46 7 474b Herrenwäsche 51 64 55 477 Krawatten 29 23 21 499 Gewöhnliche Pappen 514 Anderes Druck- und 32 20 12 Schreibpapier 458 301 76 529 Säcke, Düten 88 109 66 539 Schläuche 545b Waren aus weichem Kautschuk oder Patent¬ 51 31 23 platten 578 Andere Taschnerwaren 52 35 34 aus Leder 580 Schuhwaren aus oder mit 127 17 21 Leder 57 106 44 586 Treibriemen 18 23 _ 612 Furniere 28 44 19 746 Wandbelagplatten, glasiert 93 58 27 762b Stahl in Stäben 782 Kochherde, Zimmeröfen 41 50 9 und deren Bestandteile 13 13 4 786b Blechwaren n. b. b. 23 24 15 814 Schrauben, Bolzen, Nieten 74 18 22 820 Draht waren 84 55 6 834 Andere Schlösser 86 65 9 854 And. Messerschmiedwaren 85 42 33 860 Gußeisen-, -badewannen — 41 4 903 Armaturon 38 73 12 904c Waren n. b. b. aus Kupfer 948 Waren n. b. b., vergoldot, 128 152 105 versilbert 27 40 9 981 Holzbcarbeitungsmasch. 68 80 _ 982 Metallbearbeitungsmasch, 989 Speziulmasohinen f. Buch- 126 37 5 druckeroi u. Litliographio 85 19 2 996 Pumpen, Spritzen 998 Beförderungsmaschinen 25 40 21 13 35 15 1002 Maschinen n. b. b. 66 85 10 Zwei Stimmzettel hat jeder Wähler am 8. November zu bekommen. Mit dem einen wählt er die Mitglieder de« Kultusvorstandes, mit dem anderen die Mitglieder der Kommission seines Bezirkes. mmwmiiiiinmmiimminnmniwwnwiimnmnmmwwnmiHmmmnttmmmmim Nahrungsmittel Rohstoffe und Fertige Waren Total und Getränke Halbfabrikate q 1000 S q 1000 s q 1000 S q 1000 S 1934 69 45 21 135 1935 10.257 345 2.296 72 18 3 12.571 420 1936 3.217 97 3.203 175. 69 34 6.489 312 A u s f u h r: Nahrungsmittel Rohstoffe und Fertige Waren Total und Getränke Halbfabrikate q 1000 S q 1000 S q 1000 S q 10CO S 1934 71 108 3951 4130 1935 483 97 939 99 22.967 4.123 24.389 4.319 1936 581 82 1.033 74 9.936 2.277 11.550 2.433 Palästinafilm-Vorführung „DAS IST DAS LAND" Sonntag, 25. Oktober, 1/211 Uhr vormittags, im LOWEN-KINO, WIEN, lll., Löwengasse 33 Einleitende Worte: Staatsrat Dr. Deslder Friedmann * Reslebeltrag 30und 50g 1003 Dynamomaschinen, Elektromotoren 18 36 10 1008 Radioappaiate 89 93 16 1013 Glühlampen — 32 45 1098 Andere Waagen — — — 1100 Pianinos 35 23 6 1279 Preßhefe 46 50 38 1298b Arzneistoffe und Arzneiwaren n. b. b. 43 18 1379 Literarische Gegenstände, Bücher 2 — Von den Textilien konnten wir bloß in Wirkwaren unseren Export nach Palästina bedeutend erhöhen, währeud der Export von Konfektion sehr stark zuriiekgegangen ist, wohl ein Zeichen der erstarkten. Eigenproduktion Palästinas. In Papier und Papierwaren ist der rapide Rückgang nicht nur auf die derzeitigen Verhältnisse in Palästina, sondern mehr auf die Konkurrenz der nordischen Länder zurückzAiführen, mit denen unsere inländische Papierindustrie nicht zu konkurrieren vermag. Alle Eisen- und Blechwaren, weiters Draht- und Metallwaren, Maschinen, Elektromaterial, Radioapparate, Pianinos und Gegenstände österreichischer Geschmacksindustrie weisen einen Rückgang auf, welcher größer ist, als der allgemein bei allen Palästinaimporten beobachtete Prozentsatz ausmacht, ein Beweis dafür, daß Palästina in diosen Waren die ausländische Konkurrenz stärker heranzieht und die österreichische Industrie nach Eintritt normaler Verhältnisse alles daransetzen muß, um diesen Ausfall wetfczumachen. In einigen Warenkatogorien ist allerdings der palästinensische Markt aus Gründen der Autarkie weggefallen. So hat zum Beispiel die einzige große Eisengießerei in Tel-Aviv, welche Badewannen und sanitäre Artikel erzeugt, im Rahmen des Weltkartells eine Quote erhalten, welche prohibitiv auf die Einfuhr wirkt. Weitere wird die österreichische Preßhefeindustrie, welche bisher eine dominierende Stellung in der Einfuhr Palästinas bekleidet hat, infolge Gründung einer eigenen Preßhefefabrik, allerdings unter Mitwirkung der bedeutendsten österreichischen Produktionsfirma dieser Art, nach und nach ihren Absatzmarkt in Palästina verlieren. Die unter Mitwirkung österreichischer Interessenten vor einigen Jahren gegründete Heilmtittelstelle deckt im Verein mit den bereits im Lande bestandenen Erzeugungen den Bedarf an Arznoistoffen und Arzneiwaren. Darauf ist wohl der Wegfall dieser Einfuhrposition in der Außenbandelsstatistik zurückzuführen. Wie sich die wirtschaftlichen Verhältnisse im zweiten Halbjahr 1936 entwickeln werden, ist in Anbetracht der schweren politischen Situation nicht abzusehen. Jedenfalls lauten die Mitteilungen aus Palästina so, daß die Ansicht, Palästina habe durch seine bisherige Widerstandskraft die gute Zahlungsmoral der Wirtschaft und die absolute Ablehnung eines Moratoriums von Seiten der jüdischen Wirtschaft einen hohen Grad wirtschaftlicher Kraft bewiesen, zu der optimistischen Annahme berechtigt, die palästinensische Wirtschaft werde in ab-< sehbarer Zeit die Schwierigkeiten überwunden haben. Trockener Einlagerungsraum zwecks Einlagerung von Möbeln von deutscher Emigrantin gratis oder gegen geringe Vergütung gesucht. Dio Versicherungskosten werden bezahlt. Gefl. Zuschriften unter „Emigrantin“ an die Administration des Blattes. Samuel Schiller gestorben. Aus Gänserndorf wird uns geschrieben, daß dort am 14. d. der Vorsteher dor.Kultusgomcinde Sarnuol Schiller im 84. Lebensjahre verschieden ist. Er wurde am 18 d. im Zentralfriedhof in Wien beerdigt. Herr Schiller hat sieh als Gründer der israolitischen Kultuegemoinde in Gänserndorf und als langjähriger Vorsteher sowie als Erbauer des Tempels in Gänserndorf große Verdienste erworben. Konzert Regina Schein. Die talentierte jüdische Cellistin Regina Schein (Schülerin von Prof. Stutschowsky), spielt vor Beginn ihrer Konzerttournee am 29. Oktober (M8 Uhr abends), im Kleinen Konzerthaussaal. Die Künstlerin begibt sich anschließend auf eine Reise nach Budapest, Italien, Holland und der Schweiz. Palästina 1936 — ein Kulturbericht, Dienstag, den 3. November, 8 Uhr abends, spricht Univ.-Prof. Dr. Max Eisler im Kleinen Musikveroinssaal über seine Palästinareise (mit Lichtbildern). Restllcho Karten im Sekretariat der WXZrOj I., Sohottesring