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Die Stimme · 1936-10-20 · Heft 588 (20.10.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 588 (20.10.1936)
Date
1936-10-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 588 — Wien, Dienstag, SO. Oktober 1936 PMiTIMM» Saite 3 lingen und Mädchen für die Arbeit in Erez Israel gesorgt und den Auswandernden Hilfe angedeihen lassen. Er hat sich nicht auf Hilfe materieller Art beschränkt, sondern hat in Gemeinschaft mit den jüdischen Gemeinden in aller Welt seine Stimme erhoben, wenn es galt, eine Gefahr vom jüdischen Palästina abzuwenden. Ja, die Leitung der Judengemeinde Wiens, der Stadt Theodor Herzls, war immer zur Stelle, wenn sie helfen konnte, das glückbringende Werk des Palästina- Aufbaues auszugestaften, damit aus den Hunderttausenden geretteter Juden Millionen werden, es zu festigen und zu stützen. Darf man sie deshalb tadeln? ' Die Führer der „Union“ sind abseits gestanden und haben geschmäht und gehindert und begrüßen jedes Mißgeschick und jeden feindlichen Hieb, welche das jüdische Palästina treffen, mit niedriger Schadenfreude. Handeln diese Leute im Geiste der Wiener Judenschaft? Sollen Menschen dieser Denkart Führer des jüdischen Wien sein? Jüdische Wähler! Hier jüdische Brüderlichkeit und unerschütterliche jüdische Solidarität, Arbeit für das jüdische Palästina! Port Spaltung, Bruderkampf bis zu giftiger Denunziation, zerfleischender Selbsthaß, Anti-Zionismus! Wählet am 8. November die „Zionistische Liste“! Agitationslokale der ,,Zionistischen Liste" Zcntral-Wahl-Komitee: Zionistischer Landesverband, Wien, I., Marc- Aurel-Straße 5 (U-22-2-11). 1. Bezirk: Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5. 2. B e z i r k: Bezirkssektion, II., Braterßfcr. 13 (R-42-4-07). Prater: Sektionsheim, II., Stuweretraße 1 . (R-40-1-86-L). 3. Bezirk: Cafe Radetzky, Radetzkyplatz. 4.15. Bezirk: Sektionsheim, IV., Hauslabgasse- 2 (R-29-3-09). 6./7. Bezirk: Sektionsheim, VI., Loquaiplatz 11 (B-25-1-84-Z). 8. Bezirk: Sektionsheim, IX., Währingerstraße 6—8 (Eingang Hörig. 2) (R-52-0-12). 9. Bezirk: Sektionsheim, IX., Währingerstraße 6—8 (Eingang Hörlg12) (R-52-0-12). 10. Bezirk: Sektionsheim, X., Pernerstorfergasse 25 (A-30-1-77, R-14-4-63). 12. Bezirk: Cafe Mariensäle, XIV., Sechshauserstraßo 52 (R-31-4-90). 13. Bezirk: Cafe Hietzinger-Hof, XHI., Hietzinger Hauptstraße 22 (R-33-4-34). 14,1 lo. Bezirk: Sektionsheim, Herklotzgasse 21. 16. /17. Bezirk: Sektionsheim, Fraueng. 9 (A-29-8-68). 17. Bezirk: Sektionsheim, XVIII., Weimarerstraße 7. 19. B e z i r k: Casino Zögernitz, Hauptstraße 76, Telephon B 16000 (Anmeldungen bei Dr. Leser, Telephon B-16-8-32). 20. Bezirk: Sektionsheim, XX., Jägerstraße 30. 1 Zwischenbrücken: Univorsumej;raße Nr. 62 (R-53-9-91). Floridsdorf: Dir. Leopold Glaser, XXI., Hennann-Bahr-Gasse 6. * Alle Gesinnungsgenossen und Freunde werden aufgefärdert, sich ungesäumt bei den vorgenannten Stellen zur Wahlarbeit zu melden. Dort liegen auch die Wählerlisten auf und werden alle Auskünfte und Instruktionen erteilt ‘ An die Arbeit! Es geht um Ihr kostbarstes Gut, „Ihre Augen!'* Lassen Sie sich fachmännisch unverbindlich beraten von Optiker Karl Seid n er, I., Franz-Josefs-Kai 33, und II., Hollandstraße Nr. 7. (Siehe Inserat.) Das Doppelgeleise Der in Rom lebende österreichische Bischof H u d a 1 hat sich in einem Aufsatz, der zur gleichen Zeit in den „Wiener Neuesten Nachrichten“ und in der „Essener Na tionalzeitung“ veröffentlicht wurde, von dem deutsch-österreichischen Abkommen vom 11. Juli ausgehend, mit dem Judenproblem beschäftigt Die Vorgeschichte dieses Artikels hat ziemliches Aufsehen erregt und sie ist ein interessanter Beitrag zu dem Thema: „Wie es gemacht wird.“ Die „Reichspost“ hat festgestellt, daß nach dem ihr vorgelcgten Manuskript in dem in den genannten Zeitungen veröffentlichten Text wichtige Steilem fehlen, und zwar solche, in denen an den Vorgängen im Reich Kritik geübt wird. Das Blatt meint, die aussendende Korrespondenz „Eichingers Zeitungsdienst“ habe die Ausmerzung dieser Stellen selbst vorgenommen, was einer Fälschung gleich käme. Nun kommt uns aber zufällig eine Erklärung dieser Korrespondenz unter die Augen, die dahingeht, daß die von ihr versendeten Ausführungen ihr am 13. Oktober mit einem aus Rom datierten Begleitschreiben des Bischofs Hudal zur Verfügung gestellt wurden und vom ersten bis zum letzten Wort von ihm stammen. Eine andere Erklärung, die diese merkwürdige Korrespondenz abgibt und die in der „Reichspost“ glossiert wird, enthält allerdings die Mitteilung, daß die Streichung in Wien erfolgt ist. Es ist also hier eine Doppeldosierung versucht worden, eine für Wien, eine1 für Deutschland. Beiden gemeinsam sind die Bemerkungen über das Judenproblem. „Ee ist“, sagt der Bischof, „auch in Wien brennend, aber es wird eine andere Lösung finden müssen als jene im Reich, um überflüssige Härten zu vermeiden. Bereits das perzentuelle Verhältnis des Judentums gegenüber der gesamten Bevölkerung Österreichs gibt Anregungen und Richtlinien für eine mit Humanität vereinbarte Ordnung“. Es ist anzuerkennen, daß der Bischof eine andere Lösung vorschlägt als sie der Nürnberger Trichter produziert. Allerdings denkt auch er an Härten, denn er will ja nur überflüssige vermeiden. Und so gelangt er zum Numerus clausus, der ihm als mit Humanität vereinbarte Ordnung vorschwebt. Nehmen wir einmal ah, daß nur so und so viele Juden in den freien Berufen, in Handel, Gewerbe, Industrie und so weiter verbleiben — was geschieht mit denen, die nicht zugelassen werden? Nun, die werden der Humanität überantwortet... Nun ist der ganze Aufsatz nichts weiter als eine ausgeweitete Abwandlung des Themas vom Bolschewismus, vom jüdischen Bolschewismus natürlich, wie denn überhaupt der Autor die braune Nomenklatur sich trefflich angeeignet hat. Er spricht von der Wiener Asphaltliteratur, die in diesem Sinn seit der heuen Presseordnung in Österreich überhaupt nicht existiert, er nennt den Bolschewismus eine Seelenhaltung* in der ein stark nihilistischer Zug des von allen religiösen Bindungen losgelösten dekadenden Judentums eine bedeutende Rolle spielt. (Auch das Wort Seelenhaltung, das gar nichts besagt, ist von den Adepten des Goebbels erfunden worden.) Nun ist der Bolschewismus, die auf dem Führerprinzip aufgebaute starrste Zentralisierung der Produktion und ihrer Mittel, das gerade Gegenteil vom Nihilismus; der Bolschewismus ist keine Idee, sondern eine politische und soziale Bewegung; er hat mit dem Judentum so viel zu tun wie der Katholizismus mit der Sardinenfischerei; und wenn man aus dem Vorhandensein jüdischer Bolschewiken auf einen jüdischen Bolschewismus schließen will, so kann man mit dem gleichen Recht oder Unrecht die in den Nibelungenliedern sich entladenden Triebe, wie Blutschande plus Meuchelmord plus Betrug, als wesentliche Züge der arischen Seelenhaltung anspreehen. Der Bolschewismus ist ein Sklavenaufstand gegen den Zarismus und dieser wieder — ist das Führerprinzip mit anderem Vorzeichen gewesen. Wäre der Zar nicht in den Krieg gezogen», so gäbe es heute keinen Bolschewismus. Daß diese russische Bewegung, die von dem Uranien- Lenin begründet wurde, so gefährlich geworden ist, kann nur ein weltfremder Ignorant oder ein seelisch glGicbgesolialfcetor nationalsozialistischer Assiimi.la.nt denn jüdischen Volk anJasten; hätte Europa nicht zwanzig Jahre lang da* riesige russische Produktions- und Absatzland durch Stachel - drähte ans dem Weltverkehr femgohalten, so wären nicht die großen Krisen gekommen. Rußland fohlt und in diesem Mangel liegen die Fehlerquellen. Es ist darum auch sinnlos, von einem woltanisohaAiliehen Gogenkampf zu träumen, der mit „starkem, heiligem Haß bis zur Vernichtung“ zu führen wäre. Man lege die Zollschranken, die Devisenvorschriften, die Kontingentierungen und alle diese Erfindungen der judenreinen politischen Naohkriegsökonomie nieder, gebe Handel und Wandel frei — und man beseitigt drei Viertel der Arbeitslosigkeit. Mit Weltanschauung, mit Seelenbaltung und mit Antisemitismus wird’s nicht gehen. Wir leiden unter diesen Zuständen genau so, wenn nicht mehr, wie jedes andere Volk, aber wenn man versucht, eine jüdische Schuld zu konstruieren, so sehe man auf das Dritte Reich, das die Juden abgesohaltet hat, aber trotzdem zum Eintopfgericht und zum täglichen Quark zurück muß. Dort ist die Kriegsrüstung und all der laute Betrieb nichts als ein Ventil für die Explosionsgiase, die unter der Oberfläche sich ansammeln. Das erkennt man heute sogar schon in London und auch in Rom. Es ist bedauerlich, wenn ein Mann wie der Bischof Hudal so wenig Kritik besitzt, daß er der Nürnberger Hypnose unterliegt — in bezug auf den Bolschewismus, der für Rußland mit Hilfe Luden dorffs von Lenin, von Deutschland von dem Russen Rosenberg hergerdohtet worden ist. Was dort Sibirien heißt, ist hier Daobau und Oranienburg; der Tsoheka entspricht die Gestapo und die SA. und SS. der Tsohema sofcnja. Das Christentum bat in Rußland die politische Macht verloren und im Dritten Reich wird dies bis zur letzten Konsequenz angestrebt — durch den Mythos des Russen Rosenberg, der am Sonntag in Straßburg dem Bischof Hudal seine Anerkennung ausgesprochen hat. Wenn der Bischof Hudal an eine Normalisierung Vatikan und Reich glauben will, so geht uns das nichts weiter an. Die Mitteilungen aus Deutschland, die sich in reicher Fülle im „Osservatore Romano“ oder,auch in der Wiener „Reichspast“ fin- (jetzt aktuell! $ VAV^.V.VMWiVMyAWAV.W.V.V.V.V.VAW.*. 0 % | DAS NEUE BUCH VON | J JOSEF KASTEIN | | JERUSALEM ( | DIE GESCHICHTE EINES LANDES | $ 419 Seiten, Ganzleinen S 12*96 0 0 0 0 zum ersten Male erscheint hier ein Buch, 0 0 daß die Ideengeschichte eines Landes dar- 0 0 stellt. Die Beziehungen zwischen Palästina 0 0 und dem jüdischen Volk, von der ersten 0 0 Zeit bis in die aktuellste Gegenwart, werden 0 0 hier als vergangene und gegenwärtige 0 0 Geschichte in größter Lebendigkeit und 0 0 Eindringlichkeit dargesteJJt. 0 ( Buchhandlung R. LOWIT J | WIEN, I., WOLLZEILE NR. 6 | dem, sprechen allerdings gegen eine solche Annahme. Mit dieser Seite des Streites haben wir als Juden uns nicht zu befassen. Wir haben unsere Position zu bedenken und wir stehen auf dem Boden unseres Rechtes als Juden, als Menschen und als Bürger. Die österreichische Öffentlichkeit hat am, 17. Oktober, am Tage nach der Veröffentlichung des Hndalsohen Nachwortes zum 11. Juli, die Rede vernommen, in der der Kanzler die Verbindung dieses Abkommens mit der Maiverfassung sehr stark betonte. Das schließt jede mit Humanität vereinbarte Ordnung aus und auch jedes Doppelgeleise. 22 Palästina-Film-Aufführung DAS IST DAS LAND“ Sonntag, 25. Oktober um VJlUhr vorm, findet im OPERNKINO, Wien, I., Operngasse eine Palästina-Film-Aufführung statt Regiebeitrag 20 g Jewish Agency verlangt 10.000 Zertifikate Jerusalem, 15. Oktober. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphenagentur erfährt, hat die Jewish Agency der Regierung ihre Anträge für den neuen Einwanderungsschedule des Halbjahres Oktober 1936 bis März 1937 überreicht. Es wurden von der Jewish Agency ungefähr 10.000 Zertifikate angefordert. * In ausländischen Zeitungen sind Nachrichten über eine bereits getroffene Entscheidung der Regierung erschienen. Diese Nachrichten sind verfrüht. Eine Entscheidung über den Umfang der neuen Schedule ist noch nicht getroffen worden. Nach dem Streik - Boykott Jerusalem, 18. Oktober. (JTA.) Aus arabische! Quelle wird mitgeteilt, daß das arabische Streikkomitee in Jerusalem beschlossen hat, sich nicht aufzulösen, sondern als ein antijüdisches Boykottkomitee weiterzubestehen; die Boykottaktion soll sich über das ganze Land erstrecken. „A DUäa“ meldet, daß am Mittwoch, 15. Oktober, 70 in Sarafend interniert gewesene arabische Führer in Freiheit gesetzt wurden. Die arabischen Banden noch nicht entwaffnet Jerusalem, 15. Oktober. (PaJcbr.) Wie verlautet, sind die arabischen Banden zum größten Teil noch nicht aufgelöst, sondern befinden sich noch, mit Waffen ausgerü&tet, in dem Hügeln. Die Behörden haben bisher noch keine Schritte unternommen, um ihre Entwaffnung durchzul'ühren. Der Bandonführer Fauzi hat-, wie bereits berichtet, einen Aufruf an die Banden erlassen, in dom er diese unter Hinweis auf die Manifeste der arabischem Könige und des Obersten Komitees anweist, ihre Tätigkeit einzustellen, eich jedoch nicht aufzulösen und auch die Waffen nicht niederzulegen, um im Bedarfsfälle zur Wiederaufnahme des Kampfes bereit zu sein. Die hebräische Zeitung „Haboke r“ ist auf drei Tage verboten worden. Ein Autobustransport wurde auf dem Wege vom Toten JHeer rfach Jerusalem von den Bewohnern des Dorfes Nazariya , mit Steinen bombardiert, wobei einige Passagiere leicht verletzt wurden. Wieder Bedenverkauff Jerusalem, 14. Oktober. (JTA.) Der Verkauf von Boden an Juden, der während dev Unruhen gestockt hat, geht nun wieder vor sich. Die arabische Zeitung „IslammV -teilt mit, daß soeben zwei arabische Notabein größere Bodenflächen an Juden verkauft haben. Neue Flugverbindung zwischen Europa und Palästina Jerusalem, 16. Oktober. Das Tschechoslowakische Proßbüro meldet: Nachdem Polen eine regelmäßige Flugverbindung nach Palästina eingeführt hat, wird nunmehr auch von Italien eine regelmäßige Flugverkehrslinie zwischen Italien und Palästina auf der Strecke Brindisi-Haifa eingeführt. Diese Strecke, die über Athen und Rhodos führt, legt das italienische Flugzeug in 24 Stunden zurück. Es wird dies bereits die vierte Fluglinie sein, die Europa mit dem Nahen Osten verbindet. Bisher versahen die Flugzeuge» der britischen Imperial Airways auf der Strecke London- Indien und dlie holländischen Flugzeuge auf der Strecke Amsterdam—Holländisoh- Indien den Flugverkehr. Erst vor kurzer Zeit wurde eine Flugverbindung zwischen Warschau und Palästina ins Leben gerufen. Die Unlonisten sind aus der Kullusslube desertiert. ‘ Die Zionisten haben ausgeharyt und hervorragend gearbeitet. Keine Stimme d«s Deserteuren! — Alle Stimmen der „Zionistischen Liste”I

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