Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 587 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIB STIMME Nr. 687 — Wien, Freitag, 10. Oktober 1936 j^\\\\\\\\\\\\m I OPTIKER 1 (KARL SEIDNER 1 0 I., Franz-Josefs-Kal 33 II., Hollandstraße 7 0 0 0 Fachmännischer Rat 0 0 Reiche Auswahl i 0 0 Beste Qualität 0 0 Preiswert 0 0m\\\\\\\\m\m Unionistische Enteignungsmethoden Die Leitung der Union liefert selbst die Beweise für die Tatsache, daß es nur eine unionistische. Leitung und keine unionistischen Juden gibt. Sie ist nicht einmal imstande, aus den eigenen Reihen genügend Kandidaten und Wahlkomiteemitglieder herauszufinden. Immer wieder ereignet es sich, daß Juden aus anderen Gruppen, ohne daß sie gefragt werden, auf irgend eine unionistische Liste gesetzt werden. So teilt uns Chefarzt Dr. Leopold S c h a f r an e k (XII., Fockygasse 16) mit, daß anläßlich der Kultuswahlen Schriftstücke mit seiner Namensfertigung für die Union zirkulieren und daß die Union ihn für die Bezirkskonimission aufstelle. Es habe ihn niemand um seine Einwilligung gefragt und er werde selbstverstämb lieh keine Kandidatur annehmen. Ferner teilt uns der Kaufmann Isidor R o n i s (V,, Schönbrunnerstraße 44) mit, daß sein Name — gleichfalls ohne daß er gefragt worden wäre — auf die Liste des Wahlkoraitees für de(i IV./V. Bezirk gesetzt wurde. Herr Ronis ist alter organisierter Zionist und weist einen derartigen Mißbrauch mit seinem Namen mit Empörung zurück. Es wird notwendig sein, diese Machenschaften der Union in jedem einzelnen Fall festzunageln. Wir ersuchen unsere Leser, der Redaktion Mitteilung zu machen, wenn sie von ähnlichen Fällen hören. Man darf solche Methoden nicht ruhig mitansehen und es dürfen Zionisten nicht einer derartigen Kompromittierung preisgegeben werden. Orig und . engl, franz. Stoffe -Tuchhaus Tabak Harbst-Naünaltan für Daman- und Harren ZeltgemaB billig I Die Kleine Entente für das jüdische Palästina Genf, 12. Oktober. Der tsehechoelowakisdio Gesandte in Parin, Minister Doktor Osusky, hat in der Sitzung der Politischen Kommission der VölkerbundvoreammluTig am 6. Oktober d. J'. eino wichtige Erklärung der Staaten der Kleinen Ententfj über Palästina abgegeben, in der er wörtlich aus führte: „Ich .spreche im Namen der drei Länder der Kleinen Entente, welche die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina stets mit größter Sympathio verfolgt haben. Das vom Völkerbundrat' gutgeheißene Palästina-Mandat anerkennt die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina und die Gründe für den Wiederaufbau seiner nationalen Heimstätte in diesem Lande. In den letzten Jahren hat dieses Mandatsgebiet eino Periode schneller Entwicklung und großen Wohlstandes gehabt, was wir hier in der Sechsten Kommission letztes Jahr mit großer Genugtuung foststellen konnten. Die Staaten der Kleinen Entente erfuhren daher mit tiefem Bedauern, daß Unruhen ein Werk gefährden, dessen internationale Bedeutung in Anbetracht der schwierigen Lage, in der sich die Juden gewisser Länder befinden, heute offenbarer ist denn je. Palästina war imstande, in diesen letzten Jahren einen umfangreichen Teil der jüdischen Immigration zu abßorbieron. Es scheint uns unerläßlich, daß die jüdische Immigration in Palästina ungestört fortgesetzt werde. I n P a I äs tina gut eingeführter Vertreter übernimmt vor seiner Rückreise dorthin noch einige Vertretungen. Anträge unter „Sehr tüchtig“ an die Administration des Blattes DEN BESTEN KAFFEE IM Alle In- und ausländischen Zeitungen 6 moderne Seifert Stahl Billards Separate Spielzimmer, Bridgestube SCHWEDEN CAFE AM SCHWEDENPLATZ Der Sieg in Palästina Jüdische Auslandpresse über die zionistische Gemeindeverwaltung Die ausländische jüdische Presse befaßt sich ausführlich mit den bevorstehenden Wiener Kultusgemeinde-Wahlen und veröffentlicht die im Rechenschaftsbericht der Kultusgemeinde enthaltenen Daten über die Tätigkeit und die Erfolge der zionistischen Verwaltung. „Chwila“ stellt in folgenden vier Punkten den Unterschied zwischen zionistischer und unionistischer Tätigkeit fest: 1. K u 11 u s: Die für den Kultus aufgewenüeten Beträge erreichten im Jahre 1936 die Summe von S 190.000, was gegenüber dem Jahre 1932 eine Erhöhung von mehr als 20 Prozent bedeutet. 2. Unterricht und Erziehung: In dem Schuljahr 1935/36 zählte man an den Volks- und Hauptschulen Wiens zusammen 15.688 jüdische Schüler, für deren Religionsunterricht die Kultusgemeinde zur Gänze sorgte. Ein Drittel dieser Schüler besuchte die von der Kultusgemeinde errichteten privaten Bibel- und hebräischen Sprachschulen. Im Jahre 1935 wurde eine Volksschule für Knaben und Mädchen errichtet, die ganz von der Kultusgemeinde erhalten wird. 3. Allgemeine Fürsorge: Für allgemeine Fürsorge (ohne Altersheim und Spitäler) wurden Im Jahre 1935 S 1,362.000 verausgabt, was gegenüber 1932 eine Steigerung von mehr als 40 Prozent bedeutet. 4. Wanderfürsorge: Für Zwecke der Wanderfürsorge wurden im Jahre 1935 S 48.000 verausgabt, was gegenüber 1932 eine Steigerung um beinahe 100 Prozent bedeutet. Insgesamt wurden für Fürsorgeinstitutionen der Kultusgemeinde im Jahre 1935 S 3,000.000 verausgabt. Lesen Sie die Bücher mm der Lelhbücheroi Jüdische Volkshochschule - Jüdische Kulturstelle Vif HÄ-a-ao Standardwerke der jüdischen und allgemeinen Literatur Neuerscheinungen. Nur 8 l*2ü monatlloh In Palästina hat der jüdische Jischuw einen großen politischen Erfolg errungen. Er - hat durch seine mannhafte und besonnene Haltung den Ansturm arabischer Terroristen vereitelt. Der Jischuw hat die jüdische Stellung verteidigt und festgehalten. Nirgends, an keinem Punkt der so langen Front konnten die arabischen Waffen durchdringen, in einer prachtvollen Defensive würden sie, wo immer sie an die jüdischen Siedlungen herankamen, von den Juden zurüekgeworfen. Nirgends innerhalb des jüdischen Gebietes ist das Leben zum Stillstand gebracht worden. Und nach fast sechs Monaten härtester Prüfung steht das Judentum Palästinas unterschüttert da. Die Arbeit hat nirgends auch nur einen Augenblick lang ausgesetzt. Es war der eigentliche Zweck des arabischen Angriffes, die jüdische Bevölkerung zu provozieren und sie dann durch die Wucht der bewaffneten Aktion der arabischen Mehrheit zu ßpren gen. Man rechnete einerseits mit Panik anderseits mit einer aktiven Gegenaktion der Juden. Die Drahtzieher hofften, daß sich eine Massenflucht der jüdischen Bevöl kerung einstellen werde und daß die zioni stische Führung in Verzweiflung mit Mobilisierung vorgehen werde, was dann zum offenen Krieg führen müßte, in den die ara bischen Nachbarländer eingriffen. Dies hätte dann die Juden auch zum Kampf gegen die englischen Behörden und ihr Militär gezwungen und sie so zwischen zwei Mühlsteine getrieben, zwischen denen die jüdischen Errungenschaften, ihre Städte und Dörfer zerrieben worden wären. Das war die Absicht. Sie ißt vereitelt w orden. Die Juden haben eich nur verteidigt und in keinem Punkt Englands. Verpflichtung, die Ruhe herzußtellen, auf sich genommen Die Juden haben keinem Kompromiß, so verlockend es ihnen dargeboten wurde, nachgegeben. Sie eind auf dem Boden ihres Rechtes geblieben und sio haben gesiegt. Ihre Haltung wurde zu oiner festen Tatsache, vor der das Oberste arabische Komitee bedingungslos kapitulieren mußte. Es hat, , wie der Streikführer an den Oberkommissär schrieb, „gebrochenen Herzens“ den Befehl zur Beendigung dos Ausstandes geben müssen. Dioser vollständige Bankerott der arabischen Intransigenten ißt durch keino Deklamation ihrer Presse zu verhüllen. Schwere Opfer an Gut und Blut hat das jüdische Volk in Palästina zu beklagen. Es 40.000 DEUTSCHE JUDEN haben in Palästina ein neues Heim, neues Leben gefunden Oppenheim ist gegen Palästina | hat eine Prüfung überstanden, wie sie selbst j in unserer an Ungemach so reichen Geschichte noch nicht erlebt worden ist. Auf dieses kleine Volk in dem kleinen Land hat sich alle Hetze, aller Haß, alles Übelwollen einer ganzen großen feindlichen Welt konzentriert. ’’ Die jüdische Assimilation, insbesondere ihre Wiener israelitische Abteilung, verbarg nicht ihre Schadenfreude und wälzte sich in der Hoffnung, daß nun das Ende des „hationalen Zionismus“ 'gekommen ist. Aber in dieser Hölle von Mord und Brand', in dieser Orgie des lodernden Judenhasses ist das jüdische Volk Palästinas wie eine Mauer gestanden. 175 Tage und Nächte, erfüllt von Arbeit und Wache! Die Siedler aller Altersstufen, Männer und Frauen und die Jugend, warenauf ihren Posten. Sie jagten die Ranbschützen zurück, löschten Brände, lagen hinter dem Maschinengewehr, versorgten ihr Vieh, bargen die Ernte, soviel die Mordbrenner übrig gelassen hatten; sie führten ihr Grenzerleben ln unerschütterlicher Pflichttreue, sie wußten, um was es ging: um ihr Leben, um den Jischuw, um das Recht des jüdischen Volkes. Sic verfielen nicht in heldische Pose; .sie wußten, daß in diesem Krieg die härteren Nerven entscheiden und daß ihnen das Schicksal die historische Aufgabe gestellt hatte, Wächter ihrer Nation zu sein und sich in dieser dunkeln Epoche gegen den Haß der Welt zu bewähren. Denn dieser Sturm auf Palästina ist nur ein Teil aus dem großen Kampf, den die bunt zusammengewürfelte Masse derer führt, die das. jüdische Leben erdrosseln wollen. „Arier“, Kommunisten und Hakenkreuzler gingen gemeinsam vor mit arabischen Marodeuren, schickten ihnen Waffen und Geld, organisierten sio nach den Vorschriften europäischer Melzgorkunst und führten sio zum Sturm auf die jüdische Position. Aber die jungen Juden bauten aus ihren Körpern einen Wall. Er war und blieb in sechs Monaten unaufhörlichen Angriffes unüberwindlich. Wir Zionisten haben Palästina gehalten. Und wir werden es für alle Zukunft halten. P a 1 ä s t i n a ist für uns kein geographischer Begriff. In diesem Lande schlägt das Herz des Volkes. Und wie wir Palästina verteidigen, wie wir alle Angriffe der Pseudodemokratie, die uns mit Parlamentskarikatur, mit der angeblichen Verdrängung der Araber, mit der angeblich bedrohten Sicherung der heiligen Stätten, mit dem ganzen Arsenal europäischer Lügentaktik zurückwerfen wollte, abgewehrt haben, so wird auch in den kommenden Tagen der neuen Untersuchungen und Verhandlungen und Vorstöße der Zionismus unnachgiebig und hart bleiben müssen. Unsere Front darf und wird an keinem Punkt weichen. Palästina ist ihr Zentrum, aber auch die Flügel in der Galuth werden wir halten. Wir vergessen nicht den Judenhaß, nicht die Assimilation, die uns immer wieder in den Rücken fällt, die uns 30 Jahre lang hat allein arbeiten und kämpfen lassen, die alle Vorteile dieses jüdischen Kraftzentrums in Palästina genießen will und in der Stunde der Not sich in hämischer Freude die Händo reibt; diese Organisation des Hochverrats am jüdischen Volk, die in den Ländern der Diaspora sich an die Antisemiten aller Riten anbiedert und ihnen nach dem Mund zu reden bestrebt ist, wird der Abrechnung nicht entgehen. Ein erster Akt wird die Wahl in die Wiener jüdische Gemeinde sein. Hier geht es um ein großes Stück aufbauender jüdischer Arbeit. Hier haben Zionisten ehrlich und ehrenhafte Leistung vollbracht und ihnen gilt der ganze Haß der Assimilation. Wir werden diese Steine aus dem Weg räumen. Gegen die Zersetzungspolitik der „Union" Das tiefe Niveau, auf dem sich die Wahlwerbung der „Union“ bewogt, insbesondere die unausgesetzten Verdächtigungen und Verleumdungen der Zionisten, haben in Wählerkreisen Empörung hervorgerufon, wio uns zahlreiche Zuschriften an die Redaktion und Äußerungen vielor Nichtzionisten beweisen. Im folgenden voröffentlichen wir eino uns aus Krems zugogangene Zuschrift: An die Leitung der zionistischen Liste Wien! Von der Erwägung ausgehend, daß die derzeitige zionistische Mehrheit des Wiener Kultu8vorstande8 stets vollstes Verständnis für die Erhaltung der österreichischen Provinzkultusgemeinden bewiesen hat, was auch durch die Bildung der Arbeitsgemein Schaft der Kultusgemeinden erfolgt i«t, for dem wir die Wiener Juden auf, bei den Wahlen ln die Vertretungskörper der Wiener Kultusgemeinde am 8. November die zionistische Liste zu wählen. Wir verweisen auf das aufrechte, mutige Verhalten der zionistischen Repräsentanten der jüdischen Großgemeinde Wien bei Zurückweisung aller gegen die Ehre und Würde des Ge8amtjudentums gerichteten feindseligen antisemitischen Angriffe. In einer Zeit, wo eine W,eIle von Haß und Verleumdung unserem Glauben und Volk entgegenschlägt, ist es den Juden der österreichischen Provinz ganz unverständlich, daß es innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Gruppen und Menschen gibt, die Angehörige ihres Stammes in verschiedene Kategorien nach Geburt und Herkunft qualifizieren wollen, sich obendrein um die Führung dei* Wiener Kultusgemeludc bewerben und somit auch die repräsentative Gesamtvertretung der Judenschaft Österreichs für sich anstreben. Die Unterzeichneten Mitglieder des Vorstandes der Jüdischen Kultusgemeinde Krems sehen es daher als ihre Ehrenpflicht an, offen für die zionistische Liste zu werben, und geben der Überzeugung Ausdruck, daß auch die Mandatare der übrigen Kultusgemeinden Österreichs diesem Beispiel Folge leisten werden. Wir ermächtigen Sie hiemit, für den Fall, daß Sie es für zweckentsprechend halten, einen eigenen Wahlaufruf über die Einstellung der Provinzjudenheit zu Ihren Wahlen herauszugeben, auf Grund des Beschlusses unserer Sitzung, diesen mit den Namen der Vorstandsmitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Krems zu zeichnen, und zwar: Arnold Kerpen, Kaufmann, Krems, Präsident der Jüdischen Kultusgemeinde. Dr. Paul Brüll, Rechtsanwalt, Krem8, Vizepräsident der Jüdischen Kultusgemeinde. Karl Rephan, Rohproduktenhändler, Krems, Beirat im Präsidium der Jüdischen Kultusgemeinde. Leopold Schlesinger, Kaufmann, Krems, Beirat im Präsidium der Jüdischen Kultusgemeinde. Josef Pisker, Kaufmann, Krems, Vorstandsmitglied der Jüdischen Kultusgemeinde. Siegfried H1 r s c b, Kaufmann, Lengenfeld, Vorstandsmitglied der Jüdischen Kultusgemeinde, Krems. Alfred Schafranek, Kaufmann, Hau dersdorf a. Kamp, Vorstandsmitglied der Jüdischen Kultusgemelnde, Krems,