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Die Stimme · 1936-10-16 · Heft 587 (16.10.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 587 (16.10.1936)
Date
1936-10-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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“Stimme JÜDISCHE ZEITUNG 1he taaiigec Vecfdcbung schützt Ihce Stafuie, t ZAHNPASTA Nr. 587 Wien, Freitag, 16. Oktober 1936 30. Tiscbri 5697 10. Jahrgang An Sonntagen „FRANCOPOL“- ionderfahrten nach POLEN und IZERNOWITZ Poln. Verkehrsbtlro „Francopol“ III., Schwarzenbcrgplatz 7 / Tel. U lri-4-00 Nächste Abfahrten i 25. Okt. und 8. Nov. „Cedok“, l., Kfirntnerstrnüe 82, Tel. II 23-4-88 GerngroB, VII., Maiialiilferstr. 42, Tel. II38-2-G8 Am achten November werdet Ihr mit dem Stimmzettel die Entscheidung über die künftige Zusammensetzung des Vorstandes Eurer Gemeinde zu treffen haben. Eure Wahl wird sich im Zeichen des Kampfes vollziehen, der angesichts der systematischen und bewußten Verschärfung der Gegensätze durch die Union österreichischer Juden unvermeidlich geworden ist. Leset ihre Wahlaufrufe, Flugzettel und Propagandaschriften, in denen wir außerhalb des vaterländischen österreichischen Judentums gestellt werden; in denen sie uns der Irreleitung der Jugend beschuldigen; lasset Euch über den Inhalt ihrer an die Behörde gerichteten Aufsichtsbeschwerde informieren, und Ihr werdet verstehen, daß unser natürliches Ehrgefühl eine Einigung mit dieser Gruppe unmöglich gemacht hat. Wenn unter diesen Umständen der Wiener Judenschaft der Wahlkampf nicht erspart werden konnte, so wollen wir wenigstens unseren Teil dazu beitragen, daß er in anständigen Formen geführt wird. Im Bewußtsein unserer zionistischen Geschlossenheit und Stärke, in der durch keinerlei Angriffe zu erschütternden Überzeugung, einer guten Sache zu dienen, lehnen wir Methoden des Kampfes ab, die wir für die Judenschaft als verderblich und entehrend halten. Wir werden die gegen uns geführten Angriffe nicht unerwidert lassen. Wir werden aber iin Wahlkampf und in der Abwehr der Angriffe unserer Gegner nicht auf ein Niveau sinken, das mit der Ehre und Würde des Judentums unvereinbar ist. Juden Wiens! Denket daran, daß der Wahltag vorübergeht und daß wir auch nachher den Kampf gegen den uns bedrohenden Antisemitismus zu führen haben werden. Lasset es nicht zu, daß die Judenschaft Wiens geschwächt aus diesem Wahlkampf hervorgeht, daß der Vorstand Eurer Gemeinde, der einzigen gesetzlichen Repräsentanz öffentlichen Rechtes, die wir besitzen, durch Anhäufung von Haß und Feindschaft ein unbrauchbares und stumpfes Instrument im Kampfe für Eure Rechte wird. Helfet uns, in welchem Lager Ihr auch steht, die eingerissene Verantwortungslosigkeit zu bekämpfen, die Atmosphäre des Wahlkampfes zu entgiften. Wir wollen den ehrlichen Kampf der Überzeugung! Wir wollen verhindern, daß der nichtjüdischen Umwelt ein den jüdischen Namen entehrendes Schauspiel geboten wird. Wir glauben, hiemit ausgesprochen zu haben, was die gesamte Judenschaft — mit Ausnahme einer kleinen Gruppe — als unerläßlich erachtet. Die Wählleitung der „Zionistischen Liste“ VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTBASSE 6 'SSC&füCL Der Zusammenbruch des Terrors Jerusalem, 15. Oktober. In Palästina kehrt das normale Leben wieder. Die arabischen Geschäftsleute haben dem Aufruf, den Streik abzubrechen, sofort Folge geleistet; alle Geschäfte wurden wieder geöffnet, und man bemüht sich, die alten Beziehungen wieder herzustellen. In den Straßen der Städte herrschte am Montag außerordentlich reges Treiben. Der Terror allerdings wurde nicht von einem Tag auf den anderen abgebrochen, was bei der Lage der Dinge begreiflich ist. Die Banden sind ja keine einheitlich organisierte Streitmacht, einen richtig funktionierenden Befehlsapparat gibt es nicht, und eß liegt in der Natur von Bandenführern, daß Seit Montag Mitta Diese Terrorakte scheinen aber nur mehr letzte Zuckungen der Bandenaktion zu sein. Von der syrischen Grenze wird gemeldet, daß sehr viel Mitglieder von Terrorbanden aus dem Lande geflüchtet sind, darunter die Mehrzahl der Anführer. Dienstag und Mittwoch ist es zu keinen neuen Zwischenfällen mehr gekommen. Die Palästina-Regierung hat durch Reuter ein sie ihr Handwerk nicht gern wieder aufgeben. Söldner wollen übrigens nach abgeschlossener Aktion ihren Lohn haben, einen Lohn nach verlorener Aktion kann es aber naturgemäß nicht geben. So ist es am Montag an verschiedenen Stellen Palästinas noch zu Terrorakten gekommen. Dabei wurde bei Nahadal der jüdische Siedler Mordechai Feldmann aus Jagur, der Hilfspolizist war, getötet. Es ist das 91. jüdische Todesopfer. Zu Gefechten kam es auch in anderen Siedlungen. Bei Bajit Wegan wurden fünf arabische Terroristen getötet. Auch die Irak-Petroleumleitung wurde wieder beschädigt. Das auSströmende Öl wurde in Brand gesteckt. g Ruhe im Lande Communique verbreiten lassen, wonach die Ruhe in Palästina wieder hergestellt sei. Nach diesem Communiqug hat es seit Montag mittags in ganz Palästina keinen Zwischenfall mehr gegeben. Man muß abwarten, ob das schon die endgültige Wiederkehr normaler Zustände bedeutet, zumal von nichtamtlicher Seite noch über weitere Angriffe berichtet wird. Fauzi Bey gibt sich geschlagen Jerusalem, 13. Oktober. Der syrische Araberführer Fauzi Bey, der eigentliche Leiter der bewaffneten arabischen Aufruhrbewegung, hat ein Manifest veröffentlicht, in dem auch er zur Einstellung^ der Gewalttätigkeiten aufforderL Das Manifest ist datiert aus dem „Obersten Hauptquartier des arabischen Aufstandes in Südsyrien Nablus“. Fauzi Bey weist c alle aufständischen Banden an, ihre Tätigkeit .einzustellen, um eine friedliche Beilegung des Konfliktes zu ermöglichen. Der Sieg muß ausgebaut werden Auf jüdischer Seite sieht man in dem Abbruch des Streiks einen politischen Erfolg. Die Araber haben der Welt bewiesen, daß Palästinas Wirtschaft nicht mehr von ihnen abhängig ist. Dagegen hat sich, wie Ben Gurion erklärte, das jüdische Wirtschaftsleben sogar gefestigt. Die jüdischen Arbeiter sind in die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien vorgedrangen, die Stadt ■ Tel-Aviv hat ihren Hafen und auch in den öffentlichen Arbeiten ist für Juden mehr Raum geschaffen worden. Allerdings steht noch ein ernster Kampf bevor, der aber auf dem politischen Gebiet zu führen sein wird. Die jüdische Bevölkerung ist entschlossen, gegen jede Einschränkung ihres Rechtes, gegen eine Unterbrechung der Einwanderung oder gegen die neuerlich stark propagierte Kantonal- oder Interessengebiets-Verfassung dieselbe Energie einzusetzen, wie sie sich in der Abwehr der arabischen Stürme gezeigt hat. In Palästina muß ein jüdisches Heim, aber kein Ghetto erstehen. Die Festlegung auf den Stand einer Minderheit wird vom ganzen Judentum bedingungslos abgelehnt. Dabei besteht selbstverständlich überall der Wunsch, mit den Arabern in Frieden zu leben. Einberufung des Kleinen Aktions-Komitees Das aus den in Palästina wohnhaften Mitgliedern des Zionistischen Aktionskomitees bestehende Verkleinerte Aktionskomitee, das auf der letzten Tagung des Aktionskomitees in Zürich gewählt wurde, ist am 13. Oktober in Jerusalem zusammengetreten. Palästina an die Diaspora Jerusalem, 14. Oktober. Der Waad Leumi veröffentlicht folgenden Aufruf an die Juden der Diaspora: „Seit einem halben Jahre steht der Jischuw iii einem Kampf, der mit Blut und Feuer gegen ihn geführt wird; seit einem halben Jahre hat er sich unter ungeheurer Anspannung seiner ganzen physischen und seelischen Kraft erfolgreich verteidigt. Der Jischuw hat alle tiberfälle auf jüdische Siedlungen zurückgeschlagen; er hat auf die brutalen Anschläge nicht mit Mord und Racheakten reagiert — nicht aus Schwäche, sondern aus Abscheu vor dem Vergießen unschuldigen Blutes. Mitten in Kampfund Zerstörung hat er unaufhörlich neueBeweiseseinerschöpferischen Kraft geliefert; neue Arbeitsplätze sind erobert, die Produktion des Landes ist gesteigert worden, in Tel-Aviv ist ein neuer Hafen entstanden. Keine Opfer und Leiden, auch wenn sie noch so groß sind, sind imstande, den Jischuw zu beugen, denn Freiheit und Ehre können nur durch Wachstum und Konsolidierung, nur durch Aufnahme neuer Einwanderer erkämpft werden. Der Jischuw ruft die Judenheit der Welt auf, ihren Glauben und ihren Willen durch nichts brechen zu lassen. Er verlangt von ihr eine Intensivierung der Aufbauarbeit. Die Jewisli Agency hat eine Konsolidierungsaktion in der Diaspora proklamiert, und von den Juden aller Länder wird erwartet, daß sie sich aktiv an dieser Aktion beteiligen. Der Jischuw, der schwere Opfer gebracht hat, ruft das ganze jüdische Volk auf, auch seinerseits Opfer zu bringen, um ihm den Kampf bis zum endgültigen Sieg zu ermöglichen.“ Cafe Weghuber (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag: Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Kapelle ISY GEIGER BeginnjjT^ Erzeugt nach den von der W. V. d. ' Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärzfl. und pharmakognosflt sehen Institute der Univers. in Wien. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiHtiiiitmiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimimmiiiiiiiiiiiiHitmimiiiiiiiiiiiimiiiiin Wie Zionist eit eine Gemeinde verwalten: Darüber informiert Sie der Bericht auf Seite 3 dieses Blattes. * Die Weltanschauung der Union: Was das ist, erfahren Sie auf Seite 4 dieser Zeitung. iiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiinuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiinimiiiiiiiiiiiinnißUiiimiiminuiuiiiai Die Zertifikate Jerusalem, 13. Oktober (JTA.). Die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Vertretern der Jewisli Agency über die Arbeitereinwanderungequote für das, Winterhalbjahr 1936/37 werden fortgesetzt. Es heißt, daß die endgültigen Anforderungen von Arbeiterzertifikaten von der Jewish Agency der Regierung noch nicht übergeben wurden. Man erwartet, daß in nächster Zeit ein Vorschuß auf den kommenden Schedule ausgegeben werden wird. Die Exekutive der Jewish Agency hat die Meldung, daß die Palästinaregierung der Jewish Agency bereits Zertifikate auf Rechnung des neuen Schedule vorschußweise ausgefolgt habe, als unrichtig bezeichnet. billige Reisen nach Abfahrt: Jeden Sohntag Polnisches Reisebüro i., KärntnerstraQa 41, U 21-5-78 Anmeldungen: „ÖRBIS“ Oesterreich. Verkehrs-Büro I., FriedrichstraBe 7, B 27-500, I., Graben 20, U 29-0-53 Der Jaffaer Hafen wieder geöffnet Jerusalem, 13. Oktober. (JTA.) Der Hafen in Jaffa wurde Dienstag, zum erstenmal nach sechsmonatiger Streikruhe, dem Schiffsverkehr wieder geöffnet. Ein norwegischer Dampfer warf als erster im Hafen Anker. Der High Conunissioner General Sir Arthur Wauchope sandte an die Regierung in London einen telegraphischen Bericht über die Lage, der in die Feststellung ausklingt, daß die Situation im Lande so weit befriedet sei, daß die zur Untersuchung der Hintergründe der Unruhen und zur Prüfung der arabischen und jüdischen Beschwerden ernannte Königliche Kommission ihre Arbeit an Ort und Stelle aufnehmen könne. Trotz der Unruhen finanzielles Gleichgewicht Jerusalem, 13. Oktober (JTA,). Die von der Palästinaregierung soeben veröffentlichte Bilanz ihres Haushalts für die Monate April bis August d. J. zeigt, daß unbeschadet der Verschlechterung der Wirtschaftslage infolge der Unruhen der Haushalt im Gleichgewicht ist und die Reserven nicht angetastet sind. Die Ausgaben in dem erwähnten Zeitabschnitt betrugen 1,621.144, die Einnahmen 1,603.663 Pfund. Aufruf der Araber Jerusalem, 15. Oktober. Der Aufruf des arabischen Komitees, der das Ende des Streiks anordnet, ist a,m Abend des 10. Oktobers beschlossen worden und lautet: „An unsere Söhne, die Araber in Palästina, durch den Vorsitzenden des Arabischen Obersten Komitees zu Jerusalem: Die gegenwärtige Lage in Palästina erfüllt uns mit tiefer Sorge. In vollem Einverständnis mit unseren Bruder-Königen und Fürsten appellieren wir an Euch, den Frieden Aviederherzustellen, um w e i t eres Blutvergießen zu vermeiden. Wir vertrauen auf den guten Willen unseres Verbündeten Großbritannien, das seinem Entschluß, Gerechtigkeit walten zu lassen, Ausdruck verliehen hat. Ihr könnt unserem Wunsche vertrauen, unsere Bemühungen, Euch zu helfen, auch weiter fortzusetzen,“

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