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Die Stimme · 1936-10-13 · Heft 586 (13.10.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 586 (13.10.1936)
Date
1936-10-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« Z DIB STIMME Nr. 586 — Wien, Dienstag, 18. Oktober 1986 ^\\\\\\\\\\\\\\\m I OPTIKER I (KARL SEIDNER 0 I., Franz-Josefs-Kai 33 II., HollancstraOe 7 0 Fachmännischer Rat 0 0 Reiche Auswahl 0 0 Bette Qualität 0 0 Preiswert 0 0 'CnWWWWNWWWWWWWWWNWWWWWWWWWNWWWNWWWWWWWWWWWW'? Haine bei Tel Mond und die jüliscbe landwirtschaftliche Schule auf dem Berge Tabor wurden von Terroristen beschossen. Alle Angriffe wurden von den jüdischen Siedlern selbßt zurück geschlagen. Menschenleben waren auf jüdischer Seite nicht zu beklagen, aber einiges lebendes Inventar ging zugrunde. Ein Bandenführer erschossen Bei T u I k a r e m wurden Tanks von Freischärlern beschossen. Die Kampfwagen erwiderten das Feuer. Dabei wurden 15 Araber getötet. In der Nähe von Bethlehem kam es gestern zu einem Gefecht zwischen einer britischen Militärpatrouille und arabischen Freischärlern. Ein Araber wurde dabei getötet. Unter den Arabern befand sich auch ein Neffe des G r o ß m u f t i, der mit leichten Verwundungen gefangen g cn o m m e n wurde. Da er mit der Waffe in der Hand in Gefangenschaft geraten ist, droht ihm die Todesstrafe. In den Kämpfen wurde auch der berüchtigte Führer der Aufständischen, Aaci, getötet, der als öffentlicher Feind Nr. 2 bezeichnet wurde. Aasi kam von der Grenze Transjordaniens und gewann binnen kurzem unter den Aufständischen fast die gleiche Popularität wie Fauzi Bey el Kaukadyi, der von den Engländern als öffentlicher Feind Nr. 1 bezeichnet wird. Die Absicht Aasis war es, einen Aufstand unten den wilden Beduinenstämmen im Süden Palästinas hervorzurtifen. Aasi nahm auch aktiv an dem Drusenaiifstand vom Jahre 1926 teil und wurde damals von den französischen Behörden aus Syrien ausgewiesen. Kommt Frieden in Palästina! Die Auswirkung der Abwertung auf Palästina Jerusalem, 11. Oktober. (JTA.) Die Frankenabwertung und die in ihrem Gefolge stattgefundenen anderen Abwertungen werden auch auf die Handelsbeziehungen Palästinas Einfluß haben. Dieser Einfluß wird sich im Verhältnis Palästinas zur T s c h ecboeiowakei, das bisher an einem weitgehenden Ausbau der Handelsbeziehungen mit Palästina interessiert war, voraussichtlich belebend auswirken. Er wird aber besondere im Hinblick auf die Beziehungen Palästinas zu Syrien zu spüren sein. Palästina war bisher der beste Kunde von Syrien und Libanon. Die Abwertung des Franken wird mm noch mehr als bisher eine einschneidende Verminderung der Ausfuhr von Palästina nach Syrien herbeiführen. Auf der anderen Seite kann die Abwertung Veranlassung dafür sein, daß sich die syrische Ausfuhr nach Palästina in einem Maße erhöht, daß die syrische Konkurrenz sich in Palästina schädigend bemerkbar macht. Eine Rückwirkung der Abwertung auf die Zitrusausfuhr, deren Saison soeben begonnen hat, ist noch nicht abzmsehen. Bedeutend wäre nur die Veränderung der Währungslage in bezug auf Holland, das größere Mengen Zitrusfrüchte bisher abgenommen hat. Inwieweit die gesamte übrige Ausfuhr Palästinas von den Veränderungen der Währungen betroffen sein wird, steht noch dahin. Österreichs Juden an die Mandatarmadit Das Präsidium des Zionistischen Landesverbandes für Österreich hat dem Wiener englischen Gesandten folgendes Schreiben überreicht: Eure Exzellenz! Die Unterzeichneten Verbände und Korporationen als repräsentative Vertretung der österreichischen Judenschaft gestatten sich Eurer Exzellenz die Bitte zu unterbreiten, die nachstehende von ihnen gefaßte Entschließung der Regierung Seiner Britischen Majestät zur Kenntnis bringen zu wollen: Seit mehr als fünf Monaten steht die jüdische Bevölkerung Palästinas unter arabischem Terror, dem zahlreiche Juden, die nichts anderes taten, als daß sie ihrer friedlichen Aufbauarbeit nachgingen, zum Opfer gefallen sind. Große jüdische Vermögenswerte wurden vernichtet. Trotz bisheriger Anstrengungen der Mandatsverwaltung konnte die Ruhe und Ordnung nicht hergeslellt werden. Auch die englischen Truppen haben Verluste an Menschenleben zu verzeichnen, die von uns beklagt werden. Die Judenschaft Österreichs und der ganzen Welt ist durch diese Ereignisse tief besorgt. Wir richten daher in tiefer Besorgnis und im Vertrauen auf die Deklaration der Regierung Seiner Britischen Majestät vom 2. November 1917 zugunsten der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, und im Vertrauen auf die im Palästinamandat von Seiner Britischen Majestät als Mandatar für Palästina übernommene Verantwortung — in Anerkennung der historischen Verknüpf theit des jüdischen Volkes mit Palästina und der Grundlagen für die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte in diesem Lande — Palästina unter solche politische, administrative und wirtschaftliche Bedingungen zu stellen, welche die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte sichern, insbesondere die jüdische Einwanderung unter geeigneten Bedingungen zu erleichtern, und im Vertrauen auf die bei wiederholten Anlässen und mehrfach von den Regierungen Seiner Britischen Majestät übgegebenen und bestätigten Zusagen, von der in der Deklaration vom 2. November 1917 zum Ausdruck gebrachten Politik nicht abzugehen, und in Anbetracht der Verwüstung und Beschädigung des unter schwersten Opfern der Judenschaft der Welt geschaffenen Aufbauwerkes Und der katastrophalen Lage, in der sich gegenwärtig die Juden in vielen Ländern befinden, die ihnen zur Rettung ihres Lebens und ihrer bedrohten Existenz die Einwanderung nach Palästina als letzte Hoffnung erscheinen läßt, an die Regierung Seiner Britischen Majestät den ernsten und dringenden Appell, den arabischen Terror raschest zu brechen und die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung zu gewährleisten, das fundamentale Recht des jüdischen Volkes auf Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina vor jeder Schmälerung zu bewahren, das Vertrauen des jüdischen Volkes zu den in der Balfour-Deklaratioji und aus anderen Anlässen seitens der Mandatarmacht in feierlicher Form gegebenen Zusagen nicht zu enttäuschen, jede Erschwerung der jüdischen Einwanderung abzulehnen und mit allen Kräften die ernsten Gefahren, die dem jüdischen Aufbauwerk bei Fortbestand der gegenwärtigen Unruhen drohen und die durch eine, loenn auch nur vorübergehende Einschränkung oder Suspendierung der Einwanderung noch vergrößert würden, abzuwehren Genehmigen Eure Exzellenz den Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung, mit dem wir zeichnen: \ Dr Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich. Dr. F. Pickholz, SeJcretär des Zionistischen Landesverbandes für Österreich. Weiters sind unterzeichnet: Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, .Oberrabbiner Dr. Taglioht, Verband der Judenstaatszionisten, Verband der radikalen Zionisten, Misnachi, Binjan Haarez, WIZO, Horzl-Klub, Ring dor Alto- Herren-Verbände dor Zionistischen Verbindungen, Hakoah, Makkabi, Hochschulausschuß Judaea. JUDEN WIENS! Denkt an Erez Israel! Wählet am 8. November die Zionistische Liste! Das Oberste arabische Komitee hat am 11. Oktober einen Aufruf veröffentlicht, in welchem das Ende des Ausstandes ausgesprochen wird. In diesem Aufruf wird ebenso wie in einer gleichzeitig publizierten Kundgebung der arabischen Herrscher erklärt, daß der Widerstand beendigt wird im Vertrauen auf den guten Willen der englischen Regierung, die zugesagt habe, daß Gerechtigkeit herrschen wird Es sei durch den Widerstand der ganzen Welt bewiesen worden, wie zwingend die Notwendigkeit für eine Änderung der bisherigen Politik sei. Nach fast sechs Monaten unaufhörlicher Unruhen zeigt sich jetzt wenigstens ein Ansatz der Rückkehr zu normalen Zuständen. Ob das Ende des Streiks auch das Ende des Aufruhrs mit sich bringt, wird sich noch zeigen. Wiederholt hat das arabische Komitee zu erkennen gegeben, daß es die Kontrolle über die Geister, die es gerufen hat, nicht besitzt, imd die Intervention der Könige war von dem Großmufti veranlaßt worden, der seine Autorität verloren hatte und den „deus ex machina“ zitieren mußte, um aus der Sackgasse herauszukommen. Und weil sich in dieser Enge auch die Mandatsregierung befand, die sich selbst alle Wege verrammelt hatte, so fand auch England sich zu dem gefährlichen Experiment bereit, einen Schiedsspruch auswärtiger arabischer Stellen herbeizuführen. Die Maxime des Zuschauens und Abwartens hat sich hier nicht bewährt. Der Streik und der Aufstand hätten ohne besondere Anstrengung wenige Tage nach dem Ausbruch ihr Ende finden können. Daß die Mandatsregierung fast ein halbes Jahr verzettelte, hat ungeheuerliche wirtschaftliche Schäden verursacht und fast 400 Menschen das Leben gekostet. Das ist das einstweilige Ergebnis einer Politik, die auf sämtlichen verfügbaren Sesseln sitzen will und schließlich zusammenbricht. Nicht die Staatskunst der Mandatsregienlng hat das Ende des Streiks herbeigeführt, sondern die Ratlosigkeit des arabischen Komitees und demgemäß ist auch nur sehr geringer Grund vorhanden, an eine baldige Stabilisierung der Verhältnisse zu glauben. Der Kampf der Araber war gegen die jüdische Position geführt worden. In dieser Beziehung hat er sein Ziel nicht erreicht. Die Stellung der Juden hat sich als fester erwiesen, als der Feind geglaubt hatte. Hinter den rebellierenden Arabern und ihren Heckenschützen standen starke europäische Kräfte, die teils die Juden teils England zu treffen die Absicht hatten. Dieser Plan, der sich rasch genug hatte erkennen lassen, hätte zu einem festen englisch-jüdischen Bündnis den Anlaß geben müssen. Aber in London ist diese Realität der Umstände nicht eingesehen worden. Die mohammedanischen Interessen Englands, die Rücksichten auf das Irak-Petroleum, auf Ägypten, auf die indischen Schwierigkeiten, auf den Suezkanal und das Mittelmeer, überkreuzten sich zu einem fast unübersichtlichen Gewirr, das nur ein klares und eindeutiges Festhalten an der Mandatspflicht ordnen konnte. Die englische Regierung hat dies im Parlament und in den Briefen an Weizmann erklärt; aber ihr Tun und noch mehr ihr Unterlassen lief dieser Absicht zuwider. Juden und Araber kamen zu der Meinung, daß England ein Kompromiß sucht, in dem alle Lasten auf die Juden gewälzt werden. Die Unterbrechung der jüdischen Einwanderung, ja sogar ihre unbefristete Sperrung, wurde in dio Diskussion geschoben. Die Besorgnisse, die diese Sondierung erweckt haben, bestehen weiter. England wird wahrscheinlich eine solche Maßregel nicht proklamieren. Aber es bestellt die Gefahr, daß bis zu dem Augenblick, wo die königliche Kommission ihren Bericht erstatten wird, dio Einwanderung via facti unterbrochen wird — trotz der Stellungnahme der Mandatskommission, trötz der Einrede der polnischen Regierung. . Von jüdischer Seite muß auf das dringlichste vor einer solchen Verfügung gewarnt werden. Palästina ist die Sache des ganzen jüdischen Volkes, das dort seine Zukunft in Frage gestellt sieht und das sein Recht mit allen sich bielenden Mitteln zu wahren wissen wird, auch wenn die königliche Kommission zu Empfehlungen kommen sollte, die die Grundlage unserer Stellung im Lande angreifen. Es wird in arabischen Kreisen einor Aussprache mit den Juden das Wort geredet. Viel mag dazu die maßvolle Art beigetrngen haben, in der Nuri Pascha in Genf zu der Frage Stellung genommen hat. Mehr aber noch die Einsicht, daß der Jischuw die sechs Monate der Unruhen unerschfittert überstanden hat. Nirgends ist die jüdische Bevölkerung zuriickgewichen. Sie hat die defensive Haltung nicht aufgegeben, da es sonst zu unübersehbaren Ereignissen gekommen wäre. Aber sie hat deutlich gezeigt, daß sie keine Einschränkung ihres Rechtes duldet und sie hat jeden Angriff abgeschlagen. 90 Juden sind gefallen, an 300 mehr oder minder schwer verletzt. Die Früchte von Jahren emsigster Tätigkeit sind verloren. Aber die Schäden dieser Art sind zu heilen. Voraussetzung bleibt, daß es zu einem gesunden Verhältnis zu den Arabern kommt. Wir geben nichts auf, wir bedrohen niemand und kränken kein arabisches Recht. Aber wir bleiben in Palästina. Wenn die Unruhen aufhören, wenn das Trümmerfeld zu übersehen sein wird, dann wird hoffentlich auch den Arabern die Einsicht kommen, daß sie von Europa mißbraucht und in eine Angelegenheit hineingehetzt worden sind, die die Juden wohl schädigen, aber nicht in Panik treiben kann. Und dann wird die Zeit zur Aussprache da sein. Kein Wort des Dankes kann aber ausreichen, um die Treue und Festigkeit der jüdischen Männer und Frauen zu preisen, die sechs lange Monate auf der Wacht gestanden sind, die ein ganzes Volk verteidigt haben und nicht irre geworden sind in dem festen Glauben an dieses Volk und an sich. Katholische antisemitische Atif der Jahrestagung des Diözesanverbandes der katholischen Reichshundjugend stellte in einer Ftihrersitzung der Diözesanfübrer Zink in seiner programmatischen Erklärung übsr „Weg und Ziel des Reichsbundes im Arbeitsjahr 1936/37“ an die Spitze seiner Ausführungen die Kampfansage des Reichsbundes an den Staatsfeind Nr. 1: den Bolschewismus. „Aber nicht allein dem Bolschewismu s“, führte der Redner aus, „stellen wir uns zum Kampf, sondern allen seinen Schrittmachern, zu denen wir alle Scheinchristen zählen, und al’e jene, die mit unserem religiösen Gefühle Handel treiben, ferner alle jene, die die herrschenden sozialen Zustände gutheißen, insbesondere auch den zersetzenden Einfluß eines gewissen Judentums. Wir sprechen nicht dem Antisemitismus das Wort, wohl aber dem Christenschutz, der sich «regen den überhandnehmenden jüdischen Einfluß zur Wehr setzen w i r d.“ Wiener Zünfte Bürgermeister Schmitz hat einen neuen Vorstand der Zunft der Wiener Handelsvertreter und reisenden KauTleute, bestehend aus lauter Christen, ernannt, obwohl die überwiegende Mehrzahl der reisenden Kaufleute und Agenten in Wien sich aus Juden rekrutiert. Diese Maßnahme liegt in der Richtung der systematischen Ausschaltung der Juden aus den Gewerbe- und Handesvertretungen. Hitlers „Mein Kampf" arabisch Dem Tschechoslowakischen Preßbüro wird aus Tel-Aviv geschrieben: Hitlers „Mein Kampf“ ist in Bagdad in arabischer Übersetzung mit einem Vorwort, das den Lebenslauf Hitlers schildert und dessen Kampf gegen das Judentum betont, erschienen. Das deutsche Original des Buches ist in Palästina verboten. 11 Tage unschuldig in Haft Berlin, 7. Oktober. (J. T. A.) Die zionistischen Führer Dr. Franz Meyer und Dr. Benno Cohn, die in Haft der Gestapo genommen wurden, sind nun nach eiftügiger Haft entlassen worden. Die Untersuchung hat nichts Belastendes gegen sie ergeben, so daß keine Anklage gegen sie erhoben werden wird. Das Ca!6 Buchsbaum, II., Kleine Pfarrgasse Nr. 21, veranstaltet Dienstag, den 18. d., um 8 Uhr abends, eine Simchas-Thora-Feier, verbunden mit einor Akademie. Es wirken mit Max Brod, _ Laura Glüoksmann, Leopold Jungwirth und die beliebto Radiokapelle Max Goiger unter persönlicher Leitung Geigers. Ein Teil des Reingewinnes Hießt wohltätigen Zwecken zu.

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