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Die Stimme · 1936-10-07 · Heft 585 (7.10.1936) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 585 (7.10.1936)
Date
1936-10-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr» 565 ~ Wien, Mittwoch, 7. Oktober 1936 Oll STIMMI Seite 5 Polens Palästina* Interesse Wir haben bereits ülber die diplomatische Aktion der polnischen Regierung berichtet, die darauf aibziielt, Kolonien für Polen zu erlangen und in deT Mandatskommission des Völkerbundes vertreten zu sein. Der polnische Außenminister Oberst Beck hat im Völkerbundrat die Erweiterung der Mandatskommission gefordert. Dieser Vorstoß steht in Verbindung mit einer Vorsprache des polnischen Gesandten Raczynski in London bei Eden. Bei dieser Unterredung, wurde das Hauptgewicht auf die Palästinafrage gelegt. Polen verlangt die volle Aiifreclithaltung der jüdischen Einwanderung nach Palästina zum Zwecke seiner inneren Entlastung und wohl auch im Hinblick auf die wirtschaftlichen Vorteile, die sich für Polens Industrie und Handel aus einer stärkeren Siedlung jüdischer (Staatsbürger aus Polen in Palästina ergeben können. Es ist nicht politischer Altruismus, . sondern eine sehr nüchterne realistische Erwägung, die die polnischen Regierungskreise . zu ihrer Aktion veranläßt. Aus diesem Grunde kann man auch von. jüdischer Seite das Projekt mit kühler Gelassenheit betrachten. In die Angelegenheit spielen auch gewisse Pläne Jabotinskys hinein, der in einer Reihe von Versammlungen die. Evakuierung von nicht weniger als VA Millionen Juden aus Polen und ihre Überführung nach Palästina verlangt hat. Wie unter den gegenwärtigen Umständen diese 1A Millionen in die Wirtschaft des Landes eingereiht werden können, woher die Geldmittel für eine solche Transplantation kommen, wie die Frage der wirtschaftlichen Loslösung beantwortet werden soll — darüber hat allerdings Jabotinsky sich nicht den Kopf zerbrochen und die Palästinakonferenz der Zionisten Nützen Sie die Gelegenheit aus in den modern renovierten Verkaufshalien Polen« hat dieser Tage nach einem Referat Jizchak Grünbaum« gegen die Uferloeigkeit solcher Agitation und ihre Illusionspolitik scharf Stellung genommen. Die offizielle Politik Polens hat nicht jüdische, sondern polnische Interessen Auge. Für sie ist das jüdische Problem nur ein Teil ihrer staatlichen Fragen. Polen, das den Minderheitenschutz a/bgeschüttelt hat, will auf allen Gebieten der internationalen Institutionen vertreten sein und es meldet überall seine Ansprüche an. Es ist nicht zu übersehen, daß Oberst Beck durch das Abkommen mit Deutschland zu einem außenpolitischen Kontakt mit Berlin gezwungen ist. Deutschland, das nicht im Völkerbund ist, trachtet auf allen Wegen direkt oder indirekt Einfluß zu gewinnen. Sicherlich ist der Vorstoß Polens in Berlin, das ja jetzt selbst mit großer Energio die Kolonialfrage aufwirft, vorher besprochen worden. Polen in der Mandatskommission, das heißt Deutschland in der Mandatskommission, und unter diesem Aspekt betrachten wir den Plan Becks auch in seinem palästinensischen Teil. Es ist allerdings nicht zu übersehen, daß eich für die jüdische Politik ein neuer Weg öffnet und daß wir nicht mehr isoliert gegenüber England dastehen. PREISE wie noch nie! Völkerbund bleibt passiv Genf, 2. Oktober. Wie gemeldet, haben sich zehn große europäische und amerikanische jüdische und mchtjüdisohe Organisationen zusammengetan, um an den Völkerbund zu appellieren und die Vollversammlung des Völkerbundes zu veranlassen, sich der der Vernichtung preisgegebenen deutschen Juden anzunehmen. Die Petition lehnt sich auf das engste an den Brief an, den der! d e r ehemalige Hochkommissar für die deutschen Flüchtlinge James G. MacDonald bei seiner Demission an den Völkerbund gerichtet hat. Die Führer der Verbände wurden am , 29. September abends vom Präsidenten des Völkerbundes empfangen, dem sie persönlich die Petition überreichten. Ein Hauptabschnitt in der Petition lautet: „Die deutsche nationalsozialistische Regierung kann, um die Berechtigung dieses Schrittes der internationalen Öffentlichkeit bezüglich der Diskriminierungen und VeTfolgiiiigen in Zweifel zu ziehen, nicht einwendeh, daß es sich um eine ,innere Gesetzgebung4 oder um Hoheitsrechte handelt. Der Völkerbund hat die Macht und K.om.peten z, um diese Frage von Grund auf zu behandeln und zwar' nicht nur aus Gründen der Menschlichkeit, sondern auch, weil die Taten und die Gesetze der deutschen nationalsozialistischen Regierung unmittelbare Auswirkungen haben, die die territoriale Souveränität der anderen Staaten berühren und gleichzeitig eine Verletzung ihrer Rechte darstellen und so Verpflichtungen und Verbindlichkeiten des internationalen Rechtes brechen.“ Die. Delegation wurde vom Präsidenten fdos Flüchtlingshilfskomitees in Brüssel Professor Dr. Max G o 11 s c h a 1 k geführt. Präsident Dr., L a m a s erinnerte an die große Anteilnahme des Völkerbundes an dam Schicksal der Flüchtlinge und sprach sich insbesondere sehr lobend über' die Arbeit des früheren Hochkommissars James G. MacDonald aus. Präsident Lamas fuhr dann fort:. Das Werk des Völkerbundes zugunsten der Deutschland-Flüchtlinge zielt in erster Linie .. darauf ab,, -eine gemeinsame Aktion deT: einzelnen Regierungen hinsichtlich der Unterbringung der Flüchtlinge und der Schaffung eines rechtlichen Status für dieselben herbeizuführen, zweitens Not und Leiden der Flüchtlinge zu lindern. Diese Arbeit trägt technischen und nichtpolitischen Charakter. Die Mitglieder der Delegation müssen dafür Verständnis haben, daß diese Frage nicht als politische Frage auf das Tagungsprogramm der Völkerbundsvereammlung und zur öffentlichen Dobatio in , der Versammlung gestellt werden könne, aber die Völkerbundversammjung und ihre geehrte (Poütfata»} IfcflMnta' eion, sowie die mit der Flüohtlingsfrage sich befassende Unter-Kommission suchen nach wie vor nach einer Lösung dieses Problems und widmen allen darauf bezüglichen Fragen ihre größte Aufmerksamkeit. Präsident Dr. Saavedra Lamas schloß: Obwohl keine Rede davon sein könne, daß der Völkerbund bei deutschen Regierung hinsichtlich der Position der Juden in Deutschland direkt interveniert, werde die Völkerbundversammlung alles tun, um den Flüchtenden zu helfen; alle mit der Frage der Flüchtlinge zusammenhängenden Probleme werden einer möglichst weitgehenden Behandlung unterzogen werden. . MW Herrenfasson, mit Sattelfutter . . . S (ganzgefütt. S24.—) 16» feMne-MW 34 PeMrimfe Mäntel fBouclö) mit Schalms|. kragen, ganz K.-S.- f B ~ gef. ii. watt. . . . S w w Winter-Mäntel mit reicher capeartiger Silberfuchs- ■ 4» Jamm-Verbrämung, AUganz Mongol gef. S “w Unser Cape-Mantel aus gutem Bouclö, mit abnehmbarem Pelz-Cape (a. Alaskalamm), ganz K.-S.- Mongol gef.u.watt. S fmit echtem Fuchs- Cape . . . . S 79.—) 59 19 Die Antwort des Präsidenten ist zwar sehr höflich, aber auch sehr deutlich. Es wird weder den Flüchtlingen geholfen, noch wird in Deutschland eingeschritten, obzwar der Völkerbund nach seinem Statut die Möglichkeit der Intervention hat. Den jüdischen Flüchtlingen, denen sich die ganze Welt verschließt, kann nur das jüdische Volk helfen, indem es die Arbeit in Palästina fortsetzt und dort neue Unterkunft für die jüdischen Opfer Europas schafft. Uon.(Wickeischoß) S J Miity-Mme gestreift od. einfarb. m g* Jacke K.-S.-Mongol gef.,Schneiderarb. S ww (ompteli Paletot o n und Schoß, Noppen- /D ’~ Stoffe engl. Art .Sb* Fianell-Stlilafröcke geblümt oder Tweed- Kleider mit langen Aermeln.S Hoiearötke 5» 980 moderne Fasson, in | 7^ allen Modefarben S 1b M-ttieider Mode-Wollstoffe, mit Samtaufputz . S 24 FiscM«! m. breiter Dragoneram. Spange, ganz K.-/U’ Seide gefüttert . S «w Für das Kind ■■ Mädchen-Mantel pelzarfig verbrämt. Samt-Kleidchen schöne Tupfmi K.-S.-Garnit. C Schulstiefel Mädchen od. Knaben Nr. 31—33 Nr. 28—30 il9 5 7 Für den Herrn: Winter-Mantel .... Dunkel-Fischgrät, AD' auf K.-Seide . . . S »9 SporWMje .. Mode-Wollstoffe, mod. Rückenpartie S w » Bexcaif-Schnhe ir mit Crouponsohle S äkJ Wasch-, Wol - und Seidenstoffe: MHMetle « für Kleider und Blu- | .Stoffe gewebte Schölten, öster r.MarkenwareS AMI-Eilnll für das moderne Kasakkleid 100 cm S ■mltl-Mf in Schwarz, Braun u. Blau, 140 cm . S U.-5id.-!)lltlM in schönen Futterfarben .S IL-Hw Soir für das eleg. Tanzu. Teekleid, 90 cm 8 Alles auch für starke Frauen I iüp Trotz Unruhen: Keine Krise in Palästina Warschau, 1. Oktober. Bei einer Beratung des Warschauer Palästina-Amtes teilte der Vorsitzende Anselm Reiss mit, die Gesamtauswanderung aus Polen nach Palästina werde in diesem Jahr etwa 12.000 Menschen betragen, während 1935 mehr als das Doppelte, nämlich 35.000 und 1934 rund 13.000 ausgewandert sind. Während ln den sonstigen Jahren mehrere hundert Zertifikate von dem von April bis September ausgegebenen Sehedule erst zwei bis drei Monate nach dem Termin ausgenfitzt werden, sind diesmal im ganzen fünf oder sechs Zertifikate bisher unausgenützt geblieben. Bei sämtlichen Kategorien von Auswanderern hat sich kein einziger Kandidat durch die Unruhen abhalten lassen, die Allja anzutreten. Der Sitzung wohnte auch der stellvertretende Direktor des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency Elijahn D o b k i n bei, der in einer Rede ausführte, es wäre falsch, von einer Wirtschaftskrise in Palästina zu sprechen. Auch in diesem Jahr habe das Land weitere 42.000 Einwanderer aufgenommen, fünfmal so viel wie alle überseeischen Länder zusammen» Die jüdische Bevölkerung Palästinas ist in diesem Jahr auf 415.000 Seelen gewachsen. Die jüdische Bevölkerung hat sich also um 15 Prozent vermehrt. Es ist hervorzubeben, daß die Monate der Unzur Folge hatten. Die Zahl dor Arbeitslosen, die vor kurzem noch 3500 betrug, ist Anfang September auf 3000 gesunken. Gleichzeitig herrscht auf dem flachen Lande Mangel an Arbeitskräften. Unter dem Druck der Ereignisse im Lande ist es der jüdischen Arbeit gelungen, indieprivatePflanzungs wirtschaft einzudringen und damit ein Ziel zu erreichen, das seit Jahren angestrebt wurde. Während früher auf den 163.000 Dunaui privaten jüdischen Pflanzungsbesitzes unter 15.000 Arbeitern kaum 3000 Juden beschäftigt wurden, ist die Zahl der jüdischen Arbeiter in diesen Betrieben in der letzten Zeit auf 10.000 gestiegen. In den nächsten drei Jahren, wenn alle jüdischen Privatpflanzungen fruchttragend geworden sein werden, wird man weitere 25.000 Arbeiter beschäftigen müssen. Bei öffentlichen Arbeiten der Regierung und der Stadtgemeinden waren vor den Unruhen nur wenige Dutzend jüdische Arbeiter beschäftigt-, jetzt aber 1800. Auch Hafen und Meer werden allmählich von jüdischer Arbeit erobert. 600 jüdische Arbeiter sind hier schon beschäftigt. Der Hafen in Tel- Aviiv eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung des jüdischen Landes und der jüdischen Arbeit. 4000 Mann Selbstschutz Dobkin polemisierte gegen die Forderung der Revisionisten nach Aufstellung einer jüdischen Legion. Wenn der Selbstschutz heute über das ganze Land ausgebreitet ist, so soi er v fe 1 mächtiger und nutzbringender als eine a.n einer Stelle konzentrierte Legion. Der Redner wandte sich auch gegen diejenigen, die die Taktik der Zurtickh a 1 tu n g in Palästina falsch finden. Zu dimer Zurückhaltung, so sagte er, gehöre viel mehr Mut als zu Überfällen aus dem Hinterhalt. Die Araber wünschen nichts anderes, als daß die Juden die Selbstbeherrschung verlieren, damit sie dann von einem arabisch-jüdischen Krieg reden können. Aber es habe keinen Fall und keinen Punkt in Erez Israel gegeben, wo der Kampf bei einem Angriff nicht aufgenommen worden wäre. Die Juden verstecken sich nicht vor dem Feind, sie greifen aber nicht an und schießen nicht aus dem Hinterhalt. Die natürliche Vermehrung des Jischuw Tel-Aviv, 2. Oktober. Wie der Leiter der Erziehungsabteilung der Tel-Aviver Stadtverwaltung, P e n k a s, bekanntgibt, werden die Volksschulen und Kindergärten in Tel- Aviv im neuen Schuljahr von 17.000 Kindern, um 3000 mehr als im vorangegangenen Jahr, besucht. Dies erforderte (Me Einrichtung von 50 neuen Klassen. Im jüdischen Jahr 5695 gab es in Tel-Aviv und Jaffa zusammen in den jüdischen Schulen und Kindergärten 10.186 Schüler. Das Budget betrug damals 65.00Ö Pfund. In diesem Jahr sind bereits 114.000 Pfund für Sohulzwecke eingesetzt. - In Palästina wurden im zweiten Vierteljahr des Jahres 1936 2584 jüdische Kinder geboren, das waren 21 Prozent der. Gesamtzahl der Geburten. Auf die Araber entfielen 71 Prozent, auf die Christen 7 Prozent. In den jüdischen Siedlungen war die 7a-hl der Geburten im Vergleich zum ersten Vierteljahr größer, während im allgemeinen die Geburtenzahl gefallen ist. Bodentrausaktionen Jerusalem, 30. September. (JTA.) Im letzten Bulletin des Regienmgsdepartements für Statistik werden Mitteilungen über Bodentransaktionen in den Monaten Jänner bis Mai 1936 gemacht. In diesem Zeitraum wurden 34.153 Dunam von Juden erworben; sie hatten hiefiir 2,104.684 Pfund zu bezahlen. Von Arabern wurden in derselben Zeit 14.788 Dunam für insgesamt 93.873 Pfund . , . . „ „ . , - gekauft Daraus ergibt sich, daß für einen ruhen keinerleiRtickwanderungi Dunam Boden von Juden im Durchschnitt fast 62, von Arabern aber nur etwa sechs Pfund bezahlt wurden. Talmud Thora für den IV. und V. Bezirk. Der Unterricht in unserer Sprach- und Bibelschule hat bereits begonnen. Neueinschreibungen täglich von 5 bis 6 Uhr in unserem Schullokal. V., Siebenbrunnengasse la (Tempelg e b ä u d e). Zionistische Bezirkssektion und WIZO Prater veranstalten Donnerstag, 8. Oktober, 6 Uhr abends, große Simchath Thora- Feier. Anschließend Hakafoth. — Freitag, 9. Oktober, ^8 Uhr, Oneg Sabbat. Leitung Wolf Beizer. Smiroth: Arje Scher z. Eröffnungsvortrag W. Beizer: „Optimismus in Bibel und Talmud und allgemeine Literatur.“ a Die Grabsteinlegung für Oberrechnungsrat i. P. MoSes Weiner s. A. findet Sonutag. den 11. Oktober, 11 Uhr, Zentralfriedhof, IV, Tor, statt, 79^315 184653

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