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Die Stimme · 1936-10-07 · Heft 585 (7.10.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 585 (7.10.1936)
Date
1936-10-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 565 ■— Wien, Mittwoch, 7. Oktober 1036 DIB STIMMI Seite 3 WALTER REISCHS „SILHOUETTEN" IM APOLLO Keine Nahrungsmittel für Juden In Deutschland Aus Pommern eintreffende Nachrichten besagen, daß die lokalen NSDAP-Steller den Bauern und den Lebensmittelgeschäften verboten haben, Juden mit Lebensmitteln zu beliefern. Auch Privatleute wurden vor der Lieferung von Nahrungsmitteln an Juden gewarnt Die jüdische Bevölkerung kann sich nur mit größter Mühe und unter Anwendung äußerster Vorsichtsmaßregeln mit den notwendigsten Nahrungsmitteln versorgen. Den Bauern wurde gesagt, daß sie, falls sie irgend etwas an Juden abgeben, schwer besteuert oder gar enteignet werden würden. Nur in später Nachtstunde wagen es Bauern, mit Juden zusammenzukommen. Bund jüdischer Frontsoldaten kandidiert nicht seit Jahrzehnten In hunderttausenden Familien bewährt, als bestes Einreibungsmittel bekannt, hervorragend, zur Mund-, Zahn- und Rachenpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken, das Ist FRANZBRANNTWEIN mitMENTHOL Die Jüdischen Auslandsvertreter der „Hapag1 Das „Schwarze Korps“, , , Organ der SS, be richtet über einen scharfen Konflikt, der zwischen der Hambur g—A merika-Linie und der Leitung der NSDAP in der Frage der Beschäftigung jüdischer Agenten im Auslande besteht. Die Hapag hat sich geweigert, der ihr von der Partei gestellten Forderung nach Entlassung der jüdischen Agenten im Auslande nachzukommen, und hat zur Begründung erklärt, es würde ihren finanziellen Interessen im Auslande einen scharfen Stoß versetzen, würde sie sich ihrer best q u a li f izierten Angestellten entledigen. Das „Schwarze Korps“ warnt die Hapag, bei dieser Haltung zu verharren. Kaufet SCHULBÜCHER neu und antiquarisch in der BÜCHERSTUBE RATH&Co. Wien, II., Taborstraße 20 a. Tel. R 45-305 Ankauf und Umtausch ant. Bücher xu höchsten Preisen. Moderne Leihbibliothek. Alle Neui erscheinungen. MonatsgebUhr I S 3*10. Keine BandgebUhr, täg- * lieber Umtausch oder MonatsgebUhr $ 1*60 und 10 g BandgebUhr. Modernes Sortiment und Antiquariat JUDAICA UND HEBRAICA Die schönsten Bar Mlzwah-Ceschenke1 Wie wir erfahren, hat der Bund jüdischer Frontsoldaten In einer Sitzung der erweiterten Bundesführung mit erdrückender Mehrheit beschlossen, zu den Kultusgemeindewahlen keine Kandidatur aufzustellen. Damit kehrt der Bund jüdischer Frontsoldaten nach lebhaften inneren Auseinandersetzungen zu seiner unpolltiscjien Basis zurück, wie es den Intentionen des Bundesführers Hauptmann Edlen von Fried, mann entspricht Es ist nunmehr zu hoffen, daB der Bund jüdischer Frontsoldaten, befreit von allen seiner Aufgabe fremden und widersprechenden Hemmungen, zu ruhiger und dem Geist seiner Gründer entsprechender Arbeit zurückfindet d'iwisausscfüwlwi. Rn die Juden Wiens! Alle jüdischen Ausländer müssen entlassen werden Berlin, 4. Oktober. (JTA.) Die jüdische Gemeinde Berlin, die Zionistische Vereinigung für Deutschland und alle anderen jüdischen Organisationen und Institutionen erhielten von den Behörden die Weisung, alle ihre jüdischen Angestellten, die Ausländer 8 i n d, z u entlassen. Die gleiche Weisung erhielten private Handels Unternehmungen. Diese wurden aufgefordert, alle ihre jüdischen Angestellten, die nicht deutsche Staatsbürger sind, auch wenn sie seit vielen Jahren in Deutschland leben und vom Arbeitsministerium die Arbeitserlaubnis erhielten, zu entlassen. Erlösung von der täglichen Qual lat die sanft-scharfe SWING Sektion XIII. Freitag, den 9. Oktober, 8 Uhr abends, Hietzlnger Hauptstraße 22, CaW Hietzingerhof, Oneg-Sabat. Ansprachen: Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes und Oberbaurat Robert St r 1 c k e r. Lehrstelle gesucht für 14jährigen kräftigen Juden aus gutem Hause iu Kürschnerwerkstätte, Optik' oder anderem besseren Handwerk unter „Fleißig“. In vier Wochen haben die Juden Wiens eine verantwortungsvolle Pflicht zu erfüllen, Sie haben am 8. November die Leitung ihrer jüdischen Gemeinde, einer der ältesten und größten der Welt, zu wählen. Der Wahl kommt diesmal besondere deutung zu. Die Wiener Judenschaft hat vor allem zu ermöglichen, daß die Wiener Kultusgemeinde weiterhin mustergültig verwaltet werde. Die bisherige zionistische Majorität darf für sich in Anspruch nehmen, daß sie auf allen Arbeitsgebieten er-, folgreich gewirkt hat. Sie hat den Gemeindehaushalt in vorbildlicher Ordnung geführt und das Defizit, ein Erbe aus der Zeit, da die Union österreichischer Juden die Kultusgemeinde verwaltete, in Zeiten der Wirtschaftskrise beträchtlich verringert. Die Fürsorge wurde großzügig ausgebaut, die jüdische Erziehung der Jugend intensiviert, den religiösen Erfordernissen voll entsprochen. Die maßgebenden Behörden haben wiederholt den Leistungen der zionistischen Mehrheit auf diesen Gebieten Anerkennung gezollt. Am 8. November soll die Wiener Judenschaft den zionistischen Vertretern die Vollmacht geben, die großen und schwierigen Aufgaben, die noch zu erfüllen sind, tatsächlich zu lösen. Der Ausbau der Wiener Kultusgemeinde zu einem Hort der bedrohten jüdischen Gemeinschaft darf nicht weiterhin durch die zersetzende Tätigkeit einer Minorität, welche sachliche Kritik nicht kennt, gestört und gehindert werden. Diesmal erwächst der Judenschaft aus einem besonderen Grunde die Pflicht, die bisherige zionistische Majorität zu festigen, einen vollen zionistischen Wahlsieg herbeizuführen. Wurde doch der nichtjüdischen und jüdischen Öffentlichkeit in den letzten Monaten ein beschämendes Bild der Würdelosigkeit geboten, ln einer Zeit höchster jüdischer Gefahr haben Menschen, deren Geistesrichtung jeden Rückhalt im jüdischen Volk verloren hat, durch eine Denunziation niedrigster Art bei den nichtjüdischen Behörden den Versuch unternommen, die Autonomie und Einheit der Wiener Judengemeinde zu zertrümmern. ln einer Eingabe an den Magistrat der Stadt Wien und an die Regierung hat die JJnion österreichischer Juden“ von: „ , . . einer Zurückdrängung des Einflusses des in Österreich beheimateten, positiv religiös und vaterländisch fühletiden Teiles der Angehörigen der Wiener Kultusde . . “ gesprochen und in diesem Pamphlet weiter ausgeführt: . . daß die Union die Organisation aller Juden ist, die auf dem positiv religiösen, vaterländisch-österreichischen' Boden steht . . Das ist wohl nichts anderes als verleumderische Angeberei, welche dahin gerichtet ist, die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Österreichs vor der nichtjüdischen Öffentlichkeit und vor den Behörden durch bewußte Lügen als pflichtvergessene, unpatriotische, Bürger zu brandmarken, und den antisemitischen Bestrebungen, welche heute die Existenz der Juden in Österreich so schwer gefährden, Vorschub zu leisten. Juden Wiens! Zionismus bedeutet: Einigung des jüdischen Volkes, Stärkung der jüdischen Abwehrfront, Aufbau und Ausbau einer jüdischen Heimstätte in Palästina, welche bereits Hunderttausenden Juden Lebensmöglichkeit geschaffen hat, und deren Bedeutung als unbedingte Lebensnotwendigkeit von den Juden in aller Welt anerkannt wird. Denkt an die Naumann-Juden in Deutschland! Solange diese würdelosen Nachläufer des Hakenkreuzes, welche mit den gleichen verwerflichen Mitteln wie die Union österreichischer Juden arbeiteten, ihren Einfluß ausübten, war eine Einigung im. deutschen Judentum nicht herzustellen. Erst ihre Ausschaltung einte das deutsche Judentum auf jüdischer Grundlage. Juden Wien! Fördert die Einigung österreichischen Judentums! Fördert das begonnene Werk in der Wiener Kultusgemeinde! Stützet die jüdische Abwehrfront in gefährlichster Zeit! Schaltet die schmachvolle Denunziation der Naumann-Juden aus der Wiener Kultusgemeinde aus! Bestätiget die Antwort, welche die Unionösterreichischer Juden auf ihre schändlichen Eingaben von der Aufsichtsbehörde erhalten hat: Wählet am 8. N ov emb er die ZIONISTISCHE LISTE! Afeckindeet %akn!>etag A. und macht die Zahne blendend weiß! ft ZAHNPASTA Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztf. und pharmakognosflsehen Insflfufe der Unlvers. in Wien. Wiener Bet Hamidrasch, Wien, II., Tempelgasse 3. Vorlesungen im Wintersemester 1936/87 (5697). Sonntag, 5 bis 6, Rektor Dr. Krauß: Geschichte der jüdischen Gemeinden; 6 bis 7, Rektor Dr. Krauß: Mebo Hatalmud. Montag, 6 bis 7, Rektor Doktor Krauß: Geschichte der jüdischen Gemeinden; 7 bis 8, Rabbiner Zikler: Arnos. Dienstag, 6 bis 7, Rabbiner Zikler: Miscbne-Thora, I. Buch; 7 bis 8: Oberrabbiner Dr. Taglicht: Aus der jüdischen Religionsphilosophie. Mittwoch, 6 bis 7, Rabbiner Dr. Rosenmann: En Jakob (Sanhedrin); 7 bis 8, Rabbiner Lektor Doktor Rubin: Midrasch. Donnerstag, 6 bis 7: Rabbiner Dr. Rosenmann: Sprüche Salomos; 7 bis 8: Rabbiner Lektor Dr. Rubin: Talmud Megilla. Samstag, 11 bis 12, Rektor Dr. Krauß: Mebo Hatalmud; 4 bis 5, Rabbiner Lektor Dr. Rubin: Bibelvortrag. Die feierliche Eröffnung des Wintersemesters findet Sonntag, den 11. Oktober 1936 um halb 7 Uhr abends im kleinen Tempel, II., Tempelgasse 3, statt und wird durch einen Eröffnrngsvortrag des Rabbiners Rubin über „Der Totenkultus der Ägypter und die Bibel“ eingeleitet. Julius Gömbös gestorben Der ungarische Ministerpräsident Julius Gömiböe ist Dienstag nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Gömbös war der Begründer der ungarischen rassenantisemitischen Bewegung. Er schuf aus ehemaligen Offizieren nach dem Krieg den „Ungarischen Wehrverein“ (N. 0. V. E.), der nach dem Bolschewismus der Hauptträger der extrem-nationalistischen Aktion wurde. Für den parlamentarischen Kampf gründete Gömbös, da er sich in der Regierungspartei selbst nicht durchsetzen konnte, eine eigene Partei, die sich den „Schutz der ungarischen Rasse“ zum Programm setzte. Der ungarische Antisemitismus, der früher hauptsächlich klerikaler Natur gewesen war, kam damit in neue Bahnen. Die Gedankengänge des Gömbösschen „Rassensohutzes“ waren die gleichen, die man dann im deutschen Nationalsozialismus fand. In zähem politischem Kampf setzte sich Gömbös durch. Nach dem Sturz Bethlens wurde ex Ministerpräsident. Nun überraschte er die Öffentlichkeit mit einer federlieben Revozierung seiner „Rassentheorie“. Er lud die vaterlandstreuen Juden sogar zur Mitarbeit ein ipd beseitigte den Rassen-! Paragraphen aus den Statuten der gleichfalls von ihm geschaffenen, großen Dachorganisation der ungarischen nationalen Verbände. An den Tatsachen hat Gömbös* Bekehrung natürlich nichts geändert. Auch er selbst regierte schließlich antisemitisch weiter. ^)pTIKER rudolf HAAS & comp. WIEN. II., PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÖR BRILLENOPTIK Prozeß Frankfurter im November Chur, 6. Oktober. Da nun das psychiatrische Gutachten, das die volle Zurechnungsfähigkeit des jugoslawischen Staatsbürgers Frankfurter darlegt, der am 4. Februar in Davos den Leiter der Landesgruppe Schweiz der NSDAP. G u s 11 o f f erschossen hatte, vorliegt, können die Gerichtsverhandlungen voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Monats November beginnen. Als öffentlicher Ankläger ist für den Prozeß Dr. Friedrich Brügger (Chur) bestellt worden. Die Verteidigung des Frankfurter ist von Dr. Eugen Curti (Zürich) übernommen worden. S Richtige Einkaufstelle für CHULBOCHER für alle Lehranstalten. Reichhaltige Auswahl antiquarischer Lehrbücher zu mäßigen Preisen. Einkauf, Verkauf u. Umtausch Antiquariat Herrn. IUCHNER WI£N| II., ECKE TABORSTRASSE 52 FÜR AUSKÜNFTE: TEL. R 41-4-20 ZUFRIEDENSTELLENDE BEDIENUNG Die zionistische Bezirkssektion XX, Jägerstraße 30, veranstaltet zwei Hebräisch-Kurse für Erwachsene. Einen für Anfänger und einen für Vorgeschrittene. Beginn der Kurse Montag, den 12. Oktober, um 7 Uhr abends. Anmeldungen werden allabendlich von 7 bis 10 Uhr entgegengeiiommeu.

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